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Alfred_Schmidt

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1

Samstag, 7. April 2007, 00:27

PREISER RECORDS VIENNA - "Lebendige Vergangenheit"

Das Label „PREISER RECORDS“

Wurde 1952 von Otto Preiser (1920-1996 gegründet .

Ursprünglich eigentlich ein Generalimporteur (z.B. RCA), begann Preiser recht bald auch mit eigenen Produktionen. Man kann ohne große Übertreibung behaupten, die gesamte Wiener Kabarettszene der 50 und 60 er Jahre wäre auf Preiser konserviert. Namen wie HelmutQualtinger, Gerhard Bronner, KurtSowinetz, Karl Farkas, Ernst Waldbrunn, Erni Mangold sind noch heute allen deutssprachigen Kabarettkennern ein Begriff. Aber auch historische Kabarettgiganten der Zwischenkriegszeit wie Armin Berg, Fritz Grünbaum und einige weitere „historische Größen der Kleinkunst – das alles findet man bei Preiser.
Nicht zu vergessen Otto Grünmandl, dessen Humor an Polt oder Valentin erinnert.

Wie sich unschwer sehen lässt bin ich auch ein Anhänger der Cabaretszenen, daher ist mein Beitrag ein wenig abgewichen vom eigentlichen Thema, der Klassik.

Preiser hat durchaus interessantes Repertoire anzubieten, beispielsweise den gereiften Anton Dermota mit Schubert-Liedern (seine Stimme hielt sich, ähnlich jener von Hans Hotter, bis ins hohe Alter), Aufnahmen mit Guiseppe Taddei, Julius Patzak, Robert Holl, oh ich habe nur eine kleine Auswahl gepostet…

Was aber PREISER unsterblich machen wird – und wo er bis heute mehr oder weniger unschlagbar ist, das ist die 1966 ins Leben gerufen Serie „Lebendige Vergangenheit“
Ursprünglich gab es eigentlich 2 Serien :

Court Opera Classics
(Aufnahmen aus der Zeit der Wiener Hofoper, also bis 1918 )

Die Cover waren einheitlich weiß, ein Bild es Sängers/der Sängerin war im Zentrum. Die Rahmen waren in verschiedenen Ausführungen, meist schlicht und glatt, gelegentlich (wie in unserem Beispiel) aber auch mit Jugendstilmustern verziert.



Lebendige Vergangenheit
(Aufnahmen ab 1918, bis in die 40er Jahre und in Einzelfällen darüber)
Die Cover waren ursprünglich zweifarbig, in Rot- und Blauvioloett. Erst bei der Übertragung auf CD wurde auf eine der beiden Farben verzichtet.
Über die Schönheit dieser Cover ist schon viel diskutiert worden - jedoch:
Sie sind ein unverwechselbares Markenzeichen der Serie "Lebendige Vergangenheit" Wo diese Farbe im Klassikladen auftaucht weiß der Freund
alter Stimmen: " Ahhh, hier wartet nur Gutes auf mich"



Nach und nach wurden die Serien „vereint“, soweit ich feststellen konnte geschah das im Rahmen der Überspielung auf CD.

Das Verdienst von Otto Preiser und seiner Firma sollte ins rechte Licht gerückt werden:
Er veröffentlichte diese alten Aufnahmen zu einem Zeitpunkt als viele der Matrizeninhaber an ihnen überhaupt nicht mehr interessiert waren und ihre Archive „säuberten“, es war gerade die Stereo-Welle angebrochen, mono war 1966 kaum verkäuflich , schon gar nicht Aufnahmen aus der Schellackära , noch weniger aus der „akustischen Schellackära“ (vor 1926 ohne Mikro, noch mit dem Trichter eingespielt)

Ferner veröffentlichte er zahlreiche Bänder des Deutschen Reichssenders, und rettete auf diese Weise zahlreiche Sternstunden der Operngeschichte vor dem Gelöschtwerden,

Die Restaurierung wurde stets behutsam vorgenommen, also unter Verzicht von radikalen No Noise Systemen und automatischen Rauschunterdrückern. Auf diese Weise wurde der Originalklang der remasterten Aufnahmen weitgehend erhalten.

Hier eine kleine Auswahl berühmter Stimmen auf PREISER


..

..

