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Alfred_Schmidt

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1

Dienstag, 19. Dezember 2017, 22:31

Ludwig van Beethoven: Eroica - Variationen op 35

Eigentlich heisst dieses Werk "Fünfzehn Variationen und Fuge auf ein Originalthema in Es -Dur "Eroica" op 35
UInd hier sehen wie, daß nicht nur Rossini und Bach gute Mehrfachverwerter ihrer Kompositionen waren, denn das Thema, das wir alle so lieben ist älter als die 3. Sinfonie. Es wurde schon im Balett "die Geschöpfe des Prometheus" verwendet, und stammt aber ursprünglich aus den Contretänzern WoO Nr 14, die Variationen selbst wurde VOR Beethovens 3, Sinfonie wo das Thema im 4. Satz Verwendung fand veröffentlicht. Die Namensgebung erfolgt daher folgerichtig erst im nachhinein.
Insgesamt hat also Beethoven das Thema in vier Werken verwendet. Ich hatte mich nicht näher mit diesem Werk befasst, es erschien mir ein "selbverständliches Stück" von angenehmer Melodik und tänzerischem Grundton zu sein, das weitgehend von Interpreten unabhängig sei. Eine Hörsitzung heute vormittah brachte mein diesbezügliches Weltbild ins Wanlen. Na ja - ganz so arg war es auch wieder nicht, aber immerhin wollte ich heute Abend ein paar Anmerkungen im Eroica-Variationen.Thread machen - bis ich entdeckte, daß es noch gar keinen gab. Das wurde somit soeben geändert.....

mfg aus Wien
Alfred

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teleton

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2

Mittwoch, 20. Dezember 2017, 11:10

Mit meiner einzigen Aufnahme von Jenö Jando bin ich sehr zufrieden und höre die Eroica Variationen ab und zu auch sehr gerne.
Die Variationen sind hier in einem einzigen Track und dauern 24:37.

Die CD enthällt noch 3 weitere kürzere Variations-Klavierstücke:
WoO 70 und 80, 6 Variationen f-Dur op.34


NAXOS; 1992, DDD
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Alfred_Schmidt

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3

Mittwoch, 20. Dezember 2017, 16:16

Ich habe mir als Referenz die Kempff Aufnahme hergenommen, Er spielt sehr kultiviert und klangschön, vermeidet aber größerere dynamische und Temposprünge. Die Aufnahmetechnik der DGG ist DGGtypisch: Klar und uvezerrt, wenig räumlich und etwas zurückgenommen in den Bässen, was Kempffs Lesart noch unterstreicht,
Die CD ist bereits gestrichern. (sie ist kombiniert mit den Diabelli.Variationenm allerdings gespielt von Geza Anda - ein Coverbild ist nicht mehr vorhanden)

Ich habe übrigens erneut über das Werk nachgelesen, die Urversion des Themas stammt aus dem Ballet "Die Geschöpde des Prometheus", erst anschliessend erfolgte die Einbindung in die Contretänze. Danach kanmen die Variatieonen und erst zulestr wurde das dema in 4 Satz der Eroica verwendet. Der Autor eine Booklets schrieb, eigentlich müssten die Variationen den Titel "Prometheus.Variationen" tragen.....

mfg aus Wien
Alfred

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musikwanderer

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4

Mittwoch, 20. Dezember 2017, 16:39

Wie teleton habe ich auch die Naxos-Aufnahme mit Jeno Jando, den ich schon seit langem für einen guten Allrounder halte. Es mag, nein: es wird! bestimmt bessere Pianisten in Sachen Beethoven geben, doch des Ungarn breites Interpretationsspektrum ist in meinen Augen schon ein beachtliches Plus. Die Eroica-Variationen (oder wie man sie auch immer nennen will [Beethoven hat sie jedenfalls so betitelt], sind bei Jando (seinen Namen findet man in ebenso vielen Variationen notiert, wie das op. 35 ;) ) in guten Händen. Insofern hatte ich nie das Bedürfnis, für diese Komposition größere, bekanntere (oder gepushte) Pianisten zu besitzen...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Dr. Holger Kaletha

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5

Mittwoch, 20. Dezember 2017, 17:16

Ich habe mir als Referenz die Kempff Aufnahme hergenommen, Er spielt sehr kultiviert und klangschön, vermeidet aber größerere dynamische und Temposprünge.
Die Eroica-Variationen habe ich live mit Emil Gilels erlebt, in seinem letzten Solo-Beethoven-Abend in der Düsseldorfer Tonhalle. Das Stück mit seinem Humor, seiner großen Dynamik, seiner Virtuosität, ist Gilels wie auf den Leib geschneidert. Das ist für mich die Über-Referenz. Das gibt es als Studioaufnahme der DGG und auch noch aus demselben Jahr wie das Konzert damals in Düsseldorf einen Live-Mitschnitt der BBC. :)



Der Ravel - besonders Alborada del gracioso - ist übrigens sagenhaft. Das stellt selbst Lipatti in den Schatten.

Schöne Grüße
Holger

Alfred_Schmidt

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6

Mittwoch, 20. Dezember 2017, 18:45

Der nächst, an dem ich nicht verbeigehen kann ist Alfred Brendel. Hier nun ein Videoclip. Die Philips Aufnahmen sind ja leide nicht mehr einzeln erhältlich. Wenn ich denke, was die DGG aus den Aufnahmen marketingmäßig gemacht hätte ....
Im Internet hat jemand geschrieben, Brendel wäre nicht sein Lieblingskomponist, makellos aber langweilig !!!!!
Man sollte die menschliche Blödheit in elektischen Strom umwandeln können, dan wären über die nächst Million Jahre das Energieproblem dieser Welt gelöst...vielleicht auch auf Immer. Zumindest war dies Einsteins Eindruck...

Brendel ist kein Freund von überzogener Dynamik, er bringt indes filigrane Strukturen gerne in deb Vordergrung. Hier ist er zumindest signifikant dynamischer als Kempff und auch sehr analytisch und differenzierend.



mfg aus wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

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7

Mittwoch, 20. Dezember 2017, 19:43

Zu unterschiedlichen Einspielungen finden sich schon einige Kommentare in einem allg. Thread zu Beethovens Klaviervariationen.

Zwar hat Beethoven auch sonst vereinzelt Themen wiederverwendet, aber einzigartig scheint mir die Parallele dieser Variationen mit dem Eroica-Finale. Dass das bis dato gewichtigste Variationenwerk nicht nur Thema, sondern auch teilweise Struktur des Finales der größten Sinfonie bestimmt, ist sehr ungewöhnlich. (Auch wenn ich sehr skeptisch programmatischen Deutungen gegenüberstehe, ist das für mich ein Punkt, der für ein "Prometheus-Programm" der Eroica spricht.)

Beethoven hat die beiden Variationen opp.34 und 35 etwa gleichzeitig mit den jeweils drei Klavier bzw. Violinsonaten op.30 und 31 komponiert und im Kontext all dieser Werke sprach er ggü. einem Verleger von dem "neuen Weg", den er nun eingeschlagen habe. Zwar ist es nicht neu, Variationen mit einer Einleitung zu versehen (das findet sich z.B. in eher leichtgewichtigen virtuosen Variationen von Rossini oder Weber). Aber Beethoven gestaltet die Einleitung bekanntlich über den Bass des Themas (und genauso in der Sinfonie). Dieser wird vorgestellt und drei Variationen unterzogen, die wie eine Art Kontrapunktübungen (von zwei bis vierstimmigem Satz und mit zunehmender Verkleinerung der Notenwerte der umspielenden Stimmen, der "Bass" wandert ab der 2. als "Melodie" in die Oberstimme) wirken.

Dann erst folgt das eigentliche Prometheus-Thema. Ich weiß nicht, ob Beethoven der erste war, der eine Fuge ans Ende der Variationenreihe stellte (es gibt ähnliches in einem späten Haydn-Quartett (op.76:6, 1. Satz), aber nicht bei einem eigenständigen Klavierwerk, aber es mag etwas bei weniger bekannten Komponisten geben), aber es wurde dann ja bei Brahms und Reger so gängig, dass Kagel veräppelnd "Variationen ohne Fuge" gemacht hat. Vor dem Hintergrund, dass zu Beethovens Zeit Variationen (einschl. Beethovens eigener früher Werke) nahezu durchweg leichtgewichtige Werke, meist über populäre Arien oder Lieder waren, ist das Auftreten der "gelehrten" Fuge sicher auch ein Schritt, die Gattung als seriös zu etablieren.

Noch interessanter ist vielleicht die Gestaltung des letzten Teils der Komposition insgesamt:
Var. 14 Minore (es-moll) wird wieder vom Bassthema dominiert
dann folgt
Var. 15 "Maggiore" in langsamem Tempo (Largo) mit überbordenden Figurationen, soweit noch vergleichsweise konventionell, das könnte man in etwas kleinerem Rahmen auch in einer Variationenreihe Mozarts finden.
Es folgt eine Coda, die aber nicht zum Ende, sondern zum "eigentlichen" "Finale alla Fuga. Allegro con brio" über ein Thema mit den ersten drei Bassnoten als Themenkopf führt.
Aber das ist immer noch nicht das Ende! Denn nach der Fuge gibt es, wieder in langsamerem Tempo Andante con moto eine Art ausgeschriebenes, wiederum reich verziertes da capo des Themas.

Interessant auch, was davon im Eroica-Finale erhalten bleibt:
- Die Einleitung mit dem Bass, vor die dort noch eine kurze schnelle Einleitung, quasi ein "Tusch" geschaltet wird, dafür gibt es nur zwei, statt drei Variationen über den Bass.
- fugierte Abschnitte hat das Eroica-Finale sogar zwei, allerdings mittendrin.
- ebenso den langsamen Abschnitt, in dem das Thema hymnisch gesteigert wird
- anders als bei den Klaviervariationen folgt in der Sinfonie noch eine schnelle Coda/Stretta

Bei den etwa 20 Jahre später komponierten Diabelli-Var. gestaltet Beethoven den Schlussabschnitt wieder ähnlich:
Var. 29-31 sind in langsamem Tempo und in Moll (davon #31 eine klare Reminiszenz an die berühmte Var. 25 der Goldbergvar.)
Var. 32 ist eine Fuge (Es-Dur)
Var. 33 ist das "verklärte Dacapo", in dem der derbe Walzer (als Schusterfleck soll Beethoven Diabellis Thema bezeichnet haben) in ein reichverziertes Menuett transformiert wird.

clck 204

Alfred_Schmidt

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8

Samstag, 23. Dezember 2017, 00:56

Ich habe mir ein wenig Zeit gelassen, aber der eigentliche Auslöser für diesen Thread war die abgebildete CD (die ich übrigens versehentlich 2 mal gekauft habe, also etwas für künftige Preisrätsel)
Als ich diese Aufnahme das erste mal BEWUSST hörte, war ich irgendwie überrascht. SOO hate ich das Werk nicht im Ohr.
Eine Vergewaltigung oder ein Geniestreich ? Oder ist der Unterschied zu anderen Interpretationen nur eingebildet. Ich kramte in meiner Sammlung vorerst Wilhelm Kempff hervor, der mir als "neutral" im guten Sinne des Wortes gilt. Das war natürlich unfair, weil hier im voraus ziemlich klar war, daß es hier gigantische Auffassungsunterschiede geben würde. Brendel war schon entscheidend "entschiedener" als Kempff.
Der Koreaner Ian Yungwook Yoo bringt aber einen sehr wuchtigen Beethoven mit grollendem Baß und andrerseits sehr zarten und verspielten Teilen zu Gehör, sehr eigenwillig, sehr interessant, Wuchtig und fein ziselisier gleichermassen, gelegentlich auch witzig verspielt, und wer will wird auch eine gewisse Verschrobenheit orten. Hier wird es vermutlich so sein, wie bei Glenn Gould, Man mag diese Interpretation, oder aber man lehnt sie vehement ab.
Im Gegensatz zu Gould (den ich vielleicht doch öfter hören sollte um ihn zu verstehen ?-Will ich das überhaupt) hat mich der Koraner Ian Yungwook Yoo relativ bald in seinen Bann gezogen.

Vielleicht hat ja noch jemand die Aufnahme

mfg aus Wien
Alfred

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sagitt

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9

Samstag, 23. Dezember 2017, 08:19

Sagitt meint:

Nicht nur manuell perfekt. Auch die Interpretation finde ich beeindruckend:

https://www.youtube.com/watch?v=dkn-1OS9lRM

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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10

Samstag, 23. Dezember 2017, 09:37

NB die Studio-Aufnahme Goulds ist erheblich langsamer und "analytischer" (und klingt auch deutlich besser als das Fernsehprogramm). Ungeachtet der stellensweise etwas breiten Tempi finde ich diese Aufnahme (mit den Variationen op.34 und WoO80) eine der besten und eine von Goulds besten Einspielungen.

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