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Fiesco

Prägender Forenuser

  • »Fiesco« ist männlich

Beiträge: 703

Registrierungsdatum: 30. August 2017

31

Sonntag, 18. März 2018, 11:13

Hiermit möchte ich unbedingt nochmals bestätigen wie Grandios die von Rheingold1876 vorgestellte CD mit Inge Borkh ist! :hail:
Und Paul Schöffler ist ein eindringlicher Orest!!
Die Elektra Szenen sind am 14.u.16.4.1956 aufgenommen.

Die CD gibt es auch als Hybrid Multichannel Ausgabe! :thumbsup:


Hier der Inhalt ....
Allein! Weh, ganz allein 9:34
Was willst du, fremder Mensch? 21:37
Finale: Elektra! Schwester! Komm mit uns! 9:42
Dance of the Seven Veils 9:04
Final Scene: Ah! Du wolltest mich nicht deinen Mund 17:03

LG Fiesco
Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen.

Grillparzers Worte auf der Reliefplatte Schuberts.

Carlo

Anfänger

  • »Carlo« ist männlich

Beiträge: 53

Registrierungsdatum: 11. Februar 2018

32

Samstag, 24. März 2018, 21:53

Liebe Taminos,

auch ich möchte heute zu diesem Thread 'meinen Senf dazugeben', obwohl ich kein ausgewiesener Experte für diese Oper bin.
(Ein kürzlich verstorbener Freund von mir besaß über 70 Mitschnitte von "Elektra"-Aufführungen rund um die Welt!) Ich selbst
habe nur einige Live-Vorstellungen gesehen; meine Eindrücke basieren auf dem Hören von 'Musik-Konserven' (siehe unten).

Es sind hauptsächlich die beiden Kernszenen der Oper, die mich faszinieren: die Auseinandersetzung zwischen Elektra und
Klytämnestra sowie das Wiedersehen von Elektra und Orest. Hierbei wird auch gleich die große Herausforderung für jede
Interpretin der Titelrolle deutlich: einerseits eine bis zur Selbstentäußerung gehende stimmliche und darstellerische Kraft
und in der Orest-Szene eine ganz zurück genommene, fast zärtliche Weichheit. Nicht jede der großen Sängerinnen in dieser
anstrengenden Partie hat gleichzeitig beide Seiten abdecken können. Meinem Elektra-Ideal kamen (nur akustisch erfahrbar)
Inge Borkh - was für ein Versäumnis, ihre Interpretation auch optisch zu dokumentieren - und Ursula Schröder-Feinen (zweimal
1973 kurz hintereinander live erlebt) am nächsten. 'Die' Borkh hat immer wieder betont, dass sie kein hochdramatischer Sopran
war. Ihre Darstellung war nach eigener Aussage nicht mänadenhaft wild, sondern zeigte eine verbitterte 'Frau am Rande des
Nervenzusammenbruchs', die in der selbstgewählten Isolation am Atridenhof ihr Schicksal durchlebt. Und die Elektra von
Ursula Schröder-Feinen hatte in ihrer Darstellung und in der Stimme eine fast kindliche Unschuld, die die Tragik ihrer Rolle
doppelt deutlich werden ließ. Sie konnte einen zu Tränen rühren...

Heute ist es allgemein üblich, Klytämnestra als seelisches Wrack zu zeigen - im RT gern kiffend oder an der Nadel hängend.
Glaubhafter wäre es, die Darstellerin dieser Rolle (und sie ist auch eine Königin!) brächte die Verletztheit der betrogenen Frau
zum Ausdruck. Dass sie ihren unter Zwang geheirateten Ehemann ermordet hat - der ihre Tochter Iphigenie seinen Interessen
opferte und aus dem Trojanischen Krieg eine Geliebte mitbrachte - und ihren Sohn Orest weggab (dessen Rache sie fürchtet),
lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Ihr Geliebter Aegisth war für sie nur Mittel zum Zweck und die verbitterte Elektra, die den
geliebten Vater rächen will, zeigt ihr ihre Verachtung. Zwischen diesen beiden Polen wirkt die 'andere' Tochter, Chrysothemis,
relativ farblos. Vor allem die jahrelange Darstellung durch Leonie Rysanek hat dafür gesorgt, diese Partie mit einer gewissen
Hysterie 'aufzuladen': sie hat Angst davor, als 'alte Jungfer' zu enden - für die Rachegedanken ihrer Schwester hat sie kein
Verständnis. Hier hat mich (akustisch) Lisa Della Casa am meisten überzeugt; für sie war es eine Grenzpartie, was man
auch hört - und das ist gut so!

Jeder Operndirigent fühlt sich bei einer solchen Partitur natürlich herausgefordert, diese grandiose 'Nervenmusik' mit dem vom
Komponisten geforderten Riesenorchester zum Klingen zu bringen. Er hat aber immer darauf zu achten, dass die Sänger nicht
zugedeckt werden und der artifizielle Text Hofmannsthals zu verstehen ist, sonst wird es schnell eine Sinfonie mit obligaten
Gesangsstimmen. Diese Transparenz ist im Studio natürlich leichter zu erreichen als live im Theater, obwohl auch einige
Schallplatten-Aufnahmen an der Dominanz des Orchesters kranken (z. B. Georg Solti und Giuseppe Sinopoli). Hier sind für
mich Karl Böhm, Fritz Reiner und Dimitri Mitropoulos die überzeugendsten Dirigenten. Wenn man Renata Tebaldi glauben darf,
die 1950 bei den "Elektra"-Aufführungen in Florenz im Publikum saß, war es Mitropoulos, der als Erster die höhere Stimmung
der Instrumente durchsetzte, um einen aggressiveren Orchesterklang zu erzielen.

In meiner Sammlung befinden sich folgende Aufnahmen:

(Reihenfolge: Elektra, Chrysothemis, Klytämnestra, Orest, Aegisth / Dirigent / Regisseur / Ort und Jahr)

a) akustisch (Gesamtaufnahmen)
Erna Schlüter, Annelies Kupper, Gusta Hammer, Robert Hager, Peter Markwort / Eugen Jochum / Hamburg 1944 (LP)
Erna Schlüter, Ljuba Welitsch, Elisabeth Höngen, Paul Schöffler, Walter Widdop / Thomas Beecham / BBC London 1947 (LP)
Anny Konetzni, Daniza Ilitsch, Martha Mödl, Hans Braun, Franz Klarwein / Dimitri Mitropoulos / Florenz 1950 (CD)
Astrid Varnay, Walburga Wegner, Elisabeth Höngen, Paul Schöffler, Set Svanholm / Fritz Reiner / New York 1952 (LP und CD)
Astrid Varnay, Leonie Rysanek, Res Fischer, Hans Hotter, Helmut Melchert / Richard Kraus / Köln 1953 (LP und CD)
Christel Goltz, Leonie Rysanek, Jean Madeira, Hermann Uhde, Franz Klarwein / Karl Böhm / München 1955 (CD)
Inge Borkh, Lisa Della Casa, Jean Madeira, Kurt Böhme, Max Lorenz / Dimitri Mitropoulos / Salzburg 1957 (CD)
Inge Borkh, Marianne Schech, Jean Madeira, Dietrich Fischer-Dieskau, Fritz Uhl / Karl Böhm / Dresden 1960 (LP und CD)
Astrid Varnay, Hildegard Hillebrecht, Jean Madeira, Hans Günter Nöcker, Fritz Uhl / Joseph Keilberth / München 1963 (CD)
Astrid Varnay, H. Hillebrecht, Martha Mödl, Eberhard Waechter, James King / Herbert von Karajan / Salzburg 1964 (LP)
Ursula Schröder-Feinen, Leonie Rysanek, Astrid Varnay, Theo Adam, Hans Hopf / Karl Böhm / München 1977 (CD)
Ute Vinzing, Leonie Rysanek, Maureen Forrester, Bent Norup, Horst Hiestermann / Christof Prick / Paris 1984 (LP)
Alessandra Marc, Deborah Voigt, Hanna Schwarz, Samuel Ramey, Siegfried Jerusalem / Giuseppe Sinopoli / Wien 1995 (CD)
Irène Theorin, Eva-Maria Westbroek, Waltraud Meier, René Pape, Robert Gambill / Daniele Gatti / Salzburg 2010 (CD)

b) akustisch (Szenen)
Erna Schlüter, Ljuba Welitsch, Paul Schöffler, Walter Widdop / Thomas Beecham / RCA London 1947 (LP)
Christel Goltz, Elisabeth Höngen, Ferdinand Frantz / Georg Solti / München 1952 (LP und CD)
Inge Borkh, Frances Yeend (Chrysothemis), Paul Schöffler / Fritz Reiner / Chicago 1956 (LP und CD)
Christa Ludwig (Elektra), Walter Berry / Heinrich Hollreiser / Berlin 1964 (LP und CD)
Astrid Varnay, Hilde Zadek, Jean Madeira, Randolph Symonette / Arnold Quennet / Düsseldorf 1964 (CD)
Marijke van der Lugt, Enriqueta Tarrés, Martha Mödl / Arnold Quennet / Düsseldorf 1964 (CD)
Birgit Nilsson, Marie Collier, Regina Resnik, Tom Krause, Gerhard Stolze / Georg Solti / Wien 1967 (LP)
Leonie Rysanek als Chrysothemis, Elektra und Klytämnestra / Diverse Daten (CD)

c) optisch (Video und DVD)
Gladys Kuchta, Ingrid Bjoner, Regina Resnik, Hans Sotin, Helmut Melchert / Leopold Ludwig / Joachim Hess / Hamburg 1969
Birgit Nilsson, Leonie Rysanek, Mignon Dunn, Donald McIntyre, Robert Nagy / James Levine / Herbert Graf / New York 1980
Leonie Rysanek, Catarina Ligendza, Astrid Varnay, Dietrich Fischer-Dieskau, Hans Beirer / Karl Böhm / Götz Friedrich / Wien
1981 - mit 90-minütiger TV-Dokumentation über die Dreharbeiten "Ob ich die Musik nicht höre? Sie kommt doch aus mir."
Eva Marton, Cheryl Studer, Brigitte Fassbaender, Franz Grundheber, James King / Claudio Abbado / Harry Kupfer / Wien 1989
Deborah Polaski, Helga Thiede, Reinhild Runkel, Wolfgang Brendel, Kurt Azesberger / Semyon Bychkov / (Konzert) Köln 1998
Linda Watson, Manuela Uhl, Jane Henschel, Albert Dohmen, René Kollo / Christian Thielemann / Herbert Wernicke / Baden
-Baden 2010
Evelyn Herlitzius, Adrianne Pieczonka, Waltraud Meier, Mikhail Petrenko, Tom Randle / Esa-Pekka Salonen / Patrice Chéreau /
Aix-en-Provence 2013

'Live' habe ich folgende Aufführungen gesehen:

Ursula Schröder-Feinen, Roberta Knie, Astrid Varnay, Siegmund Nimsgern, Wilhelm Ernest / Arnold Quennet / Georg Reinhardt /
Düsseldorf 1973
Birgit Nilsson, Leonie Rysanek, Christa Ludwig, Walter Berry, James King / Horst Stein / Wieland Wagner / Wien 1978
Ingrid Bjoner, Mani Mekler, Anny Schlemm, Peter Meven, Udo Holdorf / Hiroshi Wakasugi / Bohumil Herlischka /
Düsseldorf 1981
Berit Lindholm, M. Mekler, A. Schlemm, Hans Tschammer, Horst Hiestermann / H. Wakasugi / B. Herlischka / Düsseldorf 1981
B. Lindholm, Hanna Lisowska, Re Yang Kim, H. Tschammer, H. Hiestermann / Friedemann Layer / B. Herlischka / Düsseldorf 1983
Luana DeVol, Silvana Dussmann, Ildiko Szönyi, Michael Volle, Robert Woroniecki / Stefan Soltesz / Nicolas Brieger /
Essen 2000

Viele Grüße!

Carlo

La Roche

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33

Sonntag, 25. März 2018, 09:59

Lieber Carlo,

dafür, daß Du kein ausgewiesener Experte für diese Oper bist, kannst Du eine stolze Sammlung von Elektras vorweisen!!

Ich möchte nicht wissen, wie groß Deine Sammlung für die Lieblingsopern ist!!??

Bei mir scheitert das Sammeln immer am Geiz. Ich sage mir immer, wozu noch eine Elektra kaufen, wenn es z.B. über youtube einige Dutzend zum Nulltarif gibt. Mir fehlt das Sammelgen!! Bei mir gehört Elektra genau wie Salome und andere Strauss-Opern in die Spitzengruppe.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Carlo

Anfänger

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34

Dienstag, 27. März 2018, 22:25

Lieber La Roche,

Danke für das Kompliment! Aber es ist so, dass ich eigentlich keine Lieblingsoper habe.

Als ich vor über 50 Jahren mit dem Sammeln von Schallplatten begann, war ich in erster Linie an Sängern
interessiert. Und über diese hat sich allmählich dann eine stattliche Anzahl von Opern-Gesamtaufnahmen
und -Querschnitten (auf LP, CD, Video und DVD) aufgebaut. Daher bin ich auch nicht auf einen bestimmten
Komponisten bzw. eine spezielle Art von Opern fixiert. Lediglich die Barock-Oper und die Werke des 20.
Jahrhunderts (nach Richard Strauss) sind in meiner Sammlung unterrepräsentiert.

Viele Grüße!

Carlo

La Roche

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35

Mittwoch, 28. März 2018, 13:59

Lieber Carlo,

irgendwann werden unsere Wellen zusammentreffen und eine Monsterwelle ergeben. Mir geht es wie Dir. Auch ich habe mit Querschnitten begonnen, oder Sängerportaits (Reihe "Große Sänger der Vergangenheit" z.B.). Und jetzt mache ich auch bei youtube manchmal kreuz und quer, ohne Achtung der Stimmlage, einfach blättern.

Und genau wie Du ist Barock, sogar bis hin zu Mozartscher Klassik nicht so mein Ding. Musik nach Strauss wollen meine Ohren nur bedingt, ich weiß nicht warum und will es auch gar nicht wissen. Auch Countertenöre verschmähen meine Ohren. Dafür freuen sie sich z.B. über Corelli, del Monaco u.a. von vielen so genannte "Brülltenöre" genauso wie über Metternich, Gobbi oder Ramey. Ist ja jedem seine Sache und jedem sein Geschmack.


Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


9079wolfgang

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  • »9079wolfgang« ist männlich

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36

Mittwoch, 28. März 2018, 14:51

Zitat


Und genau wie Du ist Barock, sogar bis hin zu Mozartscher Klassik nicht so mein Ding. Musik nach Strauss wollen meine Ohren nur bedingt, ich weiß nicht warum und will es auch gar nicht wissen. Auch Countertenöre verschmähen meine Ohren. Dafür freuen sie sich z.B. über Corelli, del Monaco u.a. von vielen so genannte "Brülltenöre" genauso wie über Metternich, Gobbi oder Ramey. Ist ja jedem seine Sache und jedem sein Geschmack.

Schon erstaunlich! Auch ich habe hier Vieles mit Euch gemeinsam. :yes:
W.S.

La Roche

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  • »La Roche« ist männlich

Beiträge: 2 680

Registrierungsdatum: 21. Februar 2012

37

Mittwoch, 28. März 2018, 15:10

Schon erstaunlich! Auch ich habe hier Vieles mit Euch gemeinsam.
Wenn ihr beide jetzt noch erzählt, daß ihr Skatspieler seid, dann bilden wir einen Club!!

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer