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Dr. Holger Kaletha

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61

Donnerstag, 20. November 2014, 13:40

Besprechung Lisitsa Etudes Teil 2: Schumann Symphonische Etüden



Hier möchte ich einmal nicht gleich mit allzu penibler Einzelkritik einsteigen. Ich sage es einfach frei heraus: Ihr Schumann gefällt mir! Das ist Schumann gespielt mit viel Poesie, mit Zügen kreislerianischer Phantastik in der Horowitz-Tradition und mit viel virtuoser Bravour! Technisch hat sie wirklich (fast) unbegrenzte Möglichkeiten, bewältigt alle pianistischen Gemeinheiten Schumanns, als wäre es die leichteste Sache der Welt. Sicher, die gewisse „Russifizierung“ deutscher Romantik spürt man gleich zu Beginn. Lisitsa spürt vor allem den Melodiezügen nach, wunderbar ausgesungen, aber auch etwas sehr breit (Rachmaninow ante portas) und streng betrachtet zu wenig prägnant für ein Variationsthema. Schumann als Komponist hat zwei Gesichter: Da ist einmal der von E.T.A. Hoffmann geprägte Romantiker mit seiner virtuosen Phantastik und musikalischen Exzentrik. Dafür steht exemplarisch eine Komposition wie die „Kreisleriana“. Die andere Seite ist der deutsch-ernste, intellektuelle Grübler, wozu auch Humor und Ironie gehören, das Spiel mit Formen und Masken. Dieses kommt vor allem im „Carnaval“ zum Vorschein. In den Symphonischen Etüden sind beide Seiten vereinigt, und je nach Interpretation kann die Gewichtung nach der einen oder anderen Seite hin ausfallen. Bei Lisitsa ist es die „intuitive“, phantastische Seite. So vermisst man manches Mal ein wenig die Innerlichkeit, den grüblerischen Ernst, die Gedankenversunkenheit und auch formale Strenge. Aus dem Finale macht sie ganz ungeniert ein Bravourstück – die gewisse orchestrale Fülle, die Würde einer gotischen Kathedrale, die hier aus Schumann spricht, lässt sie als verstaubte Romantik einfach hinter sich. Aber sie macht das eben mit Bravour, mit einer gewissen jugendlichen Frechheit, womit sie auch den kritischen Hörer letztlich gefangen nimmt. Da meldet sich ein musikalischer Freigeist ohne große Skrupel, mit erfrischender emotionaler Ehrlichkeit, aber einer, der Gefühl und Einfühlungsvermögen hat, bei aller bravourösen Virtuosität Fingerfertigkeit nie zum Selbstzweck macht, zur selbstgefälligen Zurschaustellung pianistischer Potenz werden lässt. Es ist erfrischend und erfreut das Herz, diesen Lisitsa-Schumann zu hören!

Schöne Grüße
Holger

AH.

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62

Samstag, 27. Dezember 2014, 19:26

Liszt - Totentanz

Hallo,

vor Jahren kaufte ich mir eine Box mit Werken von Franz Liszt, gespielt von György Cziffra. Mein absolutes Lieblingsstück war der "Totentanz", eine groß angelegte Paraphrase über das "Dies Irae". Vor einiger Zeit entdeckte ich bei Youtube eine Version ohne Orchesterbegleitung, die mir besser gefällt, als die Version mit Orchesterbegleitung, die Cziffra spielt. Cziffra spielt den Totentanz technisch vollkommen beherrscht und artikuliert und phrasiert auch sinnvoll, was er bei Liszt nach meinem subjektiven ästhetischen Urteil nicht immer tut. Valentina Lisitsa artikuliert und phrasiert die Solo-Version ebenfalls sinnvoll. Sie ist hoch virtuos, Cziffra mindestens ebenbürtig. Ihre Dynamik ist sehr weit. Leider habe ich diesen Totentanz bisher nicht auf CD gefunden, das finde ich seltsam. Hier ist er auf Youtube zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=zGBXA1tBiLw

Liebe Grüße

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

JLang

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Registrierungsdatum: 4. August 2013

63

Samstag, 27. Dezember 2014, 20:09

Liszt hat insgesamt sogar drei Versionen des "Totentanz" geschrieben: 1) für Klavier und Orchester, S. 126; 2) für Solo-Klavier S. 525; 3) für 2 Klaviere, S. 652. Ich persönlich mag die Version für Klavier und Orchester am liebsten, auch wenn unglaublich ist, wie Liszt die Orchestereffekte auf dem Flügel umsetzt. Lisitsas Interpretation kenne ich und ich schote sie auch. Über Ihre technischen Fähigkeiten muß man nicht streiten, ob man sie hinsichtlich der technischen Fähigkeiten gleich mit Cziffra vergleichen muß, weiß ich nicht. Cziffra ist mir neben Bolet (der ja meist einen ganz anderen Interpretationsansatz hat) der liebste Liszt-Interpret. Aber zurück zu Lisitsa: Die Einspielung ist ist m. W. die auf folgender CD


Besser darauf ist allerdings in meinen Ohren Thalberg :). Den dunklen Totentanz-Ton trifft sie in der Einspielung nach meinem Geschmack nicht ganz, die Palette der Farbtöne ist ein wenig eingeschränkt. Zudem nimmt sie bisweilen etwas viel Pedal und die Glissandi sind nicht akkurat zu hören. Etwas weniger pauschal habe ich die Aufnahme von L. Howard in den Ohren, müsste aber nachhören.

Beste Grüße
JLang

PS Auf welche Einspielung Cziffras bezog sich Dein Urteil des beherrschten Spiels? Er hat das Werk ja mehrfach aufgenommen. Danke.
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

Alfred_Schmidt

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64

Mittwoch, 17. Februar 2016, 23:14

Ziemlich viel Zeit ist seit den letzen Beiträgen verronnen, und man fragt sich ob die Pianistin die in sie gestellten Erwartungen erfüllt hat, soll in diesem Zusammenhang heissen, ob Decca weiterhin mit ihr produziert. Denn ein Plattenvertrag mit einem Major-Label ist noch lange kein Freibrief für immerwährende Popularität und ausreichende Verkaufzahlen.



Immerhin sind 2015 gleich ZWEI Neuerscheinungen zu vermelden, welche beide 2014 eingespielt wurden, eine CD mit Werken von Scriabin und ein Dopelalbum mit Klavierstücken von Philip Glass. Vielleicht besitzt ein Tamino Mitglied eine der beiden Ausgaben und möchte berichten. Ich war übrigens angenehm überrascht wie eingängig die Stücke von Philip Glass sind (soweit man dies an Hand von jpc Klangproben beurteilen kann).

Dass die Lisitsa nicht ganz pflegeleicht ist hat sie durch diverse prorussische Äusserungen in Bezug auf die Ukraine und Kritik an der prowestlichen Ukrainischen Regierung bewiesen. Sie wurde deshalb im April 2015 vom Totonto Symphony Orchestra "ausgeladen", mit dem sie ein Konzert hätte absolvieren sollen. Lisitsa demonstrierte gegen diese Entscheidung - auf ihrer Homepage im Internet .......

Ihrer Plattenkarriere hat dies offenbar nicht geschadet - warumm denn auch?
Was kann schon besseres passieren, als dass ein Star im Gespräch ist???

mfg aus Wien
Alfred
ARBEIT ist aller Laster Anfang

m-mueller

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65

Mittwoch, 18. Januar 2017, 22:38

Lisitsa und Bach - bisher gibt es nicht so viel, aber was es gibt, ist exzellent.

Hier spielt sie das scheinbar einfache h-moll Präludium (transkribiert von Siloti), ein Stück, das mich trotz seiner Schlichtheit immer begeistert hat, und sie spielt es sensationell gut. Die meisten auf youtube vorhandenen Interpretationen sind m. E. zu schnell, fast schon, um sich als Profi dafür zu entschuldigen, daß man solch einfache Sachen spielt. Lisitsa spielt es in genau dem richtigen Tempo (wie weiland Weissenberg), und auch ihre Phrasierung ist sehr nach meinem Geschmack.


m-mueller

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66

Freitag, 20. Januar 2017, 00:33

Lisitsa - Chopin, Nocturnes 27,1 -

und eine weitere Interpretation, die dem Stück m. E. sehr gerecht wird.


m-mueller

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Freitag, 20. Januar 2017, 00:35

und das ebenso geniale 27,2


m-mueller

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Montag, 23. Januar 2017, 14:44

Und noch etwas von Johann Sebastian: die Toccata e-moll, BWV 914

Sie spielt es sehr feinfühlig, aber ich glaube, innerlich hat sie sich schon sehr auf den Moment gefreut, wo sie sich vom Zügel lassen kann (5:48 min) -
ihr Lächeln spricht Bände.


m-mueller

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Samstag, 20. Mai 2017, 01:29

wunderbarer Fluß:




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