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Hüb'

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61

Freitag, 30. September 2016, 12:15

Hallo zusammen,

da ein eigener Welin-Thread mangels potenzieller Interessenten und verfügbarer Musik kaum lohnt, am besten hier:


Karl-Erik Welin (1934-1992)
Streichquartette Nr. 1, 6, 7, 9


Tale Quartet
BIS, DDD, 98

Karl-Erik Welin kommt auf Tonträgern beinahe nicht vor. Diese CD ist die einzige die jpc listet. Bei Amazon sieht es kaum besser aus. Enthalten sind vier jeweils ca. zwanzigminütige Streichquartette (der offenkundig fehlerhafte deutsche Wiki-Eintrag führt lediglich drei Quartette an). Die Kompositionen erscheinen mir grundsätzlich "langsam", sich in einem ruhigen Fluss entwickelnd. Dabei changiert die Musik auf eigentümliche Weise zwischen geräuschhaften Momenten (eher selten), schroffer Modernität und einem melancholisch-melodieseeligen Idiom. Die Kontraste und die sich immer wieder herausschälende musikalische Schönheit erscheinen mir jedenfalls sehr reizvoll. In die melodischen Augenblicke einzutauchen war mir beim hören jedenfalls eine große Freude.
Wenige Eindrücke seiner Musik sind bei YouTube zu finden, die Streichquartette jedoch leider nicht.

Viele Grüße
Frank

lutgra

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62

Freitag, 30. September 2016, 20:36

Ko
Die Kontraste und die sich immer wieder herausschälende musikalische Schönheit erscheinen mir jedenfalls sehr reizvoll. In die melodischen Augenblicke einzutauchen war mir beim hören jedenfalls eine große Freude.

Komisch, ich war mir sicher, hier im Forum schon über Welins Streichquartette geschrieben zu haben, habe ich aber offensichtlich nicht. Oder, ich hab vergessen, es abzuspeichern. Ist mir früher mehrmals passiert. :untertauch:

Hüb'

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63

Freitag, 30. September 2016, 20:55

Dann hole es bei Gelegenheit doch einfach nach. :)
Es lohnt sich. Beim zweiten Hören fand ich die Scheibe schlicht großartig.

Viele Grüße
Frank

Alfred_Schmidt

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64

Sonntag, 6. November 2016, 00:43

Joseph Haas (1879-1960) Streichquartett op 50


Soeben höre ich das Streichquartett op 50 des deutschen Komponisten Joseph Haas (1879-1960) welches auf der hier abgebildeten CD enthalten - aber leider nicht mehr erhältlich ist. Obwohl er rein zeitlich schon zur klassischen Moderne passen würde ist er indes noch ein Spätromantiker, der niemals den tonalen Bereich verlässt und dennoch - so finde ich wenigstens - über eine weitgehend eigene Tonsprache verfügt. Beeinflusst ist sie allerdings doch von Max Reger, bei dem Haas studierte. Haas ist Mitbegründer der Donaueschinger internationalen Kammermusikfeste für Neue Musik. Zu seinen Schüler gehörten unter anderen Eugen Jochum und Wolfgang Sawallisch. Zu Lebzeiten als bedeutender Komponist Deutschlands gefeiert, sind seine Werke heute nahezu vergessen....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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lutgra

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65

Samstag, 21. Januar 2017, 23:30

Friedhelm Döhl Streichquartett "Sound of Sleat" (1972)

Friedhelm Döhl ist ein deutscher Komponist Jahrgang 1936, der zahlreiche Aktivitäten im Bereich Neue Musik vorzuweisen hat. Kann man bei Interesse bei Wikipedia nachlesen. "Sound of Sleat" ist der Titel seines wohl einzigen Streichquartetts. Sound of Sleat ist der Name einer schottischen Meerenge. Das 18-minütige dreisätzige Stück würde ich in der Nachfolge von Anton Webern und György Ligeti sehen. Der Komponist bezeichnet es als autonome Klang-Landschaft. Die CD enthält die amerikanische Erstaufführung durch das renommierte LaSalle Quartett von 1982. Wenn mich meine Ohren nicht ganz täuschen, handelt es sich um eine Monoaufnahme, allerdings eine gut klingende.
Die CD enthält noch ein Streichquintett mit dem Titel Winterreise, das muß ich noch hören. Zu den ebenfalls enthaltenen Bruchstücken zur Winterreise für Klavier hat sich unser Liedkenner Helmut Hofmann schon geäußert.

lutgra

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66

Mittwoch, 25. Januar 2017, 20:44

Wolfgang Fortner Streichquartett Nr. 4

Wolfgang Fortner galt in den 1950er und 60er Jahren als eine Vaterfigur der Neuen Musik in Deutschland. Von diesem Ruhm und seiner Musik ist wenig geblieben. In meiner Sammlung steht - soweit ich erinnere - nur das Violinkonzert mit Gerhard Taschner und das Vorspiel zur Oper "Bluthochzeit". Fortner hat vier Streichquartette komponiert, von denen gerade mal eins, das letzte nämlich, überhaupt eingespielt wurde. Das Werk entstand 1975 für das Melos Quartett, die es 1977 uraufführten und 1979 auch bei den Schwetzinger Festspielen präsentierten. Ein Mitschnitt dieses Konzertes ist 2012 bei Hänssler erschienen und wird gerade für € 3,99 beim Werbepartner offeriert.

Fortner schreibt über sein Stück: In vier Sätzen gliedert sich das Ganze formal: Ein erster Satz, der sich aus Bewegungskontrasten entwickelt, ein zweiter mit vier Variationen, ein dritter in lebhafter expressiver Bewegung und ein lyrischer vierter Schlussteil, ein Madrigal - etwas elegisch und verhalten im Ausdruck, thematisch langsame Elemente aus dem Variationensatz aufgreifend und verändernd.

Die 17-minütige Komposition verwendet eine frei gehandhabte Zwölftontechnik und aleatorische Elemente. Wer mit den Quartette von Webern, Ligeti und Lutoslawskis zurechtkommt, hat auch mit diesem Stück keine Probleme. Sie bringt gegenüber den Genannten aber auch nicht wirklich Neues. Nach zweimaligem Hören gefällt mir das Stück aber recht gut. Die Darbietung durch die Widmungsträger ist über jeden Zweifel erhaben, störende Live-Geräusche konnte ich nicht entdecken.

Die anderen drei Quartette von Fortner entstanden wesentlich früher nämlich 1929, 1938 und 1948. Ob sie deshalb nie eingespielt wurden? Die Noten sind jedenfalls verfügbar.

lutgra

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Montag, 30. Januar 2017, 19:43

Ruperto Chapi (1851-1909) Streichquartette 1 und 2

Ruperto Chapi ist in Spanien ein berühmter Komponist, mehr als 100 Bühnenwerke hat er komponiert, viele davon waren sehr erfolgreich. Dabei handelte es sich um die spanische Variante der Operette, die Zarzuela. Gegen Ende seines Lebens - also schon im 20. Jahrhundert - begann Chapi sich für Kammermusik zu interessieren und schrieb in kurzer Abfolge vier Streichquartette.
Die ersten beiden erschienen kürzlich in eine Aufnahme mit dem Cuarteto Latinoamericano, die dieses Jahr ihr 35-jähriges Jubiläum feiern und durch die GA der Villa-Lobos Quartette allgemein bekannt wurden.
In Spanien hatte nach Boccherini und dem frühverstorbenen Arriaga ein dreivierte Jahrhundert wohl niemand mehr Streichquartette geschrieben. Somit fiel es Chapi nicht schwer, eine Lücke zu füllen und dabei auch noch originell zu sein. Denn bereits sein 1. Quartett verbreitet soviel spanisches Flair wie es kein anderes Quartett tut, das ich kenne. So wie Dvorak erkennbar "böhmische" Quartette schrieb, so tat es Chapi eben auf spanisch. Dass ihm als Zarzuela Komponist dazu eingängige Melodien zu Gebote standen, überrascht auch nicht unbedingt. Wie stilsicher und kunstvoll er die dann aber ins das Genre Streichquartett überführt, ist doch erstaunlich und bewunderswert. Wer eine Affinität zu spanischer Musik hat, sollte hier mal unbedingt hinein hören.

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Mittwoch, 15. Februar 2017, 17:58

Jonathan Berger Miracles and Mud

Jonathan Berger (Jahrgang 1954) ist ein US-amerikanischer Komponist mit vermutlich jüdischen Wurzeln, jedenfalls klingen seine Musik und auch einige Titel danach. Die Naxos CD enthält drei Stücke für Streichquartett und zwei für Violine Solo, letztere werden von Livia Sohn gespielt.
Die Musik von Berger ist weitestgehend tonal und oft von Volksweisen inspiriert, z.B. das Quartett, das der CD den Namen gab, enthält Fragmente eines israelischen und eines palästinensischen Liedes (Nes o botz, miracle or mud, sind zwei Arten, Kaffee zuzubereiten). Die Musik bereitet keine Rezeptionsprobleme auch da nicht wo avantgardistische Spieltechniken ins Spiel kommen, die aber überwiegend zur Farbgebung genutzt werden. Das ist Streichquartettmusik, wie man sie auch vom Kronos Quartett zu hören bekommt, ich finde sie o.k., aber vom Hocker reisst sich mich nicht.

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Donnerstag, 23. Februar 2017, 17:10

Peter Racine Fricker Streichquartette 1. und 2.

Peter Racine Fricker (1920-1990) begann nach dem Kriege in England eine anfänglich recht steile Komponistenkarriere, die aber früh als Lehrer in der akademischen Welt (erst Morley College als Nachfolger von Michael Tippett, dann University of California) endete. Seine erste Symphonie gewann 1949 den Koussevitzky-Preis und wurde auch bald eingespielt. Schon in den 60ern wurde es ruhig um den Komponisten und nach seinem Tode wurde er schnell vergessen. Der Schüler von Matyas Seiber schrieb drei Streichquartette, zwei im Umfeld seines frühen Erfolgs, eine drittes erst 1976 nachdem er das 3. Quartett von Elliott Carter gehört hatte. Die ersten beiden sind in einer noch tonalen Klangsprache geschrieben, besitzen aber weder die experimentelle Originalität von Bartok noch die Eindringlichkeit von Schostakowitsch. Sie klingen ein wenig unpersönlich. Sie sind kompositorisch sicher gut gemacht, aber der letzte Funken Originalität und Personalstil fehlt. Beide Quartette wurden vom damals aufstrebenden Amadeus Quartett aus der Taufe gehoben.

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70

Freitag, 24. Februar 2017, 12:41

John Rose String Quartet Nr. 1 (1997)

John Rose ist ein britischer Komponist, der 1928 in London von holländischen Eltern geboren wurde. Er wuchs in Südafrika auf und studierte später an der Royal Academy of Music in London und später in Oxford bei Edmund Rubbra. Er hat jahrzehntelang in der Erwachsenenarbeit und als Chorleiter vor allem in Schottland gearbeitet. Sein musikalischer Output ist wohl überschaubar.
Die CD, die seine beiden Streichquartette enthält, zieren Blumenbilder, die entfernt an Jugendstil erinnern. Seine Musik tut es auch. Jedenfalls hört man wenig, was nicht auch 100 Jahre früher komponiert worden sein könnte. Allerdings wirkt die Musik auf mich deutlich persönlicher und verbindlicher als die in den im vorherigen Beitrag erwähnten Quartetten von Fricker. Das Spiel des Edinburgh Quartet ist ebenfalls ansprechend.

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71

Montag, 13. März 2017, 19:44

Stephen Dankner und Steven R. Gerber Streichquartette 3 und 4

Zwei amerikanische Komponisten, die in den 40er Jahren geboren wurden. Beide tragen den gleichen Vornamen (wenn auch unterschiedlich geschrieben), beide begannen im atonalen Stil der 60er Jahre, um sich dann eines besseren zu besinnen, beide mit 6 Streichquartetten im Oeuvre, beide gespielt vom hierzulande unbekannten Amernet String Quartet. Und beide Quartette fast gleichzeitig entstanden, das 3. von Dankner 1992, das 4. von Gerber 1995. Aber die Ergebnisse könnten kaum unterschiedlicher sein.
Das Quartett von Dankner geht stilistisch gut 100 Jahre zurück und hätte zu Dvoraks und Tschaikovskys Zeiten die Zuhörer nicht verstört. Wenn man genau hinhört, merkt man dem halbstündigen, klassisch viersätzigen Werk an einigen Stellen an, dass es wohl nicht original aus dieser Zeit stammt, aber es könnte durchaus als ein solches durchgehen. Melodisch ansprechend und niemanden wirklich imitierend, ist es ein ansprechendes Werk. Dasselbe gilt für das Quartett von Gerber, das seine postmoderne Schreibweise aber an keiner Stelle verleugnet. Das viertelstündige ebenfalls viersätzige Werk ist jedenfalls von Minimal ja sogar Popmusik beeinflusst und könnte auch auf dem Programm des Kronos Quartett stehen.
Das Amernet String Quartet existiert schon seit über 20 Jahren und gewann 1995 die Banff ISQC. Die Aufnahmen liegen 15 Jahre auseinander und das Quartett spielt mit zwei völlig verschiedenen Bestzungen, d.h. in der gegenwärtigen Formation ist keines der Gründungsmitglieder mehr zu finden.


lutgra

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Samstag, 1. April 2017, 22:34

Charles Wuorinen 1. Streichquartett (1971)



Charles Wuorinen (1938 -) ist ein amerikanischer Komponist, der der Avantgarde der 60er Jahre treu geblieben ist. Sein 1. (von bisher 4) Streichquartett entstand 1971 für das Fine Arts Quartet, das es hier auch eingespielt hat. Wer sich in der esoterischen Wlet des späten Schönbergs (SQ 3 und 4) oder Elliott Carters (SQ 1-5) wohlfühlt, wird auch an diesem dreisätzigen ca 24 min dauernden Werk seine Freude haben. Heute gehört nicht von der gezeigten CD, sondern der entsprechenden LP.

lutgra

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Sonntag, 2. April 2017, 15:53

Riccardo Malipiero 3. Streichquartett

Riccardo Malipiero (* 24. Juli 1914; † 27. November 2003) war ein italienischer Komponist, Pianist und Musikpädagoge. Der Neffe von Gian Francesco Malipiero gilt als Wegbereiter der Zwölftonmusik in Italien; 1949 organisierte er in Mailand den 1. Kongress für Zwölftonmusik, an dem auch John Cage, Luigi Dallapiccola, Karl Amadeus Hartmann, René Leibowitz, Bruno Maderna und Camillo Togni teilnahmen.

Sein 1971 entstandenes 3. Streichquartett ist hochinteressant; es ist dodekaphon und trotzdem relativ leicht zugänglich. Einflüsse von Bartok sind auch auszumachen. Ich höre auch Dinge, die ich so noch nicht gehört habe. Sehr interessant. Wieso dieses Quartett - wohl bisher das einzig eingespielte des Komponisten - bisher nur auf Vinyl verfügbar ist, kann ich nicht sagen. Die Fonit Cetra Aufnahme mit dem Quartetto di Milano klingt jedenfalls hervorragend. Schön, wenn man so etwas für 2 € im Mintzustand findet.


Dieter Stockert

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74

Sonntag, 2. April 2017, 16:54

Wieso dieses Quartett - wohl bisher das einzig eingespielte des Komponisten - bisher nur auf Vinyl verfügbar ist, kann ich nicht sagen.
Und wie ist es damit:
http://www.qobuz.com/de-de/album/trois-q…o/0829410479769
Jedenfalls hast Du mir den Mund wässrig gemacht und mein Einkaufkorb bei Qobuz ist um eine Aufnahme voller.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

lutgra

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Sonntag, 2. April 2017, 20:09

Jedenfalls hast Du mir den Mund wässrig gemacht und mein Einkaufkorb bei Qobuz ist um eine Aufnahme voller.


Lieber Dieter,
ich bin mir fast sicher, dass Dir die von Dir gekaufte Aufnahme auch gefallen wird. Allerdings ist das 3. Streichquartett dort vom Onkel Gian Francesco Malipiero und nicht vom Neffen Riccardo. Die 8 Streichquartette von Gian Francesco Malipiero gibt es in mindestens zwei guten Aufnahmen, allerdings sind sie nicht zwölftönig, sondern stehen - meiner Erinnerung nach - eher einem weiterentwickelten Impressionismus nahe.
Liebe Grüße
lutgra

Dieter Stockert

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Sonntag, 2. April 2017, 21:24

Ich hätte es wissen müssen, dass ich da irgendwas übersehen hatte ...
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

lutgra

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Sonntag, 2. April 2017, 21:44

Milton Babbitt Streichquartett Nr. 3 (1969)

Milton Babbitt (1916-2011) gehörte zu den Hardcore-Avantgardisten Amerikas und sein 3. Streichquartett ist Hardcore pur. Entweder schaltet man den Player nach 2 min kopfschüttelnd aus oder man begibt sich in eine Art "atonale Trance" und lässt gefühlt eine Stunde, in Realität nur 21 min die schrillen Töne erbarmungslos auf sich einwirken. Dies dürfte - was Hörerfreundlichkeit angeht - eines der kompromisslosesten Streichquartette der Moderne sein. Pierre Boulez' Livre pour Quatuor ist ähnlich radikal. Bewunderswert, wie sich das renommierte Fine Arts Quartet dieses Brockens annahm und ihn auf höchstem technischen Niveau umsetzte. Nur für Hartgesottene.

Bild siehe Beitrag 72.

van Rossum

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Freitag, 14. April 2017, 00:27

Wer eine ganze Reihe wirklich unbekannter Streichquartette kennen lernen will, den kann ich auf meine Internetseite verweisen. Neben meinem hauptsächlichen Interesse an Violinkonzerten habe ich auch eine Schwäche für Musikautographen für Violine und über die Zeit etliche unveröffentlichte Streichquartette in Orginalmanuskripten erworben. Auf meiner Webseite kann man für die meisten Werke die Partituren kostenlos herunterladen und kleine Tonbeispiele anhören. Bei Interesse findet ihr die Seite hier:

https://www.tobias-broeker.de/rare-manus…string-quartet/

Beste Grüße,
Tobias
Projekt "Violinkonzerte des 20. Jhds":
[url]www.tobias-broeker.de[/url]

Alfred_Schmidt

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79

Freitag, 14. April 2017, 01:53

Nach längerer Pause melde ich mich mal wieder hier in diesem Thread und zwar nur als Gast. Ich stelle hier in aller Kürzen den baskischen Komponisten Andrés Isasi (1890-1940) vor, der in den nächsten Tagen einen eigenen Kammermusik-Thread (und vielleicht auch einen symphonischen bekommen wird) Er hat an sich 6 Streichquartette geschrieben, zählt aber das erste nicht, welches deshalb als Nr 0 geführt wird. Er war bereits zu Lebzeiten eher wenig erfolgreich, vielleicht finden wir im Rahmen des geplanten Threads heraus warum. Dieser Thread wird sich vermutlich erst im Mai entwickeln können, weil ich noch nicht über die CD mit dem Streichquartett Nr. 1 verfüge. Deshalb habe ich heute begonnen die Nr 0 aus dem Jahre 1908 zu hören. Eigenartigerweise habe ich mit den ersten Takten Probleme, danach fasziniert mich dieses Jugendwerk des18 Jährigen, das den Geist der Spätromantil in sich trägt aber - man widerspreche mir bei Bedarf - geleichzeitg einen gan spezifischen Klang hat. Einige der CDs von ISASI werden derzeit um 1.99 Euro angeboten - aber nicht alle. Deshalb langt aus die CD mit der Nr 1 verspätet bei mir ein, weil ich austesten wollte ob mir die Musik auch den (Naxos) Vollpreis wert ist - Sie ist es.

mfg aus Wien
Alfred

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Violinsonate

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Donnerstag, 4. Mai 2017, 14:50

Streichquartettkultur in Spanien

Bei Gelegenheit der weithin unbekannten Quartette von Isasi darf noch einmal auf den sehr jung verstorbenen Komponisten Juan Crisostomo Arriaga hingewiesen werden, dessen drei Quartette allerdings mittlerweile von vielen Ensembles aufgeführt werden. Ich selbst finde zwei Aufnahmen bemerkenswert: die des Guarneri-Quartetts und des Neuen Vlach-Quartetts, dessen Primaria eine Tochter des großen Geigers und Musikers Josef Vlach ist. Ich hatte die wunderbare Gelegenheit, in den 1970er Jahren an einem Meisterkurs Vlachs in Arvika/Schweden teilzunehmen - unvergesslich seine Hinführung zu Smetanas e-moll-Quartett, das wir im Anschluss an den Kurs für eine Schallplatte eingespielt haben (Leonhardt-Quartett, unter youtube im Netz).

lutgra

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Donnerstag, 4. Mai 2017, 20:05

Ich hatte die wunderbare Gelegenheit, in den 1970er Jahren an einem Meisterkurs Vlachs in Arvika/Schweden teilzunehmen - unvergesslich seine Hinführung zu Smetanas e-moll-Quartett, das wir im Anschluss an den Kurs für eine Schallplatte eingespielt haben

Liebe Violinsonate
erst einmal herzlich willkommen im Forum. Ich freue mich sehr, dass es bei den Streichquartett-Interessierten so kompetenten Zuwachs gibt, wir sind hier doch eher eine überschaubare Fangemeinde. Und jemanden im Forum zu haben, der selbst ausübender Musiker in einem Quartett war, ist natürlich eine ganz tolle Sache.
Die besagte LP mit Smetana und Dvorak besitze ich übrigens. Ich muß aber zu meiner Schande gestehen, sie liegt noch auf dem "ungehörten" Stapel, sie ist sogar noch original versiegelt. Aber nicht mehr lange. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, hier öfter von Dir zu lesen.
Es grüßt Dich
lutgra :hello:

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Sonntag, 28. Mai 2017, 07:32

Werner Wehrli Streichquartett Nr.2 op. 8

Werner Wehrli wurde am 8. Januar 1892 in Aarau geboren; er starb am 27. Juni 1944 nur 52-jährig in Luzern. Zwischen den Weltkriegen zählt er zu den namhaften Schweizer Komponisten.

Wehrli machte eine fundierte musikalische Ausbildung durch , die er in Zürich, Berlin, Frankfurt und Basel erwarb. Das Studium in Frankfurt wurde ermöglicht durch den 1. Preis im Kompositionswettbewerb der Frankfurter Mozartstiftung, den er 1914 überraschend gewann; immerhin hatten sich 98 Komponisten beworben darunter auch Paul Hindemith.
In Basel schloss er dann sein Kompositionsstudium 1918 bei Hans Huber und Hermann Suter ab. Ab 1918 bis zu seinem Tode war Wehrli als Musiklehrer am Aargauischen Lehrerinnenseminar (heute Neue Kantonsschule Aarau) angestellt. Daneben betätigte er sich als Musikpädagoge, als Volkslied-Sammler, Glocken-Experte (!!!), Musikschriftsteller und Dichter.



Es gibt - vorwiegend antiquarisch - eine Handvoll CDs des Komponisten und ein kleines Büchlein über ihn. Die Kammermusik-CD mit dem 2. und 3. Streichquartett lief mir unlängst über den Weg und weckte meine Neugier.

op.8 war das Werk, das dem 22-Jährigen seinen Preis einbrachte. Beim unbefangenen Hören des 25-minütigen Werkes stellten sich drei Gedanken ein:
1. er kann offenkundig Streichquartett
2. er hat was zu sagen
und
3. er sagt es in einer recht originellen Klangsprache am Übergang von der Spätromantik zur Moderne.

Damit nimmt er eine Stellung vergleichbar vielleicht mit Zemlinsky, Korngold oder Rued Langgaard ein. Jedenfalls ist es ein hörenswertes Werk, mit dem ich mich noch öfter beschäftigen werde. Es wird kompetent gespielt vom Euler Quartett. Bin gespannt auf das 3., das klanglich härter sein soll.