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Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Sonntag, 11. Februar 2018, 20:18

Ludwig van Beethoven - Seine Freunde und sein Umkreis

Dieser Thread ist gewissermaßen ein Bruder des Threads

Franz Schubert - seine Freunde und sein Umkreis

an dem das Interesse nun allmählich nachgelassen hat, der aber 50 Beiträge (auch wenn die meisten von mir erstellt wurden) und über 3600 Seitenaufrufe erzielt hat. Das sit natürlich nur ein momentaner Zwischenstand, denn vermutlich im herbst wird dieser Thread fortgeführt.

Heute geht es um die Bekanntschaften von Ludwig van Beethoven, über die - so glaube ich wenigstens - einer breiteren Öffentlichkeit (und ich meine hier die "Klassikhörer Szene) nicht allzu bekannt sein dürften. Ich werde also versuchen, einige Zeitgenossen, die mit ihm in Kontakt waren, freundschaftlich, feindschaftlich, wohlwollend oder mißgünstig in den Focus dieses Threads zu stellen und lade am Thema Interessierte ein, das Gleiche zu tun....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 923

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2

Dienstag, 13. Februar 2018, 16:13

Ich weiß nicht, ob das nur ein subjektiver Eindruck ist, aber die meisten Informationen in Bezug auf seinen Bekanntenkreis gibt es gibt es über Wolfgang Amadeus Mozart - wenn wir und mit Komponisten der Wiener Klassik befassen.
Auch über Beethoven gibt es viele Informationen, aber ähnlich wie bei Schubert - handelt es sich nur um ein relativ grobes Bild, oft von Vorurteilen gezeichnet und mit Anekdoten angereichert. Bei Mozart waren es Nemetschek, Pahlen, Braunbehrends und Hildesheimer, die Hildesheimer die wichtige Faskten und Deteils über seine Familiem seine Bekanntschaften, Kollegen, Konkurrenten und Förderer sammelten und dan - oft sehr subjektiv gefärbt - überlieferten. Bei Schubert was es Otto Erich Deutsch (1883–1967), der nicht nur das bekannte Verzeichnis, sonderen auch mehrere Bücher über das Leben von Schubert herausgab, wobei er sich dankenswerterweise sehr an zusammengetragene Berichte von Zeitzeugen aus dem Umkreis von Schubert hielt.
Sicher gibt es auch über Beethoven zahlreiche Literatur - aber ein Standardwerk, eine Beethoven-Bibel gewissernaßen, ist mir persönlich zumindest nicht bekannt. Es gibt zahlreiche Statemnts und Fakten über Beethoven, aber ich glaube, seine Personen, mit denen er täglichen Umgang pflegte sind weitgehend unbekannt. Es gibt immer wieder Namen, wie Czerny, Ries, Schindler etc, aber wie die Beziehungen zueinander waren, das dürfte nicht wirklich allzi bekannt sein. Beethoven und Kuhlau, Beethoven und Haydn, Beethoven und Goethe etc etc- Wie standen sie zueinander ? Wie beurteiten sie Beethoven, wie beurteilte er sie ?
Die Grundlagen für einen solchen Thread sind denkbar günstig, denn Beethoven ist der einzige Komponist, wo ausnehmend viele Gespräch in authentischer Fassung aufgezeichnet wurden, und zwar - durch Beethovens Ertaubung bedingt - in den "Konversationsheften" Beethovens, wo dieser den jeweiligen Gesprächsparner bat, seine Äussereungen und Fragen einzutragen, die dann er, Beethoven - ebenfalls schriftlich beantwortete.
Ein weitere gute Quelle sind zahlreiche Booklets von Klassik CDs, wo immer wieder kurze Episoden und Erlebnisse mit Zeitgenossen festgehalten sind.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Joseph II.

Prägender Forenuser

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Beiträge: 11 669

Registrierungsdatum: 29. März 2005

3

Dienstag, 13. Februar 2018, 17:04

Beethoven und Goethe: Das Treffen in Teplitz (Juli 1812)

Eine der interessantesten Begegnungen im Leben Beethovens war sicherlich jene mit dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe im Sommer des Jahres 1812 in Teplitz, 90 km nordwestlich von Prag. Der Tondichter traf den Dichter. Allein daran merkt man schon den allmählichen Wandel im Ansehen eines Komponisten, zuvor bloßer "Tonsetzer".

Beethoven hat das Treffen gesucht. Goethe war nicht abgeneigt. Als der Ältere und als lebende Legende wäre es aber abwegig gewesen, es hätte sich umgekehrt verhalten. Prof. Dr. Martin Geck hat in seinem informativen Artikel bei der "Zeit" recht, wenn er von einer "Begegnung zweier Generation, zweier Jahrhunderte" spricht.

Schon zuvor hatte sich Beethoven bekanntlich mit Goethe beschäftigt. Die Schauspielmusik zu "Egmont" gibt Zeugnis davon.

Die beiden trennt indes einiges. Während Goethe sich die Anrede "Excellenz" hart erarbeiten musste, hat sich Beethoven als "Napoleon der Musik" (Geck) die Gleichrangigkeit mit der Elite selbst zuerkannt.

Nichts verdeutlicht die Unterschiede zwischen Goethe als Mann des Ancien Régime und Beethoven als Revoluzzer besser als folgende berühmte Begebenheit in Teplitz:

Bei einem gemeinsamen Spaziergang kam ihnen der kaiserliche Hofstaat entgegen. Beethoven meinte gänzlich unbeeindruckt zu Goethe: "Bleibt nur in meinem Arm hängen, sie müssen uns Platz machen, wir nicht!" Goethe aber trat beiseite und zog untertänig seinen Hut. Das animierte Beethoven zu Tadel: "Auf Euch hab' ich gewartet, weil ich Euch ehre und achte, wie Ihr es verdient, aber jenen habt Ihr zu viel Ehre angetan!"

Bettine von Arnim zitiert folgendes Zeugnis, das ihr Beethoven angeblich selbst anvertraut habe: "Als wir gestern vom Spaziergang zurückkehrten, trafen wir die ganze kaiserliche Familie. Goethe ließ meinen Arm los und stellte sich an die Seite des Weges. Ich konnte ihn keinen Schritt weiter bewegen. So schob ich mir den Hut in die Stirn, schloss meinen Gehrock, verschränkte die Arme hinter dem Rücken und ging mitten durch die Gesellschaft hindurch. Prinzen und Höflinge bildeten Spalier, Herzog Rudolf verbeugte sich vor mir und die Kaiserin grüßte als Erste [...]"


Carl Röhling, Beethoven und Goethe in Teplitz (1887)

Quelle: http://www.zeit.de/2012/28/Beethoven-Goethe
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 480

Registrierungsdatum: 12. August 2005

4

Dienstag, 13. Februar 2018, 17:28

Die Beethoven-"Bibel" ist vermutlich am ehesten die Biographie von Alexander Wheelock Thayer (1. Aufl. 1866). Die ist zwar noch ziemlich nahe dran, aber eben nicht besonders wissenschaftlich-kritisch.
Die "neueren" mir bekannten Beethovenbücher fokussieren sich mehr auf die Musik, z.B.: Paul Bekker (1911), Walter Riezler (1936/1951), Lewis Lockwood (2003). Bei der neuesten Schwarte (Jan Caeyers 2012) bin ich noch nicht so weit.

http://www.zeno.org/Musik/M/Thayer,+Alex…eethovens+Leben

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 923

Registrierungsdatum: 9. August 2004

5

Dienstag, 13. Februar 2018, 18:19

Bezogen auf den Vorfall in Teplitz:
Beethovens Bericht wirkt hier durchaus glaubwürdig, und zwar aus zwei Gründen. Es war eher der Adel als die Könige und Kaiser, die die Standesunterschiede betonten. Die oberste Schicht war im allgemeinen nicht dünkelhaft, sie war nicht mehr zu toppen - und sie erkannte Genies in der Regel als ebenbürtig an. Ausserdem schätztn sie es - ausnahmsweise mal mit Leuten zu tun zu haben, die nicht buckelten, dienerten und heuchelten. Da gibt es in der Geschichte viele Beispiele, wie zum Beispiel Katharina die Große, die in lebhaftem Briefwechsel mit Voltaire stand, oder aber die Begebenheit, wo Karl V während einer Portraisitunge sich nach einem Pinsel bückte und ihn Tizian reichte, der diesem heruntergefallen war.

Beethoven war ausserst selbstbewusst und in gewissem Sinne sogar anmaßend

Er war unangepasst und brach zahlreiche Tabus - ob alles Überlieferte wahr ist, das weiss ich nicht.
Beethoven wurde vom Adel geradezu mit Geschenken überhäuft (dazu später mehr - von mir oder anderen Teilnehmern)
aber es war nicht unbedingt dankbar und ging auch nicht "ehrbietig" mit ihnen um

Einst bekam er von einem Fürsten einen prunkvollen Ring mit auffallenden
Beethoven wollte ihn sofort versetzen oder verkaufen. Dabei stellte sich heraus, daß der Stein unecht war, der Ring war wertlos.
Beethoven beschwerte sich - und erhielt zur Antwort: "Das Geschenk eine Fürsten verkauft man nicht !!"*


mfg aus Wien
Alfred

*) ich kann mich nicht für den Wahrheitsgehalt der Geschichte verbürgen,
wenn sie nicht wahr ist, so ist sie wenigstens gut erfunden

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