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lutgra

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Beiträge: 5 158

Registrierungsdatum: 9. April 2013

31

Freitag, 21. September 2018, 18:46

Woldemar Bargiel Streichquartette

Inzwischen sind bei cpo auch die vier Streichquartette von Woldemar Bargiel (1828-1897) herausgekommen. Über den Komponisten - Halbbruder von Clara Schumann und damit Schwager von Robert Schumann - kann man in den einschlägigen Quellen mehr erfahren, es gibt auch eine Gesellschaft, die sich um seinen Nachruhm bemüht und eine website hat.

Das Oeuvre ist schmal, der Komponist hat in der Lebensmitte weitgehend das Komponieren eingestellt und sich ganz seiner Lehrtätigkeit gewidmet. Das 4. Streichquartett von 1888 ist ein später Nachzügler, das letzte Werk überhaupt. Somit ist es auch als eine Art Zusammenfassung seiner musikalischen Lebenserfahrung zu sehen. Ein 30-minütiges Werk mit den üblichen Sätzen steht es irgendwo zwischen dem späten Beethoven und Brahms. Nach Brahms klingt auch gleich der Anfang, was daran liegt, dass ein Thema einem aus Brahms Klarinettenquintett sehr ähnlich ist. Da Bargiels Quartett früher entstand und Brahms es offensichtlich kannte, ist die Inspiration hier dann vom Kleinmeister ausgegangen. Er war jedenfalls sehr stolz darauf, dass der "große Brahms" sich von ihm inspirieren liess. Ansonsten ist es ein hörenswertes Werk, das vielleicht Repertoirechancen hätte. Der zweite Satz ist ein Andante mit Anklängen an den späten Beethoven, das Scherzo sehr originell und auch der Schlusssatz hat viel eigenes zu bieten.

Das Orpheus Quartett spielt schon seit 1986 zusammen und macht seine Sache hier gut.


Alfred_Schmidt

Administrator

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Beiträge: 19 207

Registrierungsdatum: 9. August 2004

32

Samstag, 13. Oktober 2018, 18:52

Vor einigen Tagen ist auch bei mir die von Lutgra gezeigte Doppel-CD eingetroffen. Heute habe ich das erste Streichquartett gehört.
Mein erster Höreindruck war durchaus negativ (akademisch trocken reizlos langweilig) und ich gestehe, ich bin dabei eingeschlafen.
Sann noch ein Blick ins Booklet, wo das Werk ebenfalls als "Jugendwerk" oder "Talentprobe", bzw "schulmässig akribisch nach den Vorschriften" sowie "ohne jegliche Originalität" bezeichnet wurde. Ich war also "bestätigt" und wollte zur Tagesordnun übergehen und eine andere CD hören. Inzwischen war ich entspannt . und zudem hat eine innere Stimme mir gesagt, es sei angebracht das Werk ein zweites mal zu hören - und zwar bis ans Ende.
Das war eine gute Idee, denn mein zweiter Eindruck war um vieles besser als mein erster. Da war durchaus vile hörenswertes dabei, vor allem der dritte Satz hat mir gefallen
Das Booklet war meiner Meinung nach zu streng und machte mich auf einige Dinge aufmerksam, beispielsweise, daß Schuberts Streichquartette zur Zeit von Bargiels Komposition noch nicht verbreitet waren, ebenso Beethovens späte Quartette. Schumann und Mendelssohn seien damals "hypermodern gewesenm so bliebe (für das erste Quartett) vor allem Spohr (welcher meiner MOMENTANEN Einschätzung nach auch nicht gerade ein Temperamentbündel ist - aber damit muß ich mich noch näher befassen)
Der Autor des Booklets lässt unterschwellig seine mangelnde Wertschätzung für Bargiels Streichquartett Nr 1 durchsickern, die aber allgemeiner Natur gewesen sein muß, denn das Quartett wurde nie gedruckt und hat auch keine Opuszahl
Der Harenberg Kammermusikführer zieht sich in Sachen Bargiel - Beurteilung in gewohnter Manier elegant aus der Affaire:
Er erwähnt den Komponisten nicht einmal !!!!

mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT