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Gerhard Wischniewski

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Registrierungsdatum: 7. April 2011

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Samstag, 27. August 2016, 20:55

ADAM, Adolphe Charles: Le Roi d'Yvetot

Adolphe Charles Adam ( 1803 - 1856 )
Le Roi d'Yvetot
(Der König von Yvetot)

Komische Oper in drei Akten
Libretto: Adolphe de Leuven et Brunswick
Originalsprache: Französisch

Uraufführung: Paris 1842

PERSONEN DER HANDLUNG
Josselyn, ehemaliger Tuchhändler, Bass
Marguerite, seine Tochter, Sopran
Jeanetton, seine Haushälterin, Mezzosopran
Adalbert, ein junger Mann, Tenor
Réginald d'Houdeville, Kommandeur des Malteserordens, sein Onkel, Bariton
Daniel, ein Müller, Tenor
Ein Bauer, ein Herold, Einwohner, Malteserritter

Ort und Zeit der Handlung: Yvetot in der Normandie, um 1580

INHALTSANGABE

ERSTER AKT
Ein gotisches Zimmer
Adalbert, der Marguerite liebt, wartet auf sie. Er fühlt sich von einem Mann verfolgt. Als dieser verschwunden ist, singt er eine Arie über sein Glück.
Jeanetton kommt. Sie wundert sich, wie sich der schüchterne Jüngling, der sich bei Josselyn ein Gartenhäuschen gemietet hat, zwei Monate nach seinem ersten Erscheinen verändert hat. Er erzählt, dass man ihn für ein Kloster bestimmt hatte und ihn die ursprünglichen Eigenschaften so eingeprägt habe.
Marguerite tritt hinzu. Adalbert erklärt ihr seine Liebe und will noch am Abend Josselyn um ihre Hand bitten. Aber Jeanetton warnt ihn, dass das wohl nicht so einfach wäre. Josselyn, ehemals Tuchhändler, sei nun der reichste Mann von Yvetot, den alle Welt verehrt, und könne sich wohl einen anderen Schwiegersohn wünschen als den armen Adalbert. Doch Marguerite gibt ihm Hoffnung. Ihr Vater sei ein so lieber Mann. Er habe ihr gestern Abend gesagt, man möge kommen und mit ihm reden und dabei nach dem Gartenhäuschen geblickt.
Jetzt tritt auch Josselyn auf. Er singt ein Lied vom freien Leben, das er seinem Reichtum, den er gerne mit Armen teilt, vorzieht. Dann erfährt man, dass der König von Yvetot gestorben sei und keinen Erben hinterlassen habe. Er, Josselyn, müsse heute Abend zu einer Bürgerversammlung, wo der neue König bestimmt werden solle. Jeanetton ist der Meinung, Josselyn könne doch als erster Bürger der Stadt König werden. Er selbst will aber will lieber in Ruhe leben und will für für Réginald d'Houdeville stimmen. Jeanetton aber plädiert für den Grafen von Evreux, der geselliger ist als der strenge und Frauen verachtende Kommandeur des Malteserordens und Adalbert kann ihr nur zustimmen.
Josselyn schickt Jeanetton zur Feier des Tages Wein holen, denn er will Marguerite zum Namenfest ein Geschenk machen. In einem Ensemble versuchen die anderen Drei, herauszufinden, was das sein könnte, bis Josselyn schließlich erklärt, dass er Marguerite Adalbert zum Mann geben wolle. Beglückt verlässt das Paar die Bühne.
Josselyn jubelt, doch die ehrgeizige Jeanetton versucht ihm einzureden, Marguerite und er hätten doch etwas Besseres verdient als diesen armen Adalbert. Sie wirft ihm vor, dass er – obwohl er den ehemaligen König ständig beraten habe – die Regentschaft abgelehnt habe, während dieser auf der Pilgerreise ins heilige Land war, wo er gestorben ist. Jeanetton erinnert ihn an ein bisher ungeöffnetes Kästchen, das der König ihm vor seiner Abreise übergeben habe und möchte gerne seinen Inhalt wissen. Aber Josselyn weist sie zurück. Dann erfährt er von ihr, dass auch sie Heiratsabsichten habe und ermahnt sie, nichts zu übereilen und lieber erst einmal alles für das Verlobungsfest vorzubereiten.
Sie liebt den Müller Daniel und als Josselyn abgegangen ist, gesteht sie diese Liebe. Aber sie möchte gerne reich werden und so versucht sie mit dem Schlüssel zur Truhe, den Josselyn versehentlich liegen ließ, an das Kästchen zu kommen. Doch bevor sie es öffnen kann, wird sie von Daniel überrascht.
Dieser macht ihr Vorwürfe, dass sie – obwohl sie sich lieben – bisher alle Heiratsanträge zurückgewiesen hat. Aber ihre Befürchtungen, dass sie nach einer Heirat mit einem armen Müllergesellen ein einfacheres Leben als bisher führen müsse, lassen eine Zustimmung nicht zu. Wenn er wenigstens eine Mühle hätte! Nach einem fröhlichen Lied auf die schöne Müllerin eilt er fort, denn er hat etwas gespart und will dem alten Müller, der sich zur Ruhe setzen will, die Mühle abkaufen.
Jeanetton hat aber ihre Träume vom Reichtum noch nicht ganz aufgegeben: Mit der Mühle werde man viel verdienen, weitere Mühlen kaufen und es später schließlich zu einem Schloss bringen.
Sie will den Schlüssel zurücklegen, aber ihre Neugier lässt sie dennoch die Truhe heimlich öffnen. Darin entdeckt sie Krone und Siegelring des verstorbenen Königs sowie ein Pergament, dessen Inhalt sie aber zunächst geheim hält.
Als sie die Truhe wieder verschlossen hat, tritt Josselyn ein. Er macht ihr verkappt einen Heiratsantrag. Dann kommt auch Marguerite, fröhlich hinzu.
Aber als Josselyn nun selbst in den Keller gegangen ist, um den besten Wein für die doppelte Verlobungsfeier zu holen, stürzt Adalbert herein. Er, der Waise, der von dem gestrengen Onkel, Komtur der Malteserritter, erzogen wurde und dem Orden entflohen ist, ist entdeckt worden. Nun werde man ihn aus dem Hause fortschleppen und in den Orden zwingen, und Marguerites Vater, ein einfacher Bürger, werde das nicht verhindern können. Doch Jeanetton verspricht Hilfe – wie, das behält sie zunächst für sich.
Josselyn kommt mit dem Wein und sie feiern unter Toasts auf den verstorbenen König ein fröhliches Fest. Als Josselyn eingeschlafen ist, eröffnet Jeanetton dem jungen Paar das Geheimnis. Sie übergibt Adalbert das Pergament, aus dem dieser vorliest, dass der Verstorbene Josselyn als seinen Erben eingesetzt hat. Da hört man draußen die Menge nach Josselyn schreien, der seine Entscheidung treffen soll, wer der neue König werden soll. Adalbert geht hinaus, um der Menge den Inhalt des Pergamentes zu eröffnen. Dann dringt die Menge ein, um dem neuen König zu huldigen, während dieser – noch im Traum – bittet, ihn in Ruhe zu lassen.

ZWEITER AKT
Ein großer Saal im Schloss von Yvetot
Man hat Josselyn schlafend ins Schloss getragen. Er wird von Schildwachen beschützt. Bewaffnete treten ein, um dem neuen König zu huldigen. Auch Jeanetton, die sich jetzt – prächtig gekleidet als Oberhofmeisterin aufspielt und sich von dem „gewöhnlichen Volk“ distanziert, kommt herein und versichert die Huldigenden „ihrer“ Gnade. Die Bewaffneten ziehen wieder ab, die Schildwachen bleiben.
Daniel kommt und wird von den Schildwachen zunächst zurückgewiesen. Doch Jeanetton befiehlt, ihn herein zu lassen. Er erklärt, dass die Menge draußen warte, um dem neuen König zu huldigen. Sie möge warten, Josselyn schlafe noch. Als Daniel sie auf die versprochene Heirat anspricht und ihr die erworbene Mühle schenken will, fordert sie ihn auf, die Mühle zu verkaufen und sich dafür mit schöner Kleidung auszustatten. Sie werde dafür sorgen, dass er Oberhofbäcker werde. Ihn zum Baron oder Marquis zu machen dürfte ihr wohl auch gelingen, wenn er sich entsprechend adelig verhalte.
Da taucht plötzlich Reginald, der Komtur der Malteser, der sich als Reisender ausgibt, auf. Ehe Jeanetton ihn vertreiben kann, tritt auch Adalbert ein und erkennt seinen Onkel. Er bittet Jeanetton, sie allein zu lassen und auch Daniel geht fort, um seine Mühle wieder zu verkaufen.
Reginald wirft ihm Untreue gegen seine adelige Familie und den Orden vor und fordert ihn auf, sofort von der Tochter dieses „Lumpenkönigs“ zu lassen. Adalbert verweigert seine Gefolgschaft. Unter Strafandrohung gegen den Tuchhändler verlässt Reginald das Schloss.
Marguerite und Jeanetton treten ein. Adalbert bekennt ihnen, wer der Besucher war. Marguerites Befürchtungen setzt Adalbert entgegen, dass er die Order des Onkels verweigert habe und Jeanetton setzt noch eins drauf: Hier im Schloss sei Adalbert sicher. Der Komtur müsse, falls er wiederkäme, sein Gesuch schriftlich einreichen, und ehe dieses sämtliche zuständigen Instanzen des Hofes durchlaufen habe, seien Marguerite und Adalbert längst verheiratet und damit die Ehe unumkehrbar.
Nun ist auch Josselyn erwacht und wundert sich, wo er sich befindet und dass das Geheimnis, das er sorgfältig gehütet hatte, nun entdeckt wurde. Er macht Jeanetton heftige Vorwürfe und will nicht König sein, sondern sein harmloses Leben weiterführen.
Schon strömt auch das Volk herein, um dem neuen König zu huldigen. Erst als Adalbert ihm eröffnet, dass das Volk durch einen fremden Tyrannen (Reginald) bedroht sei und das Volk in die Klage mit einstimmt, nimmt er die Fügung des Schicksals an.
Als erste Maßnahme schickt er Marguerite und Adalbert, den Armen im Volk zu helfen, damit sie mit ihm auf die Königswürde anstoßen könnten.
Jeanetton will ihn nun dazu überreden, im Schloss zu wohnen, vornehme Kleider zu tragen und sich einen großen Hofstaat zuzulegen. Doch er weigert sich will zurück in sein bescheidenes Heim. Er entreißt Jeanetton das von ihr entwendete Pergament, das sie hervorzieht, und wirft es weg. Jeanetton sieht ihre ehrgeizigen Pläne schwinden.
Daniel kommt in vornehmer Kleidung. Er hat seine Mühle verkauft. Josselyn rät ihm, entweder die Mühle neu zu erwerben oder als Müllergeselle weiter zu arbeiten, statt auf die dummen Reden Jeanettons zu hören. Nachdem Daniel fortgeeilt ist, entdeckt Josselyn die Wachen. Er schickt sie einzeln ihn ihren alten Stand zurück. Sein Hund genüge, ihn zu bewachen. Jeanetton will ihm noch einreden, dass er nicht mit dem Volk trinken dürfe. Ein König trinke immer allein. Aber er kann sie nur verlachen.
Marguerite und Adalbert kehren zurück und berichten, dass sie seinen Wunsch erfüllt haben und alle ihn glücklich preisen. Nur eine ist nicht zufrieden, Jeanetton. Sie berichtet, dass Josselyn alles aufgeben wolle, was zu einem König gehört. Da rückt auch schon Reginald an, um mit Josselyn zu reden. Dieser verspricht, auch mit diesem Herrn fertig zu werden und schickt die anderen fort.
Josselyn versucht, Reginald mit vernünftigen Worten zu besänftigen. Die Mädchen brauchen doch auch die jungen Männer, die Reginald alle in den bereits überfüllten Orden und damit zur Ehelosigkeit zwingen möchte. Doch Reginald ist für alle Argumente unzugänglich, droht, die Stadt mit Gewalt einzunehmen und begibt sich fort.
Jeanetton, als sie die Verzweiflung Josselyns vernimmt, ist vom Krieg begeistert und eilt sofort, das Volk aufzuwiegeln. Adalbert, der das Waffenhandwerk ja erlernt hat, ist bereit, sich an die Spitze des Volks zu stellen. Doch Josselyn will vermeiden, dass Unschuldige leiden sollen und bittet Adalbert, zum Orden zurückzukehren.
Man hört die Sturmglocke läuten. Jeanetton und Daniel sowie ein bunter Haufen Bewaffneter, Frauen und Mädchen stürmen herein. Während alle anderen begeistert in den Krieg stürmen möchten und Josselyn sich verzweifelt dagegen wehrt, fällt der Vorhang.

DRITTER AKT
Großer Waffensaal
Adalbert spricht der verängstigten Marguerite Mut zu. Er habe ein kräftiges Heer arrangiert, das auf jeden Fall siegen werde. Auch Jeanetton kommt und schwärmt von dem zusammengestellten Heer. Mit diesem werden man nicht nur die Malteser besiegen, sondern ganz Frankreich erobern und dem König von Yvetot unterstellen. Auf die Frage, was der Vater mache, erklärt sie, dass dieser sein Zimmer noch nicht verlassen habe und grübelnd darin hin- und herlaufe.
Schließlich kommt auch Josselyn. Er habe die ganze Nacht nach einem Mittel gesonnen, den Krieg zu vermeiden, aber keines gefunden. Da die Bürger sich zu Recht gegen die Gewaltherrschaft der Malteser wehren wollen, will auch er am Kampf – so gut er kann – teilnehmen.
Ein Bürger bringt einen Herold, der ein Schreiben vom Komtur überreicht. Man solle sich ergeben, nur dies könne sie erretten. Als Josselyn das Siegel sieht, kommt ihm der Gedanke zur Rettung. Vergnügt übergibt er dem Herold ein Schreiben, in dem er Reginald zu einem Zweikampf auffordert und dem Bürger eine Weisung an den Torhüter der Stadt.
Daniel, kommt und bittet Josselyn, Jeanetton zu befehlen, ihn zu heiraten, bevor die Stadt gefallen ist. Josselyn muss nun erkennen, dass er sich in Jeanetton getäuscht hat und verspricht Daniel, ihm zu helfen.
Jeanetton tritt ein und empört sich, dass Josselyn dem Torhüter befohlen hat, die Tore der Stadt zu öffnen. Er verbittet sich ihre Albernheiten und will sie an einen Ort bringen lassen, wo „zumindest ihre Zunge zur Vernunft gebracht werden könne“.
Marguerite, Adalbert und das Volk stürzen herein und wollen wissen, warum Josselyn die Öffnung der Tore angeordnet hat. Doch er tröstet sie. Er werde allein die Rettung bewirken, indem er mit Reginald einen Zweikampf führen werde, wie es noch keinen gegeben hat.
Nun erscheint Reginald mit einer Ritterschar und stellt sich dem Zweikampf. Josselyn schickt alle hinaus. Dann zieht er seine Waffe hervor, eine goldene Kette. Diese hat er von einem Mädchen, das er, von ihrem Verführer verlassen, vor seiner Haustüre fand. Sie gebar ein Kind und starb. Dieses Kind habe er großgezogen und nun kenne er den Verführer. Reginald muss seine Schuld erkennen und ist nun begierig seine Tochter kennen zu lernen und umarmen zu können.
Josselyn winkt alle Wartenden wieder herbei. Doch da er das Geheimnis wegen des Standes von Reginald vor der Öffentlichkeit verbergen will, deklariert er Marguerite als Ehefrau von Adalbert und damit als Nichte Reginalds, so dass dieser sie in die Arme schließen kann. Josselyn und Reginald geben sich vor der Öffentlichkeit die Hand.
Entgegen der Hoffnung Jeanettons will Josselyn nicht im Schloss, sondern in seinem bisherigen Heim wohnen und verzichtet auf die Werbung um sie. Nun endlich gibt sie die Zustimmung zur Hochzeit mit Daniel. Die Oper schließt mit einem Preislied auf frohen Sinn und heiteren Mut als die besseren Gaben.
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Gerhard Wischniewski

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Samstag, 27. August 2016, 20:58

Anmerkungen:
Yvetot ist eine Gemeinde in der Normandie mit heute etwa 12000 Einwohnern. Diese wurde im Jahr 558 tatsächlich zum Königreich erhoben und genoss daraus eine Reihe Privilegien. Diesen Status behielt sie bis zur Französischen Revolution.
Die Inhaltangabe der Oper ist ein fiktives Geschehen. Sie basiert auf dem französischen Originallibretto.
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)