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Wulf

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31

Mittwoch, 26. Dezember 2007, 18:47

Achtung Stauballergiker!

Im Auftrag der Administration wird dieser thread augenblicklich durch ein eingebautes Anti-Dust-Programm vom Staub zweieinhalbjährigen Lagerns in der Mottenkiste für ungeliebte Bits und Bytes befreit. In ihrem eigenen Interesse treten Sie einen Schritt vom Monitior zurück und warten bis das Terminierungs-Signal
ertönt. Wir danken für Ihr Verständnis.

******pffffffffffffffffffffff*schkschkschkschk********pffffffffffff*schkschkding!****


Ah, da seid ihr also! :P

Nun, nicht ganz ungefährlich dieser Einsatz, aber eine News and Stories-Folge auf Sat1 drängte mir den Gedanken förmlich auf, Deutschlands wohl bekanntesten Musikkritiker erneut auf den Plan zu rufen. Dort gab Herr Kaiser seine gewonnenen Einsichten zur klassischen Epoche wieder. Er tituliert sich selbst als Verfechter des Klassischen , das er als ein Parralelogramm der Energien auffast (wäre es eins der Kräfte gewesen, so wäre es jedenfalls physikalisch sinnvoll :pfeif: ).

Hat sonst noch jemand diese Sendung gesehen und wenn ja, was haltet ihr von den Ausführungen Kaisers?
Wäre schön, wenn noch ein paar grundsätzliche Meinungen zu Kaiser geäußert werden.....

:hello:
Wulf
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

Alfred_Schmidt

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32

Donnerstag, 11. Mai 2017, 19:20

Der Entstaubungsversuch von 2007 ist anscheinen nicht voll geglückt, daher unternehme ich - 10 Jahre später - eine zweiten:

Durch den soeben mitgeteilten Tod von Joachim Kaiser mag das Interesse an ihm - zumindest für einen gewissen Zeitraum - anwachsen. Ob er dann zu einer Legende wird oder zu jemandem, dessen "Ansichten von gestern" man nicht teilt und nicht verstehen kann, das wird die Zukunft zeigen. Wir müssen uns vor Augen halten, was Joachim Kaiser eigentlich wollte: Minuziös ausgearbeitete Beurteilungen und Beschreibungen von Pianisten, die er für würdig befand, immer bereit sein Urteil zu revidieren, bzw auf den neuesten Stand zu bringen. Er schreibt über seine Fehlbarkeit in einem seiner Vorworttexte, über das, daß er sich dessen bewusst ist, wichtige Pianisten übersehen zu haben, oder sie falsch eingeschätzt zu haben, trotz seines Bemühens um "Neutralität" oder zumindest doch Fairness. Die Zeit hinterlässt an uns allen Spuren, und niemand war sich dessen mehr bewusst als Joachim Kaiser. Entgegen seinem Ruf als "eitel, selbstgefällig und dogmatisch" erkannte er eines Tages, daß ihn neue Pianisten eigentlich kaum mehrt zu faszinieren vermochten, was er sogar schriftlich festhielt. Er räumte quasi noch zu Lebzeiten seinen Thron, damit sein Werk weiterbestünde. Der Kronprinz Klaus Bennert hatte aber IMO nicht das Format seines Vorgängers und ausserdem starb er nach relativ kurzer Mitarbeit an der letzten Auflage von Kaisers Buch. Es muß ein herber Schlag für Kaiser gewesen sein.
Zu Bennerts Rehabilitation sei gesagt, er war von Kaiser ja selbst gewählt worden und hätte sich vermutlich nach einiger Zeit freigespielt (ähh -geschrieben). Denn hier rächt sich die Marketingstrategie, die Kaiser ja zu einem Kritikerpapst, wenn nicht -Gott hochstilisiert hat: Jeder Nachfolger wird an diesem Götzenbild gemessen - und kann natürlich nicht bestehen. So erging es auch Jürgen Otten mit seinem Nachfolgebuch, es wurde IMO ungerechtfertigterweise verrissen bevor es noch wirklich erschienen war. Wer immer heute solch ein Buch schreibt - er wird es mit eigenen Worten formulieren, seine eigenen Auswahl treffen und völlig anders sein als das große Vorbild. Desto schneller man dies akzeptiert, desto besser.
Den der Bedarf an einem solchen Buch besteht.

mfg aus Wien
Alfred

PS: Der beste Dienst an der Pianistenbibel von Joachim Kaiser wäre, sie unverändert aufzulegen, quasi als Dokument ihrer Zeit, und sie NICHT zu aktualisieren, das verwässert der Kern.....

Wo ein Internetforum ist, da ist auch der Teufel nicht weit
(Alfred Schmidt)

Alfred_Schmidt

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33

Montag, 17. Juli 2017, 22:23

Und ich komme immer wieder auf Joachim Kaiser zurück, und zwar deshalb, weil wir in den nächsten Monaten - und wenn nicht "WIR", dann eben "ICH" an unserem Projetkt "60 Große Pianisten unserer Zeit" weiterarbeiten wollen oder sollen - mit Sicherheit aber werden.
Fürs erste wirde der Titel fallen - die Beschränkung auf 60 Titel fällt, Kaiser hat sich auch nicht auf 60 Pianisten beschränkt. Der Mann hat mir - sogar nach seinem Tod - unglaublich viel bei der geplanten Fertigstellung unseres Projekts geholfen. Wir werden sein fachliches Niveau natürlich nicht annähernd erreichen - aber wir wollen unser bestes geben und hoffen , daß das genug ist. Aber darum geht es im Augenblick nur nebenbei. Ich frage mich, wer von den Taminos hat das berühmte Buch überhaupt gelesen - oder - da man in einem solchen Buch eher nachschlägt - als daß man es liest - Wer hat es je in der Hand gehabt und es als Hilfestellung zu Rate gezogen? Ich fürchte, daß sind weniger als man glaubt.
Wenn man drinnen blättert, dan findet man einige Eigenheiten, die sich eigentlich nicht mit dem Ruf des Autors vertragen und einige Probleme mit denen er im Laufe der Jahre in Bezug auf sein Buch zu kämpfen hatte - und wie er sie gelöst hat. Ich werde aller Voraussicht nach (das wird sich erst zeigen) einige der Probleme anders lösen. Das liegt an der anderen Zeit, an der Art des Mediums, an der Freiheit keinem Verlag verpflichtet zu sein.
Sogar an meinem Wunschtitiel hat Kaiser Indirekt mitgearbeitet, nämlich als ich heute einige seiner Beiträge etwas ausführlicher und kritischer las.
Auch zu Bennert, seinem Wunschnachfolger ist mir einiges eingefallen.
Joachim Kaiser hat offen eingestanden, daß er im Laufe der Jahre immer weniger Lust empfand sich mit neuen jungen Pianisten zu befassen. Und genau das sei die EIGENTLICHE Intention des Buches gewesen, als es 1965 erstmals erschien - übrigen war es nicht Kaisers Idee, sondern das Buch entstand auf Anregung eines Freundes.
mir freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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(Alfred Schmidt)

William B.A.

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34

Dienstag, 18. Juli 2017, 00:48

Wenn du dieses meinst, lieber Alfred,



so habe ich heute Abend noch hineingesehen, und zwar anlässlich meiner Besprechung der Hammerklavier-Sonate in der Interpretation Richard Goodes, und ich habe ihn (Kaiser) im letzten Abschnitt über das Fugenfinale auch noch erwähnt. Und ich glaube, ich habe ihn in meinen nunmehr 770 Rezensionen schon sehr, sehr oft erwähnt, was natürlich voherige Lektüre erforderlich gemacht hat.

Wenn du jedoch dieses meinst,



so ist es gerade unterwegs zu mir.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Alfred_Schmidt

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35

Dienstag, 18. Juli 2017, 02:19

Genau dieses zweite Buch meine ich. Diesaes Buch, von dem erwartet wird, daß Kaiser die Pianisten bewertet. Jeder der nicht erwähnt wurde war beleidigt, es war sozusagen eine Ehre dort genannt zu werden. Kaier beschreibt genau als was das Buch URSPRÜNGLICH gedacht war und als was es NICHT gedacht war. Und wie ihm das Buch - bedingt durch Zeit und Umstände bedingt, "entglitten" ist. Damit soll nicht gemient sein,, da0 das Buch mit der Zeit "schlechter" geworden sein, aber daß es sich allmählich fast selständig von den ursprünglichen Intentionen seines Autors entfernte. Das Buch war allmählich zum "Standardwerke" des Reznsion des Klavierspiels des 20. Jahrhunderts geworden - wa laut Kaiser nie beabsichtigt war.
Natürlich hätte er (und das schrieb er nicht) es ändern können, aber entweder verbot es ihm die Eitelkeit (was ich nicht glaube) oder der Verlag (möglich aber nicht unbedingt wahrscheinlich) am eheseten aber eine gewisse Affinität zur Vergangenheit bereits inaktive oder verstorbene Pianisten, die er in seiner ersten Auflage erwähnt hatte. aus weiteren Auflagen zu entfernen. Die Inkonsequenz begann allerdings schon zu Beginn, wo er meinte auf einige besonders wichtigen Pianisten der Vergangenheit nicht verzichten zu können, weil die gut als Referenz für das Kommende geeignet waren und das Buch leichter verkäuflich machten. Denn man darf nicht ausser Betracht lassen, daß das spätere "Standardwerk" vorerst ein gewisses Wagnis war, und mancher heute namentlich weltbkannte Pianist dessen Karriere schon hinter ihm liegt damals noch ein "aufblühendes Talent" mit ungewisser Zukunft war. Kaiser nennt hier ungeniert Namen von Pianisten, die er - wie er meint - überschätz hat, bzw deren weitere künstlerische Entwickllung nicht so verlief wie er es prognostiziert und erwartet hätte. Da waren Namen dabei,m wo ich mit dachte: "Wieso, die haben doch sowieso eine tolle Karriere hinter sich" - aber dann wurde mir klar, daß es andere Maßstäbe waren, mit denen er maß, und die vielleicht in letzter Konsequenz schwer nachvollzihbar seien. Diesen Anspruch wird man heute nicht stellen können und es mag sein, daß Kaiser aus dieser Erkenntnis heraus das Interesse am Nachwuchs verlor. Das muß allerdings um 1990 gewesen sein, und da war in der Tat eine gewisse Tendenz, daß die Pianisten dieser Epoche . von Ausnahmen abgesehen - zwar immer perfekter wurden, allerdings auch immer weniger risikfreudig und individuell.
Ich möchte dann später noch ein paar Worte über das "Anhangkapitel" von Bennert schreiben - aber das muß nicht gerade heute sein.

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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William B.A.

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36

Dienstag, 18. Juli 2017, 20:14

Ich lese gerade bei Amazon, lieber Alfred, dass mir der "Kaiser " morgen geliefert wird, und dann will ich mich mal darin vertiefen und gelegentlich kundtun, was mir daran gefällt und was nicht, und über welche Pianisten, die er dort bespricht, er schon was in dem Beethoven-Sonaten-Buch gesagt hat hat, denn in dem tauchen die Pianisten, die erst ab ungefähr 1990 en vogue waren, noch gar nicht auf. Ich denke da z. B. an Alfredo Perl, der die Beethoven-Sonaten in der letzten Dekade des 20. Jahrrhunderts aufgenommen hat und den Joachim Kaiser daraufhin, wie ich meine, völlig zu Recht zu den 10 größten lebenden Beethoven-Pianisten gezählt hat. Also zumindest den hat er dann ja doch wohl leiden mögen. :D

Liebe Grüße

Willi :)
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Alfred_Schmidt

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37

Mittwoch, 19. Juli 2017, 00:00

Ich glaube nicht, daß Kaiser danach urteilte, wen er leiden konnte und wen nicht, sondern wen dere für "bemerkenswert" fand und wen nicht. Er kanzelt auch keine Pianisten ab und beweihräuchert andere, sondern er betont die EIGENHEITEN, setzr "Schwächen" und "Stärken" gleichermaßen gegeneinander. Das ist mir eigentlich erst sehr spät aufgefallen. Es bit also sehr oft keine generelle Wertung, sondern ein spezielles Werk wird herausgegridden, wo er erklärt welche Schwerpunktr der Pianiste setzt, welche tüpischn Charaktereifenschaften des Stückes besonders gut herausgearbeitet werden, welche er unterschlägt, welche neune Sichtweise er anbietet, und auch wenn das Werk (nach Kaisers Auffassung) "miverstanden! wird. Hier liegt IMO das große Verdienst des Buches. Diese analytisch - subjektive Sichtweise erfordert natürlich nicht nur ein gewisses "Wissen" uns einen klar definierten Eigengeschmack, sondern auch eine lebenslängliche intensive Befassung mit dem Therma, die durch einen weiteren Charakterzug des Rezensenten gezeichnet sein muß: Begeisterung. Und auch der Mut zu scheitern. Beides dürfte Kaiser in den letzen Jahrzehnten seines Lebens verloren haben. Deshalb hat er auch einen Nachfolger , Klaus Bennert ausgewählt.
Der wurde von Kaiser voll anerkannt, aber er schreibt auch, da0 die Fortsetzung durch einen Autor einer jüngeren Generation eine gewisse Zäsur darstellt, andere Sichtweisen, Schwerpunkte von bereits Besprochenem, neue Namen werden folgen.
Auch wenn sich Kaiser dessen voll bewusst war, so blieben doch ungelöste Probleme, Bennert schreibt einen relativ kurzen Ergänzungsteil des Buches, wo er Rückschau hält, aber bereits auch neue Namen nennt, manche überraschend früh. Aber über allem schwebt Kaisers Geist. Bennert wirkt - verständlicherweise - irgendwie befangen. Sein Nane wird als Coautor nicht mal genannt, wermutlich eher dem Verlag anzukreiden, als Kaiser, der Bennert ja im Vorwort Rosen streut.
Bedauerlicherweise ist Bennert ja sehr füh gestorben, konnte sein Werk also nich weiterführen. Heut scheint er nicht mal mehr bei WIKIPEDIA auf. Ich hab nach einträgen im WEB gesucht - und gefunden: Bei Tamino-Klassikforum - verfasst von einem gewissen, mir unbekannten Allfred Schmidt.

mfg aus Wien
Alfred

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