Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 202

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Sonntag, 17. April 2016, 21:13

Fritz Brun: Sinfonien - Sinfonische Dichtungen - Konzerte

Sinfonie Nr 1 in h-moll

Nur wenige Musikfreunde werden den schweizer Komponisten, Dirigenten und Pianisten Fritz Brun (1878-1959) kennen, der konsequenterweise sowohl in den meisten Musiklexika, als auch in den mir zur Verfügung stehenden Konzertführern totgeschwiegen wird, was mehr als schade ist. Vermutlich werden mir hier jene, die dann letztlich doch seine Sinfonien gehört haben, beipflichten. Seine Sinfonien sind von enormen Dimensionen, wuchtig, skurill und leicht zugleich. - und auf jedenfall sollte man sie kennen.
Volkmar Andreae und Hermann Scherchen setzen sich für Bruns Sinfonien ein und dirigierten einen Großteil ihrer Uraufführungen.

Beginnen wir mit der 1. Sinfonie in h –moll

Sie ist absolut tonal.
Die Uraufführung fand am 1. April 1902 in Arnheim statt und das Werk wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und von der Kritik als „Werk, das entschieden große Beachtung verdient“ bezeichnet.
Das war aber offensichtlich nicht genug, denn eigentlich ist es von den Spielplänen verschwunden. Dank daher an das Label guild, welches uns eine Gesamtaufnahme aller Sinfonien Bruns mit dem Moskauer Sinfonie Orchester unter dem schweizer Dirigenten Adriano„spendierte“, welcher auch das informative, engagierte Beiheft verfasst hat.

Hier einige kurze Hörerlebnisse der ersten Sinfonie aus meiner Feder:

Der erste Satz beginnt dramatisch.bedrohlich, fast „schreiend“. Mehr expressiv als klangschön. Nach einiger Zeit beruhigt sich dies, und sanftere, aber dennoch kraftvolle Töne werden angeschlagen, die Stimmung wird nachdenklich, melancholisch und eine Spur düster. Aber immer ist eine gewisse unterschwellige Unruhe spürbar, die auch durch einige sehr ruhige Passagen und Fanfaren nicht unterdrückt werden kann – im Gegenteil in der Mitte des Satze bricht so erwas wie ein Inferno oder ein Sturm aus.
Der zweite Satz ist sehr melodisch und in sich ruhend, bläserbetont. nie aber süsslich, wogegend der dritte Satz mit einem Paukenwirbel beginnt und feurig optimistisch einsetzt. Dem folgt eine bläserbetonte lyrische Passage. Die wieder von einem Paukenschag unterbrochen wird, dem feurige Fanfaren folgen, das Orchester vor sich hertreibend. Eine beinahe kammermusikalische Stelle, die dann ins düster-bedrohliche abgleitet, beinahe wie ein ins grässliche verzerrter Condukt der allmählich zur Ruhe kommt, umrahmt von langsamen, feierlichen Bläserstellen. Düster verhalten mit leisen Paukenschlägen endet dieser Trauermarsch. Der vierte Satz beginnt eher leise, er galoppiert quasi vor sich hin , wieder sind es die Bläser die einen Stimmungswechsel ankündigen, Das Orchester kann sich nicht zwischen einer eingängigen Melodie oder einem dramatischen Fortschritt entscheiden, nach einiger Zeit scheint die dramatische Stimmung zu überwiegen, die indes erlahmt und weiteren drohend-düsteren Passagen Platz macht, die übrigens IMO sehr eindrucksvoll realisiert sind, aber urplötzlich wieder bewegten Stellen weichen, die vorerst optimistisch erscheinen, in letzter Konsequenz aber wie ein schönes aber vernichtendes Feuer wüten und dann nach scheinbarer Beruhigung noch einmal auflodern und dann verglühen….

Ich bin in meiner Beschreibung sehr subjektiv verblieben und hoffe dennoch das Besondere dieser Sinfonie und ihres Komponisten getroffen zu haben.

Eine wesentlich fundiertere und wohl abweichende Beschreibung findet sich im Beiheft der hier gezeigten Aufnahme, die der erste Teil einer Gesamtaufnahme aller Sinfonien von Fritz Brun ist. Angeblich wurde sie erst 2016 vollendet, vermutlich fehlt also noch eine Folge in meiner Sammlung.