Na und ? wird mancher einwenden, Wiederveröffentlichungen von Schellackaufnahmen gibt es auf verschiedenen Labeln – teilweise sogar sehr billig.

Und hier ist der Unterschied, der Preiser IMO unverzichtbat macht und wo Preiser
unvergleichlich ist: Die ungeheure Vielfalt – und die Kontinuität.
Otto Preiser war Perfektionist (ich hatte übrigens das Glück, vor ca 30 Jahren durch einen Zufall ein längeres Gespräch mit ihm führen zu dürfen – Wir sprachen über Schellackaufnahmen –
und ich wusste nicht wer er war – Erst am Ende des Gespräches „outete“ er sich …..)

und er begnügte sich nicht etwa, die „Unvergesslichen“ Stimmen, die Jeder kennt – und somit auch kauft – in seine Serie aufzunehmen, nein es war sein Ehrgeiz möglichst viele Stimmportraits der Nachwelt zu erhalten . Seine Auswahl war somit oft die eines Liebhabers – nicht die eines Kaufmannes. Dies sollten die Liebhaber bedenken, bevor sie sich für eine
restaurierte Aufnahme entscheiden.
Als Otto Preiser starb wurde das Detailgeschäft in der Wiener Kärntnerstraße aufgegeben – und ich befürchtete schon das Schlimmste für die Archive. Aber letzlich siegt das Traditionsbewusstsein und der Zeitgeist drehte wieder in Richtung auf „Interesse an alten Aufnahmen“ (Viele Plattenfirmen hätten nun gerne das Copyright auf EWIG verlängert – sie die
noch vor einigen Jahrzehnten alle diese wunderbaren Aufnahmen in den Archiven verschimmeln liessen…..

Heute mag teilweise das Problem bestehen, dass interessante Stimmen vielen Nachgeborenen
nicht mal dem Namen nach mehr ein Begriff sind, hier werden wir versuchen – soweit wir können – und ich bin überzeugt, dass wir bald von neuen Usern unterstützt werden – ein wenig Licht ins Dunkel der Schallplattengeschichte zu bringen.

Preiser betreibt seit einiger Zeit einen Online Shop der über unsere Titelseite erreicht werden kann. Die Preise entsprechen in etwa denen des freien Fachhandels, der nicht unterboten werden soll, da er ja ein interessanter Kunde ist. Andererseits gibt es viele Preiser CDS NICHT im Fachhandel auf Lager, sei es weil das Lagerrisiko zu groß erscheint, sei es weil der Laden sich nicht mit historischen Aufnahmen identifizieren kann oder mag.. Hier soll
Abhilfe geschaffen werden.. Es gibt eine (kurze) Anspieloption einzelner Tracks, wobei es vereinzelt noch zu technischen Pannen kommen kann, welche aber in Kürze der Vergangenheit angehören werden.

Es gibt die Möglichkeit
die CDs zu bestellen –
oder als mp3 runterzuladen
oder einzelne Tracks als mp3 runterzuladen
oder (nicht alle Titel sind verfügbar) als Vinylversion zu kaufen

Das war mal der Einführungstext. Ihr habt jetzt fürs erste Gelegenheit – wie üblich
Empfehlenswerte Aufnahmen der Serie „Lebendige Vergangenheit“ vorzustellen.,
ungeachtet dessen ob sie in einem der anderen Threads schon erwähnt wurden oder nicht

Mit freundlichen Grüßen aus Wien

Alfred
Zynismus: ein Ding zu betrachten, wie es wirklich ist, und nicht, wie es sein sollte. (Oscar Wilde)

Barockbassflo

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2

Samstag, 7. April 2007, 07:57

Wunderbar, dass es erstens eine Partnerschaft mit diesem wunderbaren Label und zweitens diesen Thread gibt!

Auf historischen Gebiet haben bei mir besonders die Veröffentlichungen mit Aufnahmen des deutschen Baritons

Heinrich Schlusnus (1888-1952)

nachhaltige Begeisterung hervorgerufen.

Es gibt ein Doppelalbum mit Arien und Szenen

,

das neben ein paar wenigen Pleiten und Pannen (z.B. die deutsche Version des Largo al Factotum) eine Fülle von Sternstunden des Gesangs beherbergt.

