Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Misha

Prägender Forenuser

  • »Misha« ist männlich
  • »Misha« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 050

Registrierungsdatum: 16. März 2005

1

Samstag, 22. Oktober 2005, 10:04

Die DREIGROSCHENOPER

Ich wage es, in diesem Klassik Forum einen thread zu diesem Klassiker ohne klassische Musik zu eröffnen, der aber in fast jedem Opernführer zu finden ist: Meiner Meinung nach ein Meisterwerk des 20. Jahrhunderts, wenn auch sicher keine Oper im strengen Sinne, eher wohl Theater mit Musik, aber wohl auch "Gesamtkunstwerk" und teils Parodie auf die Oper. In dem von mir erlebten Teil der Rezeptionsgeschichte ist erstaunlich, daß in den frühen 70er Jahren, als Brecht Hochkonjunktur hatte, da die "68er" als Junglehrer mit Brecht im Gepäck die Gymnasien meiner Heimatstadt stürmten, die DREIGROSCHENOPER kaum Beachtung fand. Nun, anders als die Stücke Brechts, den ich heute als Dramatiker für eher langweilig halte, ist die DREIGROSCHENOPER eigentlich eine Collage von Texten, die durch eine Rahmenhandlung verbunden sind, aber auch einzeln verständlich und interpretierbar sind. Dem entspricht der uneinheitliche Charakter der Musik Weills, die sich in verschiedensten Stilen präsentiert.
Eines der leider seltenen Werke, in dem Text und Musik, beide einfach strukturiert und daher leicht zugänglich, trotzdem auf hohem Niveau eine perfekte Entsprechung finden, dazu noch mit hohem Unterhaltungswert.

Ich habe folgende Aufnahmen:
1930 mit Gerron, Lenya, Ponto, Trenk-Trebitsch u.a.; Mackeben
1958 mit Lenya, Trenk-Trebitsch, Hesterburg, Schellow, v. Koczian, Grunert u.a. ; Brückner- Rüggeberg
1968 mit Qualtinger, Baal, Wieder, Drews, Messemer, Held, Clarin, Degenhardt u.a.; Last
1999 mit Raabe, Gruber, Hagen Brauer u.a.; Gruber

Perfekt ist wie üblich keine Einspielung. 1930 ist im Vortrag für heutiges Empfinden recht antiquiert. Das gilt teilweise auch für 1958, die gleichwohl beeindruckend ist. 1999 bietet eine geschlossene Leistung mit origineller Besetzung. Mein Favorit ist 1968: Messemer als intellektueller Macheath voller Ekel und Hohn für Umwelt und Mitmenschen; Hanne Wieder als herrlich vulgäre Schlampe mit Herz, Degenhardt (den ich auch sonst sehr schätze) als Moritatensänger mit giftig boshaftem Unterton, um nur Beispiele zu nennen.


res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

C.Huth

Prägender Forenuser

  • »C.Huth« ist männlich

Beiträge: 1 312

Registrierungsdatum: 17. August 2004

2

Montag, 24. Oktober 2005, 20:14

Ganz zweifellos ist die Zusammenarbeit von Brecht und Weill für "Die Dreigroschenoper" ein Klassiker des 20. Jahrhunderts - ein Stück, an dem niemand eigentlich vorbeigehen kann. Mag sein, dass man die Nase rümpfen mag über die vermeintliche "U-Musik", die Weill hier schreibt, aber wie er das tut! Und: Stücke, die die Grenzen brechen zwischen beiden vermeintlichen (und meiner Meinung nach eher schlecht erfundenen) "Lager", gab es und gibt es immer wieder.

An HK Grubers Einspielung von 1999 führt eigentlich kein Weg vorbei: Nicht unbedingt wegen der zweifellos originellen, aber streitbaren Sängerbesetzung, sondern wegen der vorbildlichen Arbeit des Ensemble Modern am Instrumentarium: Hier klingt Weill im Gegensatz zu manch älterer Aufnahme frech, knackig, bissig und wo es sein muss auch hoffnungslos (pseudo)kitschig - einfach eine Wonne. Und natürlich auch, weil die Aufnahme als bisher einzige die neue Kurt Weill Edition zugrundelegt und die Bühnenmusiken sowie eine Arie der Lucy (im Anhang) berücksichtigt.

