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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Ulli

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301

Samstag, 12. August 2006, 21:36

Das Lachen ist mir ja bereits vergangen... jetzt kommt der Nikolaus [inkl. des Schwarzen Mannes] nicht mehr kalkulierbar nur am 06. Dezember, sondern auch unterm Jahr... 8o 8o 8o
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Edwin Baumgartner

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302

Samstag, 12. August 2006, 22:50

Zitat

Die ist trotz der bleiernen Tempi aber wesentlich spannender (und düsterer) als Harnoncourts viereinhalbstündige Soirée auf der Couch des Dr. Freud.


Hallo Herbert,
jetzt sind wir bei einem Punkt, den ich interessant finde: Entweder ein Tempo ist zu langsam oder nicht.
Ich kann Ulli durchaus verstehen: Seine Darlegung der Tempodramaturgie Mozarts und Harnoncourts Tempi stehen in einem Mißverhältnis. Ergo sind, wenn man Ullis Argumentation folgt, Harnoncourts Tempi falsch.
Soweit klar - Ulli hat seinen Standpunkt für mich einleuchtend argumentiert.

Deiner Meinung nach macht es aber Klemperer (dessen Aufnahme ich nicht kenne) richtig, wenn er ebenso oder nahezu so langsame Tempi nimmt wie Harnoncourt.
Und da komme ich nun bei Deiner Argumentation nicht mehr mit.
Ich selbst fand Harnoncourts Tempi auch (zu) langsam, andererseits habe ich dadurch einiges gehört, was mir bisher nicht aufgefallen ist. Aber diese Komponente haben wir eigentlich in der Diskussion nicht berührt. Und Komponenten wie "spannend" oder "bleischwer" sind in einer Diskussion, in der es um konkret nachweisbare Tempofragen geht, deplaciert.

Soll heißen: Wenn Harnoncourts Tempi falsch sind, sind auch die von Furtwängler und Klemperer falsch.
Ich folgere daraus: Wenn Harnoncourt keine Ahnung von Mozart'scher Tempodramaturgie hat, sind Furtwängler und Klemperer ebenso ahnungslos.
Wie gesagt: Mich stört's ja nicht so sehr, für mich beginnt die interessante Mozart-Interpretation sowieso mit dem frühen Harnoncourt (abgesehen von Krips, den ich sehr schätze). Aber daß Furtwängler und Klemperer schleppen dürfen und Harnoncourt nicht, werte ich als Messen mit zweierlei Maß.
:hello:
...

GiselherHH

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303

Samstag, 12. August 2006, 22:59

Oder wie die alten Lateiner sagten:

Timeo Nicolausum et Figarum dirigentem :rolleyes:
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Masetto

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304

Samstag, 12. August 2006, 23:01

Harnoncourts Interpretation ist sicherlich nicht die für den Alltag, aber eine Interessante, wenn es darum geht, manches in der Langsamkeit zu entdecken, was man bislang nicht gehört oder überhört hat, was dann sicherlich wieder nur in so extremer Langsamkeit zur Geltung kommt, wovon wiederum viele Mozartianer sagen mögen, dass dies unnötig sei.

Insofern möchte ich mich Edwin Baumgartner anschließen.
29.08.1958 - 25.06.2009
gone too soon

Alfred_Schmidt

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305

Samstag, 12. August 2006, 23:09

Wenn ich mich richtig erinnere, dann war auch seinerzeit Klemperers Figaro sehr der Kritik ausgesetzt.

Ich persönlich fand ihn aber sehr beeindruckend .

Zu Harnoncourt:

Aus meinersSicht schafft er es immer wieder - mit durchaus unterschiedlichen Mitteln - Mozart-Opern ANDERS und UNANGENEHM klingen zu lassen, wobei ich es ihm zugute halte, daß er eigentlich auch immer Aufführungen dirigiert die dieses Unangenehme unterstreichen, sei es durch Inszenierung, Bühnenbild, Ausstattung.

Auch seine Zauberflöte auf CD ist mir ein Graus , weil nämlich eine Erzählerin die Geschichte vorliest, ans Stelle der Originaldialoge.
Man mag einwenden, der Originalttext wirke auf Schallplatte (CD) besonders dümmlich und trocken. D. accord´. - Aber die andere Lösuing ist NOCH SCHLECHTER !!!
Natürlich hat das mit dem Dirigat des Herrn Harnoncourt nichts zu tun - aber irgendwie erzeugen solche Eingenwilligkeiten eine schlechte Laune bei mir, die sich dann auf die Gesamtwertung niederschlägt - vor allem wenn im Zusammenhang mit (IMO) unerfreuilichen Aufführungen/Aufnahmen IMMER Wieder, der Name Harnoncourt auftaucht.

Seine Verdienste um die Wiederbelebung alter Musik seien indes unbenommen....

mfg
aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Ulli

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306

Samstag, 12. August 2006, 23:40

Zitat

Original von GiselherHH
Oder wie die alten Lateiner sagten:

Timeo Nicolausum et Figarum dirigentem :rolleyes:


:jubel: :jubel: :jubel:


...und Danke an et vinum dimplomaticum... :pfeif:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Ulli

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307

Samstag, 12. August 2006, 23:42

Zitat

Original von Masetto
Harnoncourts Interpretation ist sicherlich nicht die für den Alltag,


genau! Nach dem Tode ist noch ausreichend Zeit, sich damit anzufreunden.

:hello:

Ulli
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musicophil

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308

Samstag, 12. August 2006, 23:42

Zitat

Original von GiselherHH
Oder wie die alten Lateiner sagten:

Timeo Nicolausum et Figarum dirigentem :rolleyes:


:hahahaha: :hahahaha:

PS Würde dies sein Troje sein?!
Wirklich schöne Musik rührt

Ulli

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309

Sonntag, 13. August 2006, 01:12

Mach doch.... :P
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Barezzi

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310

Sonntag, 13. August 2006, 04:26

Zitat

Original von Edwin Baumgartner
Und jetzt warte ich, ob unsere Anti-Harnoncourt-Fraktion auch beginnt, auf Wilhelm Furtwängler loszugehen. (Und den Kopf beim Harnoncourt auszutauschen, zum Furtwängler passt ja auch der Frack besser. :D)
Ich hab ja kein Problem damit, wie alle wissen, kann ich Furtwängler wenig abgewinnen. Aber spannend wird's auf jeden Fall...! :untertauch:
:hello:


Hallo Edwin,

im Gegensatz zu N.H.s gewöhnungsbedürftigem Dirigat bei den Festspielen ist der Großteil der Diskographie von Furtwängler bleischwer und seeeeeehr laaaaangsaaaaam. Wenn ich beispielsweise in seinen Don Giovanni hineinhöre, fallen mir in der (eigentlich temporeichen) ersten Szene schon die schweren Äuglein zu :angel:
Einige Werke können IMO sein Pathos vertragen, meist ziehe ich seinen verhassten italienischen Antipoden vor :D

@ Matthias: vielleicht kannst Du Dich ja wirklich mal zu einer Furtwängler-Karikatur durchringen :rolleyes:

:hello:
Stefan
Viva la libertà!

GiselherHH

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311

Sonntag, 13. August 2006, 06:22

Hallo Erwin,

auch wenn ich nicht Herbert bin, hast Du wohl mich gemeint. Ich habe ja nie behauptet, dass H.s Interpretation falsch ist (um das beurteilen zu können, fehlt mir die notwendige musikalische Vorbildung, über die Ulli verfügt). Ich hatte lediglich H.s sehr selbstbewusste Aussagen hinsichtlich der Gültigkeit anderer Interpretationen kritisiert, aber gleichzeitig gesagt, dass ich Hs. Partiturauslegung, falls seine Argumentation in sich schlüssig wäre, als eine mögliche akzeptieren würde, auch wenn sie mir persönlich missfällt. Dabei stören mich bei H. nicht bloß die teilweise sehr langsamen Tempi, sondern vor allem das andauernde stop-and-go mit Unterbrechung des musikalischen Flusses und die Neigung des Dirigenten, seine "Klangrede" derartig auf jedes Detail der Partitur anzuwenden, dass er vor lauter micro management den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

Klemperers Tempi sind zwar auch sehr langsam, besitzen aber m.E. durch bessere Phrasierung einen überlegenen Spannungsbogen. Um nicht mißzuverstanden werden: ich bevorzuge andere Aufnahmen, die mehr Charme und Witz enthalten. Aber wenn man in der Interpretation schon so sehr die dunkleren Seiten des Stückes betonen will, ist mir Klemperers Zug ins Gefährliche und Revolutionäre lieber als eine in meinen Augen anämische Produktion, deren Rechtfertigung eine primär philologische zu sein scheint.

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Barezzi

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312

Sonntag, 13. August 2006, 15:03

Zitat

Original von GiselherHH
Dabei stören mich bei H. nicht bloß die teilweise sehr langsamen Tempi, sondern vor allem das andauernde stop-and-go mit Unterbrechung des musikalischen Flusses und die Neigung des Dirigenten, seine "Klangrede" derartig auf jedes Detail der Partitur anzuwenden, dass er vor lauter micro management den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.


Hallo GiselherHH,

genau das gilt eigentlich als die primäre Schwäche von N.H. Kann mich an einen Interpretationsvergleich einer DvoYák-Symphonie von Attila Csampai erinnern, in der genau dies deutlich gezeigt wurde. [Man muss dazu sagen, dass ich sehr viel von N.H. besitze und eigentlich auch eine hohe Meinung von ihm habe, obwohl ich bei ihm eben nicht alles schätze - aber zumindest gewähren seine Interpretationen immer eine andere Sichtweise auf (Stellen) ein(es) Werk(s). Der Figaro fiel ihm allerdings schon ziemlich auseinander :stumm: ]

:hello:
Stefan
Viva la libertà!

GiselherHH

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313

Sonntag, 13. August 2006, 15:24

Hallo Stefan,

ich will Harnoncourt auch nicht generell als Dirigent abwerten, aber wenn es tatsächlich so ist, dass diese Neigungen in vielen seiner Einspielungen und Aufführungen zum Tragen kommt, stellt sich doch die Frage, ob H.s vielgerühmte, aus Barock und Vorklassik stammende "Klangrede" überhaupt auf zeitlich nachfolgende Werke gewinnbringend anwendbar ist. Was nützt mir die mikroskopisch genaue Beleuchtung orchestraler Details, wenn dabei der Sinn für Form und Zusammenhang des Ganzen verloren geht und das Werk vor den Ohren des Zuhörers quasi zerbröselt?

Grüße

GiselherHH
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Barezzi

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314

Sonntag, 13. August 2006, 16:44

Zitat

Original von GiselherHH
Hallo Stefan,

ich will Harnoncourt auch nicht generell als Dirigent abwerten, aber wenn es tatsächlich so ist, dass diese Neigungen in vielen seiner Einspielungen und Aufführungen zum Tragen kommt, stellt sich doch die Frage, ob H.s vielgerühmte, aus Barock und Vorklassik stammende "Klangrede" überhaupt auf zeitlich nachfolgende Werke gewinnbringend anwendbar ist. Was nützt mir die mikroskopisch genaue Beleuchtung orchestraler Details, wenn dabei der Sinn für Form und Zusammenhang des Ganzen verloren geht und das Werk vor den Ohren des Zuhörers quasi zerbröselt?

Grüße

GiselherHH


Hallo GiselherHH,

soweit ich das mitgekriegt habe (die Experten mögen sich bitte hierzu äußern) neigen fast alle Dirigenten entweder in Richtung Wald ohne Bäume oder eben Bäume und kein Wald - also Detailversessenheit vs. Aufgabe des Details zugunsten des Gesamtwerks. Klemperers Giovanni dürfte eher ein Beispiel für den Wald mit wenig Bäumen sein - alles läuft dramaturgisch auf das große Finale zu; andere verzetteln sich vielleicht vorher schon in den Details.
Wie geschrieben: leider bin ich kein Experte, aber bei dem DvoYák-Vergleich konnte man es unter Anleitung wirklich gut hören.
Übrigens gilt Carlos Kleiber als Meister, der beide Anforderungen vereinen konnte :jubel:

:hello:
Stefan

PS: Vielleicht ist es ja wirklich problematisch, ausgehend von der barocken Musik, die viel mit kleinen Wendungen und Verzierungen arbeitet auf große symphonische Gebilde überzugehen und dabei noch den Anspruch zu haben, dass sich alles immer aus dem vorherigen Ableiten lässt. N.H. erweckt ja immer den Eindruck, dass er den musikalischen Ur-Opa zuerst studiert hat, um später Opa, Vater und Enkel logisch folgend erschließen zu können :stumm:
Viva la libertà!

Harald Kral

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Freitag, 8. August 2008, 14:47

Bayerisches Fernsehen - Sonntag, 17.8.2008

Rudern, Ringen, Bahnradfahren .....

Das blüht uns aus Peking am Sonntag, dem 17. August 2008.

Als Kontrastprogramm im Bayerischen Fernsehen:

Sonntag, 9.45 - 13.15 h :

"LE NOZZE DI FIGARO"

Opera buffa in vier Akten
Eröffnung der Salzburger Festspiele 2006

Deshalb habe ich diesen 2 Jahre alten Thred wieder hervorgeholt.

Vielleicht hat sich ja bei dem einen oder anderen Tamino die Einstellung zu dieser Opernaufführung - oder zu A.N. - oder zu Nicolausi ... oder oder...
geändert!?

Vielleicht lohnt sich das Wiedersehen mit einem gewissen zeitlichen Abstand!?

LG

:pfeif:
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

Ulli

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316

Freitag, 8. August 2008, 15:09

RE: Bayerisches Fernsehen - Sonntag, 17.8.2008

Zitat

Original von Harald Kral
Vielleicht lohnt sich das Wiedersehen mit einem gewissen zeitlichen Abstand!?


Gewiss nicht.

:pfeif:
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(Vincenzo Geilomato Hundini)

sagitt

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Freitag, 8. August 2008, 15:19

RE: Bayerisches Fernsehen - Sonntag, 17.8.2008

Lieber Ulli

Ringen ?
Rudern ?
Bahnradfahren ?

alles besser als Harnoncourt ?

Ich würde es mir allerdings auch nicht antun. Wenn ich denke, wie der früher gespielt hat, Telemann, Händel, was auch immer und dann das heute.

Da fällt mir nur zu ein: rechtzeitiges Aufhören wäre schön,

aber der Zug ist längst abgefahren.

Schöne Grüsse

Hans

Jacques Rideamus

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Freitag, 8. August 2008, 15:20

RE: Bayerisches Fernsehen - Sonntag, 17.8.2008

Lieber Harald,

vielen Dank für diesen Hinweis. Da ich die Übertragung seinerzeit versäumt habe, verschaffe ich mir gerne einen eigenen Eindruck davon, ob Ulli Recht hat. Es gab da ja auch nicht NUR negative Stimmen. :yes:

:hello: Jacques Rideamus
Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

Ulli

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319

Samstag, 9. August 2008, 15:47

RE: Bayerisches Fernsehen - Sonntag, 17.8.2008

Zitat

Original von sagitt
Lieber Ulli

Ringen ?
Rudern ?
Bahnradfahren ?

alles besser als Harnoncourt ?

Ich würde es mir allerdings auch nicht antun. Wenn ich denke, wie der früher gespielt hat, Telemann, Händel, was auch immer und dann das heute.

Da fällt mir nur zu ein: rechtzeitiges Aufhören wäre schön,

aber der Zug ist längst abgefahren.

Schöne Grüsse

Hans


Also dann wohl Zugfahren... bestenfalls ICE.

:hello:

Ulli
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der Lullist

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320

Samstag, 9. August 2008, 16:08

Zitat

Vielleicht lohnt sich das Wiedersehen mit einem gewissen zeitlichen Abstand!?



oh, ich dachte die zweite Aufführung wäre (wegen den gesetzten Tempi) jetzt erst gerade vorbei, hoffentlich sind wärend der Oper nicht so viele Zuschauer an Altersschwäche gestorben....oder verhungert

:untertauch: :untertauch: :untertauch:

ThomasBernhard

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321

Sonntag, 10. August 2008, 01:24

RE: Bayerisches Fernsehen - Sonntag, 17.8.2008

Zitat

Original von Jacques Rideamus

Es gab da ja auch nicht NUR negative Stimmen. :yes:


Jau. Meine (verhalten positive) Stimme diesbezüglich hast Du.

Aber die Ouvertüre in der Live-Premierenübertragung war leider wirklich verpatzt. (Nicht wegen des Tempos!)
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

KH Günst

Anfänger

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Registrierungsdatum: 12. Juni 2009

322

Sonntag, 5. Juli 2009, 12:03

".....hoffentlich sind wärend der Oper nicht so viele Zuschauer an Altersschwäche gestorben...."

Nein, lieber listiger Lulli und nordhessischer Landeskollege, ich habe es vor Ort gut, sogar sehr gut überlebt. Und die DVD habe ich wg anhaltendem, regelmässigen Gebrauchs erst gar nicht einsortiert!

Oder wenn Du die Lordsiegel-Bewahrer hier meinst: Die leben doch noch und schreiben munter weiter in diversen threads, oder?:pfeif: Auch wenn die Hustenanfälle ob des aufgewirbelten Staubes bzw. Perückenpuders bedrohlich klangen.

Erst wenn der Gottseibeiuns NH mal nicht mehr sein sollte, könnte die damit einhergehende Sinnentleerung für sie gefährlich werden. Nach dem Motto: Karajan ist tot! Böhm ist tot! Und mir wird auch schon schlecht ohne Feindbild.

Das wäre ja so, als müssten die Wilhelmshöher Seniorenstifte auf die Documenta verzichten.

In diesem Sinne: Möge alles es bleiben wie es mal war, es lebe der Zentralfriedhof mit seinen Ehrengräbern.

Basti

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323

Sonntag, 18. Oktober 2009, 12:32

Lasst uns mal wieder loslegen ;)...


In meiner (zugegebenermaßen nahezu antiken) Partitur steht über der Ouvertüre zwar "Presto", aber es ist kein alla breve!

Des Weiteren hat "Voi signor, che giusto siete" das Zeitmaß "Allegro assai", die Stretta des Finales "Prestissimo".

Ich benötige für die Ouvertüre ca. 3'40'' und für den Final-Schluss bloß 3'00''.

Ring wieder frei :D!
»Neulich haben Sie mich gegrüßt und ich hab Sie leider nicht gleich erkannt. Das nächste Mal, wenn ich Sie wieder nicht erkenne, treten Sie mir in den Arsch. Großartiger Jochanaan übrigens, neulich.«
Hans Knappertsbusch zu Hans Hotter

La Gioconda

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324

Dienstag, 3. November 2009, 14:30

Zitat

Original von GiselherHH
"Ich erinnere mich an einen Meisterkurs, den der berühmte Dietrich Fischer-Dieskau in Como gab. Er kam mit der Überzeugung, dass er als einziger wüsste, wie man Schubert singt. Ein schrecklicher Gedanke, dass nur ein einziger Mensch auf dieser Erde weiss, was eine Komposition aussagen will, wie sie interpretiert werden muss!"
GiselherHH


off topic, aber dazu gibt es doch die hübsche Geschichte, daß Fischer Dieskau zu Klemperer (?) anläßlich einer Bach-Messe Aufnahme (?) gesagt haben soll, der Komponist selbst sei ihm im Traum erschienen und habe ihm mitgeteilt, daß eine gewisse Stelle NUR SO gesungen werden soll. Am nächsten Tag kam Klemperer in Aufnahmestudio und wandte sich an Fischer-Dieskau: "Mir ist auch der Bach im Traum erschienen und stellen Sie sich vor, der hat gesagt, er kennt Sie gar nicht!!!

se non è vero...
"Man muß nicht fliegen können um ein guter Ornithologe zu sein."

"Stimm´ brauchst kane, SINGEN muasst können!!" Julius Patzak

"WIRKLICH gut singt man vielleicht EIN MAL im Jahr." Fernando De Lucia

Hosenrolle1

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325

Samstag, 26. August 2017, 21:33

Ich habe diese Inszenierung einmal gesehen (nur "Venite, inginocchiatevi" habe ich mir öfter angeschaut, allerdings wegen Harnoncourts Dirigat, ich wollte darauf achten, welche Stimmen und Details er da herausarbeitet).

Viel kann und will ich selbst gar nicht dazu sagen; generell fand ich es positiv, dass die Inszenierung das Stück ernster genommen hat, und keine Slapstick-Verwechselungskomödie rausgekommen ist, wie man es so häufig sieht. Auch die Arie Nr. 13, die so oft zur gewollt komischen Verkleidungsarie wird, ist hier einmal anders umgesetzt. Was mich dann aber wiederum gestört hat war, dass der Regisseur offenbar doch ein sehr großes Interesse an den Figuren hat und, wie mir scheint, sie irgendwie "sympathisch" wirken zu lassen. Würde ich den Figaro inszenieren, wären bei mir alle Figuren, vielleicht mit Ausnahme von Barbarina und Cherubino, unsympathisch, denn ich möchte, dass die ursprüngliche Absicht von Beaurmarchais wieder sichtbar wird, die er selbst einmal aufgeschrieben hat: (zitiert nach einem Figaro-Opernbuch)

„Laster, Missbrauch und Willkür ändern sich nicht, sondern verstecken sich unter tausend Formen hinter der Maske der herrschenden Sitten: diese Maske herunterzureißen ist die edle Aufgabe dessen, der sich dem Theater verschreibt. Ob er nun lachend oder weinend moralisiert (…) Man kann die Menschen nur verändern, indem man sie zeigt, wie sie sind."

Ihm ging es offenbar darum, Masken herunterzureißen, zu zeigen, dass die "edlen Herren", die Hoheiten und Grafen alles andere als edel sind. In meiner Inszenierung soll das Publikum den Grafen bei "Contessa, perdono" verachten, und nicht nach den Taschentüchern greifen - das ist kein Rosamunde Pilcher Film mit dem Motto "Ende gut, alles gut".
Diese Absicht von Beaumarchais wird umso deutlicher, wenn man sich den dritten Teil seiner Figaro-Trilogie ansieht, wo der Graf sehr wohl fremdgeht, und die Gräfin ebenfalls. Das "perdono" galt für den Augenblick, und vermutlich kam das auch nur, weil er sich selbst und seine Situation bedauert hat.
Egal, auf jeden Fall würde meine Inszenierung die Figuren aus kritischer Distanz zeigen, gefühlskalt und berechnend, und keineswegs komisch.
Das mochte ich auch an der Inszenierung nicht: dieser Eros, der meiner Meinung nach überhaupt nicht in DIESES Stück passt, und dafür sorgt, dass jeder auf jeden steht. Das Schloss ist ja nicht das von Dr. Frank-N-Furter. Und wenn man sich ansieht, was gesagt wird, dann wirkt das auch wenig "erotisch aufgeladen". Gefühlskalt und berechnend.

Das war jetzt meine Meinung dazu.
Ich habe in Büchern über Harnoncourt ein paar Sachen, v.a. Zitate gefunden, die diese Aufführung betreffen, und wollte sie quasi als Ergänzung hier einfügen und auch kommentieren.

Zitat

Im Programmheft der Figaro-Produktion 2006 in Salzburg kam Harnoncourt noch einmal auf dieses Thema zurück:

„Für mich ist Figaro das Stück Mozarts, wo es nur um Beziehungen geht. Ich kann keine Spur von Politik in diesem Stück entdecken. Mozart hat ja die Französische Revolution erlebt, aber er hat überhaupt nicht darauf reagiert. Man kann natürlich sagen, alle Kunst ist politisch. Aber dann ist wahrscheinlich die Finta giardiniera wesentlich politischer als der Figaro, weil da die Standesbeziehungen und Pseudo-Standesbeziehungen extrem wichtig sind.“

Hier möchte ich H. nur zum Teil zustimmen. Ich denke, dass auch die Zensur ihren Teil dazu beigetragen hat, dass das Stück nicht zu politisch wird. Andererseits meine ich ebenfalls, Mozart hier zu viel Sympathie mit den Figuren hat, nicht mehr das Anliegen von Beaumarchais transportiert.


Zitat

Auch für den Regisseur dieser Produktion, Claus Guth, wird der politisch-revolutionäre Aspekt in der Oper bei weitem überschätzt:

„Wenn ich das 2006 inszeniere und es politisch erlebbar mache, im historischen Kontext, so wird einen das nicht berühren, weil es Geschichte ist. Andererseits, wenn man versucht, es in die Jetztzeit zu übertragen, ist es das falsche Stück. Da gäbe es im Schauspiel, im Film wesentlich geeignetere Sujets, um die Standesunterschiede heute, die ja zudem ganz anders geortet sind, bemerkbar zu machen.“

Da muss ich dem Regisseur recht geben!

Uns ist bzw. wäre das Revolutionäre dieses Stoffes völlig egal, wir erkennen es oft noch nicht mal mehr, weil wir nicht mehr in dieser Zeit leben, weil wir keine Grafen haben, die über uns herrschen und sich ungestraft an unseren Töchtern vergreifen, weil wir anders und VIEL besser leben als die Leute von damals. Damals hat sich der Adel schon aufgeregt, dass Susanna sich das Kleid der Gräfin anzieht - Skandal! Heute juckt das keinen mehr. Für uns ist es halt nette Abendunterhaltung, wir sitzen nicht dort und denken "Endlich sagt´s mal einer, endlich zeigt mal einer, was für Ärsche diese Hoheiten sind, jetzt macht sich mal einer lustig über die!".

Wir würden diese Stoffe ohne besondere Vorkenntnisse weder verstehen, wenn man sie in historischen Kostümen zeigt, noch wenn man sie in der heutigen Zeit ansiedelt. In 200 Jahren wird keiner, der nicht Bücher zu dem Thema liest, wissen, was heutige satirische Stücke, die sich mit der heutigen Politik beschäftigen, bedeuten. Die werden sich das vermutlich ansehen und sagen "So schöne Kleidung haben die damals gehabt, witzige Szenen waren dabei, schau dir das an. Schön war´s!".


Kritisiert wurden auch die Tempi von Harnoncourt. Ich bin generell der Meinung, dass man, wenn man es kritisiert, schon einiges an Fachwissen mitbringen muss, damit es nicht eine rein geschmackliche und unseriöse Kritik bleibt. Ich habe diese Fachkenntnis nicht mal ansatzweise, und kann daher gar nicht beurteilen, wie Mozarts Tempi zu nehmen sind. Darüber steht auch folgendes zu lesen: (Hervorhebung von mir!)

Zitat

Tatsächlich war Figaro die erste Oper des 18. Jahrhunderts, die nie wiederbelebt werden musste, wenngleich die Aufführungstraditionen im Lauf der Zeit starken Veränderungen unterlagen.

Dies gilt im Besonderen für die Tempi, die infolge einer Veränderung der Tempobedeutungen um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert in ihrem heute noch traditionellen Gebrauch nicht den Vorgaben Mozarts entsprechen. Harnoncourt, der sich ausführlich mit den Tempobezeichnungen bei Mozart beschäftigt hat, kommt für die Ouvertüre zu folgendem Resultat:

„Die Ouvertüre beginnt schnell, aber gleichsam aus dem Nichts, im pp, die Bezeichnung ist Presto C (4/4 Takt). Vergleichen wir damit die schnellen Tempi der beiden anderen Ouvertüren – Don Giovanni: Molto allegro (in 2/2), Cosi: Presto (in 2/2)-, müssen wir erkennen, dass bei Figaro das langsamste Tempo vorgeschrieben ist; in der Praxis wird diese Ouvertüre jedoch meist am schnellsten gespielt. Mozart hat sich nicht geirrt: das Zeichen C (4/4 Takt) steht deutlich in jeder Zeile. Die Musik verlangt meiner Meinung nach ein Presto der kleinen Notenwerte, das zeigen die deutlichen Violinfiguren in Takt 13 und 14, die im schnellen Tempo nicht herauszubringen sind, und viele, viele andere Details. Andererseits werden oft mittlere Tempi, etwa Mozarts Andante, sehr langsam genommen (zweite Gräfin-Arie ´Dove sono´, die Verzeihungsszene im Finale ´Contessa, perdono´), obwohl diese Bezeichnung das Tempo ausdrücklich vom Adagio-Charakter wegrückt, etwa im Sinne von: Bitte nicht zu langsam. Mozart wird hier also von manchen Interpreten gravierend ´korrigiert´.

Die Tempoanweisungen Mozarts sind klar. Sie mögen manchmal beim ersten Hinhören schwer einleuchten, aber bei genauerem Abwägen stimmen sie natürlich, was bei Mozarts unfehlbarem dramatischen Instinkt nicht verwundert.“

Ich habe zu wenig Ahnung von der Materie, um dazu etwas Gescheites sagen zu können. Hier möchte ich einen kurzen Aufsatz von Harnoncourt selbst zum Thema zeigen, wo er ziemlich genau darauf eingeht. Gleich vorneweg: natürlich muss das, was er hier schreibt, nicht stimmen, aber er begründet seine Ansicht hier fachlich und genau. Reine Geschmacksurteile a la "Bei Dirigent XY klang das Tempo besser" sind für mich, wie gesagt, natürlich legitim, wenn es aber um eine Annäherung an Mozarts Wünsche geht, unseriös.


Zitat

„Ein toller Tag“, ein wirbelndes Sujet, eine quirlige Presto-Ouvertüre. Man kennt und liebt Mozarts Figaro als ein Stück der flotten Tempi. Studiert man aber seine Partitur genauer, so findet man große Diskrepanzen zur gängigen Aufführungspraxis. Manche Stücke sind deutlich schneller, manche deutlich langsamer bezeichnet als man es überall hören kann. Bei Diskussionen unter Fachkollegen heißt es dann immer, dass hier eben Irrtümer vorlägen und dass die Tempobezeichnungen keine genauen Anweisungen seien, sondern nur allgemeine Hinweise für die Intuition der Interpreten.

Die Tatsachen sind wohl anders: Mozarts Zeitgenossen berichten immer wieder, wie wichtig ihm die Tempowahl seiner Interpreten war, und er selbst äußert sich wiederholt darüber. Auch sprechen seine Partituren eine sehr deutliche Sprache: gelegentlich korrigiert er seine Tempobezeichnungen um minimale Grade (etwa von Allegro assai zu molto Allegro oder von Andantino zu Larghetto etc.). Man kann so einerseits seinen Weg zur endgültigen Entscheidung verfolgen und sieht andererseits die Genauigkeit, mit der er seine Wünsche formuliert, um richtig verstanden zu werden.
Intuition ist zwar eine der wichtigsten Eigenschaften eines guten Musikers, sie kann aber das Wissen nicht ersetzen. Man muss wissen ob piu Andante schneller oder langsamer als Andante ist, was molto Andante bedeutet, was calando, sotto voce, ad libitum bedeuten. Man muss wissen, was ein Tempo di Menuetto wirklich ist – ob es vielleicht gar mehrere davon gibt und wie unterschiedlich diese Bezeichnungen im Laufe der Zeit verstanden wurden.

Ich glaube, dass die Architektur der Großwerke Mozarts auf zwei Säulen ruht: dem Tonartenplan und der Tempodramaturgie (wobei ich letztere für noch wichtiger halte angesichts des Zusammenbruchs der Tonartencharakteristik im modernen Musikleben).
Es fällt auf, dass die drei Da Ponte-Opern Mozarts jeweils eine ausgefeilte, aber untereinander sehr verschiedene Tempopyramide haben. Bei Cosi fan tutte und Don Giovanni etwa gibt es eine Tempoachse, das Andante mit dem beide Opern beginnen und das wie ein roter Faden an entscheidenden Punkten wiederkehrt.

Im Figaro ist die Tempopyramide sehr ungewöhnlich: es gibt kein Largo, kein Adagio (außer in T. 92 – 95 in der ersten Arie des Cherubino), die langsamsten Tempi sind Larghetto und Andantino (letzteres fehlt in allen Ausgaben). Dagegen kommt das bei Mozart sonst so häufige Allegro sehr selten vor (nur in Cherubinos erster Arie und in der Grafenarie) und ist dazu noch beschleunigt: Allegro vivace bzw. Allegro assai. Merkwürdigerweise werden diese beiden Arien – die schnellsten der Oper – heute meist eher gemütlich genommen; die Affektsituationen (hier pubertäre Verwirrung und dort verzweifelte Wut) aber bestätigen die Bezeichnungen.

Alle anderen „geraden“ Allegros stehen im C! Bei diesen werden „traditionell“ (wobei es nur um eine sehr kurze Überlieferung geht) komischerweise oft sehr schnelle Tempi genommen, besonders im Finale des Zweiten Aktes, das meist unverdiente alla-breve-Rasanz erhält. Dem, zugegeben, mitreißenden Schwung fällt aber einiges zum Opfer – abgesehen davon, dass solche Tempi eindeutig den Angaben Mozarts widersprechen – der trotzige Zorn des Grafen, der durch die verschlossene Türe gebremst und aufgestaut wird, die Verzweiflung der Gräfin, die in sensiblen Figuren der Mittelstimmen gemalt wird. Die Szene wird durch das Auftreten Susannas (molto Andante 3/8) unterbrochen, auch hier bestimmt nicht selten ein historisches Missverständnis im Tempo: Molto Andante bedeutete im 19. Jahrhundert ein langsameres, zu Mozarts Zeit aber ein schnelleres Tempo als Andante.

Danach kehrt Mozart zum ersten Tempo (allegro C) zurück; eine Stelle mit geradezu romantischer Motivsprache, Klanglichkeit und Harmonik. Sie entspricht der großen Entschuldigungsszene im letzten Finale; der Graf, der seine Frau sonst immer „Contessa“ nennt, sagt wieder „Rosina“, wie zur Zeit ihrer großen Verliebtheit ein paar Jahre zuvor – sehr innig und romantisch. Diese Stelle ist das Zentrum des Finales. Le nozze di Figaro ist nicht Der tolle Tag Beaumarchais´; da gibt es eben noch das Theatergenie Mozart und seine viel tiefere Deutung.

Die Ouvertüre beginnt schnell, aber gleichsam aus dem Nichts, im pp, die Bezeichnung ist Presto C. Vergleichen wir damit die schnellen Tempi der beiden anderen Ouvertüren – Don Giovanni: Molto allegro Cosi: Presto , müssen wir erkennen, dass bei Figaro das langsamste Tempo vorgeschrieben ist; in der Praxis jedoch wird diese Ouvertüre meist am schnellsten gespielt. Mozart hat sich nicht geirrt: das Zeichen C steht deutlich in jeder Zeile. Die Musik verlangt meiner Meinung nach ein Presto der kleinen Notenwerte, das zeigen die deutlichen Violinfiguren in T. 13 und 14, die im schnellen Tempo nicht
herauszubringen sind, und viele, viele andere Details. Andererseits werden oft mittlere Tempi, etwa Mozarts Andante, sehr langsam genommen (Zweite Gräfin-Arie „Dove sono“, die Verzeihungsszene im Finale „Contessa, perdono!“), obwohl diese Bezeichnung das Tempo ausdrücklich vom Adagiocharakter wegrückt, etwa im Sinne von: Bitte nicht zu langsam. Mozart wird also hier von manchen Interpreten gravierend „korrigiert“.

Die Tempoanweisungen Mozarts sind klar. Sie mögen manchmal beim ersten Hinhören schwer einleuchten, aber bei genauerem Abwägen stimmen sie natürlich, was bei Mozarts unfehlbarem dramatischen Instinkt nicht verwundert. Es ist nicht ganz leicht, hier zum Urtext zurückzugehen, auch wenn die Wünsche des Komponisten noch so klar auf der Hand liegen. Dazu kommt, dass die heutige „Authentizitätswelle“ – für mich ganz unverständlich – anscheinend alle Tempi beschleunigt; aber ob man das gegen den definitiven Willen des Komponisten tun soll? Mozart hat ja auch wirbelnde Allegros geschrieben, wo sie ihm angemessen schienen.

Ich selbst kann, weil ich keine Kenntnisse der Materie und mich nicht damit beschäftigt habe, nichts sagen. Aber die Kritiker, die seine Tempowahl kritisieren, finden hier sicher eine Erklärung. Vielleicht hat sich hier auch jemand intensiv mit Mozarts Partituren und den differenzierten Tempoangaben darin beschäftigt, und ebenfalls mit anderen Werken verglichen, und hat jetzt eine entschieden andere Meinung dazu? Ich bin gespannt!


Nun kommt erneut Claus Guth zu Wort:

Zitat

Claus Guth sah das Stück keineswegs als die Komödie, als die Figaro häufig aufgeführt wird, und wusste sich darin durchaus mit Harnoncourt einig.

„Herr Harnoncourt hat im Vorfeld intensivst von dem Missverständnis geredet, dieses Stück als Komödie aufzufassen. Das ist seine tiefe Überzeugung. Dabei haben wir viel über die Bedeutung des Lachens geredet, ein Lieblingsthema von ihm. Äußerst wichtig waren ihm diese Allegorie-Arien im vierten Akt, die ja sehr oft weggelassen werden. Die alle zu bringen, war für ihn ganz klar. Es ist ja schon so, dass sämtliche Themen, die in diesen Arien angesprochen werden, man als lästiges Anhalten des Handlungsfortganges sehen kann, was aber bei genauem Hinhören so nicht stimmt. Alle behandeln Bilder, die eng mit der jeweiligen Figur verbunden sind, sei es das der „Eselshaut“ oder sei es bei Marzelline das Bild mit den Lämmchen – die Vision, wie schön und friedlich es auf der Welt sein könnte, auf die Tierwelt projiziert -, dann die Arien von Figaro und Susanna. Alle diese vier Arien sind eine Reflexion, wo eine Person das eigene Schicksal gleichsam aus der Distanz betrachtet und wo die Handlung stillsteht. Und da hat Nikolaus Harnoncourt bei mir den Nerv getroffen. Denn gerade bei Figaro gibt es oft diese irreführenden und oft ein bisschen kitschigen Urteile vom Genie der Einheit, der Einheitlichkeit. Ich finde am Figaro die Vielgestaltigkeit viel aufregender, dass ich innerhalb eines Musiktheaterwerks von den dramatischsten Arien, die ich in so einem Stück nicht vermuten würde, in solch grotesken Situationen wie bei Beckett oder Feydeau lande. Diese Schnitte sind das Aufregende, nicht die Einheit. Und in diesem Sinne verlässt Mozart im vierten Akt das zuvor vorhandene Konstruktionsprinzip und gibt den Vorgängen nochmals eine andere Wendung. Das mehr als Einzelsplitter aufzufassen, war inspirierend. Und dann war es natürlich so, dass wir nach den Gesprächen mit Herrn Harnoncourt unglaublich gefeilt haben. Wir hatten, glaube ich, fünf oder sechs Bühnenbildmodelle, völlig verschiedene Versionen, bis es zu diesem Treppenhaus kam. Dieses einheitliche Bild war die Klammer, die alles zusammenhielt.“


Zitat

Claus Guth, der diese Idee der Verdopplung von Figuren in seinen Inszenierungen schon mehrmals aufgegriffen hat, berichtet darüber:

„Ich habe im Vorfeld mit Nikolaus Harnoncourt sicher auch einmal über die Figur, besser gesagt: das Phänomen Cherubino geredet, aber er hat nicht geahnt, was ich damit mache. Ich fragte mich: Warum hat diese eine Figur einen Namen, der auf eine Allegorie hinweist, wo alle anderen so realistisch heißen? Ich habe mich oft daran gestoßen, dass die Personen im Figaro über gewisse Dinge reden, die man dann nicht sehen kann, ich dachte, man muss versuchen, sie begreifbarer werden zu lassen. Ich meine damit diese Eros-anarchische Energie, dass der Kopf sagt: Ich will das, und man dann das Gegenteil macht; das erlebbar werden zu lassen, dieses Von-zwei-Seiten-gezogen-Werden. Dann habe ich schnell gemerkt, dass ich über diese Figur des Eros-Engels vieles, was eigentlich innere Vorgänge sind, ins Bild bringen kann. Auch diese merkwürdigen musikalischen Wechsel, die stattfinden, von höchster Emotion und im nächsten Moment fast ferngesteuert, puppenhaft. All das konnte ich über diesen Eros-engel motivieren.“


Zitat

Das Verhältnis zwischen Graf und Gräfin brachte den Regisseur zu einer Assoziation mit den späteren Ehe-Szenen von Strindberg.

„Strindberg kam mir durch das Niveau der Auseinandersetzung von Graf und Gräfin in den Sinn. So hat Strindberg später meisterhaft dieses ´Man kann nicht miteinander, man kann auch nicht ohne einander´ dargestellt. Dieses ´Liebe als Kampf´ hat mich zu diesen Strindberg-Silhouetten geführt, diesem Schwarz-Weiß als Ästhetik. Diese Kopplung von Strindberg und Mozart ließe im Idealfall die Musik neu hören. Ich hatte ja bei Mozart früher große Schwierigkeiten, ihn zu verstehen. Um diese bin ich im Nachhinein ganz froh, denn dadurch habe ich eine Art Sendungsbewusstsein entwickelt. Ich will anderen Leuten vermitteln, wie wahr, tief und existentiell Mozart ist, und wie wenig das zu tun hat mit diesen Löckchen und dem Firlefanz. Da war natürlich Herr Harnoncourt der ideale künstlerische Partner. Vermutlich hätte das mit einem anderen Dirigenten gar nicht funktioniert, dieser düstere Blick auf dieses Werk. Wir haben da gar nicht so viel darüber geredet, doch das war der gemeinsame Ansatz.“

Bei den Löckchen und dem Firlefanz stimme ich ihm zu - aber dass Harnoncourt so etwas zu Joachim Kaiser sagt:

Zitat

Weil die Tonarten nicht mehr als Intonationssystem empfunden werden. Wenn ich heute einen Musiker frage, sagt der: E-Dur ist einen Halbton tiefer als F-Dur. Aber was das musikalisch bedeutet, was anders ist in E-Dur, außer, dass es tiefer ist, wissen die wenigsten. Im Grunde spielen sie in allen Tonarten nur transponiertes C-Dur.

Der Dur-Dreiklang ist in jeder Tonart von unterschiedlicher Reinheit. Das Gis in E-Dur ist höher als A in F-Dur. Und deswegen muss F-Dur reiner sein als E-Dur. Wenn man aber ein Gis als Naturton herunterzieht, um E-Dur genauso rein zu machen wie F-Dur, dann ist es nicht mehr E-Dur. Dieses ganze Wissen hat man heute nicht mehr. Die Klaviere werden meistens nach diesen elektronischen Geräten gestimmt, so dass die Halbtöne wirklich alle gleich sind. Das Verhältnis der Tonarten zueinander als Idee des Komponisten ist von ungeheurer Wichtigkeit, gerade im Figaro, aber das Wissen darüber geht heute verloren.

und den Figaro dann allen Ernstes auf modernen Instrumenten spielt - das macht ihn für mich unglaubwürdig. Entweder richtig, oder gar nicht.



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Samstag, 26. August 2017, 21:38

Tut mir leid, dass der vorige Beitrag unleserlich ist, aber die Formatierung bei dieser Forensoftware ist ein Witz! Ich habe auf "Vorschau" geklickt - der Beitrag sah ganz normal aus. Dann auf "Abschicken", und dann kam das raus.

Wenn ich auf "Bearbeiten" klicke, sieht der Beitrag wiederum normal aus. Sorry!


EDIT: so, ich habe jetzt in zahlreichen Bearbeitungsschritten Zeile für Zeile korrigiert. Es ist echt mühsam, wenn man lange Texte, die in der Eingabemaske noch richtig waren, nach dem Abschicken völlig durcheinander sind.




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Sonntag, 27. August 2017, 17:04

Wie immer hat er sich den Details liebevoll gewidmet


Bei einem Detail, auf das ich gerne achte, auf jeden Fall!

Es geht konkret um diese Stelle hier, Arie Nr. 13, T. 8-10. Ich habe auch in der NMA überprüft ob die Akzente so stimmen, und auch in einem Autograph stehen sie so da:



Mozart notiert hier praktisch drei unterschiedlich starke Akzente.

Auf der 1+ kommt ein mfp, auf der 2 ein sfp, das stärker ist, und auf der 2+ setzt Mozart einen Bogen für die nächsten Noten. Der Anfang dieses Bogens ist bei Mozart (vermutlich nicht immer, es gibt da sicher auch Ausnahmen, ich bin kein Profi!) zumindest bei gleichen Notenwerten ebenfalls eine Betonung, die nachfolgenden Noten müssen immer schwächer gespielt werden.

Das mfp muss also stärker sein als die erste Legato-Note auf der 2+, aber schwächer als das sfp.

Ich habe diese Stelle bei Harnoncourts 2006 Version daraufhin überprüft, und festgestellt, dass er hier sehr genau die unterschiedlichen Akzente herausarbeitet, wenngleich die Bässe beim ersten Mal das sfz ein wenig zu leise spielen. Vielleicht nicht perfekt, aber man merkt doch, dass er auf solche Dinge Wert legt.
Andernorts habe ich schon einmal eine kleine Liste mit Vergleichen unterschiedlicher Dirigenten gemacht, wie DIE diese Stelle nehmen. Das habe ich geschrieben:


Arnold Östmann:

richtig umgesetzt, nur die Violinen hört man leider nicht, so dass man in erster Linie nur das mfp und sfp hört. Das klingt hier schon schön wackelig, im positiven Sinne. Für meinen Geschmack etwas zu schnell gespielt.

Harnoncourt (2006):

Die Bässe spielen das erste sfp nicht, erst beim zweiten Mal. Ob das Absicht war weiß ich nicht. Beim zweiten Mal klingt die Stelle für mich schon richtig. Allerdings stört mich, dass die Bläser hier nicht sofort wieder piano genommen werden, sondern weiterhin laut spielen. Östmann hat es sofort piano genommen.

Gardiner:

Zu verwaschen, mfp wie bei Harnoncourt nicht sofort piano genommen, sfp zu weich.

Solti:

Großartiges HUG, noch großartigere Salome – aber das hier ist absolut verwässert. Kein mfp, kein sfp, keine Betonungen, keine Akzente, sondern nur weich dahinfließendes Wasser, ein breiter Klangteppich. Schade!

Böhm:

Spielt zwar Betonungen, jedoch klingen mfp und sfz zu ähnlich, die Kurve nach oben und unten fehlt.

Karajan:

Völlig verwaschen, keine Kurve, keine Betonungen, nichts. Dazu die Schwarzkopf, die die letzte Silbe „te“ am lautesten singt: „täää“. Naja.

James Levine:

Was ist DAS?!?!
Betonungen gibt´s keine, unterschiedlich laut sind sie auch nicht, dafür sind die Violinen extrem laut und spielen ihre kurze Figur mit einem Crescendo! Unglaublich. Ein Grund, in der Pause zu verschwinden.


Die aufgelisteten Einspielungen - inkl. der von Harnoncourt - haben natürlich nichits mit OPI zu tun, und wären alleine dadurch für mich bereits uninteressant. In diesem Vergleich ging es allerdings nur um die Umsetzung dieser Stelle. Aber dennoch meine ich, dass auch solche Stellen mit einem schlankeren Orchester und entsprechendem Instrumentarium besser umsetzbar sind, vor allem durchhörbarer, damit sie nicht in der Klangsuppe verschwimmen.

Ich bin immer dafür, dass Kritiker sich erstmal die Partitur genau ansehen und darauf achten, wie sie umgesetzt wird, bevor sie von einer "Versündigung an Mozart" sprechen ...


Man kann nur jene bedauern, die gar nicht bereit oder in der Lage sind, eine Interpretation abseits vom Gewohnten zu antizipieren. Es entgeht ihnen ein ungewöhnlich interessanter und intelligenter Opernabend.

So ist es.

Ulli meinte einmal sinngemäß, das Harnoncourt bei der Sinfonia mit 25% Überziehen gegenüber Östmann inakzeptabel langsam sei. Ich kann dieser Argumentation nicht folgen, und die Forderung nach Erklärung des Tempos erscheint mir sinnlos. Es passt organisch zum folgenden Stück, was soll man da noch erklären?

Da bin ich anderer Ansicht; ich finde es immer interessant, wenn HIP-Dirigenten ihre Interpretation erklären, weil man da oft etwas dazu lernen kann. Wenn es organisch zum folgenden Stück passt, ok, aber warum es darauf beruhen lassen? Bloße Höreindrücke sind unbrauchbar, sachliche und fachliche Erklärungen kann man besser verwerten.




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Sonntag, 27. August 2017, 19:15

Ergänzung, weil ich den letzten Beitrag nicht mehr bearbeiten kann.

Klemperer:

Die Stelle völlig verwaschen, keine Akzente, nur derart süßlicher 50er Jahre-Kitsch, dass mir vom Hören schon die Zähne rausfaulen. Fürchterlich.



@Hamlet-Nebenfigur: es wird sich wirklich nichts ändern.



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Sonntag, 27. August 2017, 19:53


Klemperer:

Die Stelle völlig verwaschen, keine Akzente, nur derart süßlicher 50er Jahre-Kitsch, dass mir vom Hören schon die Zähne rausfaulen. Fürchterlich.

Die Gesamtaufnahme des "Figaro" von Otto Klemperer datiert tatsächlich ins Jahr 1970, seine vorletzte Opernaufnahme ("Così" war 1971 die letzte). Ich möchte Klemperer bei Mozart nicht missen. ^^
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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Sonntag, 27. August 2017, 19:58

Ich habe auf YouTube die von 1955 gehört, mit Hilde Gueden als Susanna. Aber danke für die Erwähnung, ich werde mir die Stelle mal in der 1970 Version anhören, falls es die auf YouTube gibt, und diesen Beitrag hier editieren.

EDIT: leider nichts gefunden, aber 100%ig ebenfalls verwässerter Schmalz, der mit Mozart rein gar nichts zu tun hat.

Dafür eine andere Version gefunden:


Suitner (1964)

Figaro auf Deutsch mit den üblichen Namen Rothenberger, Prey, Mathis und Gueden. Zum Glück sind die Zeiten vorbei. Suitner macht etwas Eigenartiges: er lässt das mfp am stärksten spielen, das sfp wird schwächer, der Bogen dann noch schwächer gespielt. Das verleiht diesen drei Takten eine Gleichmäßigkeit, die überhaupt nicht beabsichtigt ist! In diesen Takten ist alles aus dem Gleichgewicht, bei Suitner aber nicht.



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