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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Thomas Sternberg

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31

Samstag, 25. Februar 2012, 07:52

Zitat

Ich höre ja nun definitiv viele Konserven, aber für mich ist es nie das echte Erleben. Dabei zu sein, wenn Musik gemacht wird, ist m.E. das wahre Erlebnis. Das was ich besitze ist gemacht und ich erlebe keinen Schöpfungsakt mit.

Hallo Klaus2,

vollkommen korrekt.

Aber das unbeschreibliche Gefühl z.B. in der Arbeit, daran zu denken, das ich nach Hause gehen kann und mir sämtliche Klaviersonaten Beethoven`s von Gerhard Oppitz anhören könnte, oder das Stück auswählen, oder doch lieber ein Streichquartett des Artemis Quartett, dieser winzige Moment, bringt Freude in den größten Frust.

So hat alles seine Berechtigung und wie Erich Ruthner völlig richtig schreibt ist der eigene Umgang mit der "Materie" und Einstellung dazu enscheidend.

Die allzeitige Verfügbarkeit kochklassiger Musik ist eine Errrungenschaft unserer Zeit, die ich nicht mehr missen möchte.

Viel Grüße Thomas

Wolfram

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32

Samstag, 25. Februar 2012, 09:43

Ein gutes Live-Konzert ist durch nichts zu ersetzen. Alleine schon die Spannung des Momentes ...

Aber sich zuhause auf ein Werk wie die Marienvesper, die h-moll-Messe, ein spätes Quartett von Beethoven oder Schubert, den Tristan, eine Mahler-Sinfonie, ein Werk der Zweiten Wiener Schule vorbereiten zu können, das ist unbezahlbar und erhöht den Genuss den Live-Konzerts immens.

Früher (vor der LP) hat man solche Dinge mit einem Klavierauszug oder in einer vierhändigen Bearbeitung bewerkstelligt. Da musste man selbst ran. Das Ergebnis war vermutlich in den meisten Fällen längst nicht so überzeugend wie heute eine schlechte Aufnahme, dafür hat man sich selbst die Finger schmutzig gemacht und sich die Musik selbst erarbeitet.

Natürlich hat die CD-Aufnahme auch ihre eigene Ästhetik. Die Wiederholbarkeit ist dabei ein wichtiger Aspekt. Ich meine etwa, bei Barockmusik können die Musiker im Konzert sehr freizügig mit Verzierungen umgehen, wohingegen sie bei einer Aufnahme sich auf das unbedingt Notwendige beschränken sollten - da durch die Wiederholbarkeit das spontane Element der Verzierungen verloren geht. Aber auch ansonsten gilt: Dinge, die man im Konzert spontan "mal macht", taugen nicht unbedingt für eine wiederholbare CD-Aufnahme.

Live gegen CD auszuspielen, halte ich für unangemessen. Wie sagte Celi: "Schallplatten sind wie Onanie. Im Bett merkt jeder den Unterschied."

:hello:
Viele Grüße, Wolfram

Alfred_Schmidt

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33

Sonntag, 3. August 2014, 22:01

Natürlich ist der Klang des Originals nur schwer bis gar nicht zu erreichen. Das ist allerdings ein momentanes Manko der Technik, und könnte eines Tages behoben sein. Bis dahin müssen wir uns mit den derzeitigen Möglichkeiten der Konserve begnügen. Ich bin hier aber eher für eine VOLLKONSERVE und nichts "Aufgewärmtes" - Unter einer Vollkonserve verstehe icih eine fein ausbalancierte Studioaufnahme, wo so lange getüftelt wurde, daß der Eindruck von Realität entsteht -auch wien dies auf künstlichem Wege erreicht wurde. "Aufgewärmtes" ist ein Mitschnitt, wo man Akustik niemals absolut im Griff haben kann.
Kommen wir zuletzt noch auf den generellen Unterschied zwischen LIVEERLEBNIS und KONSERVE:
Bei ersterem ist immer ein gewisses Risiko des Scheiterns vorhanden, was bei der Konserve entfällt, bzw man weiß schon VOR dem Kauf was man bekommt.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Theophilus

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34

Sonntag, 3. August 2014, 22:29

Das ist allerdings ein momentanes Manko der Technik, und könnte eines Tages behoben sein.

Auch wenn du es noch so oft wiederholst, wird es nicht wahrer. Dieses "Manko" ist längst behoben...

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Bertarido

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35

Sonntag, 3. August 2014, 22:38

Das ist allerdings ein momentanes Manko der Technik, und könnte eines Tages behoben sein.
Auch wenn du es noch so oft wiederholst, wird es nicht wahrer. Dieses "Manko" ist längst behoben...

Das kommt darauf an. Den exakten Klang in einem Konzertsaal oder Opernhaus wird man zuhause auch in Zukunft nicht reproduzieren können. Das heißt aber nicht, dass es zuhause schlechter klingt, nur anders.

Alfred_Schmidt

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36

Sonntag, 3. August 2014, 22:49

Zitat

Auch wenn du es noch so oft wiederholst, wird es nicht wahrer. Dieses "Manko" ist längst behoben...

Das ist einfach nicht wahr !!!
Jeder - auch ungeübte Hörer - kann mit verbundenen Augen - feststellen ob ein Streichquartett oder eine hochwertige Anlage spielt. Das gilt auch für ein Klavier. Selbst wenn in einem Mietshaus Klaviermusik aus einer verschlossenen Tür kommt ist feststellbar, ob es sich um einen Flügel oder einen Lautsprecher handelt.
Es gibt zahlreiche Geräusche wo man eine Konserve entlarven kann - und bei handelsüblichen Tonträgern ist das gar nicht notwendig.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Theophilus

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37

Sonntag, 3. August 2014, 23:25

Das kommt darauf an. Den exakten Klang in einem Konzertsaal oder Opernhaus wird man zuhause auch in Zukunft nicht reproduzieren können. Das heißt aber nicht, dass es zuhause schlechter klingt, nur anders.

Nein, kommt es eigentlich nicht. Man darf die Dinge nicht durcheinander mischen. Die grundlegende Frage lautet: kann ich ein Schallereignis aufzeichnen und so wiedergeben, dass es für den Hörer vom Original nicht signifikant unterscheidbar ist? Die Antwort ist: ja, man kann - und das schon sehr lange. Es ist nur eine Frage des technischen Aufwands.

Das heißt jetzt in der Praxis: wenn ich z.B. einen Flügel sehr direkt Aufnehme (mit möglichst wenig Raumanteil), erreiche ich so hohe "Natürlichkeit", dass in einem Konzertsaal geeignet platzierte Hörer akustisch nicht unterscheiden können, ob auf dem Podium hinter einem Vorhang der echte Flügel oder die Konserve über geeignete Lautsprecher spielen. Das heißt jetzt wiederum nicht, dass überhaupt kein Unterschied feststellbar ist, es wäre jedoch nur ein quantitativer, kein qualitativer. Mausohren könnten vielleicht signifikant zwischen Original und Konserve unterscheiden, jedoch nicht sagen, was denn nun was ist.

Derartige Versuche sind schon des öfteren durchgeführt worden und belegten die prinzipielle Lösung des Problems. Man kann auf diese Weise dem Original fast beliebig nahe kommen, es ist vereinfacht gesagt nur eine Preisfrage.

Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass man die Akustik eines Konzertsaales oder einer Oper nicht ins Wohnzimmer verpflanzen kann. Präziser gesagt, es geht nicht 1:1, weil akustische Wiedergabe nicht vom Raum getrennt werden kann, in dem sie stattfindet. Ein Wohnzimmer "klingt" nun einmal anders als ein Konzertsaal. Mit dieser Diskrepanz wird man grundsätzlich immer leben müssen, obwohl es durchaus erfolgreiche Versuche gab, auch diese mit entsprechendem technischen Aufwand zu minimieren. Wenn man alle Wände und die Zimmerdecke mit Schallwandlern vollpflanzt, über entsprechend konzipierte Vielkanalaufnahmen verfügt und viele passend konfigurierte Signalprozessoren einsetzt, kann man theoretisch in jedem Raum jede beliebige Akustik reproduzieren. Das sind jedoch nur Forschungsanlagen, aber die Erkenntnisse, die dort gewonnen werden, werden z.B. auch dazu genutzt, um Standards für Mehrkanalanlagen für Filmwiedergabe zu definieren. Hier geht es darum, mit einem Minimum an "sichtbarer" Technik ein maximal befriedigendes Ergebnis zu erzielen.

:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Bertarido

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Registrierungsdatum: 24. April 2014

38

Sonntag, 3. August 2014, 23:31

Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass man die Akustik eines Konzertsaales oder einer Oper nicht ins Wohnzimmer verpflanzen kann. Präziser gesagt, es geht nicht 1:1, weil akustische Wiedergabe nicht vom Raum getrennt werden kann, in dem sie stattfindet. Ein Wohnzimmer "klingt" nun einmal anders als ein Konzertsaal. Mit dieser Diskrepanz wird man grundsätzlich immer leben müssen, obwohl es durchaus erfolgreiche Versuche gab, auch diese mit entsprechendem technischen Aufwand nach Möglichkeit zu minimieren. Wenn man alle Wände und die Zimmerdecke mit Schallwandlern vollpflanzt, über entsprechend konzipierte Vielkanalaufnahmen verfügt und viele passend konfigurierte Signalprozessoren einsetzt, kann man theoretisch in jedem Raum jede beliebige Akustik reproduzieren. Das sind jedoch nur Forschungsanlagen, aber die Erkenntnisse, die dort gewonnen werden, werden z.B. auch dazu genutzt, um Standards für Mehrkanalanlagen für Filmwiedergabe zu definieren. Hier geht es darum, mit einem Minimum an "sichtbarer" Technik ein maximal befriedigendes Ergebnis zu erzielen.

Eben das meinte ich. Selbst wenn es theoretisch möglich wäre, den Aufwand wird niemand treiben wollen.

Theophilus

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39

Sonntag, 3. August 2014, 23:41

Jeder - auch ungeübte Hörer - kann mit verbundenen Augen - feststellen ob ein Streichquartett oder eine hochwertige Anlage spielt. Das gilt auch für ein Klavier.

Nein, kann man nicht. Unter den von mir oben beschriebenen Abhörbedingungen ist das nicht mehr möglich!

Ciao

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Alfred_Schmidt

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40

Sonntag, 3. August 2014, 23:44

Ich gehe natürlich davon aus, dass wir hier von Konserven sprechen die am Markt erhältlich sind und mit einer Anlage um - sagen wir mal 5.000.-- bis 10.000 -- Euro abgespielt wird.

Dazu kommt allerdings , dass mit passiven Mehrkanal-Lautsprechern - auch jenen der oberen Preisklasse - folgende Probleme bis heute nicht gelöst sind

a) eine dem Originalinstrument entsprechende räumliche Schallverteilung
b) eine korrekte Impulswiedergabe (Phasendrehung durch die Weiche) UND die Masse der jeweiligen LS-Membran, die Hörbarkeit des Membranmaterials, ja sogar des verwendeten Mikrophons.

Das ist eine endlose Geschichte.
In der Praxis möchte ich behaupten, dass man auch bei hochwertigen Anlagen Original und Konserve gut auseinanderhalten kan - selbst bei altersbedingtem eingeschränkten Hörvermögen....

Aber das ist sowieso nur ein Teilaspekt dieses Themas und gehört - wenn es detailliert erörtert werden soll - in den HIFI Bereich.....

Lg aus Wien
Alfred

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Theophilus

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41

Montag, 4. August 2014, 04:44

Ich gehe natürlich davon aus, dass wir hier von Konserven sprechen die am Markt erhältlich sind und mit einer Anlage um - sagen wir mal 5.000.-- bis 10.000 -- Euro abgespielt wird.
Deine schwammigen Annahmen haben nichts damit zu tun, was technisch möglich ist. Tatsächlich ist es so, dass die Mehrheit der Tonaufnahmen gar nicht einen möglichst "natürlichen" Klang anstreben, sondern eine Art klangliche Interpretation darstellen. Das kann aus technischen aber auch aus geschmacklichen Gründen erfolgen.


Dazu kommt allerdings , dass mit passiven Mehrkanal-Lautsprechern - auch jenen der oberen Preisklasse - folgende Probleme bis heute nicht gelöst sind

a) eine dem Originalinstrument entsprechende räumliche Schallverteilung
Das wird bis in alle Ewigkeit technisch unmöglich sein, ist aber weitgehend irrelevant. Für das Musikhören reicht es, dass die Schallverteilung für die Hörposition stimmt und für Abweichungen davon sich sehr gleichmäßig verändert.


b) eine korrekte Impulswiedergabe (Phasendrehung durch die Weiche) UND die Masse der jeweiligen LS-Membran, die Hörbarkeit des Membranmaterials, ja sogar des verwendeten Mikrophons.
Fakten von Vorvorgestern. Die korrekte Impulswiedergabe eines Mehrwegesystems ist längst gelöst und was die klangliche Charakteristik von Materialien angeht, die gibt es zwar, aber sie sind mit entsprechendem Aufwand auf ein vernachlässigbares Niveau reduzierbar. Tatsächlich wird in vielen Fällen ganz bewusst das Gegenteil gemacht. Um beim Beispiel Mikrophon zu bleiben: das geeichte, absolut neutrale Mikrophon ist nicht unbedingt das bevorzugte Produkt für den Toningenieur. Er wählt für verschiedene Einsatzbereiche durchaus auch Mikrophone mit "Charakter", um gezielt seine Klangvorstellungen zu realisieren. Und eine so "getunte" Aufnahme wird immer eine bleiben, auch wenn die Wiedergabeanlage absolut perfekt ist.


In der Praxis möchte ich behaupten, dass man auch bei hochwertigen Anlagen Original und Konserve gut auseinanderhalten kann - selbst bei altersbedingtem eingeschränkten Hörvermögen....
Das Gegenteil wurde experimentell nachgewiesen, aber was kümmern dich solche Kleinigkeiten...

;)

Ciao

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Klaus 2

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  • »Klaus 2« ist männlich

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42

Montag, 4. August 2014, 09:22

Bei konservierter Musik handelt es sich immer um eine Simulation, das sollte man nie vergessen! Das kann eine sehr gute Simulation sein, keine Frage. Aber es ist nicht das Erleben in der Realität, auch die tollsten Lautsprecher beinhalten keine Geigen und Posaunen, sie gaukeln deren Klang vor.
Wir leben in einer Zeit, wo auf sehr vielen Gebieten die Simulation die Realität ersetzt, bei sehr vielen Gebieten ist uns das auch überhaupt nicht mehr bewusst. Insofern läuft diese Diskussion auch ein wenig ins Leere, denn wir können ja nur die Simulation verbessern, die Wirklichkeit können wir nicht übertragen .
(Rein technisch kann ich mir vorstellen, dass man in absehbarer Zeit ein paar Elektroden in den Kopf einbauen kann und dann ein komplettes Konzertgeschehen erlebbar machen kann. Ich persönlich klammere mich aber an den Versuch, wirkliche Realität zu erleben)
Tschö
Klaus
ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. April 2013

43

Montag, 4. August 2014, 10:03

Für mich ist diese Diskussion ziemlich müßig. 75% dessen, was ich höre, KANN ich gar nicht live hören, denn es wird praktisch NIRGENDWO gespielt. Oder ich müßte zumindest über unlimitierte Geld- und Zeitressourcen verfügen, die mich ständig rund um die Welt führen, um wenigsten ein Teil davon live zu erwischen.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

44

Montag, 4. August 2014, 10:21

Für mich ist diese Diskussion ziemlich müßig. 75% dessen, was ich höre, KANN ich gar nicht live hören, denn es wird praktisch NIRGENDWO gespielt. Oder ich müßte zumindest über unlimitierte Geld- und Zeitressourcen verfügen, die mich ständig rund um die Welt führen, um wenigsten ein Teil davon live zu erwischen.

Eben. Die technische Diskussion geht m.E. völlig am Kern des Themas vorbei. Auch ohne einen Fokus auf "exotische" Musikstücke ist es, wenn man nicht gerade in Wien, Berlin oder vielleicht noch Hamburg oder München lebt, ein ziemlich hoher finanzieller und zeitlicher Aufwand, häufig live Musik in hoher Qualität (und eben die Stücke, die einen interessieren) zu hören. Selbst wenn man günstige Karten für 30-40 Euro kriegen kann oder sich mit denen begnügt, ist man mit entsprechenden Fahrt- und ggf. Übernachtungskosten sehr schnell im dreistelligen Bereich, selbst bei mittlerer Distanz im Inland oder benachbarten Ausland. Sicher gibt es Leute, die sich das leisten können (die Zeit dafür aufbringen wird schon schwieriger), ich kann es nicht. Und selbst bei "Provinzaufführungen" wird für die Eintrittskarte typischerweise so viel wie für ein bis zwei Vollpreis-CDs fällig, so dass ich mir das auch oft zweimal überlege (wiederum abgesehen davon, dass nicht unbedingt die Musik auf dem Programm steht, die mich besonders interessiert).

Schneewittchen

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45

Montag, 4. August 2014, 11:45

Wir leben in einer Zeit, wo auf sehr vielen Gebieten die Simulation die Realität ersetzt, bei sehr vielen Gebieten ist uns das auch überhaupt nicht mehr bewusst.

Das ganze Leben ist Simulation. Wir leben in einer dreidimensionalen Projektion einer zweidimensionalen Realität. Die Realität ist die Information auf der zweidimensionalen Oberfläche unseres Universums, von der aus die dreidimensionale Welt, die wir für Realität halten, als Hologramm projiziert wird.(So jedenfalls der Stand der heutigen Physik, der sich insoweit kaum vom Wissen der antiken Philosophen unterscheidet).
Auf die CD übertragen, befindet sich die Realität als Information (bits) gepresst auf einer Plastikscheibe, die beim Abspielen im CD-Spieler+Verstärker+Lautsprecher den Eindruck erzeugen soll, Musik im Konzertsaal zu hören.

Herbert von Karajans Ansicht über das Thema "Vorteile und Nachteile von Klassischer Musik auf Konserve"
kann man in der Dokumentation "Karajan - das zweite Leben" erfahren:
http://www.servustv.com/de/Medien/Karajan-Das-zweite-Leben
mfG
Michael

Klaus 2

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  • »Klaus 2« ist männlich

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46

Montag, 4. August 2014, 11:46

Ich wollte Musikkonserven ja auch nicht verteufeln, natürlich höre auch ich zu 99% nicht live. Trotzdem war es mir wichtig, es einzuordnen.
ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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47

Montag, 4. August 2014, 16:36

Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass man die Akustik eines Konzertsaales oder einer Oper nicht ins Wohnzimmer verpflanzen kann. Präziser gesagt, es geht nicht 1:1, weil akustische Wiedergabe nicht vom Raum getrennt werden kann, in dem sie stattfindet. Ein Wohnzimmer "klingt" nun einmal anders als ein Konzertsaal. Mit dieser Diskrepanz wird man grundsätzlich immer leben müssen, obwohl es durchaus erfolgreiche Versuche gab, auch diese mit entsprechendem technischen Aufwand zu minimieren.

Man kann das aber auch genau andersherum betrachten. :) Wie viele Konzertsäle haben denn überhaupt eine für das Instrument/Orchester auch nur annähern akzeptable oder gar ideale Akustik? Das Wohnzmmer ist deshalb in vielen Fällen der viel bessere Konzertsaal - um es mal etwas überspitzt zu formulieren. Die Aufnahmen für die CD sind - jedenfalls in den meisten Fällen - in einem akustisch nahezu optimalen Raum gemacht und die Mikorophne so platziert, dass sich der Hörer in einer idealen Hörposition befindet. Im Konzertsälen dagegen versumpft schon mal die Pauke, es ist zu wenig oder zu viel Hall vorhanden, es gibt störende Reflexionen etc. etc. Wer Pech hat, der bekommt alles nur von einer ungünstigen Hlörposition mit. Dazu kommt: Für kleine Besetzungen ist ein Platz vorne oft besser, kommt dann aber später ein spätromantischer Brocken, dann wird es einfach zu laut und man bekommt die Klangbalance nicht mehr mit, weil man ja schlecht einfach die Sitzposition wechseln kann. All diese Probleme hat das Wohnzimmer als (imaginärer) Konzertsaal nicht. Das ist eben der ungeheure Vorteil der Tonkonserve, dass man eine ideale Aufnahme- und Hörsituationen simulieren und dazu die Möglichkeit des inteinsiven Nachhörens hat. Im 19. Jahrhundert war ein Großteil des Repertoires einfach dem breiten Publikum nicht bekannt mangels Aufführungsmöglichkeit. Dass wir heute ein so breites Spektrum haben, was die Repertoirekenntnis angeht, ist wesentlich der Musikkonsvere zu verdanken. Und ich glaube auch, dass wir durch die Möglichkeit intensiven Nach- und Vergleichhörens geschulter und kritischer geworden sind. Man muß diese Möglichkeiten natürlich auch nutzen können. Der Reiz liegt für mich in der Ergänzung von Konzert und Tonkonserve. Genauso wenig, wie man auf Tonkonserven verzichten kann, wäre es "ungesund", auf das Konzerterlebnis zu verzichten. Wenn man eben nicht nur die Perfektion von der Platte kennt, dann erlebt man z.B., wie heikel in einer Aufführung der 2. Satz von Beethovens Klavierkonzert ist oder wie teuflisch schwer Mahlers 7. :hello:

Schöne Grüße
Holger

Theophilus

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48

Montag, 4. August 2014, 17:37

Man kann das aber auch genau andersherum betrachten. :) Wie viele Konzertsäle haben denn überhaupt eine für das Instrument/Orchester auch nur annähern akzeptable oder gar ideale Akustik? Das Wohnzmmer ist deshalb in vielen Fällen der viel bessere Konzertsaal - um es mal etwas überspitzt zu formulieren.

Das ist vollkommen richtig. Dazu kommt, dass besonders bei Orchesteraufnahmen heutzutage durch gekonnte Arbeit des Tonmeisters wesentlich mehr von der Partitur zu hören ist als im Konzertsaal. Das ist interessant, informativ, muss aber nicht unbedingt im Sinne des Komponisten sein.

Ich kann mich noch dunkel an einen Abend vor ca. 30 Jahren erinnern, wo bei einem Musikfreund eine brandneue Platte mit einer Bruckner-Symphonie angehört wurde. Möglicherweise eine der letzten drei mit Solti. Auf jeden Fall aber eine Aufnahme, die bei Rezensionen hoch gelobt wurde, u.a. mit dem wiederkehrenden Vermerk, dass man hier Dinge höre, die man vorher noch nie auf einer Aufnahme gehört habe. Einer der anwesenden Gäste war von Beruf Dirigent. Der hörte sich das auch interessiert an, schüttelte dabei aber häufig den Kopf. Als dann die Pause zum Seitenwechsel kam, musste er natürlich erklären, was denn sein Missfallen hervorrief. Und er meinte, man höre hier ständig schön nachverfolgbare Stimmen, die von Bruckner gar nicht so komponiert wurden, dass man sie im Orchesterspiel heraushören könne. Sie fügen dem Orchesterklang lediglich eine Farbe hinzu, werden aber im Konzert nicht eigenständig wahrgenommen.
Ob das nun erwünscht wird oder ob man meint, das schieße dann doch über das Ziel hinaus, muss jeder für sich entscheiden. Tatsächlich muss man aber damit rechnen, dass man bei einer Aufnahme nicht nur eine musikalische sondern auch eine klangliche Interpretation vorgesetzt bekommt.

:hello:

Ciao

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Alfred_Schmidt

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49

Montag, 4. August 2014, 17:49

Zitat

Tatsächlich muss man aber damit rechnen, dass man bei einer Aufnahme nicht nur eine musikalische sondern auch eine klangliche Interpretation vorgesetzt bekommt.

Hier sind wir uns schon wesentlich näher, als einige Beiträge weiter oben. Der Tontechniker als klanglicher Mitgestalter.....
Das ist sehr gut zu hören, wenn man verschiedene Aufnahmen ein und desselben Werkes vergleicht....

mfg aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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50

Donnerstag, 15. Juni 2017, 23:39

Wenn ich hier nun die Frage stelle, ob ihr die geschönte,oder die "natürliche" Aufnahme vorzieht, dann werde vermutlich viele rufen: Die "Natürliche"
Indes ist es IMO doch so, daß "geschönten" oder "auf Effekt" getrimmten Aufnahmen in der Regel der Vorzug gegeben wird.

Zwischen Theophilus und mir gibt es überigen technische Auffassungasunterschiede in Sachen HIFI Wiedergabe, Im Detail möchte ich nicht darauf eingehenm aber EINE Behauptung aus dem Jahre 2014 möcht dich doch aufrechterhalten:

Zitat von »Alfred_Schmidt

Zitat

In der Praxis möchte ich behaupten, dass man auch bei hochwertigen Anlagen Original und Konserve gut auseinanderhalten kann - selbst bei altersbedingtem eingeschränkten Hörvermögen....

Replik von Theophilus

Zitat

Das Gegenteil wurde experimentell nachgewiesen, aber was kümmern dich solche Kleinigkeiten...


Solche Experimente wurden schon um 1935 gemacht.
Man ließ ein Salonorchster hinter einem dicken Samtvorgang spielen und dann dasselebe via Schallplatte (mit Riesentrichter)
Das Publikum hörte in der Tat keinen Unterschied. Zum einen weil der Samtvorhang die nicht vorhandenen Höhen der Tonaufnahme kaschierte UND die Nebengeräusche unterdrückte, zum anderen, weil das Publikum damals noch nicht so geschulte Ohren hatte wie heute.

Das beste was ich je von Konserver gehört habe, war bei der Vorstellung eine Neuerschinung, einer CD mit Klaviersonaten von Beethoven.
Es waren ungefähr 120 Leute anwesen in einem Saale eines Wiener Klavierbauunternehmens und KLavierhandels. Die Veranstaltung war moderiert und es wurde immer wieder zwischen Original (Schirmer saß am Fazioli) und CD umgeschalten. Das Ergebnis war beachtlich. Die CD Wiedergabe war nah am Orignal.
2 Tonspezialisten waren aus Graz angereist und hatten eine Aufwändige Anlage aufgebaut. Ich wollte erkunden welche Lautsprecher zum Einsatz kamen. Ich durfte sie in der Pause auch in nächster Nähe betrachten, 5 Wege !! wiesen die dort stehenden Boliden auf, und sie sahen sehr nach Eigenbau aus, es gab da Horn neben Kalotte etc. Die Tontechniker waren mit dem Ergebnis nicht zufrieden, Auf Grund eine Überdämpfung des Saales (zu viele Personen anwesend) war die Höhenblillianz leicht eingeschränkt. Von meinem Platz aus konnte ich das allerdings nicht hören. Gegen ende der Veranstaltung zeigt denn Schirmer, daß ein Original doch nicht zu erreichen ist, indem er bei der letztzenKlangüberblendung von Konserve aus Original besonders kräftig "zulangte" und die Konserve auf den (ehrenvollen) 2. Platz verwies.
Mich als Lautsprecherbaufreak haätte es nur interessiert, wie - bei gleicher Abstimmung der Anlage - beispielsweise eine weibliche Singstimme oder eine Blockflöte geklungen hätte....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix