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lutgra

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Dienstag, 3. Januar 2017, 15:58

Joachim Raff "Weltende - Gericht - Neue Welt" Oratorium op. 212

Gegen Ende seines Lebens schrieb Joachim Raff das Oratorium op. 212, das inhaltlich Ähnliches abhandelt wie ein halbes Jahrhundert später "Das Buch mit sieben Siegeln" von Franz Schmidt. 1986 wurde das Oratorium in Empfingen aufgeführt und vom SWR aufgezeichnet, es gab auch eine 3-LP-Box in limitierter und nicht allgemein verfügbarer Auflage. Dirigent und Komponist Adriano hat die LPs kürzlich digitalisiert und der mp3 Mitschnitt kann derzeit hier heruntergeladen werden incl. des LP-Covertextes und aller Infos.

lutgra

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Samstag, 6. Mai 2017, 21:01

Joachim Raff in SWR2

Die SWR2 Musikstunde, die wochentäglichs von 9:05-10:00 läuft, bringt in der kommenden Woche eine 5-stündige Würdigung des Komponisten Joachim Raff. Die Sendungen kann man für eine Woche nachhören und das Skript von der Senderseite herunterladen.

http://www.swr.de/swr2/programm/sendunge…bp40/index.html

lutgra

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Sonntag, 21. Mai 2017, 15:13

Joachim Raff in SWR2 zum Nachlesen

Die Manuskripte der 5-stündigen Doku über Joachim Raff, die vorletzte Woche im Radio lief, kann man jetzt hier abrufen.

Joseph II.

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Donnerstag, 11. Oktober 2018, 21:09

Bewusst gehört habe ich von Joachim Raff bisher wenig; einzig die 5. Symphonie, die wohl insgesamt als seine beste gilt (?), habe ich mir seinerzeit in der klassischen Aufnahme unter Bernard Herrmann zu Gemüte geführt. Raff behandelt dort ja das Thema der Ballade "Lenore" von Gottfried August Bürger. Nun muss ich aus der Erinnerung sagen, dass dies Henri Duparc in seiner Tondichtung "Lénore", die ich kürzlich hörte, wohl überzeugender gelingt.

Wie dem auch sei, heute hörte ich folgende CD mit Musik von Raff:



Enthalten ist zunächst die fast 40-minütige Suite für das Pianoforte mit Begleitung des Orchesters op. 200 von 1875. Ein reichlich merkwürdiges Werk, irgendwie ein Klavierkonzert und doch nicht. Das Piano spielt jedenfalls über weite Strecke die Hauptrolle, das Orchester begleitet eher (wie schon im Werktitel anklingt). Eine insgesamt sehr gefällige Komposition, keine Frage, die wunderschöne Momente aufzuweisen hat. Vielleicht ein bisschen arg lang.

Die zweite Hälfte der CD machen Ouvertüren und Vorspiele aus. Die zeitlich am spätesten entstandene, die etwa achtminütige Ouvertüre zur komischen Oper "Die Eifersüchtigen" WoO 55 (1881/82), ist für meine Begriffe sogar das Highlight dieser Einspielungen. Hier war Raff wohl auf dem Gipfelpunkt seiner künstlerischen Entwicklung angelangt (er starb ja 1882). Alles auf den Punkt gebracht und spannend; die Pauken spielen eine besonders herausragende Rolle.

Leider hält Raff dieses hohe Niveau in den übrigen Orchesterwerken m. E. nicht. Nun könnte man natürlich anführen, dass sowohl die Ouvertüre zur Oper "König Alfred" WoO 14 (1848-50) als auch das Vorspiel zum Märchen-Epos "Dornröschen" WoO 19 (1855) und das Vorspiel zum musikalischen Trauerspiel "Samson" WoO 20 (1853-57) deutlich frühere Werke sind. Sie alle haben ihre Momente, doch irgendwie stellt sich zumindest bei mir hie und da ein Eindruck von Langeweile ein. Wie in diesem Thread schon öfter angemerkt wurde: Es wird kein rechter Spannungsaufbau erzielt, es dümpelt halt hübsch vor sich hin. Wirkliche Nachhaltigkeit kann ich hier leider nicht feststellen.

Fazit: Ja, ab und an gelangen Raff durchaus Perlen, aber das Meiste, was ich von ihm bisher hörte, ragt kaum über den guten Durchschnitt hinaus (unterschreitet ihn freilich auch nicht).
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Alfred_Schmidt

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Donnerstag, 11. Oktober 2018, 22:06

Ich möchte an dieser Stelle - einmal mehr - und mit Sicherheit vergeblich - eine Lanze für Joachim Raff brechen, oder besser gesagt, zu versuchen zu erklären, warum Raff heute beim zeittypischen Publikum keinen Anklang findet.
Eigentlich schon deshalb weil - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - Die Sinfonien des 19. Jahrhunderts im allgemeinen- und hier die des ausgehenden im speziellen, mit heutiger Ästhetik unvereinbar scheinen.
In gewisser Weise trifft die Ablehnung auch die ganz Großen - allerdings nur geringfügig.
Von Schuberts Sinfonien wurde eine gefühlte Ewigkeit nur erwähnt, daß die meisten davon, jene eines Komponisten am Anfang seiner Karriere komponiert wurden (die dann ein jähes Ende fand) Tschaikowsky wurde eine Neigung zum Kitsch nachgesagt etc. Ich habe neulich etliche Sinfonien dieser Zeit gekauft - und sie alle sind unbekannt geblieben. Man mag sie ebensowenig wie den Historismus, die "Gartenlaube", Hedwig Courths-Mahler, Eugenie Marlitt, "Altdeutsche Möbel" den "Wikingerhelm" der Wagneropern, die deutsche Spieloper (Lortzing Humperdinck, Kienzl!!), Gedichte der Romantik (so nicht vertont) oder jene Schutzengel-Darstellungen, die unsere Urgroßeltern im in den Schlafzimmern hängen hatten.
Es war hier eine gewisse bürgerliche heile Welt (mit stellenweise dann doch gespenstischen Zwischenspielen) repräsentiert, und auch eine gezierte Sprache, die einem Teil der heute lebenden "Kunstexperten" einfach zuwider war. Auch DER Mode- und Portraitmaler des 10. Jahrhunderts, Hans Makart wird heute von vielen mit scheelem Blick betrachtet.

Und genau in dieses Schema passt Raff.
Interessanterweise mochte ihn auch Hanslick nicht - und er begründete das sehr genau und IMO dabei verschlagen, indem er die Vorzüge des Komponisten hervorhob, sie aber als negative Eigenschaften "verkaufte"

mfg aus Wien
Alfred

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