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Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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331

Montag, 8. Juni 2015, 23:23

Das sehe ich anders, Oper ist als Musiktheater eine Form des Theaters, und die Qualität einer Oper wie auch eines Sprechtheaterstücks hängt sehr stark von der Handlung ab.

Absolut meine Meinung! :hello:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

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332

Montag, 8. Juni 2015, 23:27

Deshalb geht kaum einer wegen der Handlung in ein Musiktheater, sondern ganz hauptsächlich der Musik wegen.
Dann bin ich so ein "kaum-einer", der wegen beidem geht. Die großen Meisterwerke der Opernliteratur von Mozart, Wagner, Verdi, Mussorgski, Bizet, Janacek, Puccini, Strauss u.a. verinden in der Regel beides.

Ich gehe wegen der Emotionen in die Oper, die sich aus der Verbindung von Handlungssituation und Musik ergeben.
Völlig d'accord! :jubel:


Wenn es um Oper ginge, würde ich dir vollauf zustimmen, aber bei einer Operette sind meine Ansprüche geringer. Das ist doch letztlich reine Unterhaltung.
Und da bin ich mir eben nicht so sicher bzw. wenn dem so wäre, wäre meines Erachtens die Zweitklassigkeit diese Genres festgeschrieben, ich sehe das aber nicht so. Ich wurde auch schon in Operetten zu Tränen gerührt, etwas in der Csárdásfürstin, in der Mariza, im Zarewitsch oder in "Das Land des Lächelns, sogar in Eine Nach tin Venedig, wenn auch im Korngold-Duett "Die Seele ruft nach dir allein"- das ist also nicht wirklich die "Goldene Operettenzeit" der "Fledermaus", sondenr die sogenannte "Silberne Operette", die mich persönlich dann doch mehr anspricht.
Ich kenne mich im Bereich der Operette zu wenig aus, aber dass sie gegenüber der Oper zweitklassig ist, dieser Verdacht kam mir durchaus (ebenso wie das Musical). Aber das soll mir nun ein Anreiz sein, mich mit den von Dir genannten Werken zu beschäftigen.

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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333

Montag, 8. Juni 2015, 23:28

Und was war dann deiner Meinung nach der ursprüngliche Zweck der Oper???



Jedenfalls nicht bloße Unterhaltung. Aber das wäre mal ein interessantes Thema für sich.

Wenn nicht Unterhaltung, was denn dann? Meiner Meinung nach bestimmt kein Mittel, um das unwissende Volk zu belehren - oder?





Deshalb geht kaum einer wegen der Handlung in ein Musiktheater, sondern ganz hauptsächlich der Musik wegen.

Das sehe ich anders, Oper ist als Musiktheater eine Form des Theaters, und die Qualität einer Oper wie auch eines Sprechtheaterstücks hängt sehr stark von der Handlung ab.
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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334

Montag, 8. Juni 2015, 23:29

Und was war dann deiner Meinung nach der ursprüngliche Zweck der Oper???

Jedenfalls nicht bloße Unterhaltung. Aber das wäre mal ein interessantes Thema für sich.


Deshalb geht kaum einer wegen der Handlung in ein Musiktheater, sondern ganz hauptsächlich der Musik wegen.

Das sehe ich anders, Oper ist als Musiktheater eine Form des Theaters, und die Qualität einer Oper wie auch eines Sprechtheaterstücks hängt sehr stark von der Handlung ab.

Und was war dann deiner Meinung nach der ursprüngliche Zweck der Oper???



Jedenfalls nicht bloße Unterhaltung. Aber das wäre mal ein interessantes Thema für sich.

Wenn nicht Unterhaltung, was denn dann? Meiner Meinung nach bestimmt kein Mittel, um das unwissende Volk zu belehren - oder

Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

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335

Montag, 8. Juni 2015, 23:49

Und was war dann deiner Meinung nach der ursprüngliche Zweck der Oper???

Jedenfalls nicht bloße Unterhaltung. Aber das wäre mal ein interessantes Thema für sich.




Wenn nicht Unterhaltung, was denn dann? Meiner Meinung nach bestimmt kein Mittel, um das unwissende Volk zu belehren - oder

Oper ist eine Form von Kunst, ebenso wie bildende Kunst oder Literatur. Man kann also ganz allgemein fragen: Was ist der Sinn und Zweck von Kunst? Und ich bestreite vehement, dass der in Unterhaltung liegt. Warum ist zum Beispiel ein Roman von Franz Kafka ein Kunstwerk, ein Arztroman in Heftchenform jedoch nicht? Am Unterhaltungswert kann es nicht liegen. Warum ist Goethes "Iphigenie" ein Kunstwerk, ein Schwank vom Ohnsorg-Theater jedoch nicht? Was zeichnet Wagners "Tristan" gegenüber dem "König der Löwen" aus? Bestimmt nicht, dass diese Oper das Publikum besser unterhält (man wird hier wohl überhaupt nicht von Unterhaltung sprechen können).

Die Frage, was das Wesen von Kunst ist, ist nicht einfach zu beantworten, aber Unterhaltung ist weder eine hinreichende noch eine notwendige Eigenschaft. Womit ich natürlich nicht bestreiten will, dass es z.B. sehr unterhaltsame Opern gibt.

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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336

Montag, 8. Juni 2015, 23:58

Warum ist Goethes "Iphigenie" ein Kunstwerk, ein Schwank vom Ohnsorg-Theater jedoch nicht?

Das würde ich so nicht sagen. Beides ist Theater, also auch - wenn auch höchst unterschiedlich intendierte und ausgeformte - Kunst.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • »Uwe Aisenpreis« ist männlich

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337

Dienstag, 9. Juni 2015, 17:55

schön und gut, aber hier singen Leute (unter denen nicht ein echter Sympathieträger ist)
In den besten Operetten ihres "Erfinders" und größten Meisters Jacques Offenbach ist nicht eine einzige Person ein Sympathieträger (Orpheus in der Unterwelt, Schöne Helena, Pariser Leben, Großherzogin von Geroldstein). Da wurde Alles und Jeder in die Pfanne gehauen. Und so gesehen steht die Fledermaus in der allerbesten Tradition der Offenbachiaden.


Ich wurde auch schon in Operetten zu Tränen gerührt, etwas in der "Csárdásfürstin", in der "Gräfin Mariza", im "Zarewitsch" oder in "Das Land des Lächelns", sogar in "Eine Nacht in Venedig", wenn auch im Korngold-Duett "Die Seele ruft nach dir allein"- das ist also nicht wirklich die "Goldene Operettenzeit" der "Fledermaus", sondern die sogenannte "Silberne Operette", die mich persönlich dann doch mehr anspricht.
Das ist aber der Punkt. In der sogenanntgen Goldenen Ära der Operette wurde niemand zu Tränen gerührt, bestenfalls zu Lachtränen animiert.


Das mag wohl sein, obgleich es auch andere tolle Operetten-Ouvertüren gibt, etwas von Franz von Suppé. Dessen Problem ist ein ähnliches: Das beste kommt am Anfang, danach hängt's mitunter ganz schön durch...
Da möchte ich aber doch mal um einige Beispiele bitten. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf meinen Beitgrag Nr. 83 in diesem Thread.

?( Uwe

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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338

Dienstag, 9. Juni 2015, 18:09

In den besten Operetten ihres "Erfinders" und größten Meisters Jacques Offenbach ist nicht eine einzige Person ein Sympathieträger (Orpheus in der Unterwelt, Schöne Helena, Pariser Leben, Großherzogin von Geroldstein). Da wurde Alles und Jeder in die Pfanne gehauen. Und so gesehen steht die Fledermaus in der allerbesten Tradition der Offenbachiaden.
Für mich John Styx schon ein absoluter Sympathieträger! Helena und Paris sind mir auch sympathischer als Eisenstein und Rosalinde, die Handschuhmacherin Gabrielle ist mir sympathischer als Adele und der Soldat Fritz in der "Gerolstein" (ohne d!) ist durchaus nicht unsympathisch. Im "Blaubart" sind Fleurette und Daphnis Sympathieträger, Boulotte eigentlich auch und Blaubart ist mir trotz seiner "Untaten" weit sympathischer (weil schillernder) als Eisenstein. Und so richtig frech und amüsant wie die Offenbachiaden finde ich die "Feldermaus" auch nicht wirklich, insofern gibt es zwar eine Traditionslinie zur Offenbachiade, aber allerbeste Tradition ist das für mich nicht, dafür ist vielleicht auch die literarische Vorlage zu schwach.


Das ist aber der Punkt. In der sogenanntgen Goldenen Ära der Operette wurde niemand zu Tränen gerührt, bestenfalls zu Lachtränen animiert.
Das ist richtig, ja, trotzdem sind meine Lachtränen bei Offenbach weit größer als bei der "Fledermaus", das reißt für mich auch kein noch so guter Frosch raus.


Da möchte ich aber doch mal um einige Beispiele bitten.
Nun, du verweist ja in deinem Link selbst auf "Boccaccio": Grandiose Ouvertüre und grandiose Ensembles (gleich die große Massenszene am Anfang wie auch die meisten folgenden), die Solo-Nummern und Duette empfinde ich hingegen als weit schwächer (die Couplets von Prinz, Isabella und das direktanschließende von Boccaccio werden in der Regel gestrichen) und im dritten Akt wird es eigentlich erst wieder ab dem Septett interessant.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • »Uwe Aisenpreis« ist männlich

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339

Dienstag, 9. Juni 2015, 19:48

Nun, du verweist ja in deinem Link selbst auf "Boccaccio": Grandiose Ouvertüre und grandiose Ensembles (gleich die große Massenszene am Anfang wie auch die meisten folgenden), die Solo-Nummern und Duette empfinde ich hingegen als weit schwächer (die Couplets von Prinz, Isabella und das direktanschließende von Boccaccio werden in der Regel gestrichen) und im dritten Akt wird es eigentlich erst wieder ab dem Septett interessant.

Ich möcht' mich ja nicht streiten und schließlich ist es ja auch Geschmacksache. Aber "Hab' ich nur deine Liebe" und das Lied des Boccaccio (auch als Boccaccio-Marsch bekannt geworden) sind doch wohl ein Hit. Im zweiten Akt haben wir das "Undici trodici tredici" oder das "Fassbinderlied", mindestens hitverdächtig, wenn die Operette öfter präsent wäre. Nicht zu vergessen der Walzer "Wonnevolle Kunde". Und im dritten Akt fehlt mir in deiner Aufzählung "Mia bella fiortina". Gerade die Boccaccio-Ouvertüre ist in Bezug auf deine Anmerkung besonders interessant. Suppé Biograph Roser ist sich nämlich nicht sicher, ob die Ouvertüre von Suppé stammt, denn der hatte ursprünglich zu der Operette nur ein kurzes Präludium geschrieben. Ich persönlich halte es aber aufgrund einiger Indizien doch für sehr wahrscheinlich, dass Suppé die Ouvertüre nachträglich selbst geschrieben hat. Aber ich habe bisher hierzu noch keinen Beweis gefunden.

Bei den übrigen berühmt gewordenen Ouvertüren von Suppé verhält es sich aber so, dass es mit Ausnahme der Galathée und der Neubearbeitung Banditenstreiche kaum hörbare Musikbeispiele gibt, die deine Aussage: "danach hängt's mitunter ganz schön durch..." stützen könnten. Interessanterweise war ein Kritiker der Urfassung der Banditenstreiche der gleichen Meinung wie du: "nach der Ouvertüre sei Suppé nicht eine glückliche Idee geblieben". Ich könnte, zugegebenermaßen sehr subjektiv, leicht das Gegenteil beweisen (behaupten).

:) Uwe

9079wolfgang

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340

Dienstag, 9. Juni 2015, 20:56

Zitat

Ich möcht' mich ja nicht streiten und schließlich ist es ja auch Geschmacksache. Aber "Hab' ich nur deine Liebe" und das Lied des Boccaccio (auch als Boccaccio-Marsch bekannt geworden) sind doch wohl ein Hit. Im zweiten Akt haben wir das "Undici trodici tredici" oder das "Fassbinderlied", mindestens hitverdächtig, wenn die Operette öfter präsent wäre. Nicht zu vergessen der Walzer "Wonnevolle Kunde".

Hallo, Uwe!

Ich bin da ganz deiner Meinung. Boccaccio gehört zu meinen liebsten Operetten und ich höre sie oft in unterschiedlicher Besetzung.


Gruß Wolfgang
W.S.

Erich Ruthner

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341

Dienstag, 9. Juni 2015, 21:06

Liebe Freunde,

wenn so über die Operette diskutiert wird, ist es kein Wunder, dass sie in den letzten Zügen liegt. Sie soll uns doch unterhalten, Freude bringen, beschwingt sein und ein Körnlein Ernst mitbringen. Operetten sind doch nicht als klassische Kunstwerke geschrieben worden, sondern um als kurzweiliges Vergnügen die Leute ins Theater zu holen. Das ist den guten Werken gelungen, die Schwächeren liefern doch auch eine Menge an Ohrwürmern und sind bis heute bekannt beliebt und bekannt.

Ich bin und bleibe ein Freund der Operette und lasse sie mir nicht schlecht reden.
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

9079wolfgang

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342

Dienstag, 9. Juni 2015, 21:16

Zitat

Sie soll uns doch unterhalten, Freude bringen, beschwingt sein und ein Körnlein Ernst mitbringen. Operetten sind doch nicht als klassische Kunstwerke geschrieben worden, sondern um als kurzweiliges Vergnügen die Leute ins Theater zu holen.

Mein lieber Erich!

Genau das ist es doch. Ich zerpflücke nicht das Libretto oder mache mir Gedanken über die unterschiedlichen Charaktere. Ich liebe die Musik der Operette mit ihrer wunderschönen Musik und ihren kleinen Marotten! :)


Liebe Grüße nach Wien :hello:
W.S.

Rheingold1876

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Dienstag, 9. Juni 2015, 22:48

Liebe Freunde,

wenn so über die Operette diskutiert wird, ist es kein Wunder, dass sie in den letzten Zügen liegt.

Auf mich wirkt die lebhaften Diskussion mit sehr guten Argumenten ehr wie ein Versuch, die Operette am Leben zu erhalten! :)
Es grüßt Rheingold

Erda: "Alles, was ist, endet."

Stimmenliebhaber

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Dienstag, 9. Juni 2015, 22:50

Und im dritten Akt fehlt mir in deiner Aufzählung "Mia bella fiortina".
Das empfinde ich wie einen Fremdkörper, völlig unmotiviert und auch musikalisch mich nicht wirklich überwältigend.


Gerade die Boccaccio-Ouvertüre ist in Bezug auf deine Anmerkung besonders interessant. Suppé Biograph Roser ist sich nämlich nicht sicher, ob die Ouvertüre von Suppé stammt, denn der hatte ursprünglich zu der Operette nur ein kurzes Präludium geschrieben. Ich persönlich halte es aber aufgrund einiger Indizien doch für sehr wahrscheinlich, dass Suppé die Ouvertüre nachträglich selbst geschrieben hat. Aber ich habe bisher hierzu noch keinen Beweis gefunden.
Auf alle Fälle ist es seine Musik, das Septett des 3. Aktes usw.


sondern um als kurzweiliges Vergnügen die Leute ins Theater zu holen.
Wenn es mal immer so kurzweilig wäre. "Die Fledermaus" empfinde ich persönlich mitunter als ganz schön langatmig und langweilig, gerade im 2. Akt.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Stimmenliebhaber

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345

Dienstag, 9. Juni 2015, 22:59

Liebe Freunde,

wenn so über die Operette diskutiert wird, ist es kein Wunder, dass sie in den letzten Zügen liegt.
Auf mich wirkt die lebhaften Diskussion mit sehr guten Argumenten ehr wie ein Versuch, die Operette am Leben zu erhalten! :)

Ich denke auch, dass man über die Qualitäten einzelner Werke gelassen diskutieren kann, ohne gleich den Untergang der Gattung heraufzubeschwören. Die Popularität der "Fledermaus" ist doch unbestritten und sie wird meine Kritik unbeschadet überstehen. Dass mir andere Operetten lieber sind, das ist halt so - ich habe die "Fledermaus" mehr als 40x live erlebt (und bin ihr auch sonst näher gekommen, als mir lieb gewesen ist) und nun brauche ich persönlich sie eigentlich nicht mehr, da interessieren mich andere Werke mehr, zumal ich bei keinem dieser ca. 40 Erlebnisse einen subjektiv mich voll beglückenden Abend erlebt habe, selbst wenn bis zu 5 persönliche Lieblingssänger von mir mit von der Partie waren, aber ich habe immer bedauert, dass nicht was anderes gegeben wird...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • »Uwe Aisenpreis« ist männlich

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346

Dienstag, 9. Juni 2015, 23:11

wenn so über die Operette diskutiert wird, ist es kein Wunder, dass sie in den letzten Zügen liegt.

Ich glaube auch nicht, dass diese Diskussion der Operette schadet. Im Gegenteil. Das Operettenforum und speziell auch dieser Thread war doch manchmal schon so gut wie "tot". Und wenn da mal einer (angefangen mit Alfred) an einem Denkmal kratzt oder ein anderer Öl ins Feuer gießt, kommt Leben in die Bude und es geht drauf und drunter, wie in der Operette auch.

;) Uwe

Erich Ruthner

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347

Dienstag, 9. Juni 2015, 23:18

Danke, Wolfgang!

Lieber Stimmenliebhaber,

da gehen unsere Welten auseinander. Die Fledermaus ist meine am öftesten gesehene Operette (mind. 60 mal) und ich habe es nicht bereut. Ich hoffe noch viele gute zu sehen. Für mich auch ein Gradmesser, wenn man Stimmen beurteilen will.

Liebe Grüße aus Wien

Erich
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

Stimmenliebhaber

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348

Dienstag, 9. Juni 2015, 23:27

Die Fledermaus ist meine am öftesten gesehene Operette

Meine ja auch, das ist ja das Schlimme! ;)
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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349

Sonntag, 25. Oktober 2015, 22:11

Mwinw Lieben,

Ich habe mir soeben einige der Beiträge in diesem Thread durchgelesen, weil ich wieder einige Viedeobeispoele von Aufführungen der letzten Jahre einfügen möchte und ich nicht unbedingt Doubletten hier verlinken möchte.


Hier beispielsweise eine Aufführung der Bühne Baden - Sommerarena.
Also ein Aufführungsort einer kleinen Kurstadt ganz nahe bei Wien, mit eher eingeschränkten finanziellen und räumlichen Möglichkeiten. Experimente in Richtung "Modernisierung wären bei der Publikumsstruktur vermutlich tödlich.

Zur Bühne Baden gehört auch die Spielstätte "Stadttheather Baden" welche seit etlichen Jahren eine gute Adresse für Operette ist und auch von Wienern gerne besucht wird.

https://www.buehnebaden.at/spielstaetten/stadttheater

Baden ist rund 26 km von Wien entfernt und durch die Badner-Bahn erreichbar (sie erinnert eher an eine Straßenbahn und fährt in Wien stellenweise auch auf deren Gleisen). Das Stadttheather Baden wurde in seiner derzeitigen Form 1908/1909 von den berühmten Theatherarchitekten Helmer und Fellner in nur 13 Monaten Bauzeit errichtet.

Für eine Stadt mit 26.000 Einwohnern ist das Stadttheater geradezu luxuriös.

Hier wieder ein youtube link, diesmal zur "Cardasfürstin"



Wie man sieht, ist die Operette nicht tot - im Gegenteil.
Ebensowenig ist dieser Thread tot, auch wenn das bereits vor 100 Beiträgen beklagt wurde...

mfg aus Wien
Alfred
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich (Wilhelm Busch - Prognose über die EU ??)

Alfred_Schmidt

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350

Samstag, 2. Juli 2016, 00:00

Heute habe ich durch Zufall eine englischsprachige Inszenierung von Lehars "Die lustige Witwe" im Internet gefunden - und zwar die komplette Aufführung. Wiener Operette in englischer Sprache? Geht das überhaupt? UND OB!!!
Die Aufführung wurde im Februar 2011 aufgezeichnet. Sie stammt aus Wichita (Kansas), genauer gesagt handelt es sich um eine Produktion der Wichita Grand Opera.
Ich habe selten so herzlich gelacht. Hier stimmt IMO einfach alles. Wiener Elegance wurde durch Ironie ersetzt (was dem Werk unendlich guttut. Wortwitze, die nicht zu übersetzen sind, wurden durch eigene ersetzt. Die Bühnenbilder sind umwerfend, die Balleteinlagen ebenfalls. Wer nicht die ganze Operette ansehen will, dem empfehle ich nach den Balletteinlagen zu suchen. Aber wer die Operette liebt, wird sich von ihr kaum loseisen können. Es gibt Schlüsselstellen wo man meint, die würden sich als Schwachstellen entpuppen, etwa die Rolle des Danilo. Die Besetzung war eine Überraschung, die Darstellung IMO vollkommen rollendeckend. Die Rolle des Negus ist hier eindeutig aufgewertet, er wird hier als quirliger Homosexueller mit viel Charme und Humor dargestellt, zuerst so unterschwellig, daß ich es für Einbildung meinerseits hielt, aber irgendwann wurde dann so dick aufgetragen, daß es nicht zu übersehen war. Das Publikum war begeistert von dieser Lesart (und ich auch). In gewisser Weise bekam das Werk einen Touch von "Gilbert und Sullivan" - auch ein Gewinn. Man beachte die "pontevedrinischen" Volkstänze und "nationalen" Gepflogenheiten, die im Original nicht so vermerkt sind.

Natürlich vermissten viele Zusachauer die typischen Regietheaterkulissen und -Kostüme etc, aber sie liessen sich das höflicherweise nicht anmerken und applaudierten laut und lange.
Ich habe mich jedenfalls schon lange nicht so gut bei einer Operette unterhalten, wie hier und es besteht Hoffnung, daß wir eines Tages sowas auch wieder bei uns zu sehen bekommen.
Operette wird hier so inszeniert, wie sie einst Offenbach gedacht hat: Eine Parodie auf die Oper, eine Parodie auf die Zeit. Hier findet sich wenig süsslicher Kitsch, aber vieles, worauf das Wort passt: Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein kleiner Schritt. Ich weise beispielsweise auf die Büste hin die beim Fest auf der Botschaft in Paris aufgestellt wird: Richtig bösartig - vielleicht sieht es aber nicht jeder.



mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich (Wilhelm Busch - Prognose über die EU ??)

rodolfo39

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Samstag, 2. Juli 2016, 10:11

Lieber Alfred,

von den sehr zahlreichen Aufführungen aus der Wichita Grand Opera, die es in voller Länge auf YouTube gibt, bin ich schon lange begeistert. Gestern hab ich mir erst den Barbier von Sevilla und Wilhelm Tell angeschaut. Die Inszenierungen sind eher konservativ. Äußerst unterhaltsam und gut gesungen war die Arie des Don Basilio aus dem Barbier von Sevilla.

Almaviva

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352

Sonntag, 2. April 2017, 20:05

Ist die Operette tot?

Hallo zusammen,

Ich würde gerne auf den eigentlichen Thread zurückkommen.
Nein, die Operette ist nicht tot. Im Gegenteil, es werden heutzutage sogar vergleichsweise unbekannte Stücke wieder aus der Versenkung geholt.
Ich denke da zum Beispiel an Emmerich Kalmans "Herzogin von Chicago". Angefangen hat das vor einigen Jahren als das Label Decca eine hervorragende Aufnahme der Operette auf CD herausbrachte. Inzwischen wurde das Stück, nach etlichen Jahrzehnten, auf vielen Deutschsprachigen Bühnen aufgeführt. Als Beispiele seinen hier nur Augsburg, Dresden und Wien erwähnt. Ich habe die Augsburger und die Dresdner Aufführungen selbst gesehen und zwar in Vorstellungen, die bis auf den allerletzen Platz ausverkauft waren.
Auch in Berlin (Komische Oper) werden vergleichsweise unbekannte Stücke von Kalman neu aufgeführt - wenn auch nur konzertante Aufführungen. Beispiele: "Die Bajadere", "Arizona Lady".

In München wurde im Feb. 2017 seit Jahrzehnten das erste mal wieder auf einer deutschen Bühne die Faschingsfee von Kalman aufgeführt. Das war zwar eine ausgesprochen schlecht inszenierte Regietheaterinszenierung - aber immerhin wurde dieses Stück wieder einmal aufgeführt.

In den USA gibt es die Ohio light Opera, die sich der Wiederaufführung von alten und fast vergessenen Stücken annimmt. Beispiel: Die Bajadere, Das Veilchen von Montmartre oder Die Faschingsfee (alle von Kalman). Dazu gibt es auf CD auch Aufnahmen zu kaufen (allerdings in Englischer Sprache in in einer eher mäßigen Tonqualität --> aber in der Not frißt der Teufel Fliegen).

Auch auf CD werden jetzt immer wieder mal sehr alte Aufführungen veröffentlicht. Beispiel ( auch von Kalman) "Das Veilchen vom Montmartre" oder "Das Feuerwerk" von Paul Burkhard oder "Die ideale Geliebte" von Winkler etc.

Was mir an all diesen aus der Versenkung geholten und reanimierten Stücken auffällt, ist die unglaublich tolle Musik. Das sind alles Stücke, die völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Alle diese Stücke brauchen den Vergleich zu wesentlich bekannteren Operetten wie der Csardasfürstin oder Gräfin Mariza nicht zu scheuen. Wenn ich bedenke, was man da sonst noch an musikalischen Schätzen alles bergen könnte, werde ich ganz betroffen!


Bitte nicht wundern. Dieser Artikel ist recht einseitig aus Sicht von Kalman-Operetten geschrieben. Das liegt daran, dass ich ein großer Kalman-Fan bin. :)




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Sonntag, 2. April 2017, 20:28

Hallo, Almaviva!

Meinst du mit "Feuerwerk" diese Aufnahme? Ich hatte sie schon im Auge. Ich besitze mehrere Aufnahmen von "Feuerwerk" in Vinyl, aber von dieser Aufnahme nur einen Querschnitt. Sie steht schon auf meiner Liste. Auch bei mir sind Operetten nicht tot.

Gruß Wolfgang

W.S.

Joseph II.

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354

Sonntag, 2. April 2017, 20:38

"Tot" ist die Operette Gott sei Dank nicht. Zumindest in großen Städten wird sie auch heutzutage durchaus gepflegt. Ich kann jetzt nur von den mir wirklich bekannten Beispielen reden: In Wien gibt es die Volksoper, in Dresden die Staatsoperette.

Mir scheint die Problematik eher zu sein, dass viele Opernliebhaber das Gefühl haben, sich bei Operetten auf allzu seichtes Terrain zu begeben. Wenn wir ehrlich sind, ist aber auch die Handlung bei gewissen (meist komischen) Opern recht haarsträubend. Dann gab es ja früher noch den blöden Spruch, Operetten seien "Opern für Dumme". Natürlich stimmt das mitnichten, aber es hat den Ruf der Operette sicher nicht gerade befördert.

Ich selbst stehe bzgl. Operetten ganz am Anfang. Neben der "Fledermaus" kenne ich nur ein paar wenige Auszüge von Offenbach und Suppé. Dieser Tage stieß ich dann auf eine französische Operette, "Gillette de Narbonne" von Edmond Audran (Premiere 1882), und hörte etwas hinein.

Gibt es überhaupt eine strikte Trennlinie zwischen Operetten und komischen Opern? Nach welchen Kriterien wird das ermessen? "Die Fledermaus" wird von manch einem ja auch als Oper angesehen (sicher eher streitbar). Sind die beiden Begriffe austauschbar (ich denke eher nicht)?
"Die Mehrheit? / Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn; / Verstand ist stets bei Wen'gen nur gewesen." — Friedrich von Schiller

Alfred_Schmidt

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355

Sonntag, 2. April 2017, 21:21

Joseph II. schrieb:

Zitat

Gibt es überhaupt eine strikte Trennlinie zwischen Operetten und komischen Opern? Nach welchen Kriterien wird das ermessen? "Die Fledermaus" wird von manch einem ja auch als Oper angesehen (sicher eher streitbar). Sind die beiden Begriffe austauschbar (ich denke eher nicht)?
Aus meiner Sicht ist die Frledermaus ein typischer Fall von Operette, ich kann nichts Opernhaftes darin finden, weder in der Musik noch im Libretto. Vermutlich war das dereinst ein Kunstkniff um das Stück überhaupt an der Wiener Staatsoper spielen zu dürfen. Der Kaiser war ja nicht unbedingt ein Freund von Johann Strauß.

Almaviva schrieb:

Zitat

n München wurde im Feb.2017 seit Jahrzehnten das erste mal wieder auf einer deutschen Bühne die Faschingsfee von Kalman aufgeführt.
Vermutlich liegt das am 100 jährigen Jubiläum des Stückes, die Operette stammt aus dem Jahre 1917.


mfg aus Wien
Alfred
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356

Sonntag, 2. April 2017, 21:52

Aus meiner Sicht ist die Frledermaus ein typischer Fall von Operette, ich kann nichts Opernhaftes darin finden, weder in der Musik noch im Libretto.

Ich schon. Eigentlich eine typische Opéra comique (und nicht die beste).

Bei der Beantwortung der Frage, o die Operette tot ist, reicht es meines Erachtens nicht, darauf zu sehen, dass Operette nach wie vor gespielt wird, sondern auch im Blick zu haben, dass eigentlich kaum neue Operetten entstehen (im Gegensatz zum Musical und zur Modernen Oper).
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

9079wolfgang

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357

Montag, 3. April 2017, 22:35

Zitat

Joseph II.: Ich selbst stehe bzgl. Operetten ganz am Anfang. Neben der "Fledermaus" kenne ich nur ein paar wenige Auszüge von Offenbach und Suppé. Dieser Tage stieß ich dann auf eine französische Operette, "Gillette de Narbonne" von Edmond Audran (Premiere 1882), und hörte etwas hinein.

Hallo, Joseph!

Es gibt wunderschöne, mit herrlichen Melodien ausgestattete Operetten. Eine davon ist der "Zigeunerbaron". Eine sehr empfehlenswerte Aufnahme ist die Historische mit Peter Anders:


Eine neuere Aufnahme mit hervorragenden Solisten ist diese:


Ich bin sicher, daß dir diese Operette gefallen wird.
W.S.

Almaviva

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Dienstag, 4. April 2017, 00:19


Hallo, Almaviva!

Meinst du mit "Feuerwerk" diese Aufnahme? Ich hatte sie schon im Auge. Ich besitze mehrere Aufnahmen von "Feuerwerk" in Vinyl, aber von dieser Aufnahme nur einen Querschnitt. Sie steht schon auf meiner Liste. Auch bei mir sind Operetten nicht tot.

Gruß Wolfgang

Genau diese Aufnahme meinte ich. Ich hatte diese Aufnahme auf Magnetkassette, die ich wohl in den 80er Jahren aus einer Radioaufnahme aufgenommen hatte. Die Kassette war schon ziemlich abgenudelt und auch das Überführen der Bandaufnahme auf den Computer brachte nicht viel. Abgenudelt bleibt eben abgenudelt. :D
Deshalb war ich froh, dass es genau diese Aufnahme jetzt auf CD gibt

Almaviva

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Dienstag, 4. April 2017, 00:36


Almaviva schrieb:
Zitat


n München wurde im Feb.2017 seit Jahrzehnten das erste mal wieder auf einer deutschen Bühne die Fachingsfee von Kalman aufgeführt.

Vermutlich liegt das am 100 jährigen Jubiläum des Stückes, die Operette stammt aus dem Jahre 1917

mfg aus Wien
Alfred

Das ist richtig. Leider wurde während der Münchner Vorstellung des Jahres 2017 weitgehend auch das Libretto der 1917er Aufführung in München verwendet.
Der wesentlich bekanntere und (meiner persönlichen Meinung nach) bessere und bekannte Text der Berliner Auffürhung, der auf Fritzi Massary eigens zugeschnitten wurde, blieb außen vor. Da wurde dann selbst das relativ bekannte Lied "Lieber Himmelsvater sei nicht bös..." plötzlich recht unbekannt.

Schade

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Dienstag, 4. April 2017, 09:01

Bei der Beantwortung der Frage, ob die Operette tot ist, reicht es meines Erachtens nicht, darauf zu sehen, dass Operette nach wie vor gespielt wird, sondern auch im Blick zu haben, dass eigentlich kaum neue Operetten entstehen (im Gegensatz zum Musical und zur Modernen Oper).

Entstehen denn überhaupt neue Operetten? Meinem Verständnis nach war die Operette im engeren Sinne eine regionale und zeitlich begrenzte Ausprägung des leichteren, normalerweise heiteren Musiktheaters mit relativ hohem Anteil von gesprochenem Dialog. Vorher oder anderswo gab es keine Operetten, sondern Stücke ähnlicher Ausrichtung hießen Singspiel, Vaudeville, Zarzuela, was auch immer. Und später/anderswo hießen sie eben "musical comedies", Musicals etc.
Heute eine Operette zu komponieren käme mir ein wenig so vor wie eine Toccata oder eine Triosonate zu komponieren, also als ein bewusst historisierender Rückgriff auf eine Gattung, die einer vergangenen Zeit angehört.