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Joseph II.

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1

Mittwoch, 15. März 2006, 21:29

HANDL-GALLUS, Jacobus

Ein großer, heute leider nahezu vergessener Komponist ist Jacobus Handl-Gallus (auch Handl, Hándl, Händl, Hähnel, Handelius; eigtl. (slow.) Petelin) (1550-1591).



Um 1568 lebte er als Kapellsänger im Kloster Melk und wurde ab 1574 Mitglied der Wiener Hofkapelle; 1579 schließlich wurde er bischöflicher Chordirektor in Olmütz. Nach seiner Übersiedelung nach Prag (1585) übernahm er das Kantorat an der Kirche St. Johann, welches er bis zu seinem frühen Tod verwaltete.
Heute gilt Handl-Gallus als einer der großen Vertreter des venezianischen mehrchörigen Stils und als wichtiger Meister der katholischen Kirchenmusik. Sein Werk umfasst Messen, Passionen, Motetten sowie andere geistliche Kompositionen. Ferner war Handl-Gallus Mitglied des Jesuitenordens (seit 1581).
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

ThomasBernhard

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2

Mittwoch, 15. März 2006, 21:53

RE: HANDL-GALLUS, Jacobus

Hallo Eure allerkatholischste Majestät...

Kenne den Handl/Gallus bisher nicht, werde dem mal nachgehen.

Bist Du Dir sicher mit der Schreibweise Handl-Gallus?
Wäre ja eigentlich so doppeltgemoppelt wie Schütz-Sagittarius...
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

der Lullist

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3

Mittwoch, 15. März 2006, 21:55

so steht es zumindest auch auf dieser netten CD:



Joseph II.

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4

Mittwoch, 15. März 2006, 21:56

RE: HANDL-GALLUS, Jacobus

Zitat

Original von ThomasBernhard
Hallo Eure allerkatholischste Majestät...

Kenne den Handl/Gallus bisher nicht, werde dem mal nachgehen.

Bist Du Dir sicher mit der Schreibweise Handl-Gallus?
Wäre ja eigentlich so doppeltgemoppelt wie Schütz-Sagittarius...

Hallo,

also eigtl. hast Du recht, Gallus ist ja die lat. Form von Handl (Hahn :D), aber die meisten der wenigen CDs schreiben Handl-Gallus bzw. Handl Gallus.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

petemonova

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5

Mittwoch, 15. März 2006, 21:57

Ich habe mich auch gewundert, da ich ihn bis jetzt nur als Jacobus Gallus vernommen habe.

Ich kenne ein paar Chöre von ihm, die haben mich jetzt aber nicht gerade vom Hocker gerissen.


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

momo

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6

Mittwoch, 15. März 2006, 22:32

Hallo ihr,
von Jacobus Gallus oder Jakob Handl gibt es einige schöne Motten für drei Tenöre und zwei Bässe. Die sind wirklich interessant. Ok, sie sich nicht zum vom-Hocker-reißen, das stimmt schon, aber mit einem Sänger pro Stimme in einer gotischen Kirche, wie zum Beispiel dem Dom zu Meißen, klingt das nur noch gut. :yes:

Mit lieben Grüßen, momo
"Orgel spielen heißt, einem mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren!"
Charles-Marie Widor

Alfred_Schmidt

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7

Mittwoch, 15. März 2006, 23:38

Hallo

Vielleicht mal eine Anmerkung zum Namen:

Der komponist ist unter folgenden Namen bekannt:

Gallus, Handl, Händl, Carniolus, Petelin. (Vorname: Jacobus)

Mit Petelin sind wir beim eigentlichen Namen angelangt, der auf slowenisch HAHN bedeutet, alle anderen Namen sind Eindeutschungen, Latinisierungen, Verballhornungen.

"Das neue Lexikon der Musik" spricht in Zusammenhang mit seinen Werken von "kühner Harmonik"...

LG

aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

musikwanderer

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8

Mittwoch, 30. August 2017, 12:07

Ich kenne nichts von Jacobus Gallus - wenn ich mal davon absehe, dass mir ein kleiner Ausschnitt durch den "Arrangeur" Georg Friedrich Händel untergekommen ist. So zitiert der Hallenser/Londoner Meister im "Funeral Anthem for Queen Caroline" (The ways of Zion do mourn) bei der Stelle "but their name leveth evermore" aus Gallus' Motette "Ecce quomodo moritur justus".

:hello:
.

MUSIKWANDERER

William B.A.