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 202

Registrierungsdatum: 9. August 2004

2

Samstag, 21. Mai 2016, 21:09

Fritz Brun: Sinfonie Nr 2 in B-dur

Ganze 9 Jahre ließ Fritz Brun sich Zeit bevor er die 2. Sinfonie veröffentlichte. das Werk wurde 1911 unter Volkmar Andreae in Zürich uraufgeführt. Der Verfasser des Booklettextes - es ist niemand anderer als der Dirigent der hier gezeigten Edition, Adriano - behauptet indes, Andreae habe lediglich die Proben dirigiert, die Uraufführung indes dem Komponisten überlassen, zumindest war das so geplant.
Sie 2. ist Bruns beliebteste Sinfonie. Adriano bezeichnet sie als lyrisches Zwischenspiel unter Bruns Sinfonien, denn die Entwicklung seiner Tonsprache wäre hier noch nicht abgeschlossen, Solche Aussagen lassen bei mir immer die Alarmglocken läuten, insbesondere dann, wenn darauf hingewiesen wird, dass es der Krieg (in diesem Falle der erste Weltkrieg) gewesen sei, der die zukünftigen Sinfonien bestimmt habe....
Zurück zur Zweiten: Fast noch eindrucksvoller als die erste, von andauernden Stimmungswechseln bestimmt, mal stampfend kriegerisch, dann wieder schmeichelnd bis zum Vergehen, In gewisser Weise eine Patchwork Technik, wie bei manchen englischen Komponisten, nur dass das bei Brun alles viel natürlicher, organischer und selbstverständlicher klingt, Die Bläser prägen über weite Teile die Sinfonie, seien sie betörend eingängig oder schneidend bis zum geht nicht mehr. Eine angedeutete Nähe zu Brahms konnte ich nicht nachvollziehen - generell fehlt mir im Fall von Brun (bzw dem was ich bisher von ihm kenne) jegliche Klangreferenz.
Ich empfehle als Hörbeispiel Track 4 (4. Satz - Non troppo vivace)

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

adriano

Anfänger

  • »adriano« ist männlich

Beiträge: 27

Registrierungsdatum: 25. Mai 2016

3

Donnerstag, 2. Juni 2016, 11:38

Bruns Zweite

Ah, endlich! Dachte schon die hätten mich vergessen ;)
http://www.musicweb-international.com/cl…y2_GMCD7416.htm

lutgra

Prägender Forenuser

  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 4 840

Registrierungsdatum: 9. April 2013

4

Donnerstag, 2. Juni 2016, 13:13

Gute Kritik, Glückwunsch. :jubel:

lutgra

Prägender Forenuser

  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 4 840

Registrierungsdatum: 9. April 2013

5

Mittwoch, 8. Juni 2016, 18:47

Fritz Brun - Symphonie Nr. 9

Inzwischen trudeln bei mir auch die ersten physischen Tonträger mit der Musik von Fritz Brun ein, so gestern die Symphonie Nr. 9. Diese Symphonie wurde am 28.7.1950 vollendet und im Dezember des gleichen Jahres vom Freund Volkmar Andreae und dem Tonhalle Orchester aus der Taufe gehoben. Stilistisch kann ich zwischen der 50 Jahre zuvor entstandenen ersten Symphonie (die inzwischen bestimmt fünf Mal gehört habe) und der neunten keine wesentlichen Unterschiede ausmachen. Brun bekennt sich eindeutig zur tonalen Musik und es finden sich kaum Andeutungen von Modernismen. Was mich persönlich nicht weiter stört. Die 9. ist fünfsätzig und spielt knapp unter 45 min. Den Sätzen sind Titel beigegeben: Vorspiel - Serenade - Liebesruf - Im Kreis der Freunde - Glaube und Zweifel - Lob Gottes und der Natur. Die Titel legen schon nahe, dass es hier nicht besonderes dramatisch zugeht und tatsächlich würde ich es als Pastoralsymphonie einstufen, ein langes Orchesteridyll. Die fehlende Dramatik hat schon einen Kritiker der UA gestört, mich stört das gar nicht. Die Musik erinnert entfernt an Mahler in seinen ruhigen Mittelsätzen oder an Delius. Mir gefällt die Musik ausgesprochen gut, sie hat schöne melodische Eigenheiten, ist wunderbar orchestriert und man kann in einem Wohlklang baden, der aber nie zum Selbstzweck wird oder aufgesetzt wirkt. Eine intensivere Beschäftigung mit dieser Musik lohnt bestimmt.
Tamino Adriano scheint dieses Stück sehr am Herzen zu liegen und an den Leistungen seines Moskauer Orchesters ist auch nichts auszusetzen. Ich zumindest werde bei Brun jetzt die ganze Wegstrecke gehen.

adriano

Anfänger

  • »adriano« ist männlich

Beiträge: 27

Registrierungsdatum: 25. Mai 2016

6

Donnerstag, 9. Juni 2016, 19:15

Danke sehr!

Danke sehr, lutgra ^^
Freut mich, dass Dir diese Neunte gefällt. Muss ehrlich sein, ich habe mit dem letzten Satz etwas Mühe. So wunderbar er auch anfängt, bekommt man manchmal den Eindruck, dass Brun nicht immer sehr genau weiss, wohin er will - oder er möchte von einem Weg in einen anderen abbiegen, dies aber nicht so ganz entschlossen... Die ersten vier Sätze sind hochinteressant, originell und oft ironisch.
Die auf der CD noch vorkommende symphonische Dichtung "Aus dem Buch Hiob" habe ich sehr lieb. Ist ein Frühwerk, doch bereits sehr eingewillig gestaltet und verarbeitet - und sehr schön orchestriert. In meiner Brun-Videobiographie kommen 2-3 Minuten daraus vor, von jenen wundervollen Illustrationen von William Blake (zu diesem Thema) montagehaft bebildert. Wer weiss, vielleicht hat sie Brun damals in einem Buch entdeckt und sich davon inspirieren lassen...

lutgra

Prägender Forenuser

  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 4 840

Registrierungsdatum: 9. April 2013

7

Samstag, 11. Juni 2016, 21:12

Fritz Brun Symphonie Nr. 2

Mit der zweiten Symphonie von Fritz Brun habe ich meine Probleme, warum gerade diese seine erfolgreichste gewesen ist, verstehe ich nicht. Sie wirkt auf mich etwas unstrukturierter und amorpher als die anderen beiden (1 + 9), die ich kenne. Der Brahms-Epigonen-Vorwurf ist natürlich albern. Es gibt eine Passage im ersten Satz, die tatsächlich nach Brahms klingt, aber ansonsten ist die Musik so brahmsisch wie die von Schostakowitsch mahlerisch. Tatsächlich erinnert mich die Musik von Brun in ihrer Klangphantasie eher an die von Mahler als an die von Brahms, der nun nicht gerade durch Klangphantasie aufgefallen ist. Aber in der Musik von Brun gibt es keine wirklichen Mahlerismen, Brun ist schon sein eigener Mann.
Mehr überzeugt als die 2. Symphonie hat mich der beigegebene Symphonische Prolog, immerhin auch gut 20 min lang. Ähnlich positiv habe ich auch die Tondichtung "Aus dem Buch Hiob", die die 9. Symphonie begleitet, aufgenommen. Wer mehr über all diese Stücke erfahren möchte, sei auf Adriano's website verwiesen, wo alle ausführlich charakterisiert werden.

adriano

Anfänger

  • »adriano« ist männlich

Beiträge: 27

Registrierungsdatum: 25. Mai 2016

8

Sonntag, 12. Juni 2016, 07:57

Bruns Zweite

Für den Erfolg der Zweiten gibt es einen klaren Grund: sie hat einfachere und kantablere Melodien, also kommt sie beim Publikum besser an als die späteren Symphonien. Da macht Brun keine Kompromisse mehr! Wie ich in meinem Einführungstext schreibe, hat man fast den Eindruck, dass Brun in diesem Werk (das eine Hommage an Othmar Schoeck ist) für einmal im Gesangs-orientierten Stil Schoecks ein Bad nehmen - und diesen Stil ebenfalls geniessen wollte wie das Publikum.

adriano

Anfänger

  • »adriano« ist männlich

Beiträge: 27

Registrierungsdatum: 25. Mai 2016

9

Samstag, 16. Juli 2016, 19:03

Neue Rezensionen

Hallo meine lieben Freunde :)
Vorgestern wurden die drei noch fehlenden Brun-CDs im MusicWeb International rezensiert:
http://www.musicweb-international.com/cl…y4_GMCD7411.htm
http://www.musicweb-international.com/cl…y8_GMCD7421.htm
Bin übrigens anfangs September 2 Tage in Wien, falls mich jemand kennenlernen möchte...
Grüsse aus Zürich und ein schönes Wochenende!

lutgra

Prägender Forenuser

  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 4 840

Registrierungsdatum: 9. April 2013

10

Samstag, 16. Juli 2016, 20:35

Bin übrigens anfangs September 2 Tage in Wien, falls mich jemand kennenlernen möchte...


Falls Du auch mal in Stuttgart bist, jederzeit gerne.
lutgra :hello:

lutgra

Prägender Forenuser

  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 4 840

Registrierungsdatum: 9. April 2013

11

Montag, 2. Januar 2017, 22:06

Fritz Brun Cellokonzert (1947)

Fritz Bruns Cellokonzert entstand 1947, die UA fand am 12. Oktober 1948 in Bern statt, Solist war Richard Sturzenegger, der Dirigent niemand Geringeres als Carl Schuricht. Das knapp halbstündige Werk hat die üblichen drei Sätze: Allegro moderato - Andante sostenuto con sentimento - Allegro animato.
Das eher lyrisch geprägte Werk, bei dem auch dem Orchester eine tragende Rolle zukommt, erinnert vom Stimmungsgehalt ein wenig an Brahms' Doppelkonzert. Ein Werk, das sich nicht aufdrängt, aber viele Schönheiten enthält, die man in ihrer ganzen Fülle vermutlich erst bei mehrmaligem Hören erfasst.
Das Spiel von Claudius Herrmann ist untadelig und inspiriert und das slowakische Symphonieorchester spielt unter der Leitung von Adriano sehr klangschön und ist auch bestens aufgenommen. Freunde der Spätromantik können hier nichts falsch machen. Fritz Brun gilt weiterhin mein Interesse, viele ungehörte Symphonien warten da noch.

William B.A.

Prägender Forenuser

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 13 853

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

12

Montag, 2. Januar 2017, 23:28

Lieber lutgra,

mir geht es mit den noch nicht gehörten Werken aus meiner bisherigen Sammlung Fritz Bruns nicht viel anders, und ich habe auf Grund deines Beitrages in das Cellokonzert hineingehört und war davon sehr angetan. ich habe es auf meine erste Einkaufsliste des neuen Jahres gesetzt, und wenn der Tag mal 2 Stunden mehr hat, werde ich auch mit dem Nachhören weiter kommen.

Dir, lieber lutgra, auf diesem Wege auch die besten Neujahrsgrüße, und wenn du dies liest, lieber Adriano, auch dir die besten Grüße zum neuen Jahr, und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass du vielleicht nochmal als Dirigent in Köln auftauchst, oder Münster wäre auch nicht schlecht, bis dahin sind es nur gut 30 Kilometer.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

lutgra

Prägender Forenuser

  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 4 840

Registrierungsdatum: 9. April 2013

13

Dienstag, 3. Januar 2017, 15:26

Dir, lieber lutgra, auf diesem Wege auch die besten Neujahrsgrüße

Die guten Wünsche zum Neuen Jahr gehen, lieber Willi, herzlichst an Dich zurück. Und auch ich würde mich freuen, hier von Adriano mal wieder ein Lebenszeichen zu hören.
:hello:

adriano

Anfänger

  • »adriano« ist männlich

Beiträge: 27

Registrierungsdatum: 25. Mai 2016

14

Donnerstag, 5. Januar 2017, 18:12

Lebenszeichen

Hat er soeben getan, der Adriano, lutgra, aber dort wo es um ihn, und nicht um Fritz Brun geht :-)
Also Danke für Deine neues Postings - und auch einen schönen Gruss und alles Gute für 2017 an Willi.
Lasst uns hoffen, dass unsere Welt nicht allzuschnell nur noch von Idioten regiert wird!

adriano

Anfänger

  • »adriano« ist männlich

Beiträge: 27

Registrierungsdatum: 25. Mai 2016

15

Freitag, 21. April 2017, 10:37

Am 24., 25. und 26. April in Wien

Hallo Ihr Lieben 8-)
Falls jemand von Euch mich treffen möchte, bin ich nächste Woche für 3 Tage in Wien (dann 3 Tage in Bratislava). Dies aber nur, falls Elena Mosuc nicht wieder krank wird, denn in Bratislava nehme ich eine CD mit ihr auf, die letzten August krankheitshalber verschoben werden musste :-)
Einen schönen Tag und Gruss aus Zürich!