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Andrew

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  • »Andrew« ist männlich

Beiträge: 1 994

Registrierungsdatum: 4. März 2006

151

Sonntag, 5. August 2018, 12:07

In der Diskothek-Sendung auf SRF 2 (Diskothek im zwei) wurden zwei "Achte" besonders gelobt und herausgestellt: einmal die hier auch schon von William vorgestellte und gelobte Einspielung mit den Leipzigern und Chailly, und dann die HIP-Aufführung mit Antonini und dem Baseler Kammerorchester:

Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr.7 & 8

Kammerorchester Basel, Giovanni Antonini
Sony, DDD, 2012


Zitat

"Tolle Dynamik, grosse Transparenz, lebendig und phantasievoll die Sicht auf die ganze Sinfonie"
lobt das Team der Sendung.
Das kann ich nach dem Kaufen und Hören dieser wunderbaren Aufnahme nur bestätigen.
Die Veröffentlichungsstrategie verstehe ich nicht ganz. Die 9. gibt es noch nicht, die 7/8 kann man zu Billigpreisen kaufen - und für die anderen muss man doch richtig investieren.

Ich habe der Versuchung widerstanden als Gegenpol ... Karl Böhm zu wählen.


Ich nicht. ;)
Sehr begeistert bin ich von der Einspielung der 7. und 8. Sinfonie von den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Karl Böhm, die ich hinterher gehört habe:

Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr.7 & 8

Wiener Philharmoniker, Karl Böhm
Label: DGG, ADD, 1972, Serie: Australian Eloquence


Dies ist eine sehr packend und lebendig gespielte Aufnahme, ausgewogen und ausbalanciert, aber dennoch ungeheuer vital und temperamentvoll.
Es ist schade, dass die Beethoven-Einspielungen von Böhm nicht die Popularität haben, wie andere aus dieser Zeit. Ich weiß nicht, ob das in den 70er Jahren anders war. Ich habe mir im Laufe der Zeit alle Beethoven Sinfonien mit Böhm und den Wienern zugelegt. Das wir bis zum Erscheinen der Boxen noch etwas komplizierter. Heute kann man die Beethoven-Box einzeln oder im Kontext der Symphonien-Edition kaufen. Das lohnt sich für mich aber nicht mehr.
Dieses Lob gilt übrigens für beide Sinfonien, die hier eingespielt wird. Auch die "Siebte" ist zugleich kraftvoll und harmonisch dargeboten, eine Freude zum Hören.

Einen sonnigen Sonntag wünscht Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

nemorino

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  • »nemorino« ist männlich

Beiträge: 924

Registrierungsdatum: 31. Dezember 2017

152

Sonntag, 5. August 2018, 16:54

Für Karajan-Fans und Karajan-Zweifler gleichermaßen!

Mit großem Interesse habe ich heute die Diskussion um Beethovens 8. in diesem Thread verfolgt, und zwar von Anfang an.

Da spielt, wie könnte es auch anders sein, auch Karajan eine nicht ganz unwichtige Rolle. Soweit ich feststellen konnte, war aber nur von seinen drei Studio-Produktionen mit den Berliner Philharmonikern (1962, 1977, 1984) die Rede.
Karajan hat aber zwei weitere Interpretationen dieser Sinfonie im Studio aufgenommen, und zwar diese:


mit den Wiener Philharmonikern (Aufnahme: 9/1946, Großer Musikvereinssaal, Wien)

und eine weitere, die hier enthalten ist:


mit dem Philharmonia Orchestra London (Aufnahme: 5/1955, Kingsway Hall, London, STEREO).

Letztere gehört zur ersten Gesamtaufnahme aus London aus den Jahren 1951 - 1955 und ist als einzige original in STEREO produziert worden (ich weiß, es gibt seit einiger Zeit auch die Neunte aus der Reihe in Stereofassung, aber das ist eine experimentelle Aufnahme). Für mich vereint diese Achte alle Vorzüge des frühen Karajan, dazu noch in sehr ansprechendem, gut aufgefächerten Stereoklang.

Die erstgenannte Aufnahme ist Karajans erste Nachkriegsaufnahme überhaupt. Sie entstand, nach langwierigen Verhandlungen mit den alliierten Besatzungsmächten, die den Dirigenten mit einem Auftrittsverbot belegt hatten, unter der Regie des EMI-Produzenten Walter Legge in Wien und hat allein dadurch schon dokumentarischen Rang. In einer alten Besprechung wird sie von Joachim Kaiser "als gesuchtes Sammlerstück" vorgestellt, das "alle Konstanten des jungen Karajan in sich vereint: die federnden Akzente und den flinken, gelenkigen Rhythmus, die tänzerische Lockerheit des Klanges, den gleitenden, gerundeten Duktus ohne Kanten, den verbindlichen, sensualistischen Klangstil und die latente Homophonie (nicht Homophobie :D ) im souveränen Reduzieren einer Partitur auf ihren sinnenfälligen Wohllaut".
Natürlich ist das keine Aufnahme für Klangfetischisten, es handelt sich, wie gesagt, um eine Produktion aus der ersten Nachkriegszeit, noch für Schellackplatten, aber sie ist sehr sorgfältig restauriert und digitalisiert worden, und das Rauschen hält sich in engen Grenzen. Wer den "anderen, frühen Karajan" kennenlernen möchte, dem sei die CD wärmstens empfohlen; sie enthält u.a. auch noch die Fünfte aus dem November 1948 und damit zwei Beethoven-Sinfonien, die der Dirigent später nie mit den Wiener Philharmonikern im Studio verwirklicht hat.

LG, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).