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9

Dienstag, 20. Februar 2018, 01:06

Ich kenne Jacobus Gallus sehr wohl, und das schon sehr lange.
Nachdem ich mit 16 Jahren in meinen ersten Kirchenchor eingetreten war (im Juni 1962), lernte ich darauffolgenden Winter den Satze: "Ecce, quomodo moriturs justus" kennen, der in der Krwoche, meist in der Karfreitagsliturgie, aufgeführt wird. Seit vielen Jahren singen wir ihn auch in meinem zweiten Chor, dem ich Anfang 1989 beigetreten bin und seit 1994 unter unserem heutigen Dirigenten singe. Heute war es wieder soweit, und wir haben mit den Poben für die Karwoche just mit diesem, meinem absoluten Lieblingssatz aus dieser Liturgie begonnen. Hier der Text:

Ecce, quomodo moritur justus, Sehet, wie der Gerechte stirbt, Jesaja 57, 1-2
et nemo percipit corde und niemand nimmt es zu Herzen.
Viri justi tolluntur, Die Gerechten werden hinweg genommen
et nemo considera, und niemand bedenkt es.
A facie iniquitatis Von dem Antlitz der Gottlosigkeit
sublatus est justus ist der Gerechte hinweg genommen,
et erit in pace memoria eius: und sein Andenken wird in Frieden sein.

in pace factus est locus eius In Frieden ward sein Ort Ps 76,3
et in Sion habitatio eius und seine Wohnung auf dem Zion
et erit in pace memoria eius. und sein Andenken wird in Frieden sein.

deutsche Übersetzung kursiv!

Hier eine angemessene Interpretation:



Seit damals hat mich diese Komposition gefesselt, und ich freue mich jedes Mal, wenn wir es wieder memorieren. Ich sinde es seit vielen jahren auswendig und bin jedes Mal tief bewegt, wenn es wieder gelingt.

Lieber musikwanderer, ist mit "their name liveth evermore" nicht die letzte Textzeile "et erit in pace memoria eius" (und sein Andenken wird in Frieden sein) gemeint?

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

musikwanderer

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10

Dienstag, 20. Februar 2018, 10:52

Lieber Willi,

Lieber musikwanderer, ist mit "their name liveth evermore" nicht die letzte Textzeile "et erit in pace memoria eius" (und sein Andenken wird in Frieden sein) gemeint?

diese an mich gerichtete Frage kann ich leider nicht beantworten, weil ich die Motette 'Ecce, quomodo moritur justus' von Gallus nicht kenne. Ich weiß halt nur aus dem Beiheft der CD, dass Händel für die von mir zitierte Textstelle aus dem 'Funeral Anthem for Queen Caroline' (8. gesungener Satz 'Their bodies are buried in peace: but their name leveth evermore') die musikalische Anleihe bei Gallus gemacht hat...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

zweiterbass

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11

Dienstag, 20. Februar 2018, 12:34

Hallo,

"Ecce quomodo..." hat auch G. P. Palestrina sehr ansprechend vertont (habe ich mitgesungen).
Leider gibt es bei YouTube nur ziemlich schlechte Einspielungen, die ich nicht einstelle.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Thomas Pape

Moderator

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12

Dienstag, 20. Februar 2018, 15:04

Bislang kannte ich weder den Komponistren, noch den Satz "Ecce quomdo moritur justus". Will's angeregte Aufnahme habe ich jetzt mehrfach gehört, ein tief berührendes Werk. Zur Auswahl bei der Anschaffung steht nun neben der CD von dem Kings College Choire die Platte eine jungen Leipziger Vokalensembles "Thios Omilos"

Was mich nun interessiert: warum variieren bei den verscheidenen Aufnahmen ,die Spieldauern zwischen 2:35 min (wie etwa bai Thios Omilos") und 4:03 (Kings College)?

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

William B.A.

Erleuchteter

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13

Dienstag, 20. Februar 2018, 16:16

Zitat

Thomas Pape: Was mich nun interessiert: warum variieren bei den verscheidenen Aufnahmen ,die Spieldauern zwischen 2:35 min (wie etwa bai Thios Omilos") und 4:03 (Kings College)?

Ich glaube, lieber Thomas,

dass es sich dabei so ähnlich verhält wie bei der Sonate Nr. 21 B-dur D.960 von Schubert, wo der erste Satz genau wie dieses Werk von Jacobus Gallus mit "Molto moderato" überschrieben ist. Im entsprechenden Schubert-Thread haben wir "lang und breit" darüber diskutiert und sind doch zu keinem Ergebnis gekommen.
Wir dürften in unserem Chor so etwa bei 3 1/2 Minuten liegen. Ich persönlich finde dieses Tempo angemessen, denn ein einigermaßen getragenes Tempo sollte es bei diesem Text und seiner Bedeutung schon sein.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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zweiterbass

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14

Mittwoch, 25. April 2018, 18:57

Hallo,

https://de.wikipedia.org/wiki/Jacobus_Gallus

https://de.wikipedia.org/wiki/Venezianische_Mehrchörigkeit

(Ich halte nichts davon individuell zu posten, was in Wikipedia-Links schon ausführlich beschrieben ist.) 7830880

Handl verbindet in den Chorsätzen homophone (a), polyphone (b), kanon (c)-, fugen (d)- und echoartige (e) Satzstrukturen und unterscheidet dabei auch noch nach Chor- und Einzelstimmen (f). Es kommt also z.B. vor, dass in einem Chorsatz 4 oder 5 oder 6 Chorstimmen polyphon geführt werden, aber die Einzelstimmen, z.B. im Sopran, echoartig geführt sind oder in einem homophonen Chorsatz (SATB) mit kanonartigen Einsätzen z.B. die Altstimme polyphon gesetzt ist..

Das kann optimal nur dann funktionieren bzw. hörbar werden, wenn im Aufführungsraum die Einzelchöre getrennt aufgestellt werden können und keine allzu große Überakustik besteht. Dass es auch noch eine sehr gute Chorleitung braucht, um die Dynamik innerhalb der Chorstimmen „im Griff“ zu haben und, soweit erforderlich, die unterschiedlichen Timbres/Vibratos der Sänger /innen zu einem abgerundeten Chorklang zu bringen.
Vorbildlich erfüllt vom „Ensemble Musica Nova“- je 2 x Cantus, Contratenor, Tenor, Bass; ergänzt bei Bedarf um je 1 Contratenor und Tenor

Leider gibt es noch keine YouTube-Einspielung; ich habe auch keine downloadbaren Noten gefunden, sodass ich die Eingruppierung nach Kompositionsstrukturen (s.o. a -f) nur nach meinem Gehör vornehmen kann, was ohne ein Notenbild noch schwieriger für mich ist. (Korrekturen sind wie stets, hier aber besonders, erwünscht.)

Nicht zu allen auf der CD befindlichen17 Motetten, aus dem aus 374 Motetten bestehenden
"Opus Musicum“ (=OM) für den kirchlichen Jahrkreis, weder ich kurz posten.



Track 1 – Aspiciens a longe (OM Teil I,1), eine prägnante Melodie, mit zeittypischer, aber nicht allzu gewöhnungsbedürftiger Harmonik – a, b, c, e

Track 2 - Iocundare filia Syon OM… I,7), frohe Melodie, erkennbar - trotz b, deswegen Textverständlichkeit eingeschränkt, Harmonik wie Track 1 – a, b, f

Track 4 – Egredietur virga (OM… 1,22), durchgängiges Tempo, etwas karge Harmonik – c, a

Track 6 – Dies est laetitieae (OM… 1,29), bessere Textverständlichkeit als wenn es b wäre, Harmonik ähnlich Track 1 - c, a

Track 7 - Miserere mei Deus (OM… 1,82), trotz variabler Harmonik litaneiähnlich –
a mit wenig b+c

Track 8 - Plaxit David (OM… III,29), ähnlich einer Strophenvertonung mit Wiederholungen einzelner Textstellen - a

Track 9 - Filae Jerusalem (OM… II,3), im Teil (Strophe) 2 deutlich lebhaftere/s Harmonik, Melodik und Tempo – a, c



Fortsetzung folgt

Viele Grüße
zweiterbass

Nachsatz: Den Kauf der CD kann ich sehr empfehlen.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

zweiterbass

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15

Samstag, 5. Mai 2018, 21:38

Handl Jakobus Gallus Fortsetzung
Track10 – Passio Domini (OM Teil lI, 1,2), am Ende des 16. Jhd. war es noch möglich eine Passion in 12:16 (das umfangreichste Werk der CD) „abzuwickeln“. Der Text ist in 58 Abschnitte unterteilt +3 Mal Amen, die jeweils abwechselnd vom Chorus superior (= Sopran- und Contratenorstimmen), Chorus inferior (=Tenor- und Bassstimmen) und Tutti (= Gesamtchor) gesungen werden, meist a, sehr wenig b - z.T. mutet es fast wie eine strophenartige Vertonung an mit in den Textlängen entspr. Variationen. Bei wenigen markanten Textabschnitten, z.B. „abiit autem judas…, Dixit ille Jesus…, Ait Pilatus…, Et crucifixerunt eum…, gibt es bei Tempo und Dynamik vage Anzeichen einer textgebundenen Vertonung, was auch für die Charakteristik der 3 Amen gilt.

Track 11 – O vos omnes (OM…II,4), fast durchgängig b

Track 12 – Recessit pastor noster (OM…II,12), strophenartige Vertonung mi Textwiederholungen, a

Track 14 – Christus surrexit (OM…II,39), alle 3 Strophen b, c

Track 16 – Quid ploras mulier (OM…II,55), Textwiederholungen a, c

Track 17 – Cum rex gloria (OM…II,30), b, c, e



Es ist schon erstaunlich, welche Klagfülle dieses relativ kleine Ensemble (Gründung 2000)zustande bringt, dabei hat die Aufnahmetechnik ihren Anteil. Die absolute Intonationsreinheit ist aber ausschließlich Sache von „Ensemble Musica Nova“ und bei der Verwirklichung seines auf dem neuesten Stand befindlichen Interpretationsansatzes ist der Leiter „Lucien Kandel“ auf sein Ensemble angewiesen.


Die CD kann ich sehr empfehlen.


Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

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