Beste Grüsse,

C.
Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 353

Registrierungsdatum: 9. August 2004

3

Donnerstag, 17. August 2006, 08:58

Ich habe den Thread erst jetzt - im Rahmen meiner Ergänzungen des Bereiches OPERNFORUM im Thread-Directory - gesehen (sorry das Foruim ist ja schon riiiesengroß) und bin verwundert, auf wie wenig Resonanz er stieß. Aber vielleicht ging es anderen Forianern wie mir, sie haben ihn einfach übersehen.

Persönlich finde ich daß er sehr wohl ins Opernforum gehört - und das nicht ohne Eigennutz - schließlich plane ich die Anschaffung dieses Werks noch für heuer ......

mfg
aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Misha

Prägender Forenuser

  • »Misha« ist männlich
  • »Misha« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 050

Registrierungsdatum: 16. März 2005

4

Donnerstag, 17. August 2006, 10:18

Lieber Alfred,
welche Aufnahme willst Du denn anschaffen?
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

GiselherHH

Prägender Forenuser

  • »GiselherHH« ist männlich

Beiträge: 1 881

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

5

Donnerstag, 17. August 2006, 11:16

Hallo,

das Problem mit den Aufnahmen der "Dreigroschenoper" ist, dass es keine wirklich befriedigende Einspielung gibt. Die faszinierenden alten Aufnahmen von 1930 sind authentisch und haben den richtigen Sprach- und Gesangsduktus, sind aber natürlich technisch veraltet. Brückner-Rüggebergs Aufnahme ist zwar relativ vollständig, bringt aber nicht alle Strophen und ist außerdem noch umarrangiert, so dass Weills spröder und aggressiver Sound manchmal eher nach Tanzkapelle zum 5 Uhr-Tee klingt. Die Gesangsleistungen lassen auch eher zu wünschen übrig, für die alte Lenya mußten Teile auch noch nach unten transponiert werden.

Die Aufnahme von 1968 krankt an dem m.E. unerträglichen Arrangement von James "Hansi" Last, der alle Ecken und Widerhaken aus Weills Partitur zu einer leicht konsumierbaren Schunkel-Soße zurechtgelutscht hat. Brecht für "Bild"-Leser sozusagen. Die Schauspieler sind gediegen-solide, wenn man nicht verlangt, dass sie den richtigen Ton (im doppelten Sinne) treffen. Herausragend allerdings der Peachum des Helmut Qualtinger.

Orchestral gibt es zur Gruber-Einspiélung mit dem Ensemble Modern keine Alternative, hier klingt Weill endlich so, wie er klingen soll. Max Raabe und Nina Hagen sind interessante Fehlbesetzungen (hier wäre der Ausdruck "maniriert" einmal wirklich angemessen).

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 242

Registrierungsdatum: 12. August 2005

6

Donnerstag, 17. August 2006, 11:43

Zitat

Original von GiselherHH
das Problem mit den Aufnahmen der "Dreigroschenoper" ist, dass es keine wirklich befriedigende Einspielung gibt. Die faszinierenden alten Aufnahmen von 1930 sind authentisch und haben den richtigen Sprach- und Gesangsduktus, sind aber natürlich technisch veraltet.


Und es fehlt natürlich eine ganze Menge an Musik...
Dennoch schade, dass ich viel der folgenden Interpretation nicht am dem leicht distanzierten Gesangsstil dieser Einspeilungen orientierten, sondern an dem übertrrrriebenen Diseusengeblöke, das die Lenya 30 Jahre später teils veranstaltete.

Zitat


Orchestral gibt es zur Gruber-Einspiélung mit dem Ensemble Modern keine Alternative, hier klingt Weill endlich so, wie er klingen soll. Max Raabe und Nina Hagen sind interessante Fehlbesetzungen.


Dann muß ich mir die wohl doch nochmal holen. Bisher hatte ich mich außer den 1930er Schellacküberspielungen mit der ebenfalls sehr durchwachsenenen, aber recht soliden unter Mauceri (Lemper o.k., Kollo o.k., Adorf, naja, Milva naja, Dernesch als Ms Peachum naja. ein kurioser Mix aus Opernsängern, Schauspielern, Kabarett). Die singfähigen Schauspieler, dei das Stück verlangt, gibt es anscheinend nicht.
Und mit sehr viel ehrgeizigeren Stück Mahagonny siehts eher noch schlimmer aus...

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Robert Stuhr

Prägender Forenuser

  • »Robert Stuhr« ist männlich
  • »Robert Stuhr« wurde gesperrt

Beiträge: 1 595

Registrierungsdatum: 24. September 2005

7

Donnerstag, 17. August 2006, 11:56

Nur so am Rande: Das Stück heißt seit der Währungsreform 15cent-Oper... :D
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
Zu füßen gottes, wenn
gott füße hat,
zu füßen gottes sitzt
bach,
nicht
der magistrat von leipzig
(Reiner Kunze, Auf eigene Hoffnung, Gedichte)

GiselherHH

Prägender Forenuser

  • »GiselherHH« ist männlich

Beiträge: 1 881

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

8

Donnerstag, 17. August 2006, 12:15

Na ja, nach den eurobedingten Preiserhöhungen wären es an der Kaufkraft gemessen heute dann nur noch ca. 10 Cent... :D
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

9

Sonntag, 26. August 2007, 21:51

RE: Die DREIGROSCHENOPER

Durch Zufall bin ich auf diesen alten Thread gestoßen. Darin wird u.a. bedauert, dass es keine adäquate Einspielung des Werkes auf Platte gibt. Diese Meinung kann ich nicht teilen. Es gibt durchaus bemerkenswerte Aufnahmen. Hier ein Auszug aus meiner Sammlung:

WEILL
DIE DREIGROSCHENOPER

Berlin 1930 Lenya, Gerron, Trenk-Trebisch, Ponto – Mackeben
Wien 1950 Jerger, Anday, Rosvaenge, Preger – Adler
Berlin1958 Trenk-Trebitsch, Koczian, Lenya – Brückner-Rüggeberg
New York 1961 Merrill, Wolfson, Sullivan, Rae, Price, Lenya – Matlowsky (engl.)
Frankfurt 1965 Kutschera, Mey, Hübner, Korte – Rennert
Hamburg 1968 Baal, Qualtinger, Degenhardt, Wieder, Messemer – Last
Köln 1968 Tappert, Trenk-Trebitsch, Hatheyer – Pütz §
Berlin 1988 Adorf, Dernesch, Lemper, Kollo, Milva – Mauceri
London 1989 Harris, Migenes, Daltrey, Walters – Seltzer (engl.)
Köln 1994 Kante, Steinsky, Henschel, Raffeiner – Latham-König
Hamburg 2004 Tukur, Redl, Mattes, Stappenbeck, Bill – Stötzel (DVD)

Die Frankfurter Aufnahme unter Rennert, die WDR-Aufnahme von 1968 und die Berliner CD unter Mauceri mit Mario Adorf und Ute Lemper erfüllen diese Ansprüche meines Erachtens, und der Erfolg der Hamburger Neuinszenierung mit Ulrich Tukur ist bekannt.
Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, diesen Thread neu zu beleben!
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

  • »Florian Giesa« ist männlich

Beiträge: 547

Registrierungsdatum: 6. November 2006

10

Sonntag, 26. August 2007, 22:53

RE: Die DREIGROSCHENOPER

Hi!

Die DGO ist meiner Meinung nach eine sehr interessante Komposition, die mich im damaligen Musikunterricht sehr angesprochen hat.

Bei öfterem Hören würde sie jedoch für mich den Reiz verlieren.

LG Florian

:hello:
Gustav Mahler: "Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten."

Tizian

Anfänger

  • »Tizian« ist männlich

Beiträge: 24

Registrierungsdatum: 20. August 2007

11

Montag, 27. August 2007, 01:36

Für mich ist die Dreigroschenoper ein Stück, das mich immer wieder auf's neue zu begeistern vermag, was sicher auch daran liegt, daß ich sie stellenweise als unglaublich komisch empfinde - nicht nur im Text, sondern auch in der Musik - allein die Opernparodie, die das Finale einläutet... :)

Dennoch geht es mir wie einigen Vorrednern, die "perfekte" Einspielung will sich nicht so recht finden.

Sowohl bei 1930 als auch 1958 habe ich massive Probleme - die historische Tontechnik, die gesamte Art des Gesangs mögen mir nicht zusagen. Auch wenn Lotte Lenya immer wieder in der Literatur als Idealdarstellerin angeführt wird: Es entspricht nach meinem Empfinden einem damaligen "Zeitgeschmack", den ich so heute nicht mehr hören möchte; es sei denn als Dokument.

Die Einspielung des Ensemble Modern hat mich sofort begeistert, auch -und gerade!- die oben kritisierte Nina Hagen; nur der für mich stets gleich klingende Max Raabe stört mich doch sehr.

Da ich sie nicht kenne, würde es mich freuen, wenn jemand etwas zu der Aufnahme Berlin 1988 sagen könnte, diese würde mich sehr interessieren, vor allem, wie sich Milva schlägt. In einem vor einiger Zeit im Fernsehen gesendeten Brecht-Abend kam sie mir nämlich fast etwas zu engagiert vor, mit ein bisschen zuviel Hingabe und Interpretation (sie hat so gnadenlos übertrieben, daß ich umschalten musste :stumm: ).

Liebe Grüße!
"Der Aufführung fehlte es nicht an Sensibilität, Gefühl und Verstand, aber am Gleichmaß von Harmonie, Not und Glück" (J. Kaiser)

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

12

Montag, 27. August 2007, 12:56

Hier ist die Berliner Aufnahme:





Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

13

Dienstag, 6. Mai 2008, 15:45

"Dreigroschenoper" aus Frankfurt

Das "Ensemble Modern" ist weiter oben bereits gelobt worden.

Der ZDF-Theaterkanal sendet im Mai die Aufzeichnung der "Dreigroschenoper" in einer Produktion des Frankfurter Schauspielhauses.
Die - nicht immer sehr sangeskräftigen - Schauspieler werden in dieser Inszenierung vom "Ensemble Modern" kompetent begleitet:

Die Dreigroschenoper
Ein Stück mit Musik von Bertolt Brecht und Kurt Weill
Schauspiel Frankfurt, 2007

- Karin Neuhäuser
- Wolfram Koch
- Joachim Nimtz
- Sascha Maria Icks
- Sebastian Schindegger

Bühnenbild: Adriane Westerbarkey
Fernsehregie: Peter Schönhofer
Inszenierung: André Wilms
Kostüme: Mareike Uhlig
Orchester: Ensemble Modern

Zitat

Die 1928 in Berlin uraufgeführte "Dreigroschenoper" wurde zum größten Theatererfolg der zwanziger Jahre. Bertolt Brechts Stück, in dem Bettler, Huren und Räuber auftreten, stellt die dunkle, kriminelle Seite der großstädtischen Welt dar. Trotz ihrer Ansiedlung im viktorianischen England kritisiert die "Dreigroschenoper" mit Satire und Spott die bürgerlich-kapitalistische Welt. Und die Musik Kurt Weills, vor allem die Balladen das "Lied der Seeräuber-Jenny" oder die "Moritat" von Mecky Messer sind mittlerweile Ohrwürmer geworden, die sofort mit der "Dreigroschenoper" assoziiert werden. In André Wilms Inszenierung am Schauspiel Frankfurt singt und spielt das Ensemble die "Dreigroschenoper" ohne tonnenschwere Tradition und moralinsauren Beigeschmack. Dabei kommt die Moritat von der Gaunerwelt als Vexierspiel der unsrigen so reibungslos daher, als sei sie brandneu. Das Ensemble Modern setzt hohe Maßstäbe und gibt Kurt Weills Musik in all ihren reizvollen Vertracktheiten glasklar und mit oft atemberaubendem Tempo wieder.


Hier noch die Sendetermine:

Do, 08.05.2008 19:40 Uhr(130 min.)
So, 11.05.2008 24:00 Uhr
Fr, 16.05.2008 24:00 Uhr
Di, 20.05.2008 19:40 Uhr
So, 25.05.2008 19:40 Uhr
Mi, 28.05.2008 24:00 Uhr
Fr, 30.05.2008 19:40 Uhr

LG
Harald
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

oper337

Prägender Forenuser

  • »oper337« ist männlich
  • »oper337« wurde gesperrt

Beiträge: 2 474

Registrierungsdatum: 29. Februar 2008

14

Dienstag, 6. Mai 2008, 21:23

RE: Die DREIGROSCHENOPER

Ich habe wieder

Die Dreigroschenoper

als Oper gesungen,

und zwar mit

Alfred Jerger - Peachum,
Rosette Anday - Frau Peachum,
Polly - Liane Augustin,
Macheat - Kurt Preger
Brown - Frederick Guthrie,
Lucy - Anny Felbermayer,
Ausrufer - Helge Rosvaenge.

Dirigent: F. Charles Adler

Keine Dialoge, wie bei Amadeo so üblich, also auch keine Zeitkritik.
Die tiefe Melancholie von Weills Musik wird aber deutlicher.

Mir gefällt die Polly der Liane Augustin, diese Frau hatte so eine wunderschöne Stimme, war aber, denke ich Europaweit nicht so bekannt, ebenso wie Greta Keller, mit ihrer rauchigen Stimme.

Fahrenberg

Anfänger

  • »Fahrenberg« ist männlich

Beiträge: 15

Registrierungsdatum: 8. Februar 2009

15

Montag, 7. September 2009, 21:52

nun, ich glaube, dass viele stücke von b.b. durch die finanzkrise wieder unheimlich aktuell geworden sind. sie waren es eigentlich im grunde immer,nur wurde das durch den leider nicht ewig andauernden wohlstand kschiert.mit hartz IV, den ein-euro-jobs,der leiharbeit fing es eigentlich schon.der mensch als beliebig auswechselbare ware, die einzig beherrschende macht des geldes, die unglaubliche hagier nicht nur der banker - alles das hat b.b. schon meisterhaft in seinen stücken angeprangert. und mahagonny war nie so aktuell wie heute.
übrigens wurde mir b.b. schon lage vor 1968 durch meinen deutschlehrer in der nähe von kiel nahegebracht.
friedrichsfelde

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

16

Freitag, 7. Januar 2011, 12:52

Frankfurter Inszenierung wird im TV wiederholt

Die weiter oben erwähnte Inszenierung aus Frankfurt wird am Sonntag in arte TV nochmals ausgestrahlt:
Sonntag, 9. Januar 2011 um 14.20 Uhr

Die Dreigroschenoper
von Bertolt Brecht, Kurt Weill
(Deutschland, 2007, 128mn)
ARTE zeigt eine Inszenierung des französischen Regisseurs André Wilms aus dem Schauspiel Frankfurt.
Regie: Peter Schönhofer
Darsteller: Bert Tischendorf (Jakob), Bruno Thalhäuser (Smith, Pastor Kimball), Chris Pichler (Lucy), Florian Stamm (Ede), Joachim Nimtz (Jonathan Peachum), Jonas Maiwald (Moritatensänger), Karin Neuhäuser (Celia Peachum), Max Landgrebe (Robert Filch), Michael Lucke (Brown), Sascha Icks (Polly Peachum), Sebastian Schindegger (Matthias), Wolfram Koch (Mackie Messer), Yvon Jansen (Spelunken Jenny)

Dirigent: Nacho de Paz
Inszenierung: André Wilms
Orchester: Ensemble Modern


Zitat

"Selig sind die Armen im Geiste - Wo bleibt das Himmelreich?", heißt einer ihrer berühmten Sätze. In seiner 1928 in Berlin uraufgeführten Erfolgsproduktion "Die Dreigroschenoper" kritisierte Brecht mit Satire und Spott die Werteordnung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, in der nur noch Korruption und Selbsterhaltungstrieb herrschen. ARTE zeigt eine Inszenierung des französischen Regisseurs André Wilms aus dem Schauspiel Frankfurt, die in musikalischer Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern entstanden ist. In den Hauptrollen sind Wolfram Koch als Mackie Messer und Karin Neuhäuser als Celia Peachum zu erleben.

Die 1928 in Berlin uraufgeführte "Dreigroschenoper" wurde zum größten Theatererfolg der 20er Jahre. Bertolt Brechts Stück, in dem neben einem korrupten Polizeichef, Bettler, Huren und Räuber auftreten, stellt die dunkle Seite der großstädtischen Welt dar. Trotz ihrer Ansiedlung im viktorianischen England kritisiert die "Dreigroschenoper" mit Satire und Spott die bürgerlich-kapitalistische Welt. Und die Musik Kurt Weills, vor allem die Balladen "Lied der Seeräuber-Jenny " oder die "Moritat von Mackie Messer", sind zu berühmten Liedern geworden, die sofort mit der "Dreigroschenoper" assoziiert werden.
In André Wilms Inszenierung am Schauspiel Frankfurt singt und spielt das Ensemble Modern die "Dreigroschenoper" ohne moralinsauren Beigeschmack. Die Moritat von der Gaunerwelt als Vexierspiel der heutigen Welt kommt dabei so unangestrengt über die Bühne, als sei sie brandneu. André Wilms schafft es gekonnt, sich nicht von der langen Inszenierungstradition erdrücken zu lassen. Das Ensemble Modern setzt musikalisch hohe Maßstäbe und gibt Kurt Weills Musik in all ihren reizvollen Ecken und Kanten glasklar und mit oft atemberaubendem Tempo wieder.


Aus der Presse:
"Nacho Paz, der das Ensemble Modern im Orchestergraben alternierend mit Manuel Nawri leitet, und Dietmar Wiesener haben ein Klangbild hergestellt, das den Nebenstimmen- und Randereignis-Reichtum von Weills Musik hörbar macht und die Eingängigkeit der Melodik als immer wieder erstaunlichen Gegenpol dazu. So wird die Dreigroschenoper zu einem echten Singspiel, und das Vergnügen des Publikums an der Inszenierung ist zu einem beträchtlichen Teil das Vergnügen, das man beim Hören hinreißend gut gebauter, vielschichtig intelligenter Lieder hat, die die Hauptverantwortung dafür tragen, dass Brecht/Weills 'Dreigroschenoper' mit ihrem unverschämten, eleganten Wahnwitz und ohne Anschein eines fertigen, reifen Werkes erwecken zu können, eines der Stücke ist, die vom 20. Jahrhundert geblieben sind."
(Hans Jürgen Linke, in: Frankfurter Rundschau, 22. Januar 2007)
André Wilms ist Theater- und Filmschauspieler sowie Regisseur und lebt in Paris. Von Bertolt Brecht inszenierte er bereits "Die Kleinbürgerhochzeit" am Cuvilliéstheater in München und gab als Schauspieler unter der Regie von André Engel den Baal. Er inszenierte für Theater- und Opernhäuser sowie Festivals in Paris, München, Strasbourg und Montpellier. Am Schauspiel Frankfurt waren folgende Produktionen von ihm zu sehen: "Sommernachtstraum", von Jens Groß nach William Shakespeare und August Wilhelm Schlegel (2004), "Die Zofen" von Jean Genet (2004), "Jojo, der Zirkusjunge, der kein Clown werden wollte" von Leigh Sauerwein, Pascal Dusapin (Musik, 2003), "Die Logik des Zerfalls", Samuel Beckett-Event (2003), "Katzen haben sieben Leben" von Jenny Erpenbeck (2002) sowie "La vie de Bohème" nach dem gleichnamigen Film von Aki Kaurismäki und dem Roman von Henri Murger (2001).

LG

:hello:
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

s.bummer

Prägender Forenuser

  • »s.bummer« ist männlich
  • »s.bummer« wurde gesperrt

Beiträge: 828

Registrierungsdatum: 11. Mai 2009

17

Sonntag, 9. Januar 2011, 15:35

Als Ergänzung

Hallo,
eigentlich lässt mich die 3Groschen Oper immer etwas kalt.
Man muss sie live sehen und die Frankfurter Aufführung da ist schon erwärmend.
Aber sie offenbart auch elendige Längen in der Musik.

Daher empfehle ich zur Abrundung folgende Aufnahme.
Quasi "Greatest Hits" aus der Dreigroschenoper.
Die "kleine Dreigroschenmusik" wurde übrigens von Klemp bei Weill in Auftrag gegeben, es gibt auch Aufnahmen mit ihm, aber Atherton macht es entschieden schwungvoller und daher besser.


Gruß S.
Johannes Richter: Neue Ideen setzen sich nur durch, weil die Anhänger der alten aussterben

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

18

Samstag, 31. August 2013, 11:39

Premiere heute vor 85 Jahren

Die Dreigroschenoper,
ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und 3 Akten (8 Bilder)
von Kurt Weill nach John Gays The Beggar's Opera (1728).
Deutsche Bearbeitung von Bertolt Brecht.
Uraufführung: 31.8.1928 Berlin, Theater am Schiffbauerdamm
mit Lotte Lenya • Bahn • Paulsen • Gerron • Carlotta Valetti • Erich Ponto • Busch.


Aufnahme: 1928-1930, live
Dirigent: Theo Mackeben
Lewis-Ruth-Band
Lucy: Lotte Lenya
Macheath, genannt Mackie Messer: Willy Trenk-Trebitsch
Mr. Jonathan Jeremias Peachum: Erich Ponto
Mrs. Celia Peachum: Erika Helmke
Polly Peachum: Lotte Lenya

LG
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

William B.A.

Prägender Forenuser

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 14 155

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

19

Montag, 2. März 2015, 00:14

Kurt Weill, der "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" komponiert hat, hier in der Aufnahme

wurde am 2. März 1900 geboren.

Heute ist sein 115. Geburtstag.


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

Prägender Forenuser

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 14 155

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

20

Freitag, 3. April 2015, 00:10

Heute möchte ich schon wieder an Kurt Weill erinnern, und zwar an seinen Todestag. Kurt Weill starb am 3. April 1950.

Heute ist sein 65. Todestag.


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 082

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

21

Sonntag, 12. März 2017, 10:41

"Dreigroschenoper" - der Film von 1962



In diesen Tage ist die Verfilmung diese "Dreigroschenoper" erstmal auf DVD erschienen. Es handelt sich um die deutsch-französische Koproduktion von 1962. Regisseur ist Wolfgang Staudte. Am Drehbuch hat neben Staudte auch der Schriftsteller Günther Weisenborn mitgewirkt. Die Besetzung ist mit Curd Jürgens, Hildegard Knef, Hilde Hildebrand, Walter Giller, Linie Ventura, Gert Fröbe und vielen anderen exklusiv. Kurt Weills Musik erklingt im Film nicht im Original, sondern in einer freien Bearbeitung von Peter Sandloff, wie es bei Wikipedia heißt. Besonders auffallend sei, dass dem Orchester eine Streichergruppe hinzugefügt worden sei, die beim Komponisten vollständig fehlte. Auch dramaturgisch gibt es im Vergleich mit der Vorlage Abweichungen. Der berühmte Song "Meine Herrn, heute sehn Sie mich Gläser abwaschen" wird von der Spelunken-Jenny (Hildegard Knef) gesungen und nicht von Polly gesungen.

Vor Jahren hat es eine Langspielplatte mit Teilen der Filmmusik gegeben. So sah sie aus:



Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Misha

Prägender Forenuser

  • »Misha« ist männlich
  • »Misha« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 050

Registrierungsdatum: 16. März 2005

22

Sonntag, 12. März 2017, 12:06

Seit meinem Ausgangsbeitrag ist noch diese Aufnahme bei mir im Regal:



Und da bleibt sie auch. Eine völlige Fehlbesetzung (Kollo, Lemper, Milva, Adorf u.a.) und musikalisch belanglos.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

Bertarido

Prägender Forenuser

  • »Bertarido« ist männlich

Beiträge: 2 687

Registrierungsdatum: 24. April 2014

23

Sonntag, 12. März 2017, 13:34

Bei der Dreigroschenoper greife ich ausnahmsweise am liebsten zu einer historischen Aufnahme:



Die Aufnahme hat einfach eine Authentizität, die man bei keiner anderen findet. Leider enthält sie nur Auszüge.