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zweiterbass

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1

Dienstag, 19. März 2013, 22:22

Reger, Max

http://www.youtube.com/watch?v=2kS2fl-pxAg

Meine LP-Aufnahme mit der "junge kantorei" unter Joachim Martin ist nicht mehr auf dem Markt

Hallo,

"Nachtlied, Nr. 3 aus Op. 138 , Geistliche Gesänge"
(für 5-stimmig gem. Chor)

"Die Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen;
Gott walts zu Frommen nach seinem Wohlgefallen,
daß wir uns legen in sein Gleit und Segen,
der Ruh zu pflegen. Treib Herr,
von uns fern die unreinen Geister,
halt die Nachtwacht gern,
sei selber unser Schützherr!
Schirm beid, Leib und Seel, unter deine Flügel,
send uns dein Engel.
Laß uns einschlafen mit guten Gedanken,
fröhlich aufwachen und von dir nicht wanken,
laß und mit Züchten unser Tun und Dichten
zu deinem Preis richten."
(Petrus Herbert, 16. Jahrhundert)


Ein schlichter, dem Text angepasster Chorsatz, der nur sehr wenige dissonante Stellen hat, aber eine reiche Harmonik aufweißt und Reger als sehr gut mit dem "Instrument" Chor umzugehen zeigt.

Der Chor aus Schweden hat einen sehr runden, ausgewogenen Chorklang; die Artikulation in deutscher Sprache ist akzentfrei (!) und gut verständlich.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

moderato

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2

Mittwoch, 20. März 2013, 05:53

Lieber zweiterbass

Höre ich den Namen des Komponisten Max Reger (1873-1916), ist mein erster Gedanke dieses Lied, das du in deinem Beitrag erwähnst. Sein A capella Chorsatz "Nachtlied" ist eines meiner liebsten Musikstücke. Ich schätze sehr die Aufnahme der King's Singers. Auf You Tube gibt es ein Hörbeispiel. (Leider nur als Standbild.)


Diese Aufnahme des Calmus-Ensembles belegt Max Regers Rang als Komponist für Chormusik. Auch hier ist jede Stimme durch einen Sänger bzw. Sängerin besetzt.

.
Grössere Besetzungen finden sich hier: Beim Label Carus gibt es drei CDs mit Einspielungen geistlicher und weltlicher Chormusik. Aufnahmen mit dem NDR Chor und dem Dresdner Kammerchor unter Hans-Christoph Rademann.
Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

.

zweiterbass

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3

Mittwoch, 20. März 2013, 09:52

Lieber moderato,

das Video der King's Singers ist nicht mehr verfügbar - die GEMA hat zugeschlagen - weshalb ich es bei youtube auch nicht mehr gefunden habe.

Zum Calmus-Ensemble: Ich schätze mehr den Chorklang, der viele Stimmen zu einem wohlklingenden Ganzen vereint.

Ich wollte mit meinem youtube-Link aber auch auf die Chorwochen in Marktoberdorf aufmerksam machen. Ich überlege ob ich d. J. hinfahre?

Viele Grüße
zweiterbass
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dr.pingel

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4

Mittwoch, 20. März 2013, 11:34

Ich habe früher in meinem Ensemble in Essen viel Reger gesungen; das ist wirklich großartige Chormusik. Ich würde unserem zweiten bass auch zustimmen, dass er ein wenig Chormasse schon braucht, das ist nichts für Solisten. Seine Orchesterwerke und Konzerte finde ich nur langweilig.
"Ich hasse Zugaben. Zugaben zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Form und Inhalt nicht gut genug sind für das eigentliche Programm!" (Henning Venske)

moderato

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5

Mittwoch, 20. März 2013, 12:18

Lieber zweiterbass, lieber dr. pingel
Ich kann den You Tube Beitrag mit den King's Singers anklicken. Ist dies eine länderspezifische Angelegenheit?
Nachvollziehen kann ich als Chorsänger, dass ein Chor mit mehreren Stimmen einen anderen Klang erzeugt, als wenn jede Stimme solistisch besetzt ist. Letztlich ist dies eine Frage der persönlichen Vorlieben.
Wenn im Forum über Chormusik geschrieben wird, geschieht dies eher selten. Ich finde es schade, dass dieses Genre nicht mehr Beachtung findet.
Ich vertrete die Meinung, dass dieser Komponist weit unter seinem Wert beachtet wird. Regers Musik erschliesst sich nicht sofort. Da wird einiges vom Hörer erwartet.
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Igor Strawinsky

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zweiterbass

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6

Mittwoch, 20. März 2013, 21:58

Ich kann den You Tube Beitrag mit den King's Singers anklicken. Ist dies eine länderspezifische Angelegenheit?
Lieber moderato,
von wo aus gehst Du denn in youtube?


Wenn im Forum über Chormusik geschrieben wird, geschieht dies eher selten. Ich finde es schade, dass dieses Genre nicht mehr Beachtung findet.
Darum fahre ich seit (?) 2-gleisig, z. B.: Im allgemeinen Reger-Thread verweise ich auf den von mir gestarteten Thread "Reger, Max" im Forum "Chormusik aus Klassik und Romantik", ähnlich verfahre ich mit dem von mir gestarteten Thread "Distler, Hugo - Das Mörike Chorliederbuch" (in Verbindung zum Kunstliedthread "Hugo Wolf und Eduard Mörike"). Ich werde dies in ähnlichen Fällen fortführen und in den entspr. Chormusikforen jeweils eigene Threads eröffnen.

LG
zweiterbass
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moderato

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7

Mittwoch, 20. März 2013, 22:04

Lieber zweiterbass

Ich klicke auf das Bild in meinem Beitrag Nr. 2 in diesem Thread.
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8

Mittwoch, 20. März 2013, 22:55

Lieber moderato,

ich dachte mehr "von welchem Land aus" - in der BRD ist das Video wegen GEMA nicht verfügbar - so erscheint sinngemäß die Meldung, wenn ich auf das Bild klicke.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

zweiterbass

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9

Donnerstag, 21. März 2013, 01:47

Vorspruch: Ob es mancher "Frühaufsteher" oder "Spätzubettgeher" (dieser trotzdem!) zur dann richtigen Tageszeit hört?


http://www.youtube.com/watch?v=Y87uViSDy8s

Hallo,

"Morgengesang, Nr. 2 aus Op. 138 , Geistliche Gesänge"
(für 6-stimmig gem. Chor)

"Du höchstes Licht, ewger Schein,
du Gott und treuer Herre mein,
von dir der Gnaden Glanz ausgaht
und leuchtet schön, gleich früh und spat.

Das ist der Herre Jesus Christ,
der ja die göttlich Wahrheit ist,
der mit sein'r Lehr hell scheint und leucht't,
bis er die Herzen zu ihm zeucht.

Er ist der ganzen Welte Licht,
dabei ein jeder klarlich sicht,
den hellen, schönen, lichten Tag,
an dem er selig werden mag."
(Johannes Zwick 16. Jahrhundert)

Zitat aus dem Booklet (zu den Motetten - stelle ich später ein, aber schon jetzt um ein Licht auf Reger zu werfen):
"Dass Reger, der einmal von sich bekannte, er sei "katholisch bis in die Fingerspitzen" (könnte das auch Bruckner gesagt haben? meine Einfügung), sich hier, wie auch in vielen anderