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chrissy

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  • »chrissy« ist männlich

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Sonntag, 23. Juli 2017, 00:47

Rigoletto, das ist schon eine tolle Oper!!!
Nochmal danke, Rodolfo, für diesen Überraschungstip. Das Ansehen hat sich gelohnt! Hochverdienter Beifall für alle Beteiligten.
Unter dem Aspekt einer "halbkonzertanten Aufführung", war es ein rundum beglückendes Erlebnis.

Herzliche Grüße und allen eine Gute Nacht wünscht
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

rodolfo39

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Sonntag, 23. Juli 2017, 15:58

Ich fand die Aufführung auch sehr gelungen. Nadine Sierra ist wohl zur Zeit die hübscheste und best singende Gilda, mit ihrem glockenklarem Sopran. Stephen Castello war ein höhensicherer Herzog. Überrascht hat mich Lodovico Tezier als Rigoletto, mit seinem kraftvollen, aber trotzdem wärmen Barriton. Darstellerisch waren alle stark. Auch das Dirigat hat mir sehr gut gefallen und ich würde gerne mehr von der Dirigentin hören bzw. sehen. So kann man Open Air Oper machen, ohne daß sie zu einem visuellen Spektakel wie in Bregenz verkommt.

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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Sonntag, 23. Juli 2017, 19:40

Zur Information: Den vieldiskutierten Tannhäuser aus München kann man jetzt in voller Länge auf YT sehen.
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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Sonntag, 23. Juli 2017, 20:38

Nachtrag zu "Carmen" aus Bregenz

Ich habe mir nun die Aufführung aus Bregenz vollständig angesehen. Da hier wenigstens die Handlung nicht idiotisch verdreht wurde wie in Aix en Provence, möchte ich sie insgesamt – anders als Rodolfo – trotz weitgehend fehlender gesprochener Dialoge als annähernd werkgetreu bezeichnen. Ich kann höchstens feststellen, dass sie insofern nicht dem Libretto entspricht, als sie die darin enthaltenen Dialog auf ein Minimum beschränkt. Ich weiß nicht, ob die Wissenschaft inzwischen zu neuen Erkenntnissen gekommen ist, was von den Dialogen wirklich authentisch ist. Ich habe die quellenkritische Ausgabe von Fritz Oeser von 1964. Ich kann dazu nur sagen, dass die Dialoge in meinen Augen oft zu ausgedehnt und banal erscheinen und in manchen Teilen wenig zum Fortgang der Handlung beitragen. Sie zu kürzen steigert eher das dramatische Geschehen. Ich möchte nur ein kurzes Beispiel nennen, den Dialog zwischen dem Bergführer und Michaela im 3 Akt. Hier genügte durchaus: „Wir sind da“ (was ja auch gesprochen wurde) und die anschließende Air der Michaela.
Das Spiel auf dem See ist wohl nicht mit der Inszenierung im Opernhaus zu vergleichen, es ist eher ein Event und Touristenmagnet. Ob die (französisch gesprochenen) Dialoge der Mehrzahl im Publikum etwas gebracht hätten, möchte ich bezweifeln.
Wer den Inhalt der Oper kennt, konnte – trotz weitgehend fehlender Dialoge – die Handlung durchaus im Zusammenhang verfolgen. Ich kann sie daher nicht unbedingt als „zerstückelt“ ansehen. Zerstückelt wird allerdings wohl das sein, was uns das ZDF heute Abend in nur 100 Minuten davon bietet.
Wie bereits in 1404 gesagt, sah ich in der Kulisse mit den Frauenhänden und den Spielkarten durchaus einen Bezug zur Handlung. Ich war vor etwa 40 Jahren selbst einige Male mit Ehefrau und Kindern zum Spiel auf dem See. Die Bühne musste so eingerichtet sein, dass durch Verschiebung weniger Teile und Lichteffekte die verschiedenen Orte der Handlung erkennbar gemacht werden konnten. Ich denke, das ist auch hier gelungen, besonders der dritte Akt hat mich beieindruckt.
Ansonsten hat mir auch nicht Alles, was sich der Regisseur einfallen ließ, gefallen, z.B. die Wasserplancherei, worin er den Sängern doch Einiges zugemutet hat. Auch die Schlussszene schien mir ein wenig unlogisch. Mir stellte sich die Frage, wie diese Frau in ihrem Hass sich dennoch eine Weile eng an Don José schmiegt und ihm einen Kuss gibt (oder sollte es ein Biss sein), ehe sie ihm den Ring vor die Füße wirft. Aber das sind Kleinigkeiten. Insgesamt gesehen konnte man diese „Carmen“ wenigstens in ihrer vollen Länge ertragen.
Zur Beurteilung der Sänger fühle ich mich nicht kompetent genug. Allerdings kam auch mir der Gesang des Escamillo manchmal etwas schwach vor. Vielleicht war das aber auch der Technik und den wohl nicht sehr günstigen Witterungsverhältnissen geschuldet.

Liebe Grüße
Gerhard
Gar nichts liegt mir daran, ob man meine Sachen gibt: mir liegt einzig daran, dass man sie so gibt, wie ich's mir gedacht habe; wer das nicht will und kann, der soll's bleiben lassen.
(Richard Wagner an Ferdinand Heine, Dezember 1852)

William B.A.

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Montag, 24. Juli 2017, 00:20

Zitat

Gerhard Wischniewski: Allerdings kam auch mir der Gesang des Escamillo manchmal etwas schwach vor.

Mir auch, lieber Gerhard, mir auch. Außerdem hätte ich, wenn ch an Carmens Stelle gewesen wäre, mir wohl überlegt, ob ich diesen Escamillo für Don José eingetauscht hätte. Der Don José, den wir gesehen und gehört haben, musste sich wohl sehr bäuerlich und unterwürfig anstellen, damit dieser Entschluss in Carmen reifte.
Einige Dinge kamen mir doch recht krude vor, und wir wollen lieber ein Mäntelchen des Schweigens darüber decken. Zum Beispiel kann ich mich gar nicht daran erinnern, dass Zuniga jemals auf offener Bühne erschossen worden wäre, nachdem er vorher noch blitzsauber den mindestens doppelt so starken Don José aufs Kreuz gelegt hat, und, ein anderes Beispiel: wann wäre Carmen jemals von Don José jämmerlich ersäuft worden, (wenn das in diesem speziellen Fall auch naheliegend war, wo sie schon beide im Wasser standen :D ).
Aber wie heißt es so schön im ZDF-Text: Regisseur Kasper Holten zieht alle Register. Da wird das nicht vorhandene "hitzeflirrende Sevilla" durch "bildgewaltigen Projektionen" simuliert, wo man doch eher am "windgepeitschten" Bodensee ist, es finden "wilde Verfolgungsjagden" statt, und die Schmuggler werden kurzerhand zu Piraten hochstilisiert.
Schade, dass man das tolle Orchester nicht sehen konnte. Aber da überlegt man ja auch schon, wie man das ändern kann.
Alles in Allem sieht unsere Opernzukunft doch garnich so düster aus, oder? ?(

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Gerhard Wischniewski

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Montag, 24. Juli 2017, 09:47

Zitat

Zitat von William B.A. Alles in Allem sieht unsere Opernzukunft doch garnich so düster aus, oder?
Lieber Willi,

wenn auch Manches nicht passte, war es doch wenigstens eine Inszenierung, die man weitgehend akzeptieren konnte. Wenn man das als Weg zur Respektierung der vom Autor vorgegeben (und so gewollten) Handlung ansehen kann und sich wenigstens einige Regisseure daran orientieren, dann magst du Recht haben.
Es war - wie gesagt - eine Inszenierung, die ich mir einmal ansehen kann, aber im Gegensatz zu einigen anderen Inszenierungen nicht für wert halte, sie auf Dauer zu speichern.

Liebe Grüße
Gerhard
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La Roche

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Montag, 24. Juli 2017, 10:09

Ich fand die Aufführung auch sehr gelungen. Nadine Sierra ist wohl zur Zeit die hübscheste und best singende Gilda, mit ihrem glockenklarem Sopran. Stephen Castello war ein höhensicherer Herzog. Überrascht hat mich Lodovico Tezier als Rigoletto, mit seinem kraftvollen, aber trotzdem wärmen Barriton. Darstellerisch waren alle stark. Auch das Dirigat hat mir sehr gut gefallen und ich würde gerne mehr von der Dirigentin hören bzw. sehen. So kann man Open Air Oper machen, ohne daß sie zu einem visuellen Spektakel wie in Bregenz verkommt.
Lieber rodolfo,

ich habe es verpaßt, auch das Programmieren. Zum Glück gibt es die Mediathek, und ich konnte das Versäumte nachholen. Deine Ausführungen kann ich voll und ganz bestätigen. Die Gilda war eine Ohren- und Augenweide, der Herzog stand ihr stimmlich kaum nach. Er ist von Timbre her wohl ein idealer Herzog und paßt auch äußerlich in die Rolle. Er hat Glanz und Leichtigkeit, eine schöne und klare Höhe. Und Tezier war ein prächtiger Rigoletto, auch ihm nimmt man seine Zerissenheit ab.

