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lutgra

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Freitag, 26. Oktober 2018, 09:22

Tamsin Waley-Cohen - britische Geigerin auf dem Weg nach oben

Tamsin Waley-Cohen ist ein Geigerin, die einer bekannten britischen Familiendynastie entstammt, die bedeutende Geschäftsleute, Politiker (Mayor of London), Theatermanager und Sportler hervorgebracht hat. Nun also auch noch eine Spitzenmusikerin, von der ihr Lehrer Ruggiero Ricci sagte: “The most exceptionally gifted young violinist I have ever encountered.” Ihr Können wurde u.a. mit dem ECHO Rising Star Award gewürdigt, der übrigens nichts mit dem inzwischen "verstorbenen" deutschen ECHO-Preis zu tun hat. Inzwischen tritt sie auch regelmässig als Duo-Partnerin mit Huw Watkins auf und hat das Albion Streichquartett gegründet.

In der inzwischen kaum noch überschaubaren Geigerinnen-Szene reicht es ja inzwischen nicht mehr aus, nur toll spielen und gut aussehen zu können, man muss auch programmtechnisch was bieten. Und das tut Tamsin Waley-Cohen. Z.B. hat sie das fast vergessene Violinkonzert von Roy Harris wieder ausgegraben, das eine unglückliche Geschichte hinter sich hat. 1949 für Josef Gingold und das Cleveland Orchester unter Georg Szell komponiert, kam es aus unklaren Gründen in dem Jahr nicht zu einer Premiere und das Stück verschwand in der Versenkung und wurde erst 35 Jahre von Gregory Fulkerson und dem North Carolina SO aus der Taufe gehoben. Hier also die wohl zweite Einspielung, die laut Gramophone in jeder Beziehung besser ist.

Das Stück hat meiner unwesentlichen Meinung nach durchaus die Qualität, die Konzerte von Korngold und Barber zu einer Trias zu ergänzen und aus dem One-Hit-Composer Roy Harris wenigstens einen Two-Hit-Man zu machen. Ganz erstaunlich der Anfang, der als Vorbote der Minimal Music gelten kann und mich zum Booklet greifen liess um zu sehen ob man die Reihenfolge der Konzerte auf der CD vertauscht hat. Tamsin spielt das alles wunderbar auf ihrer Stradivari, der Geigenpart bietet dazu auch viele Gelegenheit, auffallend, dass nicht nur die hohen Lagen bevorzugt werden, sondern auch sangliche tiefe. Andrew Litton und das BBC SO begleiten kompetent.