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La Roche

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1

Sonntag, 11. Februar 2018, 13:32

Opernrollen, die wichtig für das Verständnis der Oper sind, aber keine Rolle auf der Bühne bekommen

In Weiterführung des Threads über soiltäre Opernrollen möchte ich die Frage zur Diskussion stellen, in welchen Opern Personen eine bedeutende Rolle spielen, ja sogar das Bühnengeschehen beeinflussen, ohne daß sie der Librettist/Komponist mit einem Bühnenauftritt belohnt hätten. Es sind Personen, auf deren Namen Bezug genommen wird und die dennoch keiner zu Gesicht bekommt.

Dazu möchte ich gleich Beispiele nennen:

1. Agamemnon in der "Elektra". Agamemnon verteidigt sein Land im Krieg. Als er zurückkehrt, wird er umgebracht von seiner Frau Klytemnästra und ihrem Liebhaber Aegisth, mit einem Beil. Die gemeinsame Tochter Elektra wird weggesperrt, sie kann die Tatwaffe sichern, und immer wieder denkt sie im Kerker an ihren Vater und schwört Rache. Orest, ihr Bruder, kommt aus dem Ausland zurück und geht gleich zur Tat über, er bringt Klytemnästra um, man hört sie hinter der Bühne schreien. Makaber: Elektra verwünscht seinen raschen Abgang, wollte sie ihm doch das Beil geben und den Tod des Vaters stilgerecht zu rächen. Als Elektra erfährt, daß ihre Mutter tot ist, erzeugt das so viel Genugtuung in ihr, daß sie im Rausch zusammenbricht und stirbt.

2. Keukobad in "die Frau ohne Schatten". Der Kaiser erlegt bei einer Jagd eine weiße Gazelle, die sich als Tochter des Geisterkönigs Keukobad erweist. Dennoch heiraten die Beiden. Als Tochter eines Geistes hat sie keinen "Schatten", d.h. keine Seele, sie kann nicht gebären. Keukobad ist sauer, schickt seine Mitarbeiter, die Amme und den Geisterboten ins Erdenland, um die Ehe rückgängig zu machen. Der Kaiser hat 3 Tage Zeit, der Kaiserin ein Kindlein zu machen. Da das nicht zu gehen scheint, wird jemand gesucht, der seinen Schatten verkauft. Man wird in der Nachbarschaft fündig, die Frau des Färbers Barak hat kleinbürgerliche Tendenzen und verkauft ihre Seele um den Verlust der Liebe ihres Mannes. Wenn der Kauf der Seele in 3 Tagen nicht klappt, muß die Kaiserin zurück zu den Geistern und der Kaiser wird zu Stein. Daß zum Schluß trotz ständiger Intrigen der Amme und nochmaliger Vorsprache des Geisterboten die Liebe siegt, die Kaisein Kaiserin bleibt, das ist die humanistische Idee dieses fasziniernden Werkes.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

2

Sonntag, 11. Februar 2018, 14:24

Agamemnon verteidigt nicht sein Land, sondern führt eine Strafexpedition nach Troja an, um seinem Bruder Menelaos dessen "geraubte" (oder vielleicht doch eher entlaufene) Frau, die schöne Helena, wiederzukriegen. (Heute würde man vermutlich von einem "Bündnisfall" sprechen und es ist ein ähnlich fadenscheiniger casus belli wie bei den angeblichen "Bündnisfällen" der letzten Jahrzehnte.)
Sein beklagenswertes Schicksal ist letztlich das Resultat einer uralten Erbschuld, die auf den Frevel seines Ahns Tantalos, der den Göttern den eigenen Sohn Pelops zum Mahl vorsetzte, zurückgeht. Verdorben mit seiner Frau hatte er es sich aber, als er vor der Abfahrt nach Troja, als die Flotte wegen Flaute im Hafen festlag, die eigene Tochter Iphigenie opferte (die dann gnädigerweise in letzter Sekunde durch eine Hirschkuh o.ä. ersetzt und ans Schwarze Meer entrückt wurde, wo sich dann die Oper Iphigenie bei den Taurern abspielt).
Bezeichnend für die "Moral" der homerischen Heroen ist, dass Odysseus, als er überraschend seinen früheren Boss in der Unterwelt antrifft, zuerst vermutet, er sei wohl bei einem Raubzug (benachbarten Fürsten Rinder stehlen) oder einer Belagerung umgekommen. Das wäre immerhin standesgemäß gewesen. Aber gehörnt und im Bade hinterrücks erschlagen, ist natürlich richtig übel.

Das prominenteste Beispiel, das mir zum Titel einfällt, ist Wotan in "Götterdämmerung". Freilich kam er in den vorhergehenden Opern vor.

La Roche

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3

Sonntag, 11. Februar 2018, 15:00

Lieber Johannes Roehl,

politisch und fachlich mythologisch korrekt, Deine Beschreibung der Abwesenheit von Agamemnon. Er war halt im Krieg.

Ich kehre zurück zu Richard Strauss. Er muß ein Faible für abwesende Darsteller haben. In der schon von vielen als eine Art Lieblingsoper aufgeführten "Ariadne auf Naxos" geht ohne den "reichen Mann" gar nichts. Weder die Komödie noch die Oper und auch nicht das Feuerwerk können abgespielt werden ohne seine Erlaubnis. Er kommt aber nicht auf die Bühne (außer in Neudeutungen) und bleibt ein Phantom.