Und ganz toll fand ich, wie das Gemisch an Stimmen vom Chor bis zu den Solisten und zum Orchester technisch eingefangen und wiedergegeben wurden, und das beim open air! Manche Übertragung aus der Met hat mehr tontechnische Schwieigkeiten wie diese Übertragung. Mir hat es besser gefallen als die meisten Rigolettos, die ich in den letzten 15 Jahren gesehen habe. Bei einer solchen Qualität brauche ich keine Kulissen!!

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

chrissy

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Montag, 24. Juli 2017, 23:00

Beim momentanen Durchzappen im TV sehe ich, auf "Classica" läuft die Carmen. Und gerade das Auftrittslied des Escamillo (Erwin Schrott).
Es ist eine Aufzeichnung aus Barcelona in der Inszenierung von Bieito. Alle Akteure in normalen Straßenklamotten tanzen um einen alten PKW Mercedes.
Nein, nein, nein... schnell wegschalten, das hat schon gereicht, solch eine "geniale Idee" von Verunstaltung... das muß man sich nicht antun!!!

CHRISSY
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Siegfried

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Dienstag, 25. Juli 2017, 17:13

Seit wann hast du was gegen Mercedes?
Freundliche Grüße Siegfried

chrissy

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Dienstag, 25. Juli 2017, 18:25

Seit wann hast du was gegen Mercedes?
Hallo, Siegfried
Na selbstverständlich nichts dagegen, im Gegenteil.
Außer, es steht solch ein Auto, völlig deplaziert und ohne jeden erkennbaren Sinn, auf einer Opernbühne, wie gestern in der Carmen kurz gesehen.

Herzliche Grüße
CHRISSY
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Bertarido

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Dienstag, 25. Juli 2017, 20:09

Außer, es steht solch ein Auto, völlig deplaziert und ohne jeden erkennbaren Sinn, auf einer Opernbühne, wie gestern in der Carmen kurz gesehen.

Und wie willst Du beim "momentanen Durchzappen" erkennen, welchen Sinn und Platz der Mercedes auf der Bühne hat? Ich habe diese Produktion in Barcelona gesehen und kann Dir sagen, dass das alles sehr viel Sinn macht. Das zu erkennen muss man nicht einmal eine große Leuchte sein, es reicht schon aus, sich diese Aufführung einmal mehr als ein paar Minuten anzuschauen. Dass sie Dir nicht gefällt, sei Dir unbenommen, aber solche Urteile sind völlig aus der Luft gegriffenen.

Gerhard Wischniewski

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Dienstag, 25. Juli 2017, 20:24

Zitat

Zitat von Crissy: Es ist eine Aufzeichnung aus Barcelona in der Inszenierung von Bieito. Alle Akteure in normalen Straßenklamotten tanzen um einen alten PKW Mercedes.

Zitat

Zitat von Siegfried: Seit wann hast du was gegen Mercedes?
Lieber Crissy,

da hat Siegfried ganz Recht, solange es sich um die tatsächliche Figur der Zigeunerin Mercedes in "Carmen" handelt.

Liebe Grüße
Gerhard
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chrissy

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Dienstag, 25. Juli 2017, 22:35

Zitat

Zitat von Crissy: Es ist eine Aufzeichnung aus Barcelona in der Inszenierung von Bieito. Alle Akteure in normalen Straßenklamotten tanzen um einen alten PKW Mercedes.

Zitat

Zitat von Siegfried: Seit wann hast du was gegen Mercedes?
Lieber Crissy,
da hat Siegfried ganz Recht, solange es sich um die tatsächliche Figur der Zigeunerin Mercedes in "Carmen" handelt.

Ja, ja, lieber Gerhard, das stimmt schon. Aber in diesem Falle bin ich mir sicher, daß Siegfried, aus gutem Grund, die Automarke "Mercedes" meint.
Zitat von »chrissy«
Außer, es steht solch ein Auto, völlig deplaziert und ohne jeden erkennbaren Sinn, auf einer Opernbühne, wie gestern in der Carmen kurz gesehen.

Und wie willst Du beim "momentanen Durchzappen" erkennen, welchen Sinn und Platz der Mercedes auf der Bühne hat?
Ganz einfach, weil ein Mercedes oder ein anderes Auto nach m. M. nicht zur Handlung der Carmen paßt. Das macht für mich (und bestimmt auch für die meisten unter uns)
absolut keinen Sinn.
Ich habe diese Produktion in Barcelona gesehen und kann Dir sagen, dass das alles sehr viel Sinn macht. Das zu erkennen muss man nicht einmal eine große Leuchte sein,
Es freut mich ehrlich, daß es wohl auch große Leuchten gibt, die Freude an so etwas haben, Erkenntnisse gewinnen und erleuchtet werden.
es reicht schon aus, sich diese Aufführung einmal mehr als ein paar Minuten anzuschauen. Dass sie Dir nicht gefällt, sei Dir unbenommen,
Und mir reichen da ein paar Minuten aus, um mir meine Meinung und Bewertung zu bilden und mir so etwas nicht länger als eben ein paar Minuten anzuschauen.
Und richtig, diese meine Meinung, ist und und bleibt mir unbenommen. Genau so, wie man auch andere Meinungen akzeptieren und tolerieren sollte.

CHRISSY
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Sixtus

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Donnerstag, 27. Juli 2017, 17:59

Profane Information zur Entschärfung von unnötigen Spannungen

Der Mercedes auf der Bühne, wenn er denn einen Sinn haben soll, könnte eine Anspielung auf folgende Anekdote sein:
Ein Sponsor soll dem Komponisten eine größere Summe gespendet haben - unter der Bedingung, dass seine Tochter Mercedes in der Oper Carmen verewigt wird - oder so ähnlich.
Für den Wahrheitsgehalt dieser Anekdote kann ich mich nicht verbürgen - und bitte nötigenfalls um Korrektur. Aber wenn es zutrifft: Es gibt schon dergleichen triviale Begebenheiten, die man kaum für möglich hält...

chrissy

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Donnerstag, 27. Juli 2017, 18:31

Profane Information zur Entschärfung von unnötigen Spannungen
Der Mercedes auf der Bühne, wenn er denn einen Sinn haben soll,
Lieber Sixtus
Ein Mercedes vor der Bühne (sprich vor dem Opernhaus) macht für mich Sinn. Egal, ob da die Oper Carmen, Rigoletto, Nabucco oder sonst wie heißt...

Herzlichst
CHRISSY
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Gerhard Wischniewski

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Donnerstag, 27. Juli 2017, 18:52

Zitat

Zitat von Sixtus: Ein Sponsor soll dem Komponisten eine größere Summe gespendet haben - unter der Bedingung, dass seine Tochter Mercedes in der Oper Carmen verewigt wird - oder so ähnlich.
Vielleicht hat er dem Komponisten sogar ein Auto geschenkt. Da der Name Mercedes - soviel ich weiß - aber erst um die Jahrhundertwende 19/20. Jahrhundert entstand, wäre es glaubwürdiger gewesen , einen Ford auf die Bühne zu stellen, denn den gibt es ja schon seit Urzeiten. Schon in der Bibel steht: "Sie sündigten in einem Ford".

Liebe Grüße
Gerhard
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La Roche

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Donnerstag, 27. Juli 2017, 20:43

Nachtrag zum Rigoletto

Ich fand die Aufführung auch sehr gelungen. Nadine Sierra ist wohl zur Zeit die hübscheste und best singende Gilda, mit ihrem glockenklarem Sopran. Stephen Castello war ein höhensicherer Herzog. Überrascht hat mich Lodovico Tezier als Rigoletto, mit seinem kraftvollen, aber trotzdem wärmen Barriton. Darstellerisch waren alle stark. Auch das Dirigat hat mir sehr gut gefallen und ich würde gerne mehr von der Dirigentin hören bzw. sehen. So kann man Open Air Oper machen, ohne daß sie zu einem visuellen Spektakel wie in Bregenz verkommt.
Nun habe ich mir in der Mediathek den Rigoletto aus hannover zum zweiten Mal angesehen, und es ist tatsächlich so, daß man beim zweiten Mal mehr sieht und hört als beim ersten Gang. Nochmals möchte ich meine Bewundeung an die Tontechniker zum Ausdruck bringen, die eine derart wunderbare Übertragung zustande gebracht haben.

Zu Nadine Sierra. Nicht nur optisch ein Genuß, auch sängerisch braucht sie sich hinter Sängerinnen wie Diana Damrau nicht zu verstecken, und sie hat den Vorteil der Jüngeren. Im Vergleich mit früheren Gildas wie Erika Köth, Rita Streich, Erna Berger u.a. fällt mir auf, daß Sierra im Gegensatz zu den reinen Koloratursopranen mit fast kindlicher Stimme einen ganz anderen Gesangsstil pflegt. Ihre Koloraturen wie in "Gualtier Malte" kommen klar und tonsicher, sie hat keine Intonationsprobleme. Trotzdem klingt ihre Stimme fraulicher, reifer als bei den vorgenannten. Auch darstellerisch, trotz der halbszenischen Inszenierung war sie rollenfüllend. Verzweiflung, aber auch trotz des Vertauensbruches noch immer Zuneigung zum Herzog vermochte sie glaubhaft darzustellen. Ihre Sterbeszene war rührend.

Stephen Costello hat mir besser als Herzog gefallen als der live in dieser Rolle erlebte Florez, wobei dieser sicher der bessere Sänger ist, aber als Herzog (in Dresden) eine Fehlbesetzung war. Der Hannoversche Tenor war gut beraten, die Kabaletta im 2. Akt nicht mit der Quarte nach oben zu singen (das war Flores total mißlungen), sondern in der Quinte nach unten zu gehen. Das war gut und richtig. Trotzdem war er unter den 3 hervorragenden Hauptprotagonisten für mich der schwächste. Ich erinnere mich an Cesare Curzi, der in der Münchener Inszenierung aus den 50-ern (mit Ernst Gutstein) einen tollen Herzog brachte. Über Pavarotti und Domingo brauchen wir in diesem Zusammenhang nicht zu reden.

Im Vergleich mit früheren Rigolettos hat mich Ludovic Tezier am meisten überrascht. In dieser Form braucht er einen Vergleich mit Wixell oder Panerai nicht zu scheuen. Bei Wixell hatte mir immer das Crescendo am Schluß seiner großen Arie im 2. Akt imponiert, wobei ich nicht weiß, ob dieses Crescendo von Verdi so komponiert war. Gerade bei dieser Arie (feile Sklaven) war ich am Anfang erstaunt über das schnelle Tempo, welches die hervorragende Dirigentin zu Beginn vorgelegt hatte. Aber ab "gebt mein Kind mir wieder" war das Gefühl in der Stimme, die einverzweifelter Vater an dieser Stelle haben muß. Der Ausbruch "entfernt euch.." war grandios. Im 3. Akt glaube ich, leichte Ermüdungserscheinungen verspürt zu haben, aber vielleicht lag es an mir.

Sehr erfreut war ich, Franz Hawlata als Sparafucile wiederzusehen. Ich habe ihn in den letzten 2 Jahren als Hans Sachs und als Sir Morosus in Chemnitz erlebt.

Schwachpunkt war für mich der Monterone, er konnte mich im Fluch nicht überzeugen.

Nachträglich muß ich mich fragen, ob ich die Inszenierung auch so euphorisch erlebt hätte, wenn sie in den gleichen Kostümen und Kulissen auf der Bühne und ohne den Zusatz "halbszenische Aufführung" stattgefunden hätte. Denn es wären 1. die Mikrofone weggefallen und 2. wäre ich nach bisherigen Einschätzungen derartiger Inszenierungen zu dem Ergebnis gelangt "das ist Regietheater", und das mag ich nicht. In diesem Falle muß ich sagen, daß es mir sicher auch auf der Bühne im Theater gefallen hätte, denn an der Handlung, am Text und an der Musik wurde nichts verändert und es wurden auch keine belehrenden Gesichtspunkte oder neue Auslegungen hineininterpretiert. Es war einfach schön, bis auf die Ausstattung in Sparafuciles Bar. Und wenn der Gesang auch ohne Mikros so gut gewesen wäre wie beim open air müßte ich sagen "Verweile doch, Du bist so schön"

Herzlichst La Roche
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Gregor

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Montag, 7. August 2017, 22:56

SALZBURGER FESTSPIELE 2017

Giuseppe Verdi
AIDA

12. AUGUST 2017
20.15 Uhr ORF 2
Live zeitversetzt aus dem Großen Festspielhaus Salzburg




Anna Netrebko (Aida), Francesco Meli (Radames), Ekaterina Semenchuk (Amneris), Luca Salsi (Amonasro), Dmitry Belosselskiy (Ramphis), Roberto Tagliavini (König), Bror Magnus Tødenes (Bote), Benedetta Torre (Oberpriesterin)

Dirigent: Riccardo Muti
Wiener Philharmoniker
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Inszenierung: Shirin Neshat


Gregor

Jolanthe

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Dienstag, 8. August 2017, 15:20

ARTE überträgt ebenfalls am Samstag um 20.15 und die AIDA wird auch in der Mediathek zu finden sein.

:hello:

Jolanthe