Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 593

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

1

Freitag, 23. März 2018, 20:29

Heidelberger Frühling 2018

Hallo!

Am vergangenen Montag fand das erste der drei von mir gebuchten Konzerte im Rahmen des diesjährigen Heidelberger Frühlings statt.

Gabriela Montero, venezolanische Pianistin, geboren 1970 in Caracas, mit einem Soloprogramm. Sie erhält den diesjährigen Musikpreis des Heidelberger Frühlings.

Programm:

Robert Schumann: Kinderszenen
Chick Corea: Children´s Songs (Auswahl)
Gabriela Montero: Improvisationen

Schostakowitsch: Klaviersonate Nr. 2



Ich habe die Kinderszenen noch nie so intensiv aufgenommen, wobei ich nicht weiß ob es nur an ihrer Interpretation oder auch an meiner Stimmung lag. Übergangslos ging es in die Corea-Stücke über, wobei ich mich an diesen Übergang ohne Pause nicht recht gewöhnen kann. Insgesamt allerdings eine sehr schöne Darbietung.
Zum Ende des ersten Teils improvisierte sie über 5 Situationen, die weitgehend mit ihrer Jugend in Venezuela zu tun hatten:

Die akustische Umgebung ihrer Jugend
Ein Betrunkener in der Straße
Das Heimweh bei der Auswanderung
Ein Schlaflied ihrer Mutter
Das fünfte Thema weiß ich nicht mehr.

Nach der Pause Schostakowitsch. Beeindruckend, wenngleich ich nach dem dritten Satz immer denke, da müsse noch etwas kommen.

Jetzt wäre das Konzert programmgemäß beendet gewesen. Sie hingegen bot an noch über einige Themen zu improvisieren. Melodien sollten aus dem Publikum kommen. Sie sprach direkt Igor Levit an, der in der ersten Reihe saß. Levit ist dem »Heidelberger Frühling« als Pianist und künstlerischer Leiter der Kammermusik Akademie seit mehreren Jahren eng verbunden. Zunächst zierte er sich (im weiteren Verlauf war ich mir sicher, dass es keine Inszenierung war), um dann "Nature Boy" von Nat King Cole anzusingen. Montero spielte die Melodie mit einer Hand kurz nach, schien etwas zu "klimpern" um dann über 5 Minuten hinweg eine berauschende Improvisation über das Thema hinzulegen, bei der man zeitweise dachte, man höre eine Scarlatti-Sonate.

Als nächstes stimmte eine Besucherin aus den hinteren Reihen "Sah ein Knab´ ein Röslein stehn" an. Die anschließende Improvisation deckte von der klassischen Interpretation bis hin zum Ragtime alles ab.

Die dritte Improvisation folgte auf "La Cucaracha" und begann wie eine zeitgenössische Sonate um dann irgendwann in den Stil überzugehen, dem das Stück seinen Erfolg verdankt.

Nach frenetischem Applaus schloss das Konzert mit einer sehr melancholischen Improvisation, der sie Gedanken an die aktuelle erbarmenswerte Situation in ihrem Heimatland zugrunde legte.

Ein Konzert, das niemanden unberührt verließ.

Ein Beispiel ihrer Improvisationskunst findet sich hier (allerdings ziemlich jazzig):



Jetzt freue ich mich auf den Liederabend mit Matthias Goerne am 4.April.

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Damiro

Profi

  • »Damiro« ist männlich

Beiträge: 305

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2017

2

Samstag, 24. März 2018, 01:04

Hallo WoKa,

das hört sich nach einem herrlichen Erlebnis an ! Und du hast uns einen eindrücklichen Bericht gegeben.

Frau Montero scheint immer oder meist einen Teil des Konzertabends zu improvisieren, offenbar manchmal auf Zuruf die Themen anzunehmen. Ja, ausserhalb Mitteleuropas geht sowas offenbar viel leichter, auch in den USA, v.a. auch während der (mancher ?) Gottesdienste auf dem Land.

Von Stuttgart aus besuchen wir jedes Jahr einige Male den Rhein- Neckar- Raum für Jazz- und klassische Konzerte, mein ehemals studentisches und berufliches Revier Heidelberg, Mannem, LU, und in meinem Fall Worms und Meenz. Essen oft in Ladenburg... :yes:

MlG
D.

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 593

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

3

Donnerstag, 5. April 2018, 22:55

Hallo!

Mein zweites Konzert beim diesjährigen Heidelberger Fühling war etwas für hartgesottene Liedkenner (bin auf dem Weg dorthin, war allerdings gestern stellenweise leicht überfordert). Das liegt vielleicht daran, dass ich kein Mahler-Experte bin und die Lieder von Hanns Eisler bislang nicht kannte. Matthias Goerne wurde begleitet von Markus Hinterhäuser.

Programm:

Gustav Mahler - Drei Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn"
Der Tamboursg´sell
Das irdische Leben
Urlicht

Hanns Eisler
aus: Lieder aus dem Hollywooder Liederbuch (nach Texten von Bertold Brecht)
Hotelzimmer 1942
An den kleinen Radioapparat
In den Weiden
Frühling
Auf der Flucht
Über den Selbstmord
Die Flucht
Zwei Lieder nach Worten von Pascal
Fünf Elegien
Ostersonntag
L´autonme californien
In der Frühe (aus Anakreontische Fragmente, V)
Der Sohn I
Die Heimkehr

Gustav Mahler
aus; Das Lied von der Erde
Der Abschied

Ich gebe zu, da muss ich einiges verarbeiten. Während des Konzertes kein Applaus, keine Pause. Auf den "Abschied" hatte ich mich mit der Aufnahme mit Brigitte Fassbaender vorbereitet. Mit Eisler werde ich mich wohl noch beschäftigen müssen.

Je ne regrette rien - dennoch lag das Konzert anschließend etwas schwer im Magen.

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 977

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

4

Donnerstag, 5. April 2018, 23:16

Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 593

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

5

Donnerstag, 10. Mai 2018, 13:41

Hallo!

Es ist schon einige Wochen her - dennoch jetzt einige Anmerkungen zu meinem dritten Konzert im Rahmen des diesjährigen Heidelberger Frühlings:

Thomas Hampson & Wolfram Rieger: "Freiheit"



Unter diesem Motto fanden sich folgende Lieder / Werke:

Gustav Mahler - Lied des Verfolgten im Turm
Alexander Zemlinsky - Mit Trommeln und Pfeifen
Gustav Mahler - Der Tamboursg´sell
Gustav Mahler - Revelge
Paul Hndemith - O, nun heb du an, dort in deinem Moor
Charles Ives - Tom sails away
Michael Daugherty - Letter to Mrs. Bixby
Charles Ives - In Flanders Fields

.....

Jennifer Higdon - The Death of Lincoln, Driving home (6 Lieder, geschrieben für Thomas Hampson)
Henry Burleigh - Ethiopia Saluting the Colors
Margaret Bonds - The negro speaks of rivers
Jean Berger - Lonely People
Leonard Bernstein - To what you said

Es war ein sehr spannendes Programm, geprägt durch die amerikanischen Lieder, die textlich stark von dem Ideal der Freiheit getragen sind.

Ich durfte Hampson zu zweiten Mal erleben und war wieder sehr beeindruckt, wie er es schafft, auch ein derart ernstes Programm auf eine Art darzubieten, die die Schwere relativiert. Sein Charme und an den passenden Stellen, sein Witz binden das Programm in herrlicher Weise ab.

Leider kann ich mich an die Zugaben nicht mehr genau erinnern, da das Konzert zu lange zurück liegt und ich versäumt habe, sie zu notieren.

Hier ein Zusammenschnitt des Interviews, das er im Anschluss an das Konzert gegeben hat.

Thomas Hampson - Heidelberger Frühling 2018

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo