Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Helmut Hofmann

Prägender Forenuser

  • »Helmut Hofmann« ist männlich

Beiträge: 5 592

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

31

Mittwoch, 7. Juni 2017, 18:41

Vielleicht – animiert durch Alfreds Freude über das „gute Laufen" dieses Threads - noch eine Anmerkung zu Josef von Spaun.
Es wurde ja schon darauf hingewiesen (durch Alfred selbst und durch hart), welche Bedeutung er für das kompositorische Schaffen von Schubert hatte, indem er ihn immer wieder ermutigte, gleichsam seine schützende Hand über ihn hielt und ihn „fleißig mit Vorwürfen“ versorgte. Aber es war wohl auch ein wechselseitig enges menschliches Verhältnis, was beide miteinander verband.

Als Spaun 1821 nach Linz versetzt wurde, beklagte er, dass Schubert nun für ihn „verklungen“ sei. Dieser wiederum verspürte durch diese Versetzung von Spaun eine „unausgefüllte Leere“ und widmete ihm sein „Liederheft oo.13“ mit den Titeln „Der Schäfer und der Reiter“, „Lob der Tränen“ und „Der Alpenjäger“.
Vielsagend ist der die Widmung begleitende briefliche Kommentar, weil er erkennen lässt, dass sich Schubert sehr wohl dessen bewusst war, was Spaun für ihn bedeutete und wie viel er ihm schuldete. Sie lautet:
„Ich hoffe Dir durch die Dedication dieser drey Lieder eine kleine Freude zu machen, die Du aber so sehr an mir verdient hast, daß ich Dir wirklich u. ex officio eine ungeheure machen sollte (…). Auch wirst Du mit der Wahl derselben zufrieden sein, indem ich die wählte, die Du selbst angegeben hast.“

Spaun steuerte zu Schuberts Liedkompositionen den Text von „Der Jüngling und der Tod“ bei und widmete sich in engagierter Weise seinem Andenken, indem er einen Nekrolog „Über Franz Schubert“ verfasste und die letzte „Schubertiade“ vom 23. Dezember 1828 initiierte, auf der durch Vogel späte Liedkompositionen Schuberts vorgetragen wurden, unter anderen „Der Doppelgänger“ und „Die Taubenpost“.

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 364

Registrierungsdatum: 9. August 2004

32

Freitag, 9. Juni 2017, 11:07


FERDINAND HILLER

Bildarchiv ÖNB Inventar Nr PORT_00154264_01


Heute steuere ich unserem "Puzzle" eine Szene bei, die vom 16 jährigen Ferdinand Hiller erlebt und aufgezeichnet wurde. Man beachte hierbei das analytische Ohr, das, bei aller Begeisterung, die Schwächen der Stimme des alternden (er war 59) und schon in Pension befindlichen Hofkammersängers Johann Michaek Vogl bemerkt, und auch Schuberts Klavierspiel unbarmherzig entmystifiziert - und dennoch hat Hiller die Ausstrahlung der beiden gespürt und eindrucksvoll schriftlich festgehalten.

Ferdinand von Hiller (1811-1885) war seit seinem 10 Lebensjahr ein Schüler Hummels, mit dem er im März 1827 Wien besuchte, wo er kurz vor dessen Tode Ludwig van Beethoven traf, und auch Franz Schubert. Über einen solchen Besuch hinterließ er folgende Aufzeichnungen;

Zitat

Als ich im Winter 1827 mit meinem Meister nach Wien reiste, wo ich Beethoven , wenige Wochen vor seinem Tode noch sehen und sprechen sollte, hatten wir Schubert nie nennen hören. Eine Jugendfreundin Hummels, die frühere Sängerin Buchwieser, damals die Gattin eines reichen ungarischen Magnaten schwärmte für ihn, oder vielmehr für seine Gesänge, und in deren Hause wurde er dem berühmten Kapellmeister vorgestellt,
Wir speisten dort mehrmals in Gesellschaft des stillen jungen Mannes und seines Leibsängers, des Tenoristen Vogl. Letzterer, schon ältlich, aber voller Feuer und Leben, hatte sehr wenig Stimme mehr – und das Klavierspiel Schuberts war – trotz einer nicht unbedeutenden Fertigkeit - weit entfernt meisterlich zu sein.
Und doch habe ich die Schubertschen Gesänge nie wieder gehört wie damals! Vogl wusste seinen Mangel an Stimme durch innigsten, treffendsten Ausdruck vergessen zu machen, und Schubert begleitete wie er begleiten musste. Ein Stück folgte dem anderen - wir waren unersättlich – die Ausführenden unermüdlich. Ich habe noch meinen dicken, treuherzigen Meister vor Augen, wie er in dem großen Salon, seitwärts vom Piano auf einem bequemen Sessel saß - er sagt wenig, aber die hellen Tränen liefen ihm über die Wangen. Wie mir dabei zumute, vermag ich nicht zu schildern, es war eine Offenbarung.


Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 364

Registrierungsdatum: 9. August 2004

33

Samstag, 17. Juni 2017, 23:11

Ein weiterer Stein in unserem Puzzle ist die Beschreibung Schuberts durch Joseph von Sonnleithner.
Er beschreibt Schubert als schüchtern und wortkarg, nicht auf Ruhm und Komplimente ausgerichtet, gefällig auf Hausbällen in Famlienkreisen Walzer am Klavier zu inprovisieren, wovon er jene die ihm am besten gefiele spiäter niederschrieb. Er selbst war Nichttänzer (wie später auch Johann Strauß)
Sene Ideale waren Mozart und insbesondere Beethoven dessen Sinfonien ihn begeisterten. Interessant ein Satz bei Sonnleithner "Von einem Zukunftsmusiker hatte er keine Spur an sich "

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 364

Registrierungsdatum: 9. August 2004

34

Montag, 19. Juni 2017, 03:25


Franz Lachner 1835 - Lithographie von Staub


Interessant sind auch die Erinnerungen von Franz Lachner (1803-1890), der im Alter von 19 Jahren nach Wien kam, Schubert war damals 25. Lachner und Schubert speisten unabhängug voneinander des öfteren im selben Lokal, namens „Haidvogel“ in Stephansplatznähe Es wurde noch zu Lachner Lebzeiten abgebrochen. Man lernte sich bei einem Konzert näher kennen und befreundete sich, Lachner lernte durch Schubert Bauernfeld, Schwind, Randhartinger, Lenau, anastasius Grün, Grillparzer, Castelli, Theodor Georg von Karajan, Dessauer, Feuchtersleben ua. Im Gasthaus „Zum Stern“ auf der Brandstätte traf man sich dort, es gab Dichterlesungen und Gedichte wurden den dort teilnehmenden Komponisten zur Vertonung überlassen.
Lachner und Schubert unternahmen Regelmäßig Spaziergänge nach Hietzing, Dornbach, Klosterneuburg auf den Kahlenberg und den Leopoldsberg.
Lachner und Schubert zeigten einander ihre Kompositionsentwürfe. Lachner wohnte in einem Gartenhaus und Schubert besuchte ihn oft (Wenn ich mir die Anzahl von Schuberts Freunden und seine Kontakte ansehe, dann frage ich mich, wann der überhaupt zum Komponieren Zeit fand, In ebendiesem Gartenhaus wurden zahlreiche Werke Schuberts im privaten Kreis uraufgeführt, z.B: die vierhändige Phantasie in f-moll op 103 (heute D 940, aber das konnte Lachner natürlich noch nicht wissen).


Phantasie in f.moll op 103 D 940

________________________________________________________________________________


mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 364

Registrierungsdatum: 9. August 2004

35

Freitag, 30. Juni 2017, 11:12

Eine weitere Person im Leben von Franz Schubert war Albert Stadler (1794-1884)
Von ihm scheint es nicht mal ein Portrait zu geben, die Recherche bei allen in Frage kommenden Quellen war negativ. Und dennoch ist er eine für die Schubert-Forschung bedeutende Persönlichkeit. Er kannte Schubert noch vom Konvikt in Kremsmünster her. Hatte mit ihm aber auch noch später Kontakt, was lt. seinen Berichten nicht gerne gesehen war, da man (vermutlich zu recht) Ablenkung von Schuberts Studien – und da waren nicht die musikalischen gemeint - befürchtete.
Ich komme nun auf Stadlers Berichte zurück, wer die treibende Kraft hinter dem ganzen Projekt war. Das habe ich bislang noch nicht herausgefunden – vermutlich war es Ferdinand Luib (Redakteur, Schriftsteller, für kurze Zeit (1847/48) Herausgeber der "Neuen Wiener Musikzeitung“, der seit 1847 eine Schubert Biographie plante - aber sämtliche Freunde und auch Bekannten wurden aufgefordert, aus ihren Erinnerungen über Erlebnisse mit Schubert zu berichten. Da kam eine ganze Menge an Material zusammen, beispielsweise viele Briefe. Sogar ein Teil der verschollenen konnte grob rekonstruiert werden, wenn Antworten darauf vorhanden waren.
Stadler berichtete, dass Schubert in der Zeit um 1815 oder knapp danach, sich oft mit Freunden traf und dass er ihnen oft seine Gelegenheitswerke überließ. Stadler sammelte einige davon und fertigte teilweise auch Abschriften an. Diese sind oft die einzige Quelle zu diesen Werken, deren Original verloren gegangen ist.
Albert Stadler selbst war Beamter, Komponist und Schriftsteller. Es wird vermutet, dass er seine musikalische Ausbildung durch Salieri erhielt, Schubert vertonte einig seiner Dichtungen und widmete ihm zwei seiner Kompositionen (D 565 und D 685)
Ein von Stadler komponierter Streichqartettsatz wurde früher Schubert zugeschrieben.

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Helmut Hofmann

Prägender Forenuser

  • »Helmut Hofmann« ist männlich

Beiträge: 5 592

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

36

Freitag, 30. Juni 2017, 11:56

Zit. Alfred Schmidt (schön, dass wir ihn nun in Original-Foto unter uns haben): "...vermutlich war es Ferdinand Luib...".

Aus einem Brief Ferdinand Schuberts geht hervor, dass Ferdinand Luib seit 1847 großes Interesse "an dem Renommee" Schuberts zeigte. Er plante eine Schubert-Biographie und besorgte sich dazu Material vom Schubert-Biographen Ludwig Gottfried Neumann. In den Jahren 1857/58 sandte er Fragebogen an Angehörige des Schubert-Kreises und erhielt zahlreiche Antworten, u.a. auch von Stadler. Das Material soll dann, nachdem Luib den Plan aufgegeben hatte, in die Hände von Heinrich Kreißle gekommen sein, der 1865 eine Schubert-Biographie publizierte (Verlag Gerold´s Sohn, Wien).

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 088

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

37

Donnerstag, 13. Juli 2017, 23:12



Mit dem Hinweis auf dieses kleines Büchlein möchte ich den schönen Thread wieder hervorholen. Es ist in der Insel-Reihe erschienen und mehrfach aufgelegt worden. Inhaltlich bietet es eine sehr kompakte Zusammenstellungen von Auszügen aus Briefen, Erinnerungen und Tagebüchern. Als Motto ist ein sehr hintergründiger Eintrag aus Schuberts Tagebuch vorangestellt: "Glücklich, der einen wahren Freund findet. Glücklicher, der in seinem Weibe einen wahren Freund findet."

Und noch zwei weitere Literaturhinweise zum Thema:

Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 364

Registrierungsdatum: 9. August 2004

38

Samstag, 18. November 2017, 04:46

Ende Juni hatte ich das entliehene Buch, aus dem ich zahlreiche Informationen entnahm wieder zu retournieren, ich entschloß mich, so nicht jemand anderer Aktivitäten setzte, diesen Thread bis Herbst ruhen zu lassen und dann fortzusetzen, da ich der Meinung war, es wäre schade dieses Thema, das ein sehr spezifisches ist, im Sommer, wo vile Mitglieder abwesend sind, fortzuführen.

Nun - wir erreichen nun bald den Winter und somit wäre es hoch an der Zeit, Das Buch, das mir damals so viel geholfen hatte, konnte ich heute nicht finden. allerdings - und ich war sehr verwundert darüber - fand ich eine ganze Menge weiterer Bücher, wo Namen vorkamen und Ereignissen von denen ich bislang nichts gehört hatte.
So konnte ich einem beispielsweise entnehmen, daß Schubert zeitweise Mitglied der "Unsinnsgesellschaft" war, einer Gruppe junger Dichter, Maler und Thaterleute etc, die allesamt unter Pseudonymen aktiv waren. Da wurde geblödelt was das Zeug hielt. Schubert hatte dort das Pseudonym „Ritter Cimbal“ Es gibt ein eigenes Buch über diesen Kreis, das ich indes leider nicht ausgeliehen habe, weil es mir für meine Zwecke zu spezifisch schien, und ich meinte, die wichtigsten Infos würde ich im Internet finden, eine krasse Fehleinschätzung.

Schubert wird hier nur selten in diesem Zusammenhang genannt und ich musste eine halbe Stunde recherchieren, bis ich Schuberts Pseudonym (das ich mir ohnedies gemerkt hatte - aber ich war niicht sicher) bestätigt bekam. Die humorige Seite Schuberts dürfte sich mit den hierzulande herschenden Clichees über ihn nicht gut vertragen, englischsprachige Seiten interessierten sich mehr dafür.

Das von mir nicht mitgenommene Buch habe ich soeben als Rezension im Internet gefunden:

Die Unsinnsgesellschaft: Franz Schubert, Leopold Kupelwieser und ihr Freundeskreis.
By Rita Steblin, with Erich Benedikt, Walther Brauneis, Ilija Dürhammer, Herwig Knaus, Michael Lorenz, and Gerhard Stradner. Vienna: Böhlau, 1998. [xiv, 490 p. ISBN 3-205-98820-5. DM 99.]

Dort finden wir auch den interessanten Satz:

"The Unsinnsgesellschaft has not been the subject of previous studies because its separate existence has not been recognized."

Dieses SEPARATE bezieht sich auf Vorgänger- bzw Parallelorganisationen uns ist ein Geschicte für sich.

Für uns ist sie nur ein Nebenschauplatz - aber eine interessante "Aufwärmübuung" für diesen Thread, der allmählich wieder an Fahrt gewinnen sollte

mfg aus Wien
Alfred

PS: Das Buch gibt es auch in deutscher Sprache....

clck 2671

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 088

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

39

Samstag, 18. November 2017, 08:24

Schön, dass Du das Thema wieder aufgreifst. Es ist ja längst nicht erschöpft. Interessant ist der Hinweis auf die ominöse Unsinnsgesellschaft. Die passt natürlich nicht ins geläufige Schubert-Bild.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 364

Registrierungsdatum: 9. August 2004

40

Samstag, 18. November 2017, 22:10

Meine derzeitigen Unterlagen sind eine wahre Fundgrube an Briefen, Kritiken und amtlichen Anweisungern und Bemerkungen.

Hier nun das erste Beispiel aus Schuberts Konviktszeit:
Wien den 28. November 1809:

VERTRAULICHE MITTEILUNG AN DEN K. K. HOFMUSIKGRAFEN
*

....Johann Wisgrill ist wegen seines guten Fortganges in den Studien
und Franz Schubert wegen seiner ausgezeichneten Verwendung in der Tonkunst zu beloben,
dem Franz Müllner und Max Weisse aber ernstlich einzuschärfen, sich durch mehreren Fleiß
der diesortigen Zufriedenheit ebenfallls würdig zu machen,
Der rühmliche Eifer des Klaviermeisters Ruziczka gereicht zur angenehmen Nachricht......
(gez. Mosel)

Dies und mehr findet sich in den Hofmusik.Akten des Staatsarchivs Wien ;)

Jede Stelle schreibt den ursprünglichen Text ab und reicht ihn weiter

Auch die Schulnoten der Sängerknaben wurden weitergeleitet und mit Bemerkungen versehen:

Hier: Franz Schubert

Sitten: gut
Studien: gut
Gesang: sehr gut
Klavier: sehr gut
Violine: Sehr gut
Anmerkungen: Ein musikalisches Talent

Anfang Mai 1810 gez.

Lang
Regierungsrat und Direktor
des k.k. Konvikts
__________________________________________________--


* "Hofmusikgraf"
hieß in Österreich damals derjenige (gewöhnlich ein Kammerherr), dem die Oberleitung der Hofkapelle übertragen war, im konkreten Falle war das Hofrat Graf Johann Ferdinand Kuefstein (1752-1818)

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 364

Registrierungsdatum: 9. August 2004

41

Sonntag, 19. November 2017, 17:46

Im Konvikt war das Leben und die Verpflegung nicht gerade luxuriös und Schubert litt sehr darunter. Das Essen war unzureichend und schlecht, sein Taschengeld indes war knapp.

Daher schrieb der 15 Jährige am 24. November 1812 einen Bittbrief an einen seiner drei Brüder (man weiß heute nicht mehr an welchen, vermutet aber, daß es Ignaz war)

"Gleich heraus damit, was mit am Herzen liegt, und so komme ich eher zu meinem Zwecke, und Du würdest nich durch liebe Umschweife ange aufgehalten.
Dchon lange habe ich über meine Lage nachgedacht und gefunden, daß sie im Ganzen genommen zwar gut sei, aber doch noch hie und da verbessert werden könnte.
Du weißt aus Erfahrung, daß man doch manchmal eine Semmel und ein paar Äpfel essen möchte, ums mehr, wenn man nach einem mittelmäßigen Mittagsmahle, nach 8eindhalb Stuinden erst ein armseliges Nachtmahl erwarten darf. Dieser sich oft schon aufgedrungene Wunsch stellt sich nun immer mehr ein, und ich mußte nolens volens eine Abänderung treffen. Die paar Groschen, die ich vom Herrn Vater bekomme sind in den ersten Tagen beim Teufel, was soll ich dann die übrige Zeit thun ?
---Die Auf Dich hoffen werden nicht zuschanden werden --- Math. Cap. 3 Vers 4---

So dachte auch ich. Was wärs denn auch, wenn Du mir monatlich ein paar Kreuter zukommen liessest ?
Du würdest es nicht einmal spüren, indem ich mich in meiner Clause für glücklich hielte, und zufrieden sein würde.
Wie gesagt, ich stütze mich auf die Worte des Apostels Matthäus: der da spricht:
Wer zwei Röcke hat, der gebe einen den Armen etc....
Indessen wünsche ich, daß Du der Stimme Gehör geben mögest, die Dir unaufhörlich zuruft
Deines
Dich liebenden armen, hoffendnen
und nochmals armen Bruders
Franz zu erinnern"


Bevor Leserbriefe einlangen, die Quellenangaben der Bibelzitate sind falsch.

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 364

Registrierungsdatum: 9. August 2004

42

Montag, 20. November 2017, 23:13

Im vorigen Beitrag wurde ein Brief des 15 jährigen Franz Schubert zitiert, der er an einen seiner Brüder gerichtet war.
Schubert hatte zeitlebens einen guten Kontakt zu seinen Brüdern., den engsten vermutlich aber zu Ferdinand (1794-1859)
Ferdinand dürfte den meisten zumindest dem Namen nach bekannt sein, da er nach dem Tod von Franz dessen Nachlass verwaltete.
Er war ebenfalls Lehrerl, Komponist und Organist, seine Kompositionen waren weitgehend geistlicher Natur, darunter 4 Messen
Hier zwei Portraits - Das linke ist ein Selbstbildnis, Fersdinand muß also auch Talent zum Malen gehabt haben, das rechte, eine Lithographie von Joseph Kriehuber (vermutlich um 1850) der in der im 19. Jahrhundert quasi alles portraitiert hat, was in Wien Rang und Namen hatte, und glücklicherweise für uns mit Schwerpunkt Komponisten.


Hier eine Hörprobe der Musik Ferdinand Schuberts


WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix