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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Uwe

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1

Freitag, 15. Oktober 2004, 20:40

Schubert, Franz: Streichquartett d-moll D 810 - Der Tod und das Mädchen

Hallo Taminos,

Schuberts Kammermusik ist wirklich die reinste Schatzkammer. Wie steht ihr zum d-moll Quartett, das mir von den Quartetten am nächsten ist: sehr dunkel, sehr moll, aber voller Kraft und Energie.

Meine Lieblingsaufnahme hier ist das Emerson-Quartett:



Das Melos-Quartett klingt mir hier zu harsch und auch die Juillards können nicht wirklich befriedigen. Gibt's noch Alternativen?

Grüße aus Hamburg
Uwe

Alfred_Schmidt

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2

Samstag, 16. Oktober 2004, 17:59

Hallo Uwe,

Für das, daß Du neulich etliche Male bauptet hast "unmusikalisch zu sein, differenzierts Du aber sehr genau :D

Ich persönlich kann hier leider keine Empfehlung aussprechen, da das Werk in meiner Sammlung lediglich einmal vorhanden ist, und mir daher die Vergleichsmöglichkeiten fehlen.

Aber alles in allem scheint es eher eine nicht allzu schroffe Deutung zu sein, eher melancholisch milde als verzweifelt aufbrausend.

Ach ja:




Franz Schubert: Streichquarttett Nr 14 in d-moll D810
Kodály Quartett
Naxos


Freundliche Grüße aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Uwe

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3

Samstag, 16. Oktober 2004, 19:00

Hallo Alfred,

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
Hallo Uwe,

Für das, daß Du neulich etliche Male bauptet hast "unmusikalisch zu sein, differenzierts Du aber sehr genau :D


Na ja, manches muß selbst ich hören. Außerdem lernt man ja nie aus.... :D
Aber bevor wir hier Off Topic sind: das Kodály-Quartett scheint das schlechteste nicht zu sein: ich habe diverse Haydn-Quartette mit ihnen, die sich ebenfalls hören lassen können.

Liebe Grüße
Uwe

nubar

Schüler

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4

Samstag, 16. Oktober 2004, 19:45

Alternativen

Hallo miteinander,

ich persönlich habe mir zwar Schuberts Kammermusik noch nicht so zu Ohren geführt (ist in Vorbereitung), aber ich möchte darauf hinweisen, dass Orgelpfeife im Originals-Thread eine Aufnahme mit dem Amadeus-
Quartett empfiehlt, die sich für mich sehr intersessant anhört.

Nubar

Uwe

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5

Samstag, 16. Oktober 2004, 20:00

Hallo nubar,

da hast du eindeutig recht. Danke. Ich verlinke mal (wenn ich es hinbekomme)...

...hier geht´s ganz genau zum besagten Amadeus-Quartett

Gruß
Uwe

TobyWilson

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6

Sonntag, 17. Oktober 2004, 00:40

Hallo

abgesehen davon, dass alles sowieso gleich toll ist und jeder sich als Experte ausgeben kann :

Hier die Erlösung und Linderung weiterer Probleme :


Klassikliebhaber

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7

Sonntag, 14. November 2004, 18:08

Aufnahme mit dem Amadeus Quartett (DG) finde ich gut.

Zwar sagen mir die Namen der Interpreten offen gesagt,rein gar nichts.
Aber sie spielen echt gut!

Und desweiteren...vielleicht auch Schuberts bestes Streichquartett(?!).

Zu diesem Stück bin ich erst duch einen gleichnamigen Film draufgestossen.

Diese Spannungen,Wechselstimmungen und die Beschreibungen verschiedener Motive gefallen mir sehr. Deshalb habe ich mir diese Aufnahme erst angeschafft.

Alfred_Schmidt

Administrator

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8

Sonntag, 14. November 2004, 18:50

Hallo,

Soeben sehe ich, daß ich meine Neuerwerbung hier inzwischen noch gar nicht gepostet habe, sondern lediglich im Thread über das Forellenquintett. Auf dieser Aufnahme der Deutschen Grammophon (Serie "The Originals") sind nämlich beide Werke enthalten.



Klassikliebhaber schrieb:

Zitat

Zwar sagen mir die Namen der Interpreten offen gesagt,rein gar nichts.
Aber sie spielen echt gut!


Das ist kein Problem, weil viele Leute Streichquartettformationen zwar namentlich kennen und CDs davon besitzen, jedoch nur Insider wissen wie die einzelen Leute heißen.

Peinlich ist vielleicht , daß ich in den siebziger Jahren Herrn Brainin als gelegentlichen Kunden hatte, und das jahrelang - - und erst vor etwa 8 Jahren draufgekommen bin, wer das überhaupt ist ! :yes:

(und das nur durch Zufall, beim Blättern im Brockhaus.......!!!!!)

Beste Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Albus

Profi

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9

Donnerstag, 18. November 2004, 08:35

Morgen,

Norbert Brainin, der Primarius mit den unüberhörbaren Ego-Problemen. An Norbert schieden sich die Geister, die das AMADEUS-Quartett mochten oder eben ablehnten.

Aber zum vertonten Matthias Claudius, zum Mädchentod (Wiederholung): Eine fast einzigartig schroffe Deutung ist vom tschechischen Novák Quartett dokumentiert auf SAPHIR 25729-5SB, mit dem üblich beigegebenen Qaurtettsatz c-moll, eine Schallplatte aus den frühen 70er Jahren. Die Ausdeutung ist von der Art, dass ein Streicherkollege (Musikerkollege der Nováks, Bratscher) die Platte erbat, sich eine Tapekopie anzufertigen.

MfG
Albus

sagitt

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10

Donnerstag, 16. Dezember 2004, 07:35

RE: Franz Schubert: Streichquartett d-moll D 810 - Der Tod und das Mädchen

Sagitt meint:

zu den bekannten Ensembles sollte eines hinzugefügt werden, das anzuhören sich lohnt. Das Henschel-Quartett. Ist kein Geheimtipp, weil seit einiger Zeit( 1988 ) in Aktion ( die SZ behauptet: Weltklasseniveau). Aber sie agieren eben in Zeiten, in denen die Klassikproduktion zurückgeht. Deswegen sind sie nicht bei den majors, sondern machen ihre Aufnahmen bei artenova. Das ist immer noch fast ein Garant, eher nicht wahrgenommen zu werden.
Wie die Hagens ein überwiegender Familienbetrieb.Ihre Stärke sind die schnellen Sätze. Das berühmte Andante con moto des Quartetts D. 810 wird " schlicht" gespielt, will sagen, ein wenig geheimnislos. Aber das Scherzo, das Presto wunderbar lebendig. Noch eindrucksvoller die Darstellung des frühen Quartetts D 87. Sie spielen nicht rauh ( die Wiener Schöngeister seien beruhigt), aber verharmlosen auch nicht,nehmen auch frühe Musik von Schubert "ernst", also nicht biedermeierlich, sondern als vollwertig. In der Tradition der Wiener Klassik stehend, aber nicht epigonal. In letzten Satz dieses Quartetts wird dies besonders belegt. Man hört ihn und denkt, gottseidank, dass er so gespielt wird- ist ja eine großartige Musik,welche Freude sie zu kennen.

Ulli

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11

Freitag, 16. September 2005, 23:25

RE: Franz Schubert: Streichquartett d-moll D 810 - Der Tod und das Mädchen

Salut,

auch hier fehlt so ein wenig die Garnierung:

Das Streichquartett d-moll D 810 komponierte Schubert im März 1824. Die Partitur ist leider nicht vollständig erhalten. Den Titel hat das Streichquartett erhalten, da Schubert im 2. Satz des Quartettes Ausschnitte aus seinem Lied "Der Tod und das Mädchen" D 531 zitiert und diese variiert.

Der Text des Liedes stammt von Matthias Claudius:



Das Mädchen
Vorüber! Ach, vorüber!
Geh wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.

Der Tod
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei guten Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!



Es wird für möglich gehalten, dass Schubert das Quartett am 1. Februar 1826 in einer Überarbeitung im engsten Freundeskreis aufführte. Ggfs. wurde der erste Satz des Werkes durch das Ignaz-Schppanzigh-Quartett in Schubert Privatkonzert am 26. März 1828 aufgeführt. Interessant fand ich, daß Schubert einen Halbbruder namens Hermann [Schubert] hatte. Er war Pater. Pater Hermann Schubert hat angeblich die erste Seite des Liedes [welches Schubert als Vorlage nahm] in mehrere Teile zerschnitten, um damit einzelne seiner SChüler auszuzeichnen.

Trés cordialement
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

GalloNero

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12

Sonntag, 4. Dezember 2005, 12:36

Hallo Schubert Freunde,
ich besitze nur ein einziges Steichquartett auf Tonträger und das gehört mir nicht mal selber. Ich habe es in der Stadtbibliothek mitgenommen (und schon x-mal verlängern lassen), da ich das Werk einmal kennen lernen wollte. Das Mandelring-Quartett sagte mir gar nichts, als ich zu dieser CD griff. Doch schon nach dem ersten Hören gehörte diese Scheibe zu meinen absoluten Topfavoriten. Nicht nur im Bereich der Streichquartette (das wäre bei einer einzigen Aufnahme nicht all zu schwer) - nein, es ist mir eine der liebsten Scheiben überhaupt. Da können viele Sinfonien in Sachen Dramatik und Ausdruck einpacken.

Da ich nicht vergleichen kann, weiß ich nicht, ob meine Begeisterung mehr vom Werk oder mehr vom Vortrag herrührt. Aber diese Einspielung reißt mich einfach mit, ergreift mich und lässt erst wieder los, wenn der letzte Geigenstrich getan. Und ach vom Klang her phantastisch. Hier klingt eine Geige, wie eine Geige klingen muss. Ein Cello klingt nach Cello...

Auch das Es-Dur Streichquartett D87 gefällt mir außerordentlich gut.

Schubert, Franz ( 1797-1828 )
Streichquartette Vol. 1
(Streichquartette Nr. 10 & 14)
Mandelring Quartett




Präzision, Gefühl, Zusammenspiel. Für mich stimmt hier alles. Würde mich interessieren ob das noch besser geht. Vielleicht ist ja ein Schubert Freund mit Vergleichsmöglichkeiten im Besitz dieser Aufnahme. Wenn nicht, wage ich an dieser Stelle eine Kaufempfehlung.

Habe, nachdem mir die Aufnahmen so gut gefällt, ein wenig recherchiert. Das Quartett genießt wohl einen ausgezeichneten Ruf. Wenn man den
Pressestimmen Glauben schenken darf, dann können die vier so schlecht nicht sein.

Das Klassik-Magazin Pizzicato beispielsweise schreibt:

Zitat

"Diese Aufnahme setzt neue Maßstäbe und muss als eine der faszinierendsten Einspielungen der letzten Jahre angesehen werden"


Auch Klassik.com wirft sich weg vor Begeisterung.

Ich würde mich außerordentlich über die Meinung eines Experten in Sachen Kammermusik im allgemeinen, und Schubert im besonderen, freuen.


Viele liebe Grüße
Euer Gallo

P.S. Auf der Hompage vom Mandelring Quartett findet Ihr noch weitere sehr wertvolle Informationen.
... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

Theophilus

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13

Sonntag, 4. Dezember 2005, 13:29

Hi Gallo

Zitat

... weiß ich nicht, ob meine Begeisterung mehr vom Werk oder mehr vom Vortrag herrührt.

Schau, ist doch ganz einfach: es handelt sich hier um Spitzenwerke von Schubert und damit um Spitzenwerke der Musikliteratur. Ist es dann auch noch sehr gut interpretiert, gibt es ohnehin kein Halten mehr...
;)

Ich habe dieses Ensemble noch nicht gehört, aber ein wenig Nachforschung deutet darauf hin, dass ich das ändern sollte. Besonders gefällt mir ihre Diskographie, denn ganz im Gegensatz zum ebenfalls sehr guten Auryn-Quartett (das meinte, gleich mit der 1. CD den Schubert-Gipfel erklimmen zu müssen; dabei ist technisch herausragendes Quartett-Spiel zwar eine wünschenswerte, beileibe aber keine hinreichende Bedingung für erfülltes Schubert-Spiel) haben sie sich für ihren ersten Einstieg bei Schubert sehr viel Zeit gelassen. So etwas sollte man sich zumindest einmal anhören...

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

  • »Lagenwechsel« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. Oktober 2004

14

Sonntag, 4. Dezember 2005, 21:44

RE: Franz Schubert: Streichquartett d-moll D 810 - Der Tod und das Mädchen

Drei Aufnahmen habe ich, alle nicht neu - und die älteste befällt mir am besten: Sie stammt vom Busch-Quartett und datiert vom 16. 10. 1936! Den Variationssatz habe ich nie so intensiv erlebt wie bei denen.

Die beiden anderen: Quartetto Italiano (klingt wie "mit vorzüglicher Hochachtung" gespielt!) und Amadeus-Quartett; da bin ich nun vorbelastet, weil ich zu denen gehöre, die mit Herrn Brainin ihre Schwierigkeiten haben.

Da bin ich lieber ein Buschmann (aber bitte mit c geschrieben).

Gruß,

Lagenwechsel

ThomasNorderstedt

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15

Freitag, 11. Mai 2007, 22:44

RE: Franz Schubert: Streichquartett d-moll D 810 - Der Tod und das Mädchen

Lustig, da gibt es so viele Aufnahmen des 14. Streichquartetts, ich aber besitze wie Lagenwechsel die Aufnahmen des Quartetto Ialiano und des Busch-Quartetts (vom Amadeus Quartett sehe ich mal ab). Warum ich das schreibe? Weil EMI die Aufnahme des Busch-Quartetts mittlerweile in der Reihe Great Recordings of the Century veröffentlicht hat - da gehört sie auch hin - und ich mich Lagenwechsels Empfehlung dringend anschließen möchte. Intensiv, ja, das ist das richtige Wort. Fesselnd wäre genauso treffend. Wer meint, er höre keine historische Kammermusik kennt diese Einspielung nicht.



Thomas

observator

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16

Dienstag, 15. Mai 2007, 15:17

Zitat

Original von GalloNero
Hallo Schubert Freunde,
ich besitze nur ein einziges Steichquartett auf Tonträger und das gehört mir nicht mal selber. Ich habe es in der Stadtbibliothek mitgenommen (und schon x-mal verlängern lassen), da ich das Werk einmal kennen lernen wollte. Das Mandelring-Quartett sagte mir gar nichts, als ich zu dieser CD griff. Doch schon nach dem ersten Hören gehörte diese Scheibe zu meinen absoluten Topfavoriten. Nicht nur im Bereich der Streichquartette (das wäre bei einer einzigen Aufnahme nicht all zu schwer) - nein, es ist mir eine der liebsten Scheiben überhaupt. Da können viele Sinfonien in Sachen Dramatik und Ausdruck einpacken.
Da ich nicht vergleichen kann, weiß ich nicht, ob meine Begeisterung mehr vom Werk oder mehr vom Vortrag herrührt. Aber diese Einspielung reißt mich einfach mit, ergreift mich und lässt erst wieder los, wenn der letzte Geigenstrich getan. Und ach vom Klang her phantastisch. Hier klingt eine Geige, wie eine Geige klingen muss. Ein Cello klingt nach Cello...
Auch das Es-Dur Streichquartett D87 gefällt mir außerordentlich gut.
Schubert, Franz ( 1797-1828 )
Streichquartette Vol. 1
(Streichquartette Nr. 10 & 14)
Mandelring Quartett

Präzision, Gefühl, Zusammenspiel. Für mich stimmt hier alles. Würde mich interessieren ob das noch besser geht. Vielleicht ist ja ein Schubert Freund mit Vergleichsmöglichkeiten im Besitz dieser Aufnahme. Wenn nicht, wage ich an dieser Stelle eine Kaufempfehlung.
Habe, nachdem mir die Aufnahmen so gut gefällt, ein wenig recherchiert. Das Quartett genießt wohl einen ausgezeichneten Ruf. Wenn man den
Pressestimmen Glauben schenken darf, dann können die vier so schlecht nicht sein.
Das Klassik-Magazin Pizzicato beispielsweise schreibt:

Zitat

"Diese Aufnahme setzt neue Maßstäbe und muss als eine der faszinierendsten Einspielungen der letzten Jahre angesehen werden"

Auch Klassik.com wirft sich weg vor Begeisterung.
Ich würde mich außerordentlich über die Meinung eines Experten in Sachen Kammermusik im allgemeinen, und Schubert im besonderen, freuen.
Viele liebe Grüße
Euer Gallo
P.S. Auf der Hompage vom Mandelring Quartett findet Ihr noch weitere sehr wertvolle Informationen.


lieber gallogiallo!
wie konnte ich nur dieses dein posting übersehen 8o

von allen meinen 7 aufnahmen dieses wahrlichen wunder-werks ist mir die mandelring die liebste. genauso mitreißend wie d887 (+d173) (i.e. das letzte schubertquartett, für die ullis unter uns :D ) -eigentlich habe ich das vorher kennengelernt -mein dank geht an den renommierten geschenkpferdezüchter links des rheins-, und mir deswegen noch d810 besorgt. d804 ("rosamunde" das 3.letzte) ist auf meiner wunschliste. schaut nach einer geplanten gesamteinspielung aus (wenn ich nicht schon 2 zyklen hätte :rolleyes: ).

ich habe deine kritikenlinks gar nicht mehr gelesen, mir genügt das von dir geschriebene um mich voll anzuhängen.

wenn man nur eine interpretation braucht, ist das meine allererste empfehlung.

ich habe außerdem:
albanberg, amadeus, emerson, leipziger, melos, wiener
die bushbros. muss ich mir noch besorgen (danke für den tipp)

:hello: aus schubert-town
erkenntnis braucht oft lange -selbst für selbsterkenntnis ist es nie zu spät

Ulli

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17

Dienstag, 15. Mai 2007, 22:48

Zitat

Original von observator
-mein dank geht an den renommierten geschenkpferdezüchter links des rheins-, und mir deswegen noch d810 besorgt.


Das ehrt mich, obschon ich mit den Mandelringen extrem wenig anfangen kann - muß an der beinah gleichen Luft liegen, die sie und ich atmen. Grundsätzlich verschenke ich ja kaum Dinge, die mir nicht selbst gefallen...

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

18

Donnerstag, 6. September 2007, 19:09

Das Melos Quartett (6 CDs, DGG Collectors Edition 463 151-2) spielt wie ich finde in seiner Aufnahme aus den frühen 70ern (im Zuge der Gesamtaufnahme von Schuberts Quartetten eingespielt) wunderbar musikantisch, impulsiv und innig.



Unmittelbar nach dem Anhören von „Der Tod und das Mädchen“ mit dem Melos Quartett legte ich die CD mit dem Hagen Quartett ein (mir vorliegend als CD DGG 78 792 1, aufgenommen zusammen mit Beethovens Quartett op. 135 im Oktober 1990 im Münchner Plenarsaal der Akademie der Wissenschaften) und wollte eigentlich nur die Tempi und Ansätze der einzelnen Satzanfänge vergleichen.



Ich blieb aber völlig gebannt und erstaunt sitzen, ohne weiter zu „zappen“. Das Hagen Quartett interpretiert diese Musik differenzierter, nuancierter, direkter, brutaler, zarter, unheimlicher, angespannter als das Melos Quartett. Sie spielen (genauso wie dann auch beim G-Dur Quartett) die Wiederholung der Exposition im ersten Satz. Im Variationssatz offenbart dieses Quartett noch viel deutlicher für jede Variation eine ganz eigene Farbe, ganz eigenen Charakter. Irisierend schön, „wie im Traum“, erklingt das Trio im dritten Satz. Eine spannende Alternative!

Vom Alban Berg Quartett liegt mir eine Liveaufnahme von 1994 vor, enthalten auf der 16. CD der 2006 erschienenen Klassik Edition der „Zeit“ (CD EMI 0094637408926). Dieses Quartett bietet eine großartig leidenschaftliche Interpretation (ohne Wiederholung der Exposition im ersten Satz), die wirklich aus dem Augenblick heraus empfunden und gelebt wirkt.



Herzlicher Gruß
Alexander
Freundlicher Gruß
Alexander

Antracis

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19

Freitag, 29. August 2008, 11:20

Habe seit einigen Wochen eine "Kammermusikphase", was hohe Ansprüche an die Geduld meiner Frau stellt, da sie vokalen Wohlkang lieber goutiert, als stundenlange "Schrammelmusik". Nachdem ich also die Beethovenquartette und die von Schostakowitsch rauf und runter gehört habe, fiel mir die oben schon gelobte CD mit dem Hagen-Quartett ins Auge, die seit Jahren in meinem Regal verstaubte.

Was für ein Werk - und vor allem, was für eine Interpretation. Nicht nur, dass quasi auf der äußersten Stuhlkante gespielt wird und die Intensität vor allem des ersten Satzes einen in den Sessel drückt; die Farbigkeit des Klanges, der erreicht wird, ist darüberhinaus echt frappierend. Gefällt (wohl deshalb) sogar der Gattin. :D

lg
Sascha

zweiterbass

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20

Mittwoch, 12. März 2014, 12:35


Hallo,

(Nachfolgendes wird keine Betrachtung über Form und Ausdruckmittel des Streichquartetts "Der Tod und das Mädchen", sondern der Versuch einer Antwort, wie Schuberts musikalische Mitteilung – seine in Musik ausgedrückte Empfindung - bei mir ankommt. Die wenigen, notwendigen Laufzeitangaben beziehen sich auf die Interpretation von Emerson String Quartett.)

Wann hat Schubert gewusst bzw. entschieden, dass er für den 2. Satz als Thema und für die Variationen sein gleichnamiges Kunstlied verwendet?

Ich weiß es nicht!

Eines aber weiß ich, weil ich es höre: Im 1. Satz bis 0:06 klopft der Tod mit musikalisch brutaler Gewalt an die Türe – dann schmeichelt er sich mit bin ja „nur Freund“ ein. (Ist damit die obige Frage beantwortet?) Diese „Zwiesprache“ in Musik wird fortgesetzt, dabei verabschiedet sich aber die Musik aus der Schmeichelei in die ungläubige Unsicherheit des Mädchens, seiner „Werbung“ vertrauen zu können – die ganz seltenen Dur-Einschübe verstärken das unheildrohende Moll und bevor der Tod wieder anklopft, wird aus der Unsicherheit quälend bedrohliche Angst. Diese beiden Welten setzen sich fort und ab ca. 2:00 vertauschen und vermischen sich diese musikalisch, doch immer wieder brechen die Gegensätze übergangslos massiv auf – es wirkt wie (ist) ein ständiger Kampf. Die sehr tröstliche, fast zuversichtliche Stimmung bei ca. 7:00 ist – episodenhaft - nur von kurzer Dauer (was sich wiederholt).
Im 2. Satz (Variationensatz) höre ich (in dieser Interpretation) den wiederholten 1. Teil des Themas „wesenlos“ (ein zitternder Bogenstrich ohne jede weitere Emotion) – die ganze Vorstellung entspricht dem Kunstlied. In der 1. Variation verkörpert die 1. Violine das Mädchen und das Pizzicato unterstützt den klopfenden Tod. Die 2. Variation ist der beruhigenden Stimme des Todes gewidmet. In der 3. Variation brechen die Gegensätze aus dem 1. Satz massiv auf. In der 4. Variation höre ich die zum 1. Mal die Ergebenheit in das Unausweichliche. Bei ca. 11:15 höre ich den fast übergangslosen Beginn der 5. Variation, in der die Gegensätze wieder hörbar werden – aber beim Schluss des 2. Satzes (=Ende der 5. Variation) ist der Tod unüberhörbar beim bin ja „nur Freund“ angekommen und verbleibt da auch.
Der 3. Satz lässt die “Ereignisse“ wie in einem Zerrbild vorüberhuschen.
Im 4. Satz treffen die Gegensätze der zwei Welten in der Musik besonders übergangslos und damit unvereinbar aufeinander, was sich teilweise aufzuheben scheint, aber es sind nur Episoden wie im 1. Satz – und/aber der Schluss dieses Satzes (= das Ende des Werkes) entspricht nicht dem Schluss des 2. Satzes.

Viele Grüße
zweiterbass

Nachsatz: Wie stets lese/konsumiere ich vor meinen schriftlich fixierten Gedanken nie irgendwelche Äußerungen Anderer – ich will bei meinem Musikempfinden unbeeinflusst sein.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Klaus 2

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21

Mittwoch, 12. März 2014, 13:42

Interessant! Ich liebe dieses Stück sehr, höre eigentlich nur diese Fassung, weil ich finde, dass ihr alle anderen das Wasser nicht reichen können.
Ich schrieb schon letztens zu Dvorak, dass es für mich oft belastend ist, die Geschichte, die erzählt wird, im Kopf zu haben. Das trifft auch hier zu. Wobei Zweiterbass da gute Erklärungsmuster anbietet. Aber das Treibende, ja "Galoppierende" in diesem Stück ist für mich ein stetiges Rätsel. Es berührt mich, es fesselt mich, aber ich kriege es nicht mit der STory übereins.
Ich wünschte mir, es gäbe eine Möglichkeit, dieses Stück einmal zu hören, ohne den Titel zu kennen, um zu erleben, wie stark die Erwartungshaltung das Hörerlebnis beeinflusst.
Aber wie sollte das gehen?
Zeitmaschine?
TSchö
Klaus
ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

moderato

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22

Mittwoch, 12. März 2014, 14:50

Der Threaderöffner Uwe schreibt in Beitrag 1: "Schuberts Kammermusik ist wirklich die reinste Schatzkammer."

So ist es. Dieses Streichquartett ist für mich eines der liebsten, weil ergreifendsten Werke, der Musikgeschichte. Ich sammle jede Aufnahme, der ich habhaft werden kann. Und die sind Legion. Viele Streichquartett-Ensemble haben sich mit diesem Werk auseinandergesetzt.

Ich höre Schuberts Musik , anders als es Klaus2 erlebt, völlig losgelöst vom verwendeten Lied.

Ist es jemandem schon aufgefallen, dass Franz Schubert in seinen Kammermusik-Werken, wie auch im Streichquartett Nr. 14, d-Moll "Der Tod und das Mädchen" D. 810 oft Eigenzitate verwendet? Spontan fallen mir ein:

Forellenquintett D. 667 (Lied "Die Forelle"),
Oktett D. 803 (aus der Oper "Freunde von Salamanca),
Rosamunde-Quartett D. 804 (aus der Schauspielmusik zu Rosamunde),
Variationen für Flöte und Klavier D. 802 (Lied "Trockne Blumen" aus Die schöne Müllerin)
Introduktion und Variationen über ein eigenes Thema und Finale für Klavier zu vier Händen D. 603.


Ich kenne keinen Komponisten, der eigene Themen in seinen Werken so oft verwendet wie Franz Schubert. Zeugt dies nicht von grossem Selbstbewusstsein?
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Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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23

Mittwoch, 12. März 2014, 18:27

Wanderfantasie
Violinfantasie (Sei mir gegrüßt)

Die für Schubert typischen Fälle, nämlich Instrumentalvariationen über eine eigene Liedmelodie, findet man vielleicht nicht so häufig anderswo.
Insgesamt ist aber zB bei Händel oder auch Bach das Wiederverwenden von eigenen Stücken ebenfalls nicht selten.

Bei Beethoven ist das bekannteste Beispiel das "Prometheus"-Thema, das zuerst für die Klaviervariationen, dann für das Eroica-Finale verwendet wurde. Ein Menuett findet sich sowohl im Septett als auch in einer Klaviersonate.

moderato

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24

Donnerstag, 13. März 2014, 03:38

Lieber Johannes Roehl

Vielen Dank für die Nennung zweier weiterer Werke Franz Schuberts, in denen er Eigenzitate verwendet:
Wanderer-Fantasie D. 760 (Lied "Der Wanderer" D. 943)
Fantasie C-Dur für Violine und Klavier D. 934 (Lied "Sei mir gegrüsst" D. 741) .

Ich habe zu den bereits genannten acht ein neuntes Beispiel gefunden

8 Variationen über ein eigenes Thema As-Dur D 813

Anders als Händel und Bach, die mit dem von dir erwähnten Parodie-Verfahren* (Man lese den im Internet erschienenen Artikel zu Bachs Parodieverfahren von Leif Frenzel, April 2001.) ganze musikalische Sätze in anderen Zusammenhängen verwendeten, hat für mich das Benutzen eigener Melodien bei Franz Schubert eine andere Bedeutung.

Oft sind es Melodien von Liedern, die in Variationensätzen auftauchen. Ihnen ist durch den Liedtext der Gedichte ein doppelter Boden eingebaut, welcher den befreundeten Zuhörern der Schubertiaden bekannt war. Zwei Beispiele mit Variationen eigener Themen habe ich gefunden. Das wäre einer eingehende Betrachtung in einem gesonderten Thread wert.
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zweiterbass

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25

Sonntag, 4. März 2018, 18:21

Hallo,

das zweistrophige Gedicht „Der Tod und das Mädchen“ von M. Claudius hat zu viel Musik inspiriert – viel mehr als hier erwähnt.

Das Mädchen:
„Vorüber! Ach vorüber!
Geh wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.“
Der Tod:
„Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen:
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen.“

Schubert hat ein Kunstlied (D531) komponiert.
https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/…er/hnum/9911301 CD 9, dort Nr. 19
https://www.youtube.com/watch?v=UfcZyIVxMrE
Ob sich das angstgepeinigte Mädchen tatsächlich vom Tod beruhigen lässt bleibt offen, sie antwortet nicht (Wie Schubert diese beiden Extreme in Musik transponiert/überhöht – Tonlage, Harmonik, Tempo, Rhythmus – ist überwältigend).
Für Bach ist der personifizierte Tod nur ein Randthema, für ihn geht es um das biblische Heilsversprechen; siehe auch die Requiemvertonungen (Dies Irae) vieler späterer Komponisten; dieses, aber auch seltener, ohne das furchteinflößende Dies Irae (z. B. Faure)
(Der Tod bei Claudius hat nichts mit dem Dies Irae zu tun.)


Von Schubert stammt auch das Streichquartett d-Moll, D810, gleichen Namens. Dass Schubert Jahre später das musikalische Thema des Kunstliedes als Basis für ein ganzes Streichquartett nimmt, spricht für sich.


https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/…15/hnum/4166561( CD 1, Track 5-8, 37:32; 2. Satz, Track 6, 14:11. Es ist ein Variationensatz, in dem der 2. Strophe des Kunstliedes breiter Raum zur Ausdeutung gegeben wird.
https://www.youtube.com/watch?v=ovEYC-mFjvU Hagen-Quartett, 39:02; 2. Satz 14:41, ab 12:24.
Die CD-Einspielung benötigt insgesamt 1:30 min. weniger als die YouTube-Einspielung, wobei der 2. Satz auf CD 0:30 min. weniger beansprucht.


Mahler hat das Streichquartett von Schubert für Kammerorchester bearbeitet.
https://www.youtube.com/watch?v=BYiorpwDOJY 2. Satz 13:30, ab 16:40. Seine Bearbeitung benötigt insgesamt zum Hagen-Quartett 5:20 min. mehr, zum 2. Satz aber 1:11 min. weniger, wobei auffällt, dass der Orchesterklang z. T. sehr cello- und kontrabassbetont ist. Er greift in die Harmonik wenig ein, verschiebt aber die Tempi - auch durch eine andere Phrasierung - besonders in den Sätzen 1, 3, 4, merklich, was sich durch die Verminderung im 2. Satz noch auf 6:31 min. erhöht und nebenbei durch die „Schwerfälligkeit“ des Kammerorchesters bedingt ist.

Brahms vertonte ein Gedicht von Zuccalmaglio:

„1. Schwesterlein, Schwesterlein, wann gehn wir nach Haus?
Morgen, wenn die Hahnen krähn,
wolln wir nach Hause gehn,
Brüderlein, Brüderlein, dann gehn wir nach Haus.
2. Schwesterlein, Schwesterlein, wann gehn wir nach Haus?
Morgen, wenn der Tag anbricht,
eh end’t die Freude nicht,
Brüderlein, Brüderlein, der fröhliche Braus.
3. Schwesterlein, Schwesterlein, wohl ist es Zeit.
Mein Liebster tanzt mit mir,
geh ich, tanzt er mit ihr,
Brüderlein, Brüderlein, lass du mich heut.
4. Schwesterlein, Schwesterlein, was bist du blass?
Das macht der Morgenschein
auf meinen Wängelein,
Brüderlein, Brüderlein, wie vom Taue nass.
5. Schwesterlein, Schwesterlein, du wankest so matt?
Suche die Kammertür,
suche mein Bettlein mir.
Brüderlein, es wird fein unterm Rasen sein.“
https://www.youtube.com/watch?v=hKfLe07gF6k
https://www.youtube.com/watch?v=Jmg2d27UQR4
Auffallend: in den Strophen 1-4 wird "Brüderlein wiederholt, in der Strophe 5 nicht.

Die Verbindung zu den vorstehenden Werken besteht nur darin, das Schwesterlein braucht keinen Trost vom Tod, für sie ist der Tod Trost. (Eine Wandlung zur Beziehung zum Tod, die nicht nur, wie hier, aus der personenbezogenen Situation entsteht).


Viele Grüße
zweiterbass

Nachsatz: Um den Beitrag in tragbarer Länge zu halten, habe ich nur Anhaltspunkte gegeben.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • »Hartmut Spiesecke« ist männlich

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Registrierungsdatum: 24. Oktober 2014

26

Montag, 13. August 2018, 18:25

Von Schubert stammt auch das Streichquartett d-Moll, D810, gleichen Namens. Dass Schubert Jahre später das musikalische Thema des Kunstliedes als Basis für ein ganzes Streichquartett nimmt, spricht für sich.


Genau genommen hat Schubert das Liedthema nicht zur Basis eines gesamten Streichquartetts gemacht, sondern nur das Thema für einen Variationensatz genutzt - ein damals sehr übliches Verfahren. Das Quartett erhielt den Beinamen - nicht von Schubert übrigens - wegen des Lied-Zitats.
Die Aufnahme mit dem Guarneri-Quartett war vor fast 40 Jahren meine erste Quartett-LP überhaupt. Ich habe sie so verinnerlicht, dass mir ein objektiveres Urteil unmöglich ist ...

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

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27

Montag, 13. August 2018, 18:38

Die Aufnahme mit dem Guarneri-Quartett war vor fast 40 Jahren meine erste Quartett-LP überhaupt. Ich habe sie so verinnerlicht, dass mir ein objektiveres Urteil unmöglich ist ...


Ich besitze fast alle Aufnahmen des Guarneri Quartetts auf LP und höre sie auch immer wieder gerne. Während meiner New Yorker Jahre (1986-90) habe ich sie regelmäßig live gehört. Ich habe auch noch ihr allerletztes Konzert in Stuttgart miterlebt. Dabei traf ich eine bratschende Musiklehrerin, die ihre ganze Schulklasse mitgebracht hatte, weil als Studentin ihr größter Traum gewesen war, bei Michael Tree zu studieren, was sich aber aus irgendwelchen Gründen nicht realisieren liess. Leider ist er dies Jahr 84-jährig an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung verstorben. Kennst Du das Buch über die vier, unbedingt lesenswert.


William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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28

Dienstag, 14. August 2018, 00:35

Zitat

lutgra: Leider ist er dies Jahr 84-jährig an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung verstorben.

Lieber Lutz,
weißt du Näheres darüber? Die Parkinson-Kranbkheit an sich ist nicht tödlich. In der Vergangenheit waren die häufigste Todesursache bei dem sogenannten "idiopathischen Parkinson", also dem primären, bei dem die Ursache unbekannt ist, der also nicht von außen entsteht (wie z. B. beim Boxer Muhammad Ali), Sturzverletzungen, die sich Parkisnonkranke zuzogen, wenn sie ihre Vorwärtsbewegung nicht mehr steuern konnten und infolgedessen zu Fall kamen und z. B. die Treppe hinunterstürzten. Ich habe mich viel mit der Geschichte der Krankheit beschäftigt, weil meine Frau schon seit über 25 Jahren darunter leidet. Allerdings habe ich in letzter Zeit auch vom sogenannten MSA gehört, der sogenannten Multisystem-Atrophie, einer atypischen Parkinson-Form, bei der schon frühzeitig mehrere Systeme im Gehirn in Mitleidenschaft gezogen sind, der in der Tat nach wenigen Jahren schon zum Verlust der Gehfähigkeit und nach eingen weiteren Jahren zum Tode führt. In der Regel können Patienten mit dem idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS) noch lange nach Diagnose durch eine medikamentöse Therapie (mit dem Rollator) gehen und im späteren Stadium durch eine Tiefe Hirnstimulation (Hirnschrittmacher) wieder laufen und werden im Krankheitsverlauf ca. 10 bis 15 Jahre zurückversetzt. Diesen Weg erhofften wir uns bei meiner Frau auch, als sie vor knapp 8 Jahren einen Hirnschrittmacher bekam. Allerdings bekam sie wohl zufällig gleichzeitig eine Polyneuropathie in beiden Beinen und ist seitdem praktisch querschnittsgelähmt und voll pflegebedürftig. Trotz dieser vielen Behinderungen kann sie aber noch viele Jahre leben.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

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29

Dienstag, 14. August 2018, 02:23

Lieber Willi
Darüber weiß ich leider nichts näheres, die Information habe ich von Wikipedia. Die Abschiedstournee des Guarneri Quartetts fand 2008/09 statt, da war der Bratscher also noch auf der Hohe seiner manuellen Fähigkeiten, Die Krankheit hat sich also dann relativ schnell entwickelt. Meine Großmutter hatte auch Parkinson und ist 89 geworden. Wie viele Jshre bei ihr zwischen Ausbruch und Tod lagen, erinnere ich nicht mehr.