Herzlichst La Roche
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La Roche

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4

Montag, 12. Februar 2018, 14:20

Dann mache ich mal den Alleinunterhalter weiter.

Im Tannhäuser gebührt dem Papst eine Phantomrolle. Der Vergebung erhoffende Tannhäuser pilgert zu ihm und wird enttäuscht. Der Papst entscheidet sich gegen Tannhäuser und läßt dessen Leben den bekannten Verlauf nehmen.

Herzlichst La Roche
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orsini

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5

Dienstag, 13. Februar 2018, 18:59

L'Arlesiana von Francesco Cilea

auch die Namensgeberin von Cileas Oper, das Mädchen aus Arles, tritt in der gesamten Oper nicht auf. Sie ist aber der Grund, für die unglückliche Liebe und letztlich auch für den Tod des "Helden" der Oper, Federico. Sehr bekannt dürfte die auch "Lamento" genannte Arie des Federico "E la solita storia del pastore" sein, hier in einer Aufnahme mit Tito Schipa:

... in diesem Sinne schöne Grüße von orsini

„Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.“
Curt Goetz

La Roche

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6

Dienstag, 13. Februar 2018, 19:42

Hallo, Orsini,

Leider ist die LÀrlesiana keine vielgespielte Oper, mir ist sie außer einigen Arien auf noch keiner Bühne in meinem Einzugsbereich vorgekommen. Tito Schipa singt die Arie wunderbar. Ich stelle Dir einen meiner Lieblingstenöre in dieser Rolle vor, den litauischen Tenor Virgilius Noreika, der in der DDR ab und zu an der Berliner Staatsoper gastierte und es bis zur Scala in Mailand gebracht hat.

Hier seine Federico-Arie



Nun weiter zum Threadthema.

Ich nenne die Mutter Don Joses aus Carmen, die Micaela schickt und Grüße, Geld und einen Kuß überbringen soll. Die Mutter wünscht, daß die beiden ein Paar werden. Es klappt ja nicht. Mutter hat es nicht geschafft.

Herzlichst La Roche
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orsini

Schüler

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7

Dienstag, 13. Februar 2018, 21:39

hallo La Roche,

nochmal zu L'Arlesiana: ja, ich habe das Stück auch nur einmal 2002 im Rahmen der Sonntagskonzerte des Bayerischen Rundfunks gehört (konzertant) gehört. Sehr häufig wird es im deutschsprachigen Raum nicht aufgeführt, szenisch dann gleich noch weniger.

Allerdings scheint es gerade jetzt im Februar (21. und 24.) zwei konzertante Aufführungen an der Deutschen Oper in Berlin zu geben in einer sehr vielversprechenden Besetzung https://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/…ertant.14536490
Dirigent: Paolo Arrivabeni
Rosa Mamai: Dolora Zajick
Federico: Joseph Calleja
Vivetta: Mariangela Sicilia
Baldassare: Markus Brück
Metifio: Seth Carico
Marco: Byung Gil Kim
L'Innocente: Meechot Marrero

es grüßt,
orsini
... in diesem Sinne schöne Grüße von orsini

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Curt Goetz

Stimmenliebhaber

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8

Dienstag, 13. Februar 2018, 23:27

Allerdings scheint es gerade jetzt im Februar (21. und 24.) zwei konzertante Aufführungen an der Deutschen Oper in Berlin zu geben in einer sehr vielversprechenden Besetzung https://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/…ertant.14536490
Dirigent: Paolo Arrivabeni
Rosa Mamai: Dolora Zajick
Federico: Joseph Calleja
Vivetta: Mariangela Sicilia
Baldassare: Markus Brück
Metifio: Seth Carico
Marco: Byung Gil Kim
L'Innocente: Meechot Marrero
Am 24.2. bin ick drin! :)
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Alfred_Schmidt

Administrator

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

9

Mittwoch, 14. Februar 2018, 00:06

Der Beherrscher des alles verzehrenden Sonnenkreises, Ehemann der Königin der Nacht und Vater Paminas.
Er ist ungeheuer wichtig, denn sein Sonnenkreis gibt jetzt Sarastro, dem er dieses Tool* vermacht hat die nötige Power*
um dem Tage den Sieg über die Nacht zu verschaffen. Eine posthume Heilsgestalt also, die zu allem Überfluß auch noch die Zauberflöte aus Eichenholz geschnitzt haben soll (in manchen Versionen der Vorgeschichte ist die Flöte indes aus Gold - eine wissenschaftlich-kritische Untersuchung wäre hier angezeigt)

mfg aus Wien
Alfred

*Produkte des Tamino Projekts: Zeitgemässe verständliche Sprache

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Joseph II.

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Registrierungsdatum: 29. März 2005

10

Mittwoch, 14. Februar 2018, 00:24

Napoleon, seinerzeit noch Erster Konsul der Französischen Republik, spielt eine bedeutende Rolle im Hintergrund von Puccinis "Tosca". Der (vermeintliche) österreichische Sieg über die Franzosen in der Schlacht bei Marengo (14. Juni 1800) ist der Grund für das Te Deum am Ende des ersten Aktes der Oper.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Stimmenliebhaber

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11

Mittwoch, 14. Februar 2018, 00:51

Noch bedeutender für das Verständnis der Handlung dieser Oper scheint mir der Conte Palmieri zu sein. ;)

Und natürlich die Marchesa Attavanti! :rolleyes:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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