Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

91

Sonntag, 28. Oktober 2012, 11:02

Hallo Wolfgang,
Dank Dir für Deinen Input. Hierauf hab ich meine Aufnahmen noch mal überprüft und komm aus dem Wundern nicht heraus: Auf meiner ersten Aufnahme (vom Dutton-Label) ist tatsächlich eine „Aus der Neuen Welt“ von 1937 und den Tschechischen Philharmonikern (unter Szell). Wie auf meinen PC eine falsche Aufnahme (die ich moniert hatte) kam, kann ich mir nur so vorstellen, dass ich vor einiger Zeit eine CD aus der Münchner Stadtbibliothek überspielt hatte, die sowohl die „Neue Welt“ als auch das Cellokonzert beinhaltete (und hier vermutlich falsch deklariert war) enthielt. Welche Einspielung das wa, kann ich nicht mehr in Erfahrung bringen.
Und, wie schon gesagt, mir war zwar „irgendwie“ aufgefallen, dass das Klangbild für 1937 recht oppulent war, aber soo genau hatte ich mir bislang da keine Gedanken gemacht. Bis eben jetzt zur Neuerwerbung….

Anyway, auf dieser Dutton-Einspielung

ist das legendäre Cellokonzert mit Pablo Casals vom 28. April 1937 aus dem (damaligen) „Deutschen Haus“ in Prag live SOWIE die Sinfonie Nr 9 „Aus der Neuen Welt“ vom 30. Oktober 1937 aus den Abbey Road Studios* in London eingespielt. Beide Werke dirigiert George Szell, es spielen die Tschechischen Philharmoniker. Die Klangqualität ist der Zeit geschuldet, aber durchaus gut anhörbar.

*) Das Booklet weißt folgenden Text hierzu aus:
„Zur Zeit der Aufnahme war Vaclav Talich Chefdirigent der Tschechischen Philharmoniker, doch war er zunehmend von anderen Verpflichtungen in Anspruch genommen, und kurz vor einer Orchesterreise durch Großbritannien und Irland im Oktober erkrankte er. Für ihn sprang der 27-jährige Rafael Kubelik. In einem Zeitraum von nur 27 Tagen gab Kubelik mit dem Orchester 20 Konzerte, jedes in einer anderen Stadt. (...) Dennoch engagierte man für die Aufnahme des Werkes („Neue Welt“) am letzten Tag der Tournee George Szell, der soeben zum Dirigenten des Schottischen Orchesters in Glasgow ernannt worden war.

Also, Danke nochmals. Vermelde: problem solved :thumbsup:
Grüße
Thomas

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

92

Montag, 16. Dezember 2013, 11:18

Uraufführung heute vor 120 Jahren

16. Dezember 1893 – Dvořáks Sinfonie Nr. 9 "Aus der Neuen Welt" wird in New York uraufgeführt.



Die 9. Sinfonie e-Moll op. 95 Antonín Dvořáks trägt den Namen Aus der Neuen Welt, da sie von Dvoráks dreijährigem Amerika-Aufenthalt inspiriert wurde.
Sie wurde zu Lebzeiten als 5. Sinfonie des Künstlers bekannt.
Die Weltpremiere der Sinfonie spielten am 16. Dezember 1893 die New Yorker Philharmoniker in der Carnegie Hall in New York unter der Leitung von Anton Seidl.
Die erste Aufführung der Sinfonie „Aus der neuen Welt“ auf dem europäischen Kontinent erfolgte am 20. Juli 1894 in Karlsbad. Die Sinfonie wurde allerorten gefeiert und schnell zum größten Erfolg des Komponisten in dessen Laufbahn.

LG
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

Uranus

Prägender Forenuser

  • »Uranus« ist männlich

Beiträge: 590

Registrierungsdatum: 11. August 2004

93

Donnerstag, 21. August 2014, 10:16

Mich wundert, dass in diesem Thread noch nicht über diese Aufnahme



gesprochen wurde, sondern nur über Karajans Aufnahme aus den 60ern.

Auf dieser http://www.klassik-prisma.de/Dv.op.95.htm sehr interessanten Website, der ich schon viele sehr gute Anregungen entnommen habe, wird die Aufnahme als Spitzenaufnahme bewertet, und der Betreiber der Website ist ganz sicher kein fanatischer Karajan-Anhänger.

Kennt jemand von Euch die Aufnahme und kann etwas dazu sagen?
Herzliche Grüße
Uranus

AH.

Profi

Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 10. Juli 2006

94

Donnerstag, 25. Dezember 2014, 22:04

Dvoraks neunte Sinfonie - meine Lieblingsaufnahme mit Vaclav Neumann

Hallo,

Ich habe den gesamten Abschnitt "Sinfonie - Konzert - Orchestermusik in Klassik und Romantik" durchsucht und war so gut wie sicher, einen Thread zu Dvoraks neunter Sinfonie zu finden. Immerhin ist sie - nicht zu unrecht - eine der beliebtesten, am meisten aufgeführten und am meisten aufgenommenen Sinfonien. Aber diesen Thread fand ich erstaunlicherweise nicht, daher habe ich ihn eröffnet. Neulich hörte ich sie mit dem Odessa Sinfonie-Orchester unter Leitung von Roderick von Bennigsen, der das Stück inspiriert aufgeführt hat.

Am Beispiel von Dvoraks neunter Sinfonie habe ich in der Schule die Sonatenhauptsatzform gelernt und bin meine Lehrer dafür unendlich dankbar - denn die kann man auch an Mozart oder Haydn lernen und diese Musik macht mir nunmal viel weniger Freude. Die drei Themen des ersten Satzes aus Dvoraks neunter haben mir so gut gefallen, daß ich mir eine Partitur aus der Stadtbücherei besorgt habe und sie dann auf meiner Heimorgel gespielt habe.

Meine Lieblingsaufnahme dieser Sinfonie ist die mit dem NHK-Sinfonieorchester unter Leitung des von mir immer geschätzten Vaclav Neumann. Neumann phrasiert die Musik wunderbar organisch und selbstverständlich und läßt sie singend und sprechend artikulieren. Eine Besonderheit ist das rhythmisch "unpräzise" in dieser Aufnahme. Die Orchestergruppen spielen oft nicht im selben Rhythmus und das macht diese Musik so lebendig. Hierbei handelt es sich nach meiner Vermutung nicht um eine Schwäche des NHK-Sinfonieorchesters, sondern um einen interpretatorischen Ansatz von Vaclav Neumann.
Man kann bei jpc in die Titel 2 bis 5 hineinhören, um sich selbst ein Bild von dieser wundervollen Aufnahme zu machen:



Liebe Grüße

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

Norbert

Moderator

  • »Norbert« ist männlich

Beiträge: 7 304

Registrierungsdatum: 11. August 2004

95

Donnerstag, 25. Dezember 2014, 22:20

Hallo AH.,

es wäre in der Tat sehr erstaunlich, wenn wir uns über Dvoraks 9. Sinfonie noch nicht ausgiebig unterhalten hätten.
Wir haben und zwar hier: Aus der neuen Welt - Dvoraks Geniestreich

Wenn Du speziell die vorgestellte Aufnahme besprechen willst, dann kann der Thread gerne bestehen bleiben, ansonsten füge ich Deinen Beitrag in den bestehenden Thread ein.

Viele Grüße

Norbert als Moderator
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

AH.

Profi

Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 10. Juli 2006

96

Freitag, 26. Dezember 2014, 00:14

Hallo Norbert,

ich bitte Dich, meinen Beitrag in den bestehenden Thread einzufügen. Ich finde den Ttel allerdings unglücklich gewählt, deswegen habe ich es wohl auch nicht gefunden. "Aus der neuen Welt - Dvoraks Geniestreich" sucht man einfach nicht, wenn man seine neute Sinfonie beschreiben möchte. Vielleicht könnte man den Titel ändern.

Liebe Grüße

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

Schneewittchen

Prägender Forenuser

  • »Schneewittchen« ist männlich

Beiträge: 2 509

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

97

Freitag, 26. Dezember 2014, 10:01

Lieber Andreas,
In der Rubrik "Tamino Klassikforum Organisation" findet man das "Themenverzeichnis klassische Musik".
Darin dann u.a. "Komponisten".
Dort gibt es dann mehrere Threads für "Dvorak", u.a. auch für seine 9.Sinfonie.
Auch Cesar Franck ist mit seinem Orgelwerk vertreten.
Ich benutze immer zuerst das Themenverzeichnis für die Suche nach Komponisten, Dirigenten, Pianisten, usw.,
erst wenn ich dort nicht fündig werde, benutze ich die Suchfunktion.
mfG
Michael

Norbert

Moderator

  • »Norbert« ist männlich

Beiträge: 7 304

Registrierungsdatum: 11. August 2004

98

Freitag, 26. Dezember 2014, 10:37

Hallo Norbert,

ich bitte Dich, meinen Beitrag in den bestehenden Thread einzufügen. Ich finde den Ttel allerdings unglücklich gewählt, deswegen habe ich es wohl auch nicht gefunden. "Aus der neuen Welt - Dvoraks Geniestreich" sucht man einfach nicht, wenn man seine neute Sinfonie beschreiben möchte. Vielleicht könnte man den Titel ändern.

Liebe Grüße

Andreas


Hallo Andreas,

das ist merkwürdig, denn im Themenverzeichnis heißt der Thread "DVORAK Antonin: Sinfonie Nr 9 Aus der Neuen Welt".
Da Alfred das Themenverzeichnis bearbeitet und er auch den Thread erstellt hat, sollte es ihm obliegen, den Titel ggfs. zu ändern.

Viele Grüße

Norbert als Moderator
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Melante

Profi

  • »Melante« ist männlich
  • »Melante« wurde gesperrt

Beiträge: 370

Registrierungsdatum: 28. September 2013

99

Sonntag, 28. Dezember 2014, 05:41

Für mich immer wieder Szell.

Offensichtlich höre ich das anders als andre.
Für mich ist Szell nie laut, nie perfektionistisch, nie kalt, sondern das Gegenteil.

Präzise ist er. Nie auf Effekt aus wie den Solti'schen Paukendonner zu Beginn.
Findet stattdessen die thematische Verzahnung der Sätze wichtig- und manchmal scheint er selbst überwältigt und lässt lieber Stille klingen.

Für mich ist die Neunte weniger wichtig als die Achte- doch Szells Lesart ist derart innig, liebevoll, geradezu schmerzlich schön, dass sie für mich eine Platte für die "einsame Insel" wäre.

Ganz nebenbei wird das Werk in die Nähe der Zeitgenossen gerückt, insbesondere in die eines Brahms.
Dessen Dritte klingt wie eine Schwester. Die liebliche, während Dvoraks die stolzere ist und schwerer zu erobern.

Herzliche grüße,
Mike
"Man kann die Menschen zur Vernunft bringen, indem man sie dazu verleitet, daß sie selbst denken." Voltaire

teleton

Prägender Forenuser

  • »teleton« ist männlich

Beiträge: 5 263

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

100

Sonntag, 28. Dezember 2014, 11:33

RE: Szell (CBS, 1959)

Lieber Szell-Fan,

an Deiner Einschätzung zur Szell-Aufnahme habe ich nicht das Mindeste auszusetzen, sondern teile sie soweit. Allerdings ist die Szell-Aufnahme schon eine der "härteren" mit eindeutig strafferem Zugriff. Auch die Pauken (die Du weniger "soltisch" haben möchtest) sind bei Szell voll OK.

Um so weniger bin ich auch den Beitrag 17 in diesem Thread einverstanden, aus dem ich das ziemliche Gegenteil deiner Worte zitiere:
:huh: Wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sein können.

Zitat

Der erste Satz kommt kalt und mechanisch daher, präzise gespielt, nein gepeitscht bis an den Rand der Erschöpfung (bei den Musikern und mir), so als wollte Szell die Musik (und die Aufnahme) so schnell wie möglich hinter sich bringen. Solcherart Passagen finden sich auch später, auch wenn die Sache langsam an Konzentration verliert. Wer Dvorak reduziert auf rohe Gewalt haben will, wird daran dennoch sein volles Vergnügen. Für mich war es schön herauszufinden, dass nicht alle Urteile nach ein paar Jahren zu revidierungsbedürftigen Vorurteilen mutieren. Nicht mein Dvorák, eine überflüssige Aufnahme.


:thumbup: Auch die Szell-Aufnahmen der Sinfonien Nr.7 und 8 stehen in meiner Gunst (neben Dohnanyi (Decca)) an der Spitze.

Der Vorteil dieser SONY-Doppel-CD ist zudem, dass die 3 grossen Dvorak - Sinfonien sehr gut remastert sind und auch die Neue Welt eindeutig besser und natürlicher klingt, als die in Beitrag 17 und 89 abgebildete Altausgabe, die ich bereits weitergegeben habe.


SONY, 1959 (9.), ADD
Gruß aus Bonn, Wolfgang

teleton

Prägender Forenuser

  • »teleton« ist männlich

Beiträge: 5 263

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

101

Samstag, 1. Oktober 2016, 16:21

Karajan / Wiener PH vs Karajan / Berliner PH

Uranus fragte vor zwei Jahren (Beitrag 93) nach Karajans Aufnahme mit den Wiener PH (DG, 1985).
Diese DG-CD habe ich letzte Woche auf dem Rheinauenflohmarkt Bonn in der Version als Karajan-GOLD-CD für 1Euro abgestaubt.

Mit Karajan und der neuen Welt hatte ich bis dahin wenig Bekanntschaft, weil andere zahlreiche TOP-Aufnahmen bei mir vorhanden sind. Aus diesem Grunde und weil mir Karajans Dvorak unbekannt war, hatte mir vor vielen Jahren ein Klassikforianer die Karajan-Aufnahme mit den Berliner PH ans Herz gelegt zukommen lassen, weil er diese als "Non-Plus-Ultra" ansah.

Ich hatte dieser Tage nun die Möglichkeit zum Vergleich.

-->
Spielzeiten: 9:58 - 12:27 - 8:36 - 11:25
DG, 1985, DDD

Mein erster Eindruck bei den Wiener PH war: Alles sauber mit Niveau, aber trotzdem etwas Bieder klingend. Die Tempi sind stimmig und weichen nur grob von seiner 1964er-Aufnahme ab. Keine fast brutalen Exzesse wie beim flotten Szell (SONY), oder so Hyperemotionsgeladen wie Bernstein (SONY). Die WPO klingen klassisch warm ... ohne Vergleich gibt es nichts auszusetzen ... ich fühle mich aber lange nicht so angesprochen, wie bei meinem Favoriten Solti (Decca), den ich auch erst vor wenigen Monaten durch Tamino-Empfehlung (ich glaube es war auch Uranus ?) angeschafft hatte. Die DG-Klangqualität ist äusserst durchsichtig - es werden keine Details verschluckt, auch jeder leise Paukenschlag ist vernehmbar - Klanglich eine Wucht. ;) Das sei denen mitgegeben, die Karajan-GOLD immer als etwas fürchterliches abtun ...
Die sehr schöne Maazel-Aufnahme mit den Wiener PH (DG, 1982) macht klanglich und vom orchestralen Gefüge einen ähnlichen und ebenfalls guten Eindruck.
(Die Moldau klingt ebenso mit Niveau, aber spannender ... eher bei Ancerl / Fricsay ...)



Spielzeiten: 9:18 - 13:06 - 8:13 - 10:58
DG, 1964, ADD

Dann Karajan mit den Berliner PH: Ich bin überrascht um wieviel fetziger und unmittelbarer das 1964 klingt. 8o Es liegt nicht am Tempo, sondern an den Akzenten, die Karajan emotionaler setzt. Das Largo wird auszelebriert. Von Glätte oder Schönklang keine Spur. Für mich eine Spitzenaufnahme die ins obere Drittel gehört und mir genau so gut gefällt, wie die grossartige Fricsay-Aufnahme (DG) ... auch wenn meine Favoriten die anderen Genannten sind.
Aber Karajan mit den Berlinern ... :thumbup: das ist ne Neue Welt, die trotz der analogen aber sehr guten Klangqualität doch mehr Hörspass macht, als seine wiener Spätaufnahme (das Gleiche gilt um so krasser für seine Tschaikowsky-Aufnahmen (Sinf.Nr.4-6), die mir aus Wien so ganz und gar nicht gefallen).
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Hüb'

Prägender Forenuser

  • »Hüb'« ist männlich
  • »Hüb'« wurde gesperrt

Beiträge: 1 502

Registrierungsdatum: 9. Juli 2007

102

Freitag, 28. Oktober 2016, 14:46

Hallo zusammen,

Antonin Dvorak (1841-1904)
Symphonie Nr. 9
+ Tschechische Suite op. 39; Mein Heimatland-Ouvertüre op. 62

stereo/multichannel (Hybrid), Super Audio CD 
Malaysian PO, Claus Peter Flor

Mit größtem Erstaunen hörte ich diese CD. Von Dvoraks Neunter gibt es so viele Aufnahmen wie von kaum einem anderen Werk (sollte ich schätzen, so würde ich behaupten, vermutlich mindestens 30 in der eigenen Sammlung zu haben, nimmt man LPs und CDs zusammen). Sicher einer DER Klassiker schlechthin und von ungebrochener Breitenwirkung. Wer zur Hölle braucht das, eingespielt vom Malaysischen Philharmonischen Orchester unter Leitung von CPF, mag man sich fragen? Hört man aufrechten Ohres unvoreingenommen hin, dann ist das eine der besten Einspielungen dieses durchgenudelten Werkes, denn hier passt wirklich alles. Die emotionale Ansprache im zweiten Satz ist überwältigend, die Linien des Dvorak'schen Werkes werden herrlich packend herausgearbeitet. Die vielen wunderbaren solistischen Momente (Holzbläser!) werden mit größtmöglicher Schönheit präsentiert. Das Tänzerische im dritten Satz gelingt hervorragend. Allein wie zu Beginn des ersten Satzes, bei ca. 1:00 Spieldauer, Streicher und Pauken einsetzen...Gänsehaut. Das ist eine ideale Aufnahme, in ihrer Mischung aus Emotion, zupackendem Musizieren, Transparenz und Klangschönheit. Auch tontechnisch ein Traum. Bin hin und weg... :hail:
Netz-Rezensionen: 1, 2, 3 (Amen!).

Viele Grüße
Frank

John Doe

Prägender Forenuser

  • »John Doe« ist männlich

Beiträge: 827

Registrierungsdatum: 27. Juni 2009

103

Freitag, 3. Februar 2017, 08:53

La Chambre Philharmonique - Emmanuel Krivine



Ohne ins Akademische zu verfallen arbeitet Krivine Details und Strukturen messerscharf heraus und fügt sie in seinen hoch dramatischen, leidenschaftlichen, ja fast schon wilden Interpretationsansatz ein.
Oder um es salopp zu formulieren, diese Aufnahme verhält sich zu älteren so, wie ein später Clint Eastwood Western zu einer frühen Bonanzafolge.

John Doe

  • »nemorino« ist männlich

Beiträge: 586

Registrierungsdatum: 31. Dezember 2017

104

Mittwoch, 14. Februar 2018, 18:09

Klemperer!

Ich bin erstaunt, daß bisher hier niemand Otto Klemperer genannt hat (oder habe ich da etwas übersehen?), der 1963 in London eine außerordentliche Aufnahme der "Neuen Welt" aufgezeichnet hat, unter der Regie des Produzenten Walter Legge. Amazon bietet sie als CD in mehreren Ausgaben an:


Hervorheben möchte ich, daß Klemperer, entgegen der damals üblichen Praxis, die Wiederholung der Exposition des Kopfsatzes bringt! Sie fehlt in praktisch allen Aufnahmen dieser Zeit, weder Karajan, Kubelik, Fricsay, Szell, Dorati, Giulini oder Kempe berücksichtigen sie.
Ich habe sie noch als LP in meiner Sammlung, sie sah so aus:

Auf der Rückseite schreibt der bekannte, 2006 verstorbene Musik- und Theaterkritiker Ulrich Schreiber zu dieser Aufnahme u.a. folgendes: " .... genau die Abkehr von plakativer Wirkung, wie eines Prärie-Sonnenuntergangs im Largo, eines Indianertanzes im Scherzo (das alles kann man in seriösen Büchern lesen), zeichnet die Interpretation Otto Klemperers aus. Er verzichtet auf überhitzte Dramatik wie auf verwischendes Sentiment, hält die Tempi durch sparsame Übergänge um eine ordnende Mitte gruppiert und widmet der Klarheit in der Nachzeichnung des Orchesterkolorits alle Sorgfalt. So hört man in seiner Aufnahme plötzlich Holzstimmen, die, der reinen Ausschmückung enthoben, zu funktionalen Elementen werden ...... unter Hintansetzung rein klang-sinnlicher Effekte. So gehört es auch zu Klemperers Auffassung, daß er das Finale langsamer nimmt als gewohnt, daß er sich nicht von der plakathaften Wirkung des "con fuoco" hinreißen läßt ...... Schließlich kann ein Feuer auch langsam brennen, was die Glut nur umso heftiger macht. Klemperer läßt diese Glut als den eigentlichen Organismus der Sinfonie zu Klang werden. Zum höheren Ruhme Dvoraks."
Manche haben Klemperer zum Vorwurf gemacht, er bringe mit seiner Lesart Dvorak in die Nähe von Bruckner oder gar Mahler. Ich kann das nicht nachvollziehen, aber auf jeden Fall fällt diese Aufnahme aus dem Rahmen des Üblichen und ist für mich eine der ganz großen Aufnahmen von "Old Klemp", die es nicht verdient hat, vergessen zu werden. :hail: :hail: :hail:


LG, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).