Obenan steht sein Wolfram (O kehr zurück, Blick' ich umher, O Himmel, lass' dich jetzt erflehen, Lied an den Abendstern), dicht gefolgt von einer atemberaubenden italienischen Version des Largo al Factotum und deutscher Versionen des Germont und des Grafen Luna sowie des Montfort.

Man wirft ihm gerne Kurzatmigkeit (mit gewissem Recht) und "gepflegte Gleichförmigkeit des Ausdrucks" vor, wozu ich nur sagen kann, dass er innerhalb der Grenzen seiner Stimme bleibt und nicht forciert. Diesen Rahmen schöpft er allerdings voll aus. Hinzu kommt ein leicht nasales, sehr tenorales und doch nicht substanzloses Timbre, dass mich nun schon 10 Jahre dahinschmelzen lässt.

Weiters gibt es drei "Liederalben" mit Aufnahmen von den späten 20ern bis in die 40er Jahre wie z.B. dieses

,

deren Reichtümer ebenfalls unerschöpflich sind. Kongenial einfühlsam begleitet von Franz Rupp (bis zu dessen Emigration) und danach von Sebastian Peschko findet man hier ein perfekt ausgewogenes, im besten Sinne cantables Singen in dem man sich die Frage nach dem Verhältnis von Text und Melodie gar nicht stellt - man versteht jedes Wort und doch ist es perfekter Belcanto. Seine geradezu unverschämt seidenweich leuchtende Höhe kommt ihm hier sehr zustatten - Beethovens Adelaide singt er in der Tenorlage und man kann nicht sagen, dass ihn das mehr hörbare Mühe gekostet hätte als Fritz Wunderlich.

Das Repertoire erstreckt sich von Beethoven über Schubert und Brahms bis zu Wolf und Schoeck. Einzelne Lieder aufzuzählen wäre sinnlos, die Auswahl auf den insgesamt sechs CDs ist eine sehr kluge.

Tontechnisch bewegen sich die Aufnahmen auf einem für die Zeit sehr hohen Niveau, die Singstimme kann sich voll entfalten, nur das Klavier klingt (erträglich) verfärbt und ist zeittypisch sehr in den Hintergrund gedrängt.

Mit Kopfhörern bemerke ich allerdings ein wenig künstlichen Nachhall, der beim Hören über Lautsprecher allerdings sehr positiv zum Klangbild beiträgt.

Frühere Aufnahmen sind auf den drei Einzel-CDs versammelt, u.a. Aufnahmen von Strauss-Liedern unter der Leitung des Komponisten. Auffällig an diesen Aufnahmen ist der Unterschied zwischen dem Sänger Heinrich Schlusnus vor ca. 1922 und danach, als er Unterricht bei Louis Bachner zu nehmen begonnen hatte (dem er später auch die Frau "ausspannen" sollte). In den frühen Aufnahmen ist kaum eine Spur des quasi-tenoralen Glanzes zu entdecken, Schlusnus singt hier sehr dunkel, gedeckt und wesentlich druckvoller als später, wo er die Stimme samtweich auf dem Atem schweben lassen wird.

Darüberhinaus gibt es noch ein Liederalbum mit Aufnahmen von 1948, das kein neues Repertoire bringt, den Sänger aber in (vor dem Hintergrund seiner zwei Beiträge zur Raucheisen-Liedreihe 1943 überraschend) guter stimmlicher Verfassung zeigt.

Überragend sind auch der Rigoletto mit Erna Berger und einem fulminanten Helge Roswaenge sowie die Traviata-Ausschnitte mit Maria Cebotari, zu finden auf der ihr gewidmenten CD.

Die Nachkriegs-Opernmitschnitte sind da weniger vom Glück gesegnet - Annemay Schlusnus referiert in der zusammen mit Eckhart von Naso verfassten Biographie eine schriftliche Selbstkritik Schlusnus' in seinem Kalender aus dieser Zeit: "total verrotzt". Leider.

Zum Abschluss sei eine vergleichende Bemerkung gestattet: in Christian Gerhaher sehe ich einen hochintelligenten Sänger, der die Schlusnus'schen Tugenden mit gesteigerter Differenzierung und intellektuellen Durchdringung fortsetzt, ohne den berückenden Reiz seines nicht unähnlichen Timbres oder die belcantistischen Tugenden aufzugeben.

Aber das ungebrochen natürliche, frei strömende, das Tempo kontinuierlich atmend fluktuierende, mit samtigem Schmelz doch leicht melancholisch getönte, tief anrührende Singen des Heinrich Schlusnus bleibt ein Wert für sich, dessen Entdeckung Preiser uns auch klanglich sehr leicht macht.

In summa: :jubel: :jubel: :jubel:

:hello:
Flo
"Dekonstruktion ist Gerechtigkeit." (Jacques Derrida)

Melot1967

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3

Montag, 9. April 2007, 00:54

Robert Holl

Hallo Alfred und Flo,

danke für eure detaillierten Ausführungen. Sehr erfreulich und sympathisch, was Preiser geschaffen hat. Meine vorrangige Anschaffung bei Preiser wird die Robert-Holl-Edition sein, die es als Gesamt-Box relativ günstig gibt.
Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

Alfred_Schmidt

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Beiträge: 17 614

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4

Dienstag, 8. Mai 2007, 23:31

Vor einigen Tagen hat die Preiser-Geschäftsleitung ein Treffen zwischen dem Geschäftsführer Hr. Dr. Ferch Herrn Prof.Jürgen Schmidt ( nicht mit mir verwandt) und mir arrangiert.

Ziel des Gespräches war, zu erörtern, wie Herr Prof Schmidt sein Wissen und seine Begeisterung für alte Aufnahmen im Forum schriftlich einbringen kann - obwohl er persönlich über kein Internet verfügt.

Herr Prof Schmidt ist der Gründer der Serie "Lebendige Vergangenheit", die seit über 40 Jahren am Markt ist - zuerst - als Langspielplatte, später als CD, in Zukunft teilweis lediglich als Download - dann nämlich wenn man einersets einen Titel im Angebot lassen möchte - andrerseits sich eine Neuauflage nicht mer wirtschaftlich vertreten lässt.

Prof. Jürgen Schmidt betreut die Serie bis heute - und natürlich weiß er mehr über die Serie - ihre Entstehung , ihre Philosophie, etc als jeder andere.

DieGelegenheit diesen Fachmann und Enthusiasten hier bei uns schreiben zu lassen werde ich mir nicht entgehen lassen.

Denn bei allem kommerziellen Hintergrund - Preiser ist letztlich ein Plattenlabel - ist hier die Freude und das persönliche Interesse an dem was man anbietet eine wichtige Triebfeder, und diese Begeisterung und dieses Interesse soll weitergegeben werden. Preiser hat ja bei seiner Veröffentlichungspolitik - im Gegensatz zu anderen Labeln, welche sich mit Stimmen der Schellack-Vergangenheit befassen - auf die sogenannten "Renner" , wie beispielsweise Caruso verzichtet, einfach aus dem Grund, weil das sowieso schon alle anderen im Programm haben. Im Gegensatz dazu findet man teilweise wirkliche Raritäten - wobei das Problem darin besteht, daß etliche wunderbaren Stimmen heute kaum jemand kennt - und jene die sie kenne - die haben meist kein Internet...

Diesen Spagat wollen wir schaffen - zu aller Vorteil.

Ich werde anregen, daß Herr Prof. Schmidt zuerst über die "Steinzeit" der Serie schreibt - etwas persönlicher und freier als dies in der Regel in Firmenpublikationen üblich ist - enfach von Liebhaber zu Liebhaber.

hiebei bitte ich zu bedenken, daß nur in Ausnahmefällen auf Detailfragen eingegangen werden kann - und auch das nur mit relativer Verspätung,
weil wie gesagt, Prof Schmidt selbst kein Internet hat - und will.
Diese Barriere zu überwinden - daran werde ich arbeiten :D

Vorerst werden die Beiträge von Prof Schmidt unter dem Mitgliedsnamen
Preiser-LV erscheinen, es soll keineswegs verdeckt werden für wen hier geschrieben wird. Es handelt sich hier um eine dezente Art der Werbung, nein eigentlich nur um Information, welche auch ein wenig die Begeisterung der Macher auf die potentiellen Interessen übertragen soll.....

Was ich mir erwarte - ist abgesehen von der Werbepartnerschaft - daß Tamino nicht nur als Mozartforum, Brucknerforum, Barockforum -und Alte-Musik-Forum - sondern auch als Schellackforum (gemeint sind hier sowohl Originale als auch Transfers) federführend im deutschsprachigen Internet wird.

mit freundlichen Grüßen aus Wien

Alfred
Zynismus: ein Ding zu betrachten, wie es wirklich ist, und nicht, wie es sein sollte. (Oscar Wilde)

Sonnensucher

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Registrierungsdatum: 7. Januar 2006

5

Mittwoch, 9. Mai 2007, 22:48

Hallo Alfred,

das hört sich ja alles sehr interessant an. Ich bin jedenfalls gespannt auf das, was da kommen soll!


Mit wachem Interesse

Laurenz
`
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.

— Paul Watzlawick —

`

LV-Preiser

unregistriert

6

Donnerstag, 17. Mai 2007, 23:10

Jürgen Schmidt stellt sich vor:

Jürgen Schmidt stellt sich vor:

Ich wurde 1937 in Berlin geboren und gelangte 1940 durch die Übersiedlung meiner Eltern nach Wien, was wir nie bereut haben.

Meine Eltern waren sehr musikalisch und so konnte es nicht ausbleiben, dass auch ich von Musik infiziert wurde. Meine erste Opernaufführung erlebte ich 1948 in der Volksoper. Es war „Der Evangelimann“ mit Walther Ludwig. Von da an verbrachte ich meine Jugend entweder im Theater an der Wien oder in der Volksoper, die beide ja die Staatsoper ersetzten. Das konnte natürlich nicht ohne Folgen bleiben und so besuchte ich ab 1953 die Gesangsklasse von Ileano Giurescu an der Staatlichen Akademie für Musik und Darstellende Kunst als außerordentlicher Hörer.

Mit dem Medium Schallplatte bin ich ebenfalls früh in Berührung gekommen; wir besaßen einige Schellack-Platten, die mich sehr beeindruckt haben und so beschloss ich, diesen Schatz zu mehren. Den Grundstock bildete eine Sammlung von mehreren hunderten Platten, die ich von einem Nenn-Onkel erhielt, dessen einzige Bedingung war, dass ich ihm regelmäßig seine Platten vorspielen musste. Das Antiquariat des Roland Teuchtler spielte ebenfalls eine sehr große Rolle in meinem Bestreben; Teuchtler, der selber Sammler war, konnte stundenlang über seine besonderen Lieblinge erzählen, und erweiterte meinen Horizont beträchtlich. Es war die Zeit der aufkommenden Langspielplatten, die allerdings noch mit Zustands-Mängeln behaftet waren. Da die Platten sehr teuer waren, eine 30-cm-Platte kostete 198 Schilling, war man sehr heikel und es wurde immer wieder umgetauscht. Teuchtler wurde dies bald zu dumm und so schickte er mich direkt in die Auslieferung der Oesterreichischen Columbia Graphophon-Gesellschaft (d.i. die heutige EMI Austria).

Bald hatte ich mit dem Lagerleiter angefreundet und so fragte er mich eines Tages, ob ich nicht bei dieser Firma arbeiten wolle. Und so kam es, dass ich am 1. Oktober 1955 als Assistent des Lagerleiters engagiert wurde. Es blieb allerdings nicht dabei, denn 1958 wurde ich durch Beschluss der Geschäftsführung zum Aufnahmeleiter ernannt. Diese Berufung konnte ich allerdings nur unter der Bedingung annehmen, entweder in London oder in Köln den Studiobetrieb kennen zu lernen. Dies wurde bewilligt, und so traf ich am 14. Januar, meinem 21. Geburtstag in Köln ein.
Mehr davon ein nächstes Mal.

Alfred_Schmidt

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7

Dienstag, 1. Juli 2008, 20:29

Wir haben mit der Firma Preiser Records eine Werbepartnerschaft vereinbart und haben ihr das Recht eingeräumt in diesem Thread Neuerscheinungen bzw Neuaflagen vorzustellen.
Der Versand ist auch ins Ausland (soweit ich mich erinnere ab 50 Euro- wird aber noch nachgefragt) kostenfrei.
Tamino bekommt - ähnlich wie bei jpc und Amazon eine Werbevergütung wenn ein Kauf über einen dieser Links zustandekommt.

Wie sich inzwischen herauskritallisiert hat, haben diese Allianzen bis dato keinen Einfluß auf die Qualität der Forenbeiträge gehabt - und werden es auch in Hinkunft nicht haben, da ich stets klargemacht habe, daß wir uns unsere Meinung nicht abkaufen lassen - lediglich Werbefläche.

Ich glaube, daß sich speziell die Schellackfreunde freuen werden, wenn hier Informationen eintrudeln...

mfg aus Wien

Alfred
Zynismus: ein Ding zu betrachten, wie es wirklich ist, und nicht, wie es sein sollte. (Oscar Wilde)

La Gioconda

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8

Mittwoch, 16. März 2011, 11:29

Bergonzi

PREISER widmet sich neben der Serie "Lebendige Vergangenheit" auch aktuelleren Namen, wie etwa bei der Neuesten Veröffentlichung: CARLO BERGONZI

http://www.preiserrecords.at/album.php?ean=717281934800


Die Aufnahmen auf dieser CD beinhalten Bergonzis komplettes erstes Opern-Recital aus dem Jahr 1957, aufgenommen von DECCA. Das Repertoire umfasst die gängigen Arien aus dem lirico-spinto Repertoire und zeigt den Tenor nach seiner ersten Saison an der Metropolitan Opera an der Schwelle zur großen internationalen Karriere. Gesanglich steht seine stimmlich beste Zeit unmittelbar bevor, was Interpretation betrifft, ist Einiges noch nicht ganz ausgereift, woran er in den folgenden Jahren noch gefeilt hat.
Die weiteren Ausschnitte aus den Opern „Pagliacci“ und „Simon Boccanegra“ stammen aus den Gesamtaufnahmen, die Bergonzi 1951 für die RAI eingespielt hat. Die bonus tracks mit den Arien M´apparì aus „Marta“ und wiederum O Paradiso wurden live aufgenommen und entstammen dem Programm eines der zu dieser Zeit sehr beliebten „Martini & Rossi“ Konzerte (1960, seine Partnerin war bei diesem Anlass die Sopranistin Rosanna Carteri). Die „L´Africana“-Arie bietet gleichzeitig einen interessanten Vergleich mit der früheren Aufnahme von 1957.

Als nächste Veröffentlichung ist eine Arien CD mit der großen italienischen Sopranistin ANITA CERQUETTI geplant.
"Man muß nicht fliegen können um ein guter Ornithologe zu sein."

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Alfred_Schmidt

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9

Samstag, 27. April 2013, 01:41

Preiser - Lebendige Vergangenheit - zum halben Preis

Freunde historischer Stimmen werden sich freuen:

Derzeit werden bei JPC zahlreiche CDs aus der Serie "LEBENDIGE VERGANGENHEIT"
zum halben Preis angeboten., eine CD kostet derzeit also 7.99 Euro.
Preiser ist ja bekannt dafür, daß es dort auch historische Stimmen gibt, die ansonst kaum
im Handel erhältlich sind.
Für jene, die das Label nicht kennen: Die meisten dieser CDs enhalten im Booklet Daten über
die Sängerin, bzw den Sänger, dessen Stimmportrait hier zu Gehör gebracht wird , die man in
herkömmlichen Publikationen kaum findet. Geschrieben von Liebhabern für Liebhaber.
(Clemens Höslinger, Leo Riemens, Laura Wagner-Semrau)

mit freundlichen Grüßen aus Wien

Alfred
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operus

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10

Samstag, 27. April 2013, 11:08

Auszeichnung für PREISER RECORDS

Für besondere Verdienste im Sinne der wichtigsten Zielsetzungen der Gottlob-Frick-Gesellschaft: Erhalt des Andenkens an Sängergrößen, Förderung junger, hochbegabter Sängerinnen und Sänger und Begegnung der Generationen wurde PREISER Records - vertreten durch den Firmeninhaber Dr. Christian Preiser - im Jahre 2010 die Gottlob-Frick-Medaille in Gold verliehen. Ich hatte die Ehre, damals die Laudatio zu halten. Es könnte durchaus interessant sein, einige Passagen aus dieser Rede zu zitieren:
"...1966 startete die Serie"Lebendige Vergangenheit", die sich mit der Wiederveröffentlichung historischer Gesangsaufnahmen beschäftigt. PREISER setzte bei der Bearbeitung und Überspielung neue technische Standards. Die Nr. 1 der Reihe "Lebendige Vergangenheit" war dem Bassisten Richard Mayr gewidmet. Ich muss darauf verzichten, weitere Namen zu nennen, die in dieser Serie - die Kultstatus erreichte - gewürdigt wurden, denn dies würde einem Lexikon berühmter Sänger und Sängerinnen entsprechen. Alle historischen Wiederveröffentlichungen ergänzt durch neuere Programme, wie z. B. die Serie "Dokumente einer Sängerkarriere" umfassen sage und schreibe rund 1300 Titel. Dem erfolgreichen Wirken dieses Unternehmens und seiner leitenden Köpfe ist es zu verdanken, dass berühmte Stimmen und exemplarische Gesangsleistungen uns und der Nachwelt erhalten bleiben. Darüber hinaus hat PREISER RECORDS die weltweite Renaissance von historischen Aufnahmen entscheidend gefördert und beflügelt...
Die Firma PREISER RECORDS hat sich als Pionier und führendes Unternehmen im Bereich der Produktion und des Vertriebes historischer Aufnahmen bleibende Verdienste erworben. Durch PREISER sind große Sänger und berühmte Stimmen der Nachwelt erhalten und damit unvergänglich und unvergesslich geworden. Für diese beispielhaften Leistungen verleiht die Gottlob-Frick-Gesellschaft dem Hause PREISER die Gottlob-Frick-Medaille in Gold."


Eine Zusammenstellung aller "Goldmedaillengewinner" ist unter www.gottlob-frick-gesellschaft.de (Unsere Medaillen -Träger) zu finden. Übrigens - wie könnte es auch anders sein - gingen seit Beginn der Medaillen-Verleihungen im Jahre 1998 an August Everding die meisten Auszeichnungen nach Wien.

Herzlichst
Operus

Alfred_Schmidt

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11

Samstag, 5. Juli 2014, 21:41

Leider scheint das Label PREISER seine Serie "Lebendige Vergangenheit" allmählich einschlafen zu lassen. Die meisten Titel sind bereits nicht mehr als CD erhältlich, sie werden nur mehr zum Download angeboten. Damit sind sie für mich uninteressant, den ein Teil des Reizes dieser Serie war die Aufmachung, die einem teilweise sogar suggerierte, eine Schellackplatte in Händen zu halten. Das war insbesondere bei der LP-Version der Fall.
.-.
Damals liefen die akustischen Aufnahmen unter "Court Opera Classics", die "Elektrischen" indes unter "Lebendige Vergangenheit", wobei das "Original Cover" ZWEI Arten von lila/Violett aufwiesen, die zwar mehr als gewagt waren, dem LAbel aber etwas Unverwechselbares gaben - Schade drum


mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred
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Rheingold1876

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12

Samstag, 5. Juli 2014, 22:13

Ja, lieber Alfred, der Markt scheint wohl erschöpft. Deshalb wundert es mich nicht, wenn die berühmte Serie LV langsam dahin dämmert. Mir scheint auch, dass das Interesse an solchen historischen Aufnahmen, wie sie Preiser verbreitete, nachlässt. Wer kann mit den vielen Namen noch etwas anfangen? Die Aufnahmen klingen auch manchmal nicht besonders gut, selbst eingedenk der Zeit ihres Entstehens. Andere Labels sind auf den Zug aufgesprungen. Im Netz gibt es zahlreiche private Blogs, wo man sehr interessante Titel kostenlos bekommt. Das ist ganz legal, denn die Fristen sind ja abgelaufen. Persönlich verbinde ich mit Preiser wunderbare musikalische Entdeckungen. In Wien, das Geschäft gibt es längst nicht mehr, habe ich noch die Platten gekauft. Auch ganze Opern oder unvollständig überlieferte Rundfunkproduktionen waren im Programm. Es ging immer um die Sache selbst. Ein solches Beispiel ist Verdis "Maskenball", 1938 beim Reichsrundfunk in Berlin aufgenommen. Was musikalisch fehlt, wurde durch andere Aufnahmen ergänzt, allerdings nicht heimlich sondern mit klaren Hinweisen. So gehört sich das. Dieses Dokument ist vor allem wegen des überragenden Hans Reinmar als René, der einer der begnadetsten Verdi-Sänger deutscher Zunge gewesen ist, ein Ereignis. Dieses CD-Doppelalbum allein hätte mir genügt, um dem Label Preiser Kränze zu flechten. :)



Mit den Tod von Jürgen Schmidt 2010 ist ja wohl auch die Seele des Unternehmens dahin.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold

Erda: "Alles, was ist, endet."

operus

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13

Sonntag, 6. Juli 2014, 09:18

Selbst eine Firma wie PREISER RECORDS wo der Erhalt und die Produktion von historischen Aufnahmen und das Gedenken an Sängerlegenden eine Mission und eine Aufgabe der Firmenleitung, ja der ganzen Firma ist, die mit Herzblut erfüllt wird, ist es schwierig, das Angebot aufrecht zu erhalten. Es droht kultureller Kahlschlag. Wie können wir Taminos helfen? Wäre es eine erfüllende und machbare Aufgabe für unseren baldigen Neupensionär Alfred im Forum historische Aufnahmenzu besprechen, Nachfrage und Kaufwünsche zu sammeln und dann zur weiteren Bearbeitung und Auslieferung an PREISER weiterzuleiten. Oder noch etwas höher gegriffen: Könnten wir bei Tamino eine Aufnahme des Monats küren und dann selbst vermarkten. Also einige Denkanstöße in dieser Richtung. Vielleicht kommen noch weitere und bessere. Initiativen in dieser Richtung wären für den Markt und für die Popularität unseres Tamino-Klassik-Forums günstig.

Herzlichst
Operus

La Gioconda

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14

Samstag, 25. Februar 2017, 09:44

Ich weiss nicht, ob es gestattet ist, hier auf Veranstaltungen aufmerksam zu machen.
Am 24.3. 2017 findet in WIen im Theatermuseum ein Symposium zum Gedenken an den verstorbenen Preiser Records Mitgründer und Produzenten, Jürgen E. Schmidt, statt.

Nähere Infos und detailliertes Programm auf der Theatermuseum website.

http://www.theatermuseum.at/nocache/kale…pyMmYI.facebook
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9079wolfgang

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15

Samstag, 25. Februar 2017, 18:36

Zitat

Wäre es eine erfüllende und machbare Aufgabe für unseren baldigen Neupensionär Alfred im Forum historische Aufnahmenzu besprechen, Nachfrage und Kaufwünsche zu sammeln und dann zur weiteren Bearbeitung und Auslieferung an PREISER weiterzuleiten.


Mein lieber Hans!

Ich habe schon, da ich über eine größere Preiser LP-Sammlung verfüge LP´s eingestellt und und den Wunsch geäußert, dieselben auf CD herauszubringen. Auch zu gestrichenen CD´s habe ich den Wunsch geäußert, diese wieder zu veröffentlichen. Scheinbar lohnt es sich wegen zu geringer Nachfrage nicht.

Gruß Wolfgang
W.S.

Alfred_Schmidt

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16

Samstag, 25. Februar 2017, 21:04

DAs ist auch irgendwie verständlich. Speziel bei ganz frühen Aufnahmen in schlechter Tonqualität war es hilfreich, wenn man die Stimme schon mal liv hehört har, oder den Sänger (die Sängerin) eventuel auf der Opernbühne erlebt hat. Abgesehen von den "ganz Großen ", wie beispielsweise Caruso, sind die meisten Sänger dieswr Epoche quasi vergessen, was den Verkauf solche Aufnahmen geradezu unmöglich macht. Drer Gründer von Preiser Records war in Grunde nicht anm kommerziellen Erfolg interessiert, er betrieb das Ganz zu Beginn als Hobby, das sich idealerweise selbst finanzierte. Der künstlerische Leiter. Prof Schmidt, ich lernte ihn wenige Monate vor seinem überraschenden Tod persönlich kennen hatte die Aura, die Nachfolger Preisers sen. irgendwie zu motivieren weiterzumachen. Ich gehe davon aus, daß nach dessen Tod der Rechenstift das Sagen hatte......

mfg aus Wien
Alfred
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