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hart

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451

Mittwoch, 29. März 2017, 19:47

Eberhard Waechter - *8. Juli 1929 Wien - † 29. März 1992 Wien


Wiener Zentralfriedhof - Alte Arkaden (Teilansicht) unmittelbar nach dem Haupteingang


In der Bildmitte die Gruft der Familie Waechter


Zum heutigen 25. Todestag



Eberhard Waechter hatte an der Wiener Staatsoper weit über eintausend Auftritte absolviert sage und schreibe 1.134 Mal stand er auf der Bühne der Staatsoper, wenn mir kein Additionsfehler unterlaufen ist. Alleine 143 Mal sang er den Conte in »La Nozze die Figaro«, 83 Mal den Don Giovanni und genau so oft gab er den Sprecher in der »Zauberflöte«.
Eine ganz markante Rolle übernahm Waechter 1991, als er zusammen mit Ioan Holender -parallel zur Volksoper, wo er schon 1987 Nachfolger von Karl Dönch geworden war - die Leitung der Staatsoper übernahm. Für ihn war ein Traum in Erfüllung gegangen, denn er hatte davon geträumt, den Geist jenes Wiener Ensembles noch einmal zu beleben, jenes legendären Ensembles, in dem er zwischen erstklassigen Interpreten vom Format einer Irmgard Seefried, eines Paul Schöffler, eines Anton Dermota ... groß geworden war.

Am 8. Juni 1929 wurde dem Musikwissenschaftler Eberhard von Waechter und dessen Ehefrau Anna ein Sohn geboren, der eine unauffällige Kindheit durchlebte, das Elisabeth-Gymnasium in Wien besuchte und 1947 Matura machte. Das auffälligste seiner Schulzeit dürfte gewesen sein, dass Waldemar Kmentt einer seiner Schulkameraden war.
Unmittelbar nach seinem Schulabschluss absolvierte Waechter eine zweijährige Ausbildung als Koch an der Hotelfachschule Wien.

Dass er auch etwas in Sachen Musik machen wollte stand im Raum, denn schon als Heranwachsender war er fast täglich auf den Stehplätzen der Oper anzutreffen.
So studierte er zunächst bei Professor Joseph Marx Harmonielehre und ging in die Kapellmeisterschule, um Dirigent zu werden. Lange währte diese Begeisterung allerdings nicht, denn plötzlich faszinierte ihn das Klavier und er wollte Pianist werden; aber nach einiger Zeit des Studiums bei Professor Josef Dichler erklärte ihm dieser, dass dazu etwas mehr Fleiß notwendig sei und meinte, dass Waechter einmal prüfen sollte ob mit der Stimme was zu machen sei, denn, so meinte der Herr Professor, Sänger sei doch ein sehr angenehmer Beruf.
Ab 1950 studierte er nun bei der renommierten Gesangslehrerin Elisabeth Radó, bei der unter anderen auch Anton Dermota, Waldemar Kmentt, Adolf Dellapozza, Rudolf Christ, Heinz Holecek ... studierten, Gesang.
Ohne Stimme geht da natürlich gar nichts, aber wie sich herausstellte war da eine Stimme, aber bei Eberhard Waechter zunächst nicht der ganz große Wunsch Opernsänger zu werden.
Da eine finanziell großzügige Unterstützung vom Elternhaus her nicht möglich war, arbeitete Waechter ab 1951 als Bankkaufmann bei einer Wiener Bank.

Zu dieser Zeit hatte der bereits erwähnte Schulfreund Waechters, Waldemar Kmentt, sich als Tenor in Wien schon einen Namen gemacht und konnte sich für seinen Schulfreund als Türöffner einbringen; es kam zum Vorsingen, das vermutlich erfolgreich war, denn Eberhard Waechter konnte seine Banktätigkeit wieder aufgeben und wurde Ensemblemitglied der Wiener Volksoper und dann ach noch der Staatsoper, was den besonderen Verhältnissen geschuldet war, weil die Staatsoper damals über kein eigenes Haus verfügte.
Im April 1953 sang Waechter bei der Wiener Konzerthausgesellschaft zusammen mit Hilde Zadek. Seine erste auf der Bühne gesungene Opernrolle war der Silvio in »Der Bajazzo«.
1954 verpflichtete der damalige Staatsoperndirektor Karl Böhm den jungen Bariton als ständiges Mitglied des Wiener Staatsopernensembles. Dieser Status blieb bis zum Jahr 1987.

Die Partie des Silvio entwickelte Waechter zu seiner ersten Paraderolle. Eine private Rolle folgte, nämlich die des Ehemannes und mehrmaligen Vaters; 1954 heiratete er Franziska Komtesse von Marenzi und dem Paar wurden sechs Kinder geboren.
Endlich war 1955 das Gebäude der Staatsoper wieder hergestellt und Eberhard Waechter stand erstmals in der Oper »Frau ohne Schatten« als Wächter der Stadt auf den Brettern des neuen Hauses, keine tragende Rolle, aber passend zum Namen.

Etwas später, im Dezember 1955, sang er dann den Marcello in »La Bohéme«, es folgte der Wolfram in »Tannhäuser«, der Lescaut in »Manon Lescaut« ...

Ein bedeutendes Datum in Waechters Karriere ist der 18. März1956, das war sein Rollendebüt in Verdis »Don Carlos« als Marquis von Posa, nachdem er schon ein Dutzendmal in dieser Oper den Grafen von Lerma gegeben hatte, war er nun in dieser tragenden Rolle angekommen - um ihn herum:
Josef Greindl (Filippo II.), Karl Friedrich (Don Carlo), Maria Reinig (Elisabetta), Elisabeth Höngen (Eboli) ...

Die Presse lobte die Qualität dieses jungen Sänger-Schauspielers in den höchsten Tönen und man vertraute Waechter immer mehr gewichtige Rollen seines Stimmfaches an. Nicht ganz so groß war sein Rollendebüt unter Herbert von Karajan bei den Salzburger Festspielen 1956, er gab in »Die Zauberflöte« den 2. Priester.
An der Staatsoper galt er eher als Liebling Karajans, aber musste, wie andere gestandene Leute an der Staatsoper auch, mitunter zusehen, wenn die internationale Konkurrenz am Haus gastierte.

Wächter gab inzwischen schon viele Gastspiele und er war sowohl in Bregenz als auch Bayreuth zu hören, 1958 reiste die gesamte Familie dorthin, nachdem im Juni 1958 Söhnchen Albert zur Welt gekommen war.

Im Mai 1960 gastierte das Staatsopernensemble mit Mozarts »Le Nozze die Figaro« im Mailand, wo Eberhard Waechter unter dem Dirigat Herbert von Karajans den Grafen Almavia sang. Im gleichen Jahr auf dem Grünen Hügel den Amfortas in »Parsifal« und den Heerrufer im »Lohengrin«. In Salzburg trat er als Don Giovanni auf, eine Rolle, die auch in den Folgejahren zu seinen Großen zählte.
Man findet Waechter nun am Teatro Colon, an der Lyrc Opera Chicago und natürlich auch an der Metropolitan Opera in New York.
Mitte der 1960er Jahre reden Fachleute von einer Stimmkrise, von der er sich nicht mehr ganz erholt haben soll, wobei die ursprüngliche Schönheit der Stimme gelitten habe, woraus die Hinwendung zum charismatischsten Singschauspieler resultierte.

Bei all dem Operntrubel soll nicht vergessen werden, dass Eberhard Waechter immer wieder auch qualitätsvolle Liederabende gab, auf einer CD wurde Schumanns »Dichterliebe« mit Alfred Brendel festgehalten.
Waechter deckte ein breites Spektrum ab und hatte keinerlei Berührungsängste mit Musical und Operette und auch bei Film und Fernsehen fühlte er sich nicht unwohl.
Im September 1978 standen in einer »Fledermaus«-Aufführung erstmals Vater und Sohn gemeinsam auf der Bühne, der Vater als Gabriel von Eisenstein, der 1955 geborene Sohn Franz gab den Dr. Falke. Etwas später dann, an der Volksoper, in »Der Barbier von Sevilla«, Eberhard Waechter als Doktor Bartolo und sein Sohn als Figaro.

Am 19. Mai 1983 feierte Eberhard Waechter als Sprecher in »Die Zauberflöte« seinen Abschied von der Staatsoper als Sänger-Darsteller.
Aber damit stellte er seine sängerischen Aktivitäten keineswegs ein; im Sommer 1984 sang er im Wiener Sommertheater der Volksoper noch einmal den Danilo in »Die lustige Witwe« und ging mit diesem Stück auch noch im Herbst auf Tournee nach Amerika.

Als Waechter Direktor der Wiener Volksoper wurde, hatte er bis daher nicht nur Erfahrungen als Sänger gemacht, sondern war auch Mitglied im Betriebsrat der Staatsoper und kannte sich bezüglich der Gepflogenheiten im Theater auch hinter den Kulissen bestens aus und konnte sich auf diese Position lange vorbereiten.
An der Volksoper wurden sowohl die klassischen Operetten als auch Opern aufgeführt und in diesem Genre besonders Mozarts Opern berücksichtigt. Waechter war ein Anhänger, ja Verfechter des Opernstils, der mit Karajan ein jähes Ende fand. Der neue Direktor brachte Mozarts Werke wieder in deutscher Sprache auf die Bühne, was ihm sowohl die Kritik fortschrittlicher Kreise einbrachte als auch Erfolg bei Publikum und wirtschaftlichem Ergebnis.
Der zeitgenössischen Oper stand Waechter reserviert gegenüber. Wie sich das alles weiter entwickelt hätte?
Man weiß es nicht; von den Lebensjahren her gesehen hätte Eberhard Waechter noch durchaus einiges bewegen können, denn er war erst 62 Jahre alt; wenige Monate zuvor, im September 1991, hatte er sein Direktorenamt an der Wiener Staatsoper angetreten. Nach einem geselligen Mittagessen, beim Laufen im Wald, erlitt er einen Herzinfarkt, die Musikwelt war geschockt.

hart

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452

Mittwoch, 5. April 2017, 22:19

Eine erfreuliche Veränderung

Dieser kurze Eintrag bezieht sich auf den Beitrag Nr. 287 in diesem Thread auf der Seite 10.

Damals wurde auf den unwürdigen Zustand des Grabes der einstmals berühmten Pianistin Sophie Menter hingewiesen
und das Kulturamt der Stadt München darauf aufmerksam gemacht, das damals folgende Stellungnahme abgab:

Die Grabdenkmäler im Alten Südlichen Friedhof werden jedes Jahr auf ihre
Stand- bzw. Verkehrssicherheit überprüft. Hierbei wurde festgestellt,
dass das Grabmal der Pianistin Sophie Menter - hier ein "Ersatzgrabmal"
und nicht das Ursprüngliche - nicht mehr standsicher war. Damit nichts
Weiteres passieren kann wurde es vorübergehend umgelegt.
Selbstverständlich wird dieses Grabmal nach der Sanierungsmaßnahme wieder
neu errichtet.

Und so geschah es nun erfreulicherweise auch, wie die Ende März 2017 entstandenen zwei letzten Bilder zeigen.








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453

Samstag, 8. April 2017, 16:20

Helene Wildbrunn - * 8. April 1882 Wien - † 10. April 1972 Wien


Zum heutigen Geburtstag von Helene Wildbrunn

Heute ist der Geburtstag von Helene Wildbrunn, die ein hohes Alter erreichte und zwei Tage nach ihrem 90. Geburtstag starb; sie war die Tochter von Baurat Wehrenfennig, einem wichtigen Mann der Österreichischen Nordwestbahn.
Helene Wehrenfennig studierte bei der bekannten Gesangspädagogin Rosa Papier-Paumgartner, die als aktive Sängerin ein bedeutender Mezzosopran war und dann aus ihrem Gesangsunterricht am Konservatorium Wien so bedeutende Sängerinnen wie Helene Wildbrunn und Anna Bahr-Mildenburg hervorbrachte.

Helene Wehrenfennig debütierte 1905 in Wien als Konzertsängerin und sang zunächst an der Volksoper kleinere Rollen. Ihr eigentliches Debüt als Opernsängerin hatte sie 1907 am Stadttheater in Dortmund als Altistin, wo sie schon in ihrem ersten Bühnenjahr in 23 verschiedenen Rollen zu hören war und für sieben Jahre an diesem Haus blieb, wo sie auch ihren um neun Jahren älteren Kollegen, den ehemaligen Bariton und umgeschulten Tenor Karel Schmaus kennen lernte, der fürderhin unter dem Namen Karl Wildbrunn in den Aufführungsprogrammen stand. Dieser Sänger hatte ursprünglich Medizin studiert, aber dann seine Stimme ausbilden lassen. Auch Karl Wildbrunn hatte Gastauftritte an renommierten Häusern bis hin zu Covent Garden in London und war sowohl pädagogisch als auch in Sachen Regie tätig, aber die Weltkarriere machte seine Frau.

Jens Malte Fischer meint zwar, dass Frau Wildbrunn in der »zweiten Reihe« stand und nennt die Konkurrentinnen Gadski, Kappel und Leider, aber der empfindliche Musikkritiker und Stimmenkenner John Steane sagte über Helene Wildbrunnn:

»... unfehlbar musikalisch und erfreulich für das Ohr.«
und Jürgen Kesting überschreibt seinen Beitrag über die Sängerin mit »Intensität und Klangfülle«
und lobt im weitergehenden Text:
»Die Stimme der Ex-Altistin hat den großen, reichen Ton in der wundervoll ansprechenden tiefen Lage und die durchdringende Intensität sowohl des dramatischen Akzents als auch der lodernden Spitzentöne.«

In ihrem ersten, sich über Jahre hinziehendem Dortmunder Engagement war sie in Rollen wie zum Beispiel Ortrud, Fricka, Amneris ... zu bewundern und entwickelte sich allmählich hin zum hochdramatischen Sopran.
In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 war Helene Wildbrunn an die Stuttgarter Hofoper gewechselt, damals eines der schönsten Theater Deutschlands, wo Max von Schillings ein ausgezeichnetes Sängerensemble zusammengestellt hatte, in dem zum Beispiel die großartige Sigrid Hofmann-Onegin mitwirkte.
An der Stuttgarter Oper wurde 1917 auch Alexander von Zemlinskys Operneinakter »Eine Florentinische Tragödie« unter Mitwirkung von Helene Wildbrunn uraufgeführt. Neben diesem Engagement war die Sängerin auch an den Opernhäusern in München und Dresden ein gern gehörter Gast, in späteren Jahren auch in Leipzig.
1918, nach dem Kriegsende, zog es Helene Wildbrunn nach Berlin, sie hatte sich in all den Jahren einen guten Namen als Wagner-Sängerin gemacht. Von 1918-25 sang sie an der Berliner Staatsoper, in den Jahren 1925-29 an der Städtischen Oper Berlin. Zudem ist sie bereits seit 1919 auch Mitglied der Wiener Staatsoper, wo sie am 13. November 1919 ihren ersten Auftritt als Amelia in »Un ballo in maschera« hatte, und unter anderen mit Leo Slezak auf der Bühne stand.

Wie viele andere große Musikerpersönlichkeiten in den 1920er Jahren, gab auch Frau Wildbrunn ein längeres erfolgreiches Gastspiel am Teatro Colón von Buenos Aires, wo die erste vollständige Aufführung des Ring-Zyklus in Argentinien über die Bühne ging. Musiker dieser Zeit kamen damals auch ohne Flugzeug recht weit voran. Da schipperte zum Beispiel eine Stagione-Truppe mit der »Tommaso die Savoia«, einem italienischen Linienschiff, nach Südamerika. An Bord Italiener, die von Maestro Pietro Mascagni angeführt wurden, und eine deutsche Gruppe unter der Führung von Felix von Weingärtner. Frau Wildbrunn freundete sich auf dieser Reise mit Lotte Lehmann an und diese Freundschaft währte viele Jahre.
Im europäischen Raum absolvierte Helene Wildbrunn Gastspiele in fast allen Hauptstädten und bei den Salzburger Festspielen 1925 sang sie die Donna Anna im »Don Giovanni«.

Die Wiener Staatsoper war über viele Jahre ihre künstlerische Heimat; seit 1919 war sie Mitglied dieses renommierten Hauses, ihrem Debüt als Amelia sollten bis zum März 1932 noch 135 Auftritte in acht verschiedenen Partien an der Staatsoper folgen; mit der Kundry in »Parsifal« verabschiedete sie sich von der Wiener Staatsoper, die sie zum Ehrenmitglied ernannte.
Fortan trat sie noch als Konzertsängerin auf, in den Jahren 1932 bis 1950 war die erfahrene Sängerin dann noch pädagogisch an der Wiener Musikakademie tätig.

Ganz unten auf dem Grabstein ist ein Zitat aus »Hamlet« in den Stein geschlagen:
DER REST IST SCHWEIGEN, steht da - in den Sommermonaten ist diese Schriftzeile kaum zu lesen, weil die Buchstaben von den Rosen verdeckt werden. Ein recht sinniger Spruch für ein Sängerpaar.



Praktischer Hinweis:
Friedhof Neustift am Walde
Pötzleinsdorfer Höhe 2
1180 Wien

Wenn man den langgezogenen Friedhof bei dem Verwaltungsgebäude am Parkplatz betritt, findet man das Grab im ersten Viertel - Gräberfeld J - gleich links des mittleren Weges.

hart

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454

Donnerstag, 13. April 2017, 18:48

Heinz Holecek - * 13. April 1938 Wien - † 13. April 2012 Wien


Zum heutigen Geburts- und Todestag

Der Bariton Heinz Holecek war kein Opernsänger, der ständig an den großen Opernhäusern der Welt gastierte, aber er man hörte in schon mal in seinen Paraderollen an den Opernhäusern in Paris, Barcelona, Rom, Stockholm, Stuttgart, Zürich, München, Hamburg, Berlin und auch bei den Bregenzer Festspielen.
Holecek hatte neben dem erlernten Sängerfach eine breitgefächerte Begabungsskale, die ihn auch noch dazu befähigte breite Bevölkerungsschichten auch außerhalb der Opernhäuser anzusprechen, wozu ihm Auftritte im Rundfunk und Fernsehen zu besonderer Popularität verhalfen.

Seine musikalische Ausbildung absolvierte er am Konservatorium seiner Heimatstadt und an der Wiener Musikhochschule bei so prominenten Gesangslehrerinnen wie Elisabeth Radó und Elisabeth Höngen.
1960 debütierte er nach einer Absage Josef Meinrads als Papageno in Mozarts »Zauberflöte« an der Seite von Renate Holm an seinem späteren Stammhaus, der Volksoper.
In der gleichen Rolle war der Bariton im Januar1962 erstmals an der Staatsoper zu hören, hier war Graziella Sciutti seine Papagena und Anton Dermota gab den Tamino.
Neben dem Papageno gehörten unter anderem der Figaro aus Mozarts »Le Nozze die Figaro« und Schaunard in »La Boheme« zu Holeceks Lieblingsrollen.
Daneben darf »Die Fledermaus« nicht vergessen werden, wo allein an der WSO 65 Auftritte verzeichnet sind, wobei er 34 Mal den Dr. Falke verkörperte, 16 Mal den Frosch und 15 Mal den Gefängnisdirektor Frank gab.

Ab 1977 durfte sich Heinz Holecek Kammersänger nennen.1981 wirkte er bei den Salzburger Festspielen in der Uraufführung der Oper »Baal« von Friedrich Cerha mit, wo seine schauspielerische Begabung in besonderem Maße zur Geltung kam; in dieser Oper sind auch seine letzten Auftritte an der Wiener Staatsoper im Sommer 1992 verzeichnet. Aber 116 Mal hat er allein an der Wiener Staatsoper - wo er insgesamt 575 Auftritte hatte - den Papageno gesungen, das war die Rolle seines Lebens.

Dem Wienerlied war er sehr zugetan und hat es weit über seine Heimatstadt hinaus bekannt gemacht. Auch mit seinen Parodien berühmter Zeitgenossen machte er Furore.
Bei den Salzburger Festspielen. Im Jahr 2000 feierte Holecek mit dem Rollendebüt als Doolittle in »My Fair Lady« das Jubiläum seiner 40-jährigen Bühnenkarriere an der Volksoper.

Heinz Holecek verstarb 74-jährig an seinem Geburtstag, nachdem er seit einem Zusammenbruch im Februar 2012 im Koma gelegen war. Er wurde am 27. April auf dem Neustifter Friedhof in Wien beigesetzt.

Praktischer Hinweis:
Friedhof Neustift am Walde
Pötzleinsdorfer Höhe 2
1180 Wien

Das Grab befindet sich in etwa der Mitte des langgestreckten Friedhofsgeländes in der Gruppe 1, Reihe 10, auf dem Friedhofsplan ist ganz in der Nähe ein Kreuz eingezeichnet.

Stimmenliebhaber

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455

Donnerstag, 13. April 2017, 18:58

Legendär wurde freilich auch sein letzter Auftritt ans der Wiener Staatsoper, am 16. November 1992 als Haushofmeister in "Ariadne auf Naxos". Er war schon ziemlich besoffen und verpasste seinen zweiten Auftritt. Erst lange Stille, dann sagte Dirigent Ulf Schirmer den ersten Satz rein, doch dann kam Holecek doch noch (Ich habe einen Mitschnitt davon.)
Danach durfte er in der Wiener Staatsoper nicht mehr auftreten.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Erich Ruthner

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456

Donnerstag, 13. April 2017, 23:22

Es gab noch einen späten Höhepunkt: zum 50jährigen Bühnenjubiläum gab er in der Volksoper am 8. April 2011 noch einen grandiosen "Frosch". Sein Sohn Sebastian sang dabei den Eisenstein. (siehe YT).

Aber er hatte noch viele andere Fähigkeiten: legendär sind seine Lesungen, in denen er sein komisches Talent ausspielen konnte. Auch war er perfekt in Altgriechisch: Er korrespondierte in dieser Sprache Postkarten mit seinen Freund Gerhard Tötschinger.
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

hart

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457

Sonntag, 16. April 2017, 11:59

Josef Greindl - * 23. Dezember 1912 München - † 16. April 1993 Wien


Zum heutigen Todestag

Fast wäre es ein echtes Christkind geworden, der Knabe wurde kurz vor Weihnachten 1912 geboren. Eigentlich galt Greindls musikalisches Interesse zunächst der Geige; ab dem siebenten Lebensjahr befasste er sich mit diesem Instrument, und das war nicht nur eine kurze Episode, er hat das acht Jahre sehr intensiv studiert und wollte eigentlich Geigenvirtuose werden.
Als Greindl dann in München einer »Freischütz«-Aufführung beiwohnte, die Hans Knappertsbusch dirigierte und der legendäre Paul Bender den Kaspar sang, waren die Weichen in Richtung Vokalmusik gestellt. Bei Paul Bender studierte er Gesang, die weithin berühmte Anna Bahr-Mildenburg, selbst eine große Sängerin in des Wortes doppelter Bedeutung, kümmerte sich eher um die darstellerische Seite der Bühnenfiguren, dazu kamen vier Jahre schauspielerisches Sprechen. Diese fundierte Ausbildung schlug sich in Greindls Sängerkarriere nieder, ein wesentliches Qualitätsmerkmal war das Zusammenwirken von Stimme und Bühnenfigur zu einer Einheit.

Josef Greindl studierte in den Jahren 1932-36 an der Münchner Musikakademie und debütierte mit 21 Jahren »inoffiziell« als König Philipp in »Don Carlos« am Gärtnerplatz-Theater in München. Diese Aufführung wurde damals von privater Seite organisiert und finanziert, in einem Interview mit August Everding stellt Greindl die Entstehungsgeschichte dieser Aufführung recht anschaulich dar. Diese Aufführung war recht erfolgreich, so dass der Jungsänger gleich seine Karriere hätte starten können, aber er war klug genug und führte seine Studien bei Paul Bender weiter.
1936 fand dann sein »echtes« Debüt am Stadttheater von Krefeld als Hunding in der »Walküre« statt. Er blieb bis 1938 am Theater in Krefeld und sang von 1938-42 am Opernhaus in Düsseldorf. Von Düsseldorf aus begab sich Greindl schon auf Auslandsgastspiele nach Amsterdam, Den Haag und Rotterdam; ebenso gab es schon 1939 ein Gastspiel bei den Münchner Opernfestspielen.
Ein junger Sänger hat in aller Regel Vorbilder, neben Paul Bender war dies für Greindl damals der Bassist Josef von Manowarda, der sich gerade auf der Höhe seiner Karriere befand und dann ausgerechnet am Geburtstag von Josef Greindl im Alter von nur 52 Jahren starb. Zu dieser Zeit war Heinz Tietjen in Berlin Generalintendant und holte Greindl 1942 an die Berliner Staatsoper, wo Greindl durch seine Mitwirkung bei der Uraufführung der Schoeck-Oper »Das Schloss Dürande« im April 1943 etwas an der Operngeschichte mitschrieb, die Liste der neben Greindl singenden Mitwirkenden ist legendär: Peter Anders, Maria Cebotari, Willi Domgraf-Fassbaender, Marta Fuchs und Gerhard Hüsch.
Tietjen war damals ein Opernchef mit großen Möglichkeiten, die bis Bayreuth reichten. So kam Greindl noch in den Kriegsjahren zum Grünen Hügel, wo er 1943 dort bereits den Pogner in den »Meistertsingern« sang.
An der Berliner Staatsoper blieb Greindl bis 1948. Als Furtwängler 1947 in Berlin seine erste Opernvorstellung nach dem Krieg dirigierte, konnte ihm Greindl nicht dienen, weil er wegen seiner Parteizugehörigkeit mit einem zeitweiligen Berufsverbot belegt war. Er wechselte dann zur Städtischen Oper, beziehungsweise der Deutschen Oper Berlin. Seit 1956 war er auch gleichzeitig Mitglied der Wiener Staatsoper, wo er bereits 1940 ein erstes Gastspiel gab.
Obwohl Josef Greindl ein sehr vielseitiger Sänger war, was sein Repertoire von 130 Rollen beweist, wird er manchmal nur als Wagner-Sänger gesehen, weil er bei den Bayreuther Festspielen während vieler Jahre alle einschlägigen Basspartien verkörperte.
Seine stete Bayreuther Präsens - zwischen 1952 und 1969 hatte er sage und schreibe 82 Verträge mit großen Wagner-Partien zustande gebracht - strahlte natürlich auch auf seine Weltkarriere, die er nach dem Zweiten Weltkrieg machen konnte, aus.

Er war mit seinen Paraderollen weltweit unterwegs, man könnte nun hier eine lange Liste all der Häuser einfügen, an denen er sang, aber es genügt wohl in diesem Rahmen der Hinweis, dass Greindl außer an den bereits genannten Stationen auch in London, Paris an der Mailänder Scala und am Teatro Colón von Buenos Aires auftrat und auch einige Vorstellungen an der New Yorker Metrolitan Oper sang. Auch sein langjähriger Gastspielvertrag mit der Hamburgischen Staatsoper ist erwähnenswert.

Dazu kamen Auftritte bei den Salzburger Festspielen, Furtwängler hatte ihn schon 1949 dorthin geholt, zu Furtwängler hatte Greindl ein außerordentlich gutes Verhältnis, aber1970 sang er dann auch unter Karajan dort. In seiner Vita ist teilweise auch verzeichnet, dass Greindl 1971 an der Uraufführung der Oper »Melusine« von Aribert Reimann im Rahmen der Schwetzinger Festspiele teilgenommen habe, aber dem steht ein Uraufführungsbericht der Zeitung »DIE ZEIT« von Wolfram Schwinger entgegen, der den betörend schön singenden Barry McDaniel lobt.

Wie dem auch sei, Josef Greindl war einer der ganz wichtigen deutschen Sänger nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch vor Kriegsende hat er auch viele Lieder zusammen mit Michael Raucheisen aufgenommen, 43 Liedaufnahmen, überwiegend Lieder und Balladen von Carl Loewe, sind in der Raucheisen-Edition enthalten. Auch Loewe-Balladen mit der Pianistin Hertha Klust entstanden und auch seine 1957 in Hannover aufgenommene »Winterreise« ist ein wertvolles Lieddokument. In diesem Genre haben dann jedoch die jüngeren Kollegen Fischer-Dieskau und Hermann Prey Maßstäbe ihrer Art gesetzt und Greindls künstlerisches Tun spielte sich nun in der Hauptsache auf der Opernbühne ab.
Als der damals 46-jährige Greindl anlässlich des Bonner Beethovenfestes die Gellert-Lieder zu Gehör brachte, passierte das Malheur - er blieb zwei Mal stecken, weil ihm Text und Melodie entfallen waren. Das wirft ein Licht auf die Belastungen, denen ein an allen Orten gefragter Sänger ausgesetzt ist. Wie konnte so etwas geschehen?
Greindl hatte vormittags noch in Berlin seine Rolle in Schönbergs »Moses und Aron« geprobt und war anschließend nach Frankfurt am Main geflogen, von dort mit der Taxe nach Wiesbaden gefahren, in die Bahn umgestiegen und traf schließlich erst zwei Stunden vor Konzertbeginn am Veranstaltungsort ein.

Josef Greindl konnte auf eine große Karriere zurückblicken, aber auch die beste Stimme nutzt sich nach so vielen Einsätzen ab, aber die Erwartungen beim Publikum sind immer noch hoch.
Ilse Elisa Zellermayer, eine Opernmanagerin, berichtet in ihrem Buch über eine Begegnung mit dem Sänger:

»Besonders tragisch in Erinnerung ist mir der Fall des wunderbaren Josef Greindl. Mit Tränen in den Augen saß er mir gegenüber und flehte mich an, ihm endlich den Wotan zu verschaffen, den er jetzt erst richtig erfühlen und singen könne. Dass seine Kräfte für diese Partie einfach nicht mehr ausreichten, war ihm nicht bewusst. Und ich wäre die Letzte gewesen, die es ihm sagte. Ich bin in meinem Leben immer bemüht gewesen, Menschen nicht zu verletzen. Das galt erst recht gegenüber denen, die sich mir anvertrauten. Er habe doch so viele Erfolge erlebt, sagte ich zu Greindl, warum er sich denn den Wotan antun wolle. Aber der Sänger verstand mich nicht.«

Wer mit Sachkenntnis von außen drauf schaut, erkennt in der Regel mehr. Sicher hatte Greindl mit seinen Wotan-Plänen die besten darstellerischen Absichten, aber der nunmehr 58-Jährige konnte im Theater sein Publikum in dieser Rolle nicht gewinnen, so dass der viele Jahre mit Beifall überschüttete Sänger im Frühsommer 1970 ausgebuht wurde und sich seinerseits revanchierte, indem er sich zum Vorhang hin verbeugte und dem Publikum seine Kehrseite zeigte. Aber wenn man solche negativen Episoden in Relation zu den kaum zu zählenden weltweiten Erfolgen auf allerhöchstem Level setzt, steht am Ende nur noch die zu bewundernde große Lebensleistung des Sängers Josef Greindl.

Ab 1961 war Greindl auch pädagogisch tätig, indem er die Leitung der Opernschule der Musikhochschule des Saarlandes in Saarbrücken übernahm. 1974 wurde er als ordentlicher Professor an die Wiener Hochschule für Musik berufen.
Aber auch als lehrender Professor hatte er noch seine Auftritte im Konzertsaal und auf der Opernbühne. Man erinnert sich noch an einen ausdrucksstarken Liederabend im Januar 1975, und 1979 gab Greindl nochmal den Osmin in Mozarts »Entführung aus dem Serail« an der Volksoper.

Im Dezember 1992 hatte Josef Greindl im renommierten Hotel Imperial noch seinen 80. Geburtstag gefeiert - am 16. April des folgenden Jahres starb der Sänger überraschend in seiner Wohnung in Wien.
Unter den Trauergästen war auch Wolfgang Wagner, der wie kein anderer, um die Leistungen des Sängers bei der Entstehung von Neubayreuth wusste.
Nur wenige Meter unterhalb von Greindls Grab befindet sich die Ruhestätte von Irmgard Seefried; im »Rosenkavalier«, »Don Giovanni« und »Fidelio« standen die beiden zusammen auf der Bühne der Wiener Staatsoper.





Praktischer Hinweis:
Das Grab von Josef Greindl findet man auf dem Friedhof Neustift am Walde
Pötzleinsdorfer Höhe 2
1180 Wien

Am günstigsten benutzt man das Tor 3; von hier aus ist es am nächsten zur Gruppe 22.
(Gruppe 22, Reihe 6, Nr. 5).
Wer den Haupteingang benutzt sollte etwas Kondition mitbringen, denn der Weg zieht sich und steigt.

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458

Sonntag, 16. April 2017, 14:12

Diese Aufführung wurde damals von privater Seite organisiert und finanziert, in einem Interview mit August Everding stellt Greindl die Entstehungsgeschichte dieser Aufführung recht anschaulich dar.
Das müsste wohl diese Sendung sein:


An der Berliner Staatsoper blieb Greindl bis 1948. Als Furtwängler 1947 in Berlin seine erste Opernvorstellung nach dem Krieg dirigierte, konnte ihm Greindl nicht dienen, weil er wegen seiner Parteizugehörigkeit mit einem zeitweiligen Berufsverbot belegt war.
Sehr interessant! Ich habe mich gewundert, als ich 1948 las, weil ich seinen Namen auf den Besetzungszetteln der Staatsoper zum letzten Mal am 1. September 1946 in der nicht stücktragenden Rolle des Crespel in "Hoffmanns Erzählungen" gelesen - und dann nicht mehr. Nun weiß ich auch, warum...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

hart

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459

Mittwoch, 19. April 2017, 15:13

Alois Burgstaller - * 22. September 1871 Holzkirchen ( Bayern) - † 19. April 1945 Gmund am Tegernsee


Zum heutigen Todestag von Alois Burgstaller






Gleich links beim Eingang befindet sich das Grab



Alois Burgstaller wurde in Holzkirchen, etwa 30 Kilometer südlich von München gelegenen, geboren; gerade war der Deutsch-Französische Krieg zu Ende gegangen und im Mai der Friede beschlossen worden.
Als Alois geboren wurde, gab es in Holzkirchen noch kein elektrisches Licht, die erste Lampe brannte dort, als Alois ein junger Mann von 18 Jahren war. Damals war es unvorstellbar, dass man einmal Burgstallers Stimme noch 2017 wird hören können.
Der Junge kam als uneheliches Kind zur Welt, was damals für Mutter und Kind noch ein Problem war, Alois´ Mutter heiratete aber kurze Zeit später den Uhrmacher Feyerlein, so dass Alois in familiärer Atmosphäre heranwachsen konnte.

Noch war seine Stimmer kein großes Thema, so erlernte er bei seinem Stiefvater das Uhrmacher-Handwerk. Auch in Holzkirchen wurde mit viel Begeisterung Laientheater gespielt; einmal ging das Stück »Das Vaterunser in der Christnacht« über die Bühne und der Fotograf Seiling war von München angereist, um von den Akteuren ein Gruppenfoto zu machen. Bei dieser Gelegenheit fiel dem Fotografen die Stimme des jungen Burschen auf und er erzählte von seiner Entdeckung in München, wo es dem Münchner Generalmusikdirektor Levi zu Ohren kam.
Zum Vorsingen in München reiste Alois dann mit seiner Feuerwehrhose, weil das sein bestes Stück war, den Rock lieh er sich von seinem Entdecker, dem Fotografen aus.
Cosima Wagner fand an der Stimme des jungen Mannes Gefallen, woraus sich eine Ausbildung der Naturstimme in Frankfurt und Bayreuth ergab.
Sein Frankfurter Lehrer war der hochangesehene Gesangspädagoge Eduard Bellwidt, das war der Ehemann der bekannten Konzertsängerin Emma Bellwidt. In der Bayreuther Stimmbildungsschule wurde Burgstaller dann durch Julius Kniese, der damals ein wichtiger Mann neben Hermann Levi war, zur Bühnenreife gebracht.

Burgstallers Bayreuther Debüt war 1894 in der Rolle des Heinrich der Schreiber im »Tannhäuser« und als 1. Gralsritter im »Parsifal«. Im nahen Nürnberger Stadttheater sang er damals schon seine erste große Wagner-Partie des Siegfried.
In Bayreuth folgten Froh im »Rheingold« und dann immer größere Aufgaben wie Siegmund und Siegfried im Nibelungenring, ab 1899 dann der Parsifal und 1901 den Erik im »Fliegenden Holländer«. Alois Burgstaller war nun ein berühmter Sänger geworden, der an allen großen Häusern in Deutschland gastierte, aber auch Gastspiele in Amsterdam, Zürich, London, Paris und Brüssel absolvierte.

Sein Ruf als Wagner-Sänger war inzwischen bis nach Amerika gedrungen, er wurde 1903 Mitglied der Metropolitan Oper New York und blieb es für sechs Jahre. In Amerika hat er an vielen namhaften Opernhäusern wie San Franzisco, Boston, Philadelphia, Chicago, Pittsburgh, Los Angeles etc. gesungen, bis er dann am 23. Januar 1909 seine letzte Vorstellung an der »Met gab.

Aber wegen seinen amerikanischen Aktivitäten kam es schon zu Beginn seines Aufenthalts zu erheblichen Turbulenzen mit Bayreuth, weil er ungehörigerweise in der Neuen Welt als Parsifal auf der Bühne stand, das war am Heiligen Abend 1903; aus Cosimas Sicht eine Ungeheuerlichkeit, ein Gralsraub.
Richard Wagner hatte sein letztes Werk - »Parsifal« - ausdrücklich dem Festspielhaus in Bayreuth vorbehalten wollen:

»Dort darf der ,Parsifal‘ in aller Zukunft einzig und allein aufgeführt werden«, beschied er 1880 Bayerns König Ludwig II. »Nie soll der ,Parsifal‘ auf irgendeinem anderen Theater zum Amüsement dargeboten werden: und dass dies so geschehe, ist das einzige, was mich beschäftigt und zur Überlegung dazu bestimmt, wie und durch welche Mittel ich diese Bestimmung meines Werkes sichern kann.«

Heute weiß man, dass dies nicht möglich war, obwohl die Bayreuther Familie mehrmals versuchte, eine gesetzliche Änderung der Schutzfrist, die damals auf 30 Jahre festgeschrieben war (heute 70), herbeizuführen. Auch die Herren Engelbert Humperdinck, Richard Strauss, Giacomo Puccini und der Dirigent Arturo Toscanini standen damals an der Seite Cosima Wagners; allerdings ging es da um das Datum 1. Januar 1914.

Der »Gralsraub« der «Met« sollte schon 1903 über die Bühne gehen. Was war geschehen? Die USA waren diesem internationalen Urheberrechtsschutz nicht beigetreten. Somit hatte Heinrich Conried, der Impresario der Metropolitan Oper, nur das Problem an das Notenmaterial heranzukommen; er ließ einfach Stimme für Stimme aus einer Studienpartitur des Mainzer Schott-Verlages abschreiben.
Frau Cosima intervenierte sogar persönlich bei Präsident Theodore Roosevelt und belegte alle bei dem New Yorker Frevel Beteiligten mit einem lebenslangen Wagner-Bann für Bayreuth. Dennoch kam es wieder zu einer Annäherung, wie ein Schreiben Cosimas vom 8. November 1907 an Burgstaller zeigt. Und so hörte man von Alois Burgstaller dann in Bayreuth nochmals den Siegfried und 1909 den Siegmund.

1908 zog es ihn wieder heim in seine bayerische Heimat und er brachte eine amerikanische Frau mit nach Hause; zusammen kauften sie das Gut Heigenkam an der Baumgartenstraße wurde eine Villa gebaut; zehn Jahre später zog der Sänger ins 15 Kilometer entfernte Gmund am Tegernsee um. Seine Stimme war durch seinen Wagner-Gesang stark beansprucht worden, wohl ein Grund, warum er seine Karriere relativ früh beendete und sich ins Privatleben zurückzog.
Die gesammelten Erfahrungen gab er an jüngere Sänger weiter; ein führender Wagner-Tenor der nachfolgenden Generation profitierte von diesen Tipps. So orientierte sich Max Lorenz nicht nur an Heinrich Knote, sondern auch an Burgstaller mit dem er sich ausgiebig besprach, eine Darstellung von Lorenz liest sich so:

»Alois Burgsmüller lud mich nach Gmund ein, wo ich einen zauberhaften Nachmittag mit ihm und seiner Frau verbrachte. Im Gespräch gab er mir so wertvolle Hinweise, dass ich ihn zwei Wochen lang täglich besuchte und mit ihm alle meine Partien besprach. Durch ihn lernte ich meine Stimme erst kennen. Er öffnete mir die Höhe, die seitdem meine Stärke war. Seine wichtigsten Ratschläge habe ich aufgeschrieben.«

Als der kleine Alois zur Welt kam, war gerade erst ein Krieg zu Ende gegangen, beim Tod des Sängers, der im April 1945 in Gmund starb, lag der Zweite Weltkrieg in den letzten Zügen.

Die Beisetzung fand, seinem Wunsch entsprechend, an seinem Geburtsort statt. Man hatte seinen Leichnam auf einem Ochsenkarren von Gmund herüber gebracht. Mitten in der Nacht soll das gewesen sein, weil man bei Tag die Flugzeugangriffe fürchtete. Auch während der bescheidenen Beisetzungszeremonie war der Krieg gegenwärtig.
Als er im Elterngrab auf dem Holzkirchner Friedhof nahe der Kapelle beigesetzt wurde, begleiteten ihn nur wenige seiner Freunde und Tiefflieger störten die Worte des Pfarrers


Auf diese Weise ehrt die Geburtsstadt ihren großen Sohn

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Luise Willer - * 28 Dezember 1888 Seeshaupt - † 27. April 1970 München


Zum heutigen Todestag von Luise Willer





Als Hans Hotter 2003 in Bayreuth mit dem Wilhelm-Pitz-Preis ausgezeichnet wurde, hielt er eine Dankesrede, in der er unter anderem auch sagte:
»Ich mache einen Abstecher in eine Welt, die auch für viele Jahre die meine war und die es wohl auch heute noch wäre, würde sie es mir nicht so verdammt schwer machen, ihr in der heutigen Verkleidung die Treue zu halten. Ich spreche von der Welt der Oper.«

Danach folgte eine Lobeshymne an die Chorsänger und Hans Hotter gab dazu eine recht amüsante Geschichte zum Besten:

»Luise Willer war die gefeierte Altistin im ersten Weltkrieg und in den Jahren danach. Sie hatte eine Stimme mit einem unverkennbaren Timbre. Noch heute, nach mehr als 80 Jahren, habe ich ihren Brangäneruf aus dem 2. Akt des „Tristan“ oder ihr „Erbarme dich“ aus der Matthäuspassion im Ohr. Sie war die Erste im Ensemble, die mir seinerzeit, 1937, als ich an die Münchner Oper kam, das kollegiale „Du“ anbot – damals durchaus keine Selbstverständlichkeit. Einmal erzählte sie mir, wie es zum Wechsel von der Chordame zur Solistin kam.
In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg war der große Bruno Walter Chef im Haus an der Maximilianstraße. Er plante eine Neuinszenierung von Mozarts „Figaro“. Unter anderem sollte das kleine Duett „Amanti costanti“ am Ende des 3. Aktes, meistens von zwei Damen aus dem Chor gesungen, neu besetzt werden. Zu diesem Zweck ließ sich Walter nicht, wie man annehmen würde, vorsingen, sondern er schritt in einer Bühnenprobe an den Chordamen entlang, mit den Augen in Richtung der Beine der Damen. „Als er vor mir stehen blieb“, hier unterbrach Luise Willer ihre Schilderung mit einem hellen Lachen:
„ob du‘s glaubst oder net, aber i hab damals keine schlechten Haxen g‘habt.“ Walter schien der gleichen Meinung gewesen zu sein. Denn sie bekam die kleine Rolle und machte damit den Anfang einer langen glorreichen Solistenkarriere, die sie ihrer Meinung nach nicht etwa ihrer Stimme, sondern ihren, wie sie sagte, gut gewachsenen Beinen zu verdanken hatte.«


Neben den feschen Beinen war dann da doch auch noch eine beachtliche Stimme, sonst hätte sie es nicht zur Königlich bayrischen Kammersängerin gebracht, übrigens der letzten Sängerin, die diesen Titel trug.
Luise Willer wurde am Südende des Starnberger Sees geboren, in ihrem Geburtsort lebten damals noch nicht einmal tausend Menschen. Aber der Ort war so malerisch, dass ihn Carl Spitzweg (um 1880) in dem Bild »Ankunft in Seeshaupt« festhielt.
Luise war eine Lehrerstochter und hatte noch vier Geschwister. Der Vater starb früh und die Mutter zog mit ihren fünf Kindern ins knapp 50 Kilometer entfernte München. Luise Willer musste mit zum Familienunterhalt beitragen und trat eine Stelle als Bürolehrling an. In ihrer freien Zeit nahm sie aber Gesangsstunden bei Frau Heppner-Baermann. Als die junge Dame, damals noch Fräulein genannt, einmal bei Verwandten sang, spitzte der Chordirektor Raßbach von der Münchner Hofoper die Ohren, die Stimme gefiel ihm und er lud das Nachwuchstalent ein, in den Hoftheatersingchor einzutreten. Nach ihrem Vorsingen nickte Operndirektor Felix Mottl, der Mann kannte sich aus, er war mit einer Sängerin verheiratet. »Die nehmen wir«, sagte Mottl, und damit war die 17-jährige junge Frau Chorsängerin an der Münchner Hofbühne. Aber die Chorsängerin schätzte offenbar ihr Entwicklungspotenzial richtig ein und studierte fleißig weiter Altpartien, stets darauf bedacht Solistin zu werden.
Nach Mottls überraschendem Tod kam Bruno Walter nach München. Als Walter die Anfängerin in der Rolle der Brangäne als Einspringerin einsetzte, kann dies als Zeitpunkt des Beginns ihrer Solokarriere betrachtet werden. Überblickt man ihre gesamte Karriere, stellt man fest, dass München zwar ihr künstlerischer Mittelpunkt war, was jedoch nicht ausschließt, dass sie auch an anderen angesehenen Häusern auf der Bühne stand.
Da gab es zum Beispiel 1934 Unstimmigkeiten mit der Münchner Intendanz, und weg war sie; für drei Jahre hörte man Frau Willer in Berlin, erst 1937 holte sie Clemens Krauss nach München zurück, wo sie dann bis zum Kriegsende Mitglied der Staatsoper war.

In den 1920er und dreißiger Jahren wirkte sie bei der Uraufführung von Opern mit, die heute nicht mehr so präsent sind: »Violanta«, »Das Spielwerk« und »Das Himmelskleid«.
Ihre musikgeschichtlich wohl bedeutendste Uraufführung dürfte sie am 12. Juni 1917, im dritten Kriegsjahr, erlebt haben, bei Pfitzners »Palestrina« im Prinz-Regenten-Theater zu München; die musikalische Leitung hatte Bruno Walter. Mit auf der Bühne standen damals so prominente Akteure wie Herr Erb, Fräulein Ivogün, Herr Bender ... Die Erscheinungen von Lukrezia, Palestrinas verstorbener Frau, sang Fräulein Willer (Alt).

Bereits in den Jahren 1928 bis1930 hatte sie auch Gastverträge mit der Wiener Staatsoper. Bei den Salzburger Festspielen sang sie 1930 die Klytämnestra in Glucks »Iphigenie in Aulis« und jeweils 1942 und 1943 die Adelaide in »Arabella« und unter Karl Böhm in Beethovens Symphonie Nr. 9

Luise Willer kam zu Gastspielen auch in andere deutsche Städte, aber ebenso nach Amsterdam, Paris, London und Florenz. Mit dem Ensemble der Münchner Oper kam sie zum Gastspiel an der Mailänder Scala. Schließlich verabschiedete sie sich als Erda im »Siegfried« von der Münchner Bühne, aber nicht von musikalischem Tun; sie war noch pädagogisch tätig und die Lehrerin so hervorragender Sängerinnen wie beispielsweise Ina Gerhein und Hanna Ludwig.
Es gibt nicht nur Tonaufnahmen und Bilddokumente von Luise Willer, sondern auch noch eine silberne Gussmedaille von 1925 auf der die Sängerin als Klytemnästra dargestellt ist. Als unmusikalische Zusatzinformation sei noch angefügt, dass diese Willer-Medaille von Josef Bernhart gefertigt wurde, der auch die 1-DM-Münze entworfen hat



Seit dem Sommer 1931 hatte Luise Willer ihren Wohnsitz in Icking, eine knappe halbe Autostunde von ihrem Geburtsort entfernt. Jahrzehnte später zog auch der Schauspieler Gert Fröbe in den Ort. Beide haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Der Friedhof von Icking ist nicht besonders groß, so dass sich eine Wegbeschreibung erübrigt.

Praktischer Hinweis:
Waldfriedhof Waldhauser Straße
82057 Icking


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