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hami1799

Prägender Forenuser

  • »hami1799« ist männlich

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151

Montag, 13. Juli 2015, 17:02

und wenn es Nicolai Gedda gut geht, ist das auch besonders schön.

Freuen wir uns also, dass es sich um eine Falschmeldung handelte, aber gut geht es ihm sicher nicht.

Er, der die Gesangskunst ins schier Übermenschliche entwickelt hat, in seinem Naturel aber eher schüchtern war, musste seiner Berufung Vieles unterordnen und auf Vieles verzichten, was dem Normalmenschen lieb und teuer ist.
So hat er schon in jungen Jahren an Depressionen gelitten, wohl bedingt durch die Einsamkeit des Genies.
Dass diese mit zunehmendem Alter sich eher verstärken, ist eine bekannte Tatsache.
Möglicherweise werden das Einige in unserem Forum, das eher der Dickhäutigkeit als der Sensibilität huldigt, nicht verstehen. Leugnen lässt es sich trotzdem nicht.

Wer trotzdem daran zweifelt, möge seinen Lenskij hören. Niemand, dem diese Tragik nicht schon zu eigen ist, wird ihn so gestalten können.

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 073

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152

Montag, 13. Juli 2015, 17:52

Lieber hami, ich kann dir nur beipflichten, da ich selbst vor knapp 25 Jahren eine starke depressive Phase hatte, die ich nur durch teils stationäre Behandlung und jahrelange Behandlungen durch einen Psychologen in den Griff bekam. Sie geht nie ganz weg, aber ich kann damit leben.
Wollen wir hoffen, dass Nicolai Gedda dennoch in Würde leben kann und gut Hilfe hat.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

hami1799

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  • »hami1799« ist männlich

Beiträge: 3 438

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153

Montag, 13. Juli 2015, 18:04

Sie geht nie ganz weg, aber ich kann damit leben.

So ist es, und sie wird einem schon in die Wiege gelegt.

m.joho

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  • »m.joho« ist männlich

Beiträge: 1 198

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154

Mittwoch, 11. November 2015, 21:10

Nach all dem Unerfreulichen der letzten Tage hier etwas viel Wichtigeres für Opernfreunde und Sängerliebhaber:
Ich habe mich heute Abend mit der Aufnahme einer Sendung beschäftigt, die Arte Montag 00.30h (!) ausgestrahlt hat und die ich allen ans Herz legen möchte:
Nicolai Gedda, Tenor des hohen D's.
In dieser Dokumentation (2015) kommen viele Stellungsnahmen von Kollegen (Freni, Moser) und Gesangsexperten wie Kesting zum Zuge, daneben viele Dokumente der langen Karriere bis 2005 zum Zuge.
All dies belegt, dass die Darstellungsfähigkeit ziemlich unerheblich ist, sobald ein Sänger über die nötige Technik und die Fähigkeit der Färbung der Stimme verfügt.
Für mich bleibt Gedda, den ich noch live erleben durfte, der letzte grosse überlebende (nach Kraus und Bergonzi) der grössten drei Tenöre der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts.

9079wolfgang

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  • »9079wolfgang« ist männlich

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155

Mittwoch, 11. November 2015, 21:23

Genau, lieber Marcel!

Wenden wir uns wieder musikspezifischen und interessanteren Themen zu. Nicolai Gedda gehört auch bei mir zu den "Big Five" der Tenöre. Ich hoffe, daß es ihm trotz besorgniserregender Meldungen gut geht. Hier eine interessante Aufnahme aus der Stockholmer Oper:

W.S.

Manfred

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  • »Manfred« ist männlich

Beiträge: 3 059

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156

Mittwoch, 11. November 2015, 21:59

Auch für mich gehört Nicolai Gedda zu den bedeutendsten und besten Tenören der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunders. Ich höre nun von ihm: Schumanns "Dichterliebe" sowie 12 Lieder von Rachmaninoff - Mitschnitt eines Recitals aus der Queen Elizabeth Hall, London, 02.09.1973. Am Flügel: Geoffrey Parsons. Eine inzwischen schwer zu beschaffende CD, wie mir scheint.

"Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
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zifrank

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  • »zifrank« ist männlich

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157

Mittwoch, 11. November 2015, 22:38

Nach all dem Unerfreulichen der letzten Tage hier etwas viel Wichtigeres für Opernfreunde und Sängerliebhaber:
Ich habe mich heute Abend mit der Aufnahme einer Sendung beschäftigt, die Arte Montag 00.30h (!) ausgestrahlt hat und die ich allen ans Herz legen möchte:
Nicolai Gedda, Tenor des hohen D's.

Kann mich nur anschließen... eine ganz tolle Dokumentation. Wer schonmal nach Videos oder gar Opern-/Konzertmitschnitte mit Gedda gesucht hat wird ziemlich ernüchtert festgestellt haben dass es da nur ganz wenig gibt. In dieser Doku jedoch sieht man einige qualitativ recht hochwertige Archivaufnahmen. Ich war begeistert! Aktuell noch in der Arte-Mediathek zu sehen!

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

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158

Samstag, 14. Mai 2016, 23:00

Der Operettensänger Nicolai Gedda



Vielseitig und unverwechselbar! Ja, das ist Nicolai Gedda. Der Treadstarter hatte mit seiner Überschrift einen guten Griff. Ich möchte auf den Operettensänger eingehen, nachdem ich mich durch die oben abgebildete Box gehört habe, nicht durchgehend zu meinem Vergnügen. Nicolai Gedda – My favourite operetta heroes: Das wären der Sándor Barinkay im "Zigeunerbaron" von Johann Strauß sowie René, der "Graf von Luxemburg", Prinz Sou-Cong im "Land des Lächelns", "Nicolo Paganini" und der "Zarewitsch" von Franz Lehár Was Warner Classics auf dem Titel der Sammlung mit diesen fünf Operetten dem Sänger in den Mund legt, wird durch keine Quellenangabe belegt. Es steht einfach nur so da. Hat er es nun gesagt? Mein Gefühl und meine eigenen Recherchen sprechen dagegen. Gedda, der die Neunzig üb erschritten hat, dürfte milde lächelnd darüber hinweg sehen. Seine Sache sind solche marktschreierischen Verabsolutierungen nicht. Er wird auch seinen Frieden damit gemacht haben, dass er noch im hohen Alter von einem Label vermarktet wird, was es zu seiner Zeit so nicht gab. Er hat alle seine Operetten bei der EMI aufgenommen. Im Kleingedruckten auf der Rückseite der Box wird das auch mit dem schlichten Hinweis auf das ehemalige Electrola-Label erwähnt. In diesem Zusammenhang ist nun plötzlich ganz allgemein von den schönsten Operettenpartien Geddas die Rede. Darüber darf gestritten werden. Gedda hat im Laufe seiner langen Karriere Operetten am Meter aufgenommen. "Die lustige Witwe" gleich dreimal. Auf der Bühne ist er in diesem Fach eher selten in Erscheinung getreten. Aus der Metropolitan Opera hat sich ein englisch gesungener "Zigeunerbaron" von 1959 mit Lisa Della Casa als Saffi erhalten, der etwas gestelzt klingt.

Es begann damit, dass es sich der allmächtige EMI-Produzent Walter Legge Anfang der 1950er Jahre in den Kopf gesetzt hatte, mustergültige Aufnahmen von Operetten vorzulegen. Mit dem noch nicht dreißigjährigen Gedda hatte Legge dafür einen idealen Partner für Elisabeth Schwarzkopf, die er 1953 geheiratet hatte, gefunden. Sie war genau zehn Jahre älter und nach eigenem Bekunden sofort genau so hingerissen von Geddas Stimme wie Legge. Jugend traf auf Erfahrung und Ruhm. Das passte. Denn die Schwarzkopf hatte zu dieser Zeit schon einen Namen, während Gedda seine ersten Erfahrungen auf der Opernbühne vornehmlich in Stockholm gesammelt hatte, wo er eine lokale Erscheinung gewesen ist. Mir fällt eine Anekdote ein. Legge soll Gedda zufällig im Radio gehört haben. Er griff zum Telefon, um seine Frau zu bitten, ebenfalls das Apparat einzuschalten. Die verbat sich die Störung mit dem Hinweis daraus, dass sie gerade eine wunderbare Stimme im Radio höre – Gedda! Ein Resümee dieser fruchtbaren Zusammenarbeit zog der Sänger 1988 in einem Interview mit der Zeitschrift Opernwelt: „Alle meine Aufnahmen bei der EMI halte ich für wertvoll. Weil sie meist von Walter Legge produziert worden sind. Er wird in die Schallplattengeschichte als einer der größten Produzenten eingehen. Wenn ich zum Beispiel an die Operetten denke, die ich mit ihm aufgenommen habe, sie waren schon eine Klasse für sich. Selbst jetzt kann man sie noch anhören und Freude an ihnen finden.“

Legge hat Gedda entdeckt und gefördert, wofür dieser im Gegensatz zu anderen immer dankbar gewesen ist. Das nimmt mich auch für Gedda ein. 1953 wurden in der Londoner Kingsway Hall unter Otto Ackermann zunächst "Das Land des Lächelns" und "Die lustige Witwe" eingespielt, im Jahr darauf mit dem selben Dirigenten "Wiener Blut", "Der Zigeunerbaron" und "Eine Nacht in Venedig". Das rasante Finale dieser frühen Operetten-Serie bildete "Die Fledermaus" mit Herbert von Karajan am Pult. Die Fassungen folgen meistens nicht dem Original. Aufgenommen wurde in Mono. Das schreckt heutzutage Hörer oft ab. Mich nicht, denn ich habe nicht die Wahl. In diesen Aufnahmen triumphiert die Kunst über die Technik. In Wien hatte Clemens Krauss schon 1950 mit Fledermaus und Zigeunerbaron einen Operetten-Neuanfang nach dem Krieg für die Decca versucht, der allerdings wesentlich konservativer ausgefallen ist als das, was Legge mit Ackermann, Karajan und seinen Solisten glückte. Die verlassen ausgefahrene Gleise. Sie geben der Operette jene Sinnlichkeit zurück, die der Gattung eigen ist. Erstarrungen lösen sich. Es knistert wieder. Und das alles im Studio.

Die fünf Electrola-Produktionen, die sich nun in der Warner-Box finden, kommen da nicht mit. Sie sind letztlich Massenware für ein sehr breites Publikum, das immer schon gern Operette gehört hat. Nach meinem Eindruck fallen sie in alte Muster zurück. Ungewollt sagen die originalen Cover, denen die Hüllen für die einzelnen CDs im Innern der Box nachempfunden sind, darüber sehr viel aus. Zarewitsch als Tscherkesse verkleidet, Paganini mit wüster Zottelperücke… Kostüme machen noch keine perfekte Aufnahme. Alle Wirkung einer Studioproduktion sollten von der Musik ausgehen, nicht von Bildern und fragwürdigen Kostümen. Alle Titel sind weit verbreitet, nach dem Ende der Schallplatte gleich auf CD übernommen worden. Ihr Vorzug ist der bessere Klang, das breite Stereo, das der Zeit, in der sie eingespielt wurden, nämlich zwischen 1967 und 1977, akustischen Ausdruck verlieh. Dialoge gleichen Hörspielen. Mindestens zwei Lautsprecher schaffen im Wohnzimmer Theateratmosphäre. Es macht Spaß, die Lautstärkeregler mal so richtig aufzudrehen. Die Stimmung ist aber derber, direkter geworden. Duft, Raffinesse und Sinnlichkeit sind verflogen.

Nun werden die Werke wieder mehr beim Wort genommen. Gute Laune macht sich breit. Immer schön lächlen! Ha, ha, ha, ha, lacht auch der Chor. Dabei wird unter Willy Mattes (Zarewitsch, Graf von Luxemburg, Land des Lächelns), Franz Allers (Zigeunerbaron) und Willi Boskovsky (Paganini) sehr gut musiziert. Geddas Partnerinnen sind allesamt erste Wahl in ihrer Zeit: Anneliese Rothenberger (Lisa und Fürstin Anna Elisa), Rita Streich (Olga und Arsena), Grace Bumbry (Saffi). Lucia Popp, die jüngste von allen, entzückt als Angèle Didier. Kurt Böhme spart als Zsupán nicht am Schweinespeck. Es gibt rasante Ensembles, dann aber wieder scheinen Szenen und Arien in Einzelteile zu zerfallen. Und Gedda selbst, dem diese Box zum Geburtstag geschenkt wird? Stimmlich ist er perfekter als am Anfang, im Ausdruck hat er aber die Unschuld verloren. Noch immer ist dieses Timbre unverwechselbar, unverwechselbar schön. Aber er singt alles gleich, als seien die unzähligen Partien, die er seither in mehreren Sprachen gesungen hat, zu einer einzigen verschmolzen.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

operus

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159

Sonntag, 15. Mai 2016, 08:07

Trotz einiger Einschränkungen eine interessante, gelungene Analyse der Operettenaufnahmen des großen, unvergesslichen Stilisten und Schönsängers Nicolai Gedda. Danke für die Mühe und das Ergebnis.

Herzlichst
Operus
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hart

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160

Sonntag, 15. Mai 2016, 12:37

Nicolai Gedda und Herbert von Karajan

Ja, da hat sich Rheingold mal wieder sehr viel Mühe gegeben und Lesenswertes übermittelt. In seinen Beiträgen ist einmal die Bach-Messe unter Karajan erwähnt und die »Fledermaus«.

Im Rückblick war für Gedda die Zusammenarbeit mit Karajan zu keinem Zeitpunkt glücklich. Die Schwierigkeiten fingen schon 1953 bei »Oedipus Rex«-Aufnahmen in Rom an, wo allerdings der Sänger schlecht vorbereitet anreiste und beim zweiten Mal war es ähnlich.

Gedda bemerkte damals schon, dass er als Sänger nur ein Zahnrad in der Musikmaschinerie Karajans war; er fühlte sich von ihm öffentlich, das heißt vor Kollegen, gedemütigt und hatte deshalb auch in seiner Anfangszeit an der Scala Depressionen.
Er sang damals etwa in einem Zeitraum von zehn Jahren für Karajan, fühlte sich aber durch verschiedene Vorkommnisse meist unwohl in der Gegenwart des Stardirigenten. Karajan schätzte zwar Geddas Stimme, aber die Chemie zwischen beiden stimmte nie. 1966, als Nicolai Gedda bezüglich der öffentlichen Wahrnehmung auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, trafen die beiden Musiker letztmals in Berlin zusammen; ein für Gedda beleidigendes Zusammentreffen von zweiminütiger Dauer ...

Ob man solche unglücklichen Konstellationen heraushören kann? Nach all dem, was in diesem Thread zu lesen ist, könnte es schon so sein.

musikwanderer

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161

Sonntag, 15. Mai 2016, 16:09

Auch ich möchte Rheingold für seinen informativen Beitrag meinen Dank sagen. Wie immer, wenn er sich zu einem Thema äußert, lese ich mit viel Freude und Erkenntnisgewinn. Auch die Ergänzungen von hart gehören dazu; ich wusste zum Beispiel nicht, dass zwischen Karajan und Gedda "die Chemie" nicht stimmte. Das war mir bisher nur von Birgit Nilsson bekannt...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

hart

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162

Sonntag, 15. Mai 2016, 17:27

Lieber Musikwanderer,
wenn Du schon am Sammeln bist, kannst auch noch Astrid Varnay dazu schreiben ...
Im Thread »Der Musiker Gräber« kannst Du die Details nachlesen.

musikwanderer

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163

Sonntag, 15. Mai 2016, 17:39

Danke, lieber hart, aber meine Sammelleidenschaft hält sich diesbezüglich in Grenzen.
Dass ich Astrid Varnay in "Der Musiker Gräber" als Karajan-Geschädigte überlesen haben soll, verzeihe ich mir allerdings selber nicht. Vielleicht - und damit entschuldige ich mich sofort vor mir selber mit dem Hinweis auf altersbedingte Vergesslichkeit - ist sie mir auch "nur" durch mein Sieb mit Namen Gehirn gerutscht?
Egal - sollte es so sein, lerne ich auf diese Weise jeden Tag Neues...

:baeh01:
.

MUSIKWANDERER

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

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164

Montag, 16. Mai 2016, 11:32

Auch ich möchte Rheingold für seinen informativen Beitrag meinen Dank sagen. Wie immer, wenn er sich zu einem Thema äußert, lese ich mit viel Freude und Erkenntnisgewinn. Auch die Ergänzungen von hart gehören dazu; ich wusste zum Beispiel nicht, dass zwischen Karajan und Gedda "die Chemie" nicht stimmte. Das war mir bisher nur von Birgit Nilsson bekannt...

"Zwei Seelen wohnten ach in seiner Brust" Karajan konnte offenbar zu Sängern schrecklich "eklig" sein. Auf der anderen Seite hielt er seinen Lieblingen erstaunlich lang die Treue. Gottlob Frick berichtete, dass Karajan von Spinnereien abgesehen - z. B. Einbau einer speziellen Hebebühne für seinen Wagen, damit der Maestro bequem auf die Bühne schreiten konnte und goldenes Licht nur für ihn bei seinem Solovorhang - Sänger und Musiker mit ausgesprochener Höflichkeit und Liebenswürdigkeit behandelte, allerdings nur wenn er mit deren Leistung zufrieden war. Ausserdem sei er diskussionsfähig und bei seiner Meinung nach richtigem Rat erstaunlich kompromissfähig gewesen. Beispiel: Bei den Proben zu einem neuen Ring, den der Dirigent auch noch selbst inszenierte, war Karajan ausgesprochen unzufrieden und daher extrem unleidlich. Die Differenzen mit dem Ensemble kulminierten darin, dass er die ganze Besetzung auswechseln wollte. Gottlob Frick als der älteste wurde gebeten, ein Versöhnungsgespräch zu führen. Nach Aussage des Bassisten war dies dann das längste, persönlichste und schönste Gespräch, das Frick mit dem Pultstar führen durfte. Alle Missverständnisse konnten ausgeräumt werden. Die Aufführungen gerieten großartig und wurden von Publikum und Presse frenetisch gefeiert. Nach der "Götterdämmerungs"-Premiere überreichte Herbert von Karajan seinem Hagen - wie er in der handschriftlichen Widmung schrieb - seinen Dirigentenstab. Dieser ist heute ein wertvolles Schaustück in der Gottlob-Frick-Gedächtnisstätte in Ölbronn. Wer sich noch tiefer über Persönlichkeit von Herbert von Karajan informieren möchte, dem seien zwei im Inhalt stark differenzierende Bücher empfohlen: Karl Löbel -"Das Wunder Karajan", Wolfgang Stresemann dagegen titelte über den Dirigenten "Ein seltsamer Mann".

Herzlichst
Operus
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musikwanderer

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165

Montag, 16. Mai 2016, 11:50

Karjan konnte offenbar zu Sängern schrecklich "eklig" sein. Auf der anderen Seite hielt er seinen Lieblingen erstaunlich lang die Treue.
...und hat sie, wie es etliche in ihren Lebenserinnerungen berichteten, auf "orchestralem Samtklang" gebettet. Bleibt doch nur festzustellen, dass wir alle, folglich auch die so genannten "Großen", mit menschlichen Fehlern behaftet sind und lernen müssen, damit umzugehen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Bei HvK, so will mir scheinen, ohne es aber belegen zu können, ist die Schar derer, die mit ihm "klar kamen" und keinen Streß hatten, bestimmt größer, als die derjenigen mit Schwierigkeiten im Umgang vor, während und nach der Arbeit...

:hello:
.

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zifrank

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166

Samstag, 11. Februar 2017, 21:48

Gedda gestorben

Mit 91 Jahren ist Nicolai Gedda am 8.1.2017 gestorben.
Viele haben ihn vielleicht schon längst vergessen, nun überhäufen sich die Zeitungen mit Nachrufen. Ein vielleicht letztes Mal ist er in aller Munde.
Aber nur die Liebhaber und Kenner werden ihn weiterhin in ihrem Gedächtnis oder gar Herzen aufbewahren.
Legen wir eine Platte oder CD von ihm auf und erfreuen uns an seiner zum Glück so oft aufgenommenen Stimme und sind wir dankbar für diesen sympathischen Menschen mit seiner Jahrhunderbegabung!

Caruso41

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167

Sonntag, 12. Februar 2017, 11:46

Ein vielleicht letztes Mal ist er in aller Munde.
Aber nur die Liebhaber und Kenner werden ihn weiterhin in ihrem Gedächtnis oder gar Herzen aufbewahren.

Lieber zifrank,

an Gedda wird man sich immer erinnern - solange es noch Opernaficiados und Melomanen gibt!

Noch ehe ich die Nachricht von Geddas Tod gehört hatte, habe ich am 8. Februar in Bertaridos Thread "Al lampo dell'armi" - musikalische Schlachtrufe seine Aufnahme der Arie des Sobinin aus Glinkas "Ein Leben für den Zaren" eingestellt. Sie ist schlicht einmalig gut gesungen. Überhaupt ist Gedda im russischen Fach unter den Tenören der Stereo-Ära der einzige, der mit mit Sobinin und Smirnow, Lemeschev und Koszlowski mithalten kann.



Nicht weniger ist er im französischen Fach der Tenor, an den man sicher immer zuerst denkt, wenn man die ideale Aufnahme einer Oper oder einer einzelnen Arie sucht.



Vielleicht nicht ganz so sehr drängt sich Nicolai Gedda im italienischen Fach auf. Da gibt es oft andere Tenöre, die eher beeindrucken. Und trotzdem würde ich manchmal doch Gedda vorziehen. Sein Rudolfo in Boheme (Schippers-Aufnahme) etwa ist mir persönlich lieber als ein Carreras, Domingo und Pavarotti. Aber das ist Geschmacks- nicht Qualitätssache.

Im Mozartfach ist es nicht Geschmacks- sondern Qualitätssache, wenn man in Gedda einen der besten Interpreten der Tenorpartien sieht.

Mit besten Grüßen

Caruso41
;) - ;) - ;)

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Caruso41

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168

Sonntag, 12. Februar 2017, 11:50

Ein vielleicht letztes Mal ist er in aller Munde.
Aber nur die Liebhaber und Kenner werden ihn weiterhin in ihrem Gedächtnis oder gar Herzen aufbewahren.

Lieber zifrank,

an Gedda wird man sich immer erinnern - solange es noch Opernaficiados und Melomanen gibt!

Noch ehe ich die Nachricht von Geddas Tod gehört hatte, habe ich am 8. Februar in Bertaridos Thread "Al lampo dell'armi" - musikalische Schlachtrufe seine Aufnahme der Arie des Sobinin aus Glinkas "Ein Leben für den Zaren" eingestellt. Sie ist schlicht einmalig gut gesungen. Überhaupt ist Gedda im russischen Fach unter den Tenören der Stereo-Ära der einzige, der mit mit Sobinin und Smirnow, Lemeschev und Koszlowski mithalten kann.

Nicht weniger ist er im französischen Fach der Tenor, an den man sicher immer zuerst denkt, wenn man die ideale Aufnahme einer Oper oder einer einzelnen Arie sucht.

Vielleicht nicht ganz so sehr drängt sich Nicolai Gedda im italienischen Fach auf. Da gibt es oft andere Tenöre, die eher beeindrucken. Und trotzdem würde ich manchmal doch Gedda vorziehen. Sein Rudolfo in Boheme (Schippers-Aufnahme) etwa ist mir persönlich lieber als ein Carreras, Domingo und Pavarotti. Aber das ist Geschmacks- nicht Qualitätssache.

Im Mozartfach ist es nicht Geschmacks- sondern Qualitätssache, wenn man in Gedda einen der besten Interpreten der Tenorpartien sieht.

Mit besten Grüßen

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169

Freitag, 17. Februar 2017, 21:06

Hallo,

Gedda war die letzte Inkarnation der Tatsache, daß es SängerInnen möglich ist, bei guter Stimmausbildung, pfleglichem Umgang mit der Stimme, sowie dauerndem Training mit der Stimme, über Jahrzehnte hervorragende Leistungen zu vollbringen! Dieses sei allen heutigen "Stars", die nach 5-10 Jahren Opernkarriere Pop-CDs aufnehmen müssen, weil die Stimme kaputt ist, ins Stammbuch geschrieben!

Antalwin

Dr. Holger Kaletha

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Beiträge: 7 064

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170

Freitag, 17. Februar 2017, 21:30

Der ungemein sympathische Nicolai Gedda als Liedsänger - ich finde ihn in beiden Aufnahmen fabelhaft:





Ich hoffe, er hatte ein erfülltes Leben!

Schöne Grüße
Holger

Stimmenliebhaber

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171

Samstag, 18. Februar 2017, 00:32

Ich habe mir in den letzten Tagen sowohl die Studioaufnahme "Das Land des Lächelns"(mit Rothenberger) als auch die legendäre Studio-Aufnahme "Zar und Zimmermann" mit Frick und Prey unter Heger angehört. In beiden Aufnahmen kann man Geddas Gesangsleistung nicht hoch genug rühmen!
Vom legendären "Zar"-Ensemble sind nun nur noch Peter Schreier und Siegfried Vogel am Leben.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Theophilus

Administrator

  • »Theophilus« ist männlich

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172

Samstag, 18. Februar 2017, 07:31

Gedda war die letzte Inkarnation der Tatsache, daß es SängerInnen möglich ist, bei guter Stimmausbildung, pfleglichem Umgang mit der Stimme, sowie dauerndem Training mit der Stimme, über Jahrzehnte hervorragende Leistungen zu vollbringen!

Der letzte Mohikaner? Na ja, ein gewisser Placido Domingo bringt das auch ganz gut hin...

:hello:

Sixtus

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Registrierungsdatum: 2. Dezember 2015

173

Samstag, 18. Februar 2017, 10:28

Nicolai Gedda - einer der vielseitigsten Tenöre des 20.Jahrhunderts

Er konnte fast alles, und das auf höchstem Niveau: Vom Belmonte über den Hüon bis zur Operette, vom Lyonel über den Postillon zum Hoffmann und Werther; das ganze russische Repertoire - dazu russische und schwedische Lieder und manches andere.

Hätte er auch Schwachstellen? Dass er von Wagner die Finger ließ, war keine Schwäche, sondern weise Selbsterkenntnis eines lyrischen Tenors.

Wenn Gedda eine schwache Stelle hatte, dann war es die etwas blasse Farbe im italienischen Repertoire. Das lag wohl an der fehlenden Italianità, dem etwas kühlen Klang der Stimme, den er nicht völlig mit seiner hohen Intelligenz und Musikalität ausgleichen konnte.

Es bleibt mehr als genug, um ihn als einen der ganz Großen seines Fachs in Erinnerung zu behalten - meint Sixtus

Karl

Profi

  • »Karl« ist männlich

Beiträge: 315

Registrierungsdatum: 16. August 2016

174

Samstag, 18. Februar 2017, 11:24

Ob es eine schwache Stelle war?

Einer hat mal sinngemäß darüber gesagt: "Er hat nicht die Stimme, wie sie gerade italienischen Sänger auszeichnet, verglichen mit dem Geschmackssinn die pralle Süße der Praline, sondern eher wie beim Champagner "brut".

Hat man sich aber erst mal daran gewöhnt, erkennt und schätzt man die vielen feinen Nuancen.

La Roche

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175

Samstag, 18. Februar 2017, 15:03

Lieber Sixtus,

leichter Widerspruch. Leider habe ich Gedda nicht live erleben dürfen. Aber wenn ich an "Addio fiorita mio" denke, fällt mir zuerst Gedda ein, und das ist italienisch, wenn auch kein Belcanto. Das ist meine persönliche Empfindung, das kann jeder anders sehen.

Ich höre auch eine Ähnlichkeit zu Wunderlich, aber ich bin kein Kesting - will sagen, mir fehlt eine fachliche Ausbildung für tiefergehende Vergleiche (die sowieso immer subjektiv sind).

Mit seinem Tod wird einem erst bewußt, was wir doch für tolle Sänger verloren haben. Und er wird wohl nicht so schnell vergessen sein.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


zifrank

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176

Montag, 6. März 2017, 20:19

So viele CDs - so wenig Videos

Und obwohl es zwar unzählige Platten bzw. CDs mit Gedda gibt, hat man es doch versäumt, ihn häufiger zu filmen. Zwar findet man bei youtube schon einige kurze Videos, aber komplette Opern oder Konzertmitschnitte auf Video gibt es von wenigen Ausnahmen abgesehen kaum. Ganz im Gegensatz zu z.B. Domingo oder Pavarotti. Und die TV-Auftritte mit Playback (z.B. in Anneliese Rothenbergers Show) zähle ich mal nicht mit, weil künstlerisch für mich uninteressant.
Bei der kürzlich ausgestrahlten Doku "Ritter des hohen D" über Gedda (Youtube-Link) war ich dann ganz erstaunt, dass wohl in den Archiven der Sendeanstalten doch das ein oder andere hochinteressante Video schlummert.
Vielleicht hat ja jemand einen Tipp, ob/wie man da rankommen könnte...

Rheingold1876

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177

Montag, 6. März 2017, 21:07

Und obwohl es zwar unzählige Platten bzw. CDs mit Gedda gibt, hat man es doch versäumt, ihn häufiger zu filmen.

Gott sei Dank, kann ich da nur sagen. Gedda ist in einer Zeit zur Berühmtheit aufgestiegen, in der es noch verpönt war, filmisch in Erscheinung zu treten. Das hat ihn auch davor bewahrt, sich ausstellen zu lassen.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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Stimmenliebhaber

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178

Montag, 6. März 2017, 21:14

Es gibt eine wunderbare "Gala der Tenöre" von "Firestone" oder so ähnlich, da singen alle Granden der 1950er um die Wette: Jussi Björling, Ferruccio Tagliavini, der alte Lauritz Melchior, Tucker, Corelli und und und. Am allerbesten gefiel mir da freilich immer der blutjunge Nicolai Gedda mit der Romanze des Romeo. "Che gelida manina" singt er da auch. Natürlich entstand so etwas im Playback-Verfahren, das war bis in der 70er und 80er Jahre hinein völlig normal.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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m.joho

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Montag, 6. März 2017, 21:19

Immerhin gibt es einen ganzen Maskenball (aus Schweden), den Faust aus Paris (eine horrible Inszenierung), den Tamino aus Hamburg, und ein Konzert aus Monte Carlo 1985 in meiner Sammlung,. Gedda war nie ein Schauspieler, "nur" ein überragender Sänger, ebensowie wie Kraus und Bergonzi!

Joseph II.

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180

Montag, 6. März 2017, 21:24


In der 1973er Einspielung von Berlioz' "La damnation de Faust" unter Sir Colin Davis singt Nicolai Gedda die Titelrolle. Ich habe zwar keine großen Vergleiche angestellt, aber ers wird diese Aufnahme meist zu den Referenzen gezählt. Eine sehr gute Leistung auch der übrigen Beteiligten, des Chores und natürlich des Orchesters.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid