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Alfred_Schmidt

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1

Dienstag, 11. Oktober 2016, 19:59

SGAMBATI Goivanni - Sinfonien-Orchesterwerke und Konzerte

Es stellt sich immer die Frage ob man bei derzeit weniger bekannten Komponsten einen Sammelthread startet oder ob man die einzelnen Sparten getrennt in Threads behandelt.
Ich neige seit geraumer Zeit letzterer Lösung zu, da sie sich langfristig bezahlt macht und übersichtlicher iost. Daß einezelne Threads dadurch weniger frequentiert werden nehme ich bewusst in Kauf. Der Titel ist übrigens ein wenig euphemistisch, derzeit ist nur die erste von zwei Sinfonien auf CD erhältlich, und von "Konzerten" kann keine Rede sein - Sgambatti schrieb nur EIN Klavierkonzert.

Giovanni Sgambatti stammt aus gutbürgerlichem Hause, Er lebte von 1841-1914. Der Vater war ein italienischer Rechtsanwalt, die Mutter Engländerin. Die musikalische Ausbildung (Klavier) Gambattis begann früh, sodaß er schon mit 6 Jahren öffentlich auftrat. Der Vater starb, als Sgambatti 8 Jahre alt war. Dennoch setzt er seine Ausbildung fort. Als er etwa 20 war besuchte Liszt Sgambattis Heimatstadt. Dieser war von Liszt beeindruckt und wurde sein Schüler. Sgambatti lernte im Laufe seines Leben noch Anton Rubinstein und Richard Wagner kennen. Letzterer schätzte Sgambini als aussergewöhnliches originäres Talent und er ermunterte ihn zu weiteren Kompositionen., auch zu Opern. Sgambatti war indes ein ausgesprochener Verfechter der Instrumentalmusik, die in Italien seit langer Zeit im Schatten der Oper stand. Fast in allen Bereichen war Sgambatti tätig – mit Ausnahme der Oper.

Nach diesen kurzen biographischen Notizen kommen wird zu seiner Ersten Sinfonie. Sie wurde 1880/1881 geschrieben, Sgambatti war also bereits 40 als die Komposition fertiggestellt war.
Ich habe heute diese Sinfonie mit großer Begeisterung gehört und meiner Meinung nach müsste die jeder Klassikfreund gehört haben. In einer alten Rezension der Zeitschrift FONO FORUM wurde sie in Bezug auf Farbenpracht mit der Musik RichardWagners und Richard Strauss’ verglichen. In bezug auf Farbenpracht bin ich d’accord, in Hinsicht auf die Vergleich nicht. Es handelt sich IMO um ein duirchaus eigenständiges Werk ohne wirkliche musikalische Vorbilder, Das fünfsätzige Werk ist kraftvoll und strahlend mit äusserst wirksamer Orchestrierung, gelegentlich auch ein wenig plakativ und im Andante (4 Satz) sogar träumerisch –nachdenklich, betörend. Der fünfte Satz beginnt dann aggressiv und rasant, führt aber dann zu einem strahlenden Finale

Zu erwähnen sei hier auch die Orchesterleistung und jene der Aufnahmetechnik

Diese CD ist IMO ein MUSS für alle Freunde von Sinfonien der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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2

Montag, 3. September 2018, 13:12

Offenbar ist es mir (noch ?) nicht gelungen die Tamino-Riege vor die Musik Sgambatis zu begeistern. Das ist schade und dennoch symptomatisch, als gäbe es ein ungeschriebnes Gesetz, daß vergessene Musik auch vergessen beleiben muß. Es wird schon seine Gründe haben, wenn ein Komponist wenig Beachtung fendet...(??
Im Falle von Sgambati war es so, daß er einer der wenigen italienischen Komponisten war, die keine Opern komponierten und sich ausschließlich der Instrumentalmusk zuwandten- in Italien fast Bruch eines Dogmas. Dennoch war Sgambati wenigstens zu Lebzeiten erfolgreich, Pianist und als Komponist. Er war Schüler von Franz Liszt, der ihn sehr schätzte, Richard Wagner war gelegentlich bei ihm zu Gast, er förderte ihn und vermittelte die Zusammenarbeit des Musikverlags Schott mit Sgambati.Kommen wir zum Klavierkonzert op 15 aus dem Jahre1882 . Es ist dreisätzig und hat eine Spieldauer von ca 42 Minuten, wobei der Kopfsatz bereits über die Hälte der Gesamspieldaer beansrucht, nämlich (auf der vorgestellten Aufnahmen ) 23 Minunten und 43 Sekunden.
Der Beginn des Konzert ist so verhalten, daß man nie auf die Idee kommen würde, welches Energiebündel in diesem Werk stellenweise steckt.
Meiner Meinung nach ist es sehr effektvoll orchestriert, man beachte die Fanfaren vor dem ersten (relativ späten) Einsatz des Soloports im 1. Satz.
Der 2 Satz ist äusserst kontrastreich zum ersten angelegt, aber nicht minder beeindruckend. Ich kann ich nur schlecht beschreiben. Weder Melanchlisch, noch düster, noch romantisch verträumt. Die Musik schein stellenweise zum Stillstand zu kommen, was aber sehr eindrucksvoll gemacht ist. Sehr lebendig und fröhlich wiederum der Finalsatz, stellenweise etwas derb und voldtümlich, wie wir das gelegentlich auch bei Haydns Sinfonien finden.
Sgambatis Klavierkonzert op 15 sollte IMO in keiner Sammlung fehlen, deren Eigentümer ein positives Verhältnis zu Klavierkonzerten des 19, Jahrhunderts hat.

mit freundlichen GRüßen aus Wien
Alfred

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WoKa

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3

Montag, 3. September 2018, 19:45

Hallo!

Wer dieses Stück hören möchte, kann am 4.12.2018 in die Kilianskirche in Heilbronn kommen. Dort trägt der Philharmonische Chor Heilbronn (in dem auch mein Sohn und ich singen) das Requiem aus Anlass des Jahrestages der Zerstörung der Stadt 1944 vor:



Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Alfred_Schmidt

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4

Dienstag, 25. September 2018, 21:50

SGAMBATI Giovanni: Sinfonie Nr 2 in Es-dur


Immerhin hat cpo heuer eine CD mit beiden Sinfonien Sgambatis herausgebracht. Heute habe ich die zweite gehört, die 1884 fertiggestellt wurde.
Diese Sinfonie stand unter keinem guten Stern. Es gab lediglich eine improvisierte Uraufführung von nur 3 Sätzen, und das mit einem Klavier und einigen Instrumenten.
Der Verlag Schott zog 2 Monate später seine Zusage zurück, das Werk zu verlegen - un in der Tat wurde es nie verlegt und hat auch keine Opuszahl.
Die erste eigentliche Aufführung fand 2015 anlässlich des ersten Todestages von Sgambati atatt. Detailliert findet man die zusammenhänge im Booklet von Roz Trübger, der auch die verlorengegangene Partitur aus den Orchesterstimmen wieder herstellte, die von der Familie Sgambatis aufbewahrt wuorden waren....

Wie schon die Sinfonie Nr 1 ist auch die zweite farbenfroh, tendenziell eher freundlich und in keiner Weise "progressiv" Es gibt streckenweise eine Neigung zum leicht Süßlichen, die aber niemals überwiegt

mfg aus Wien
Alfred

clck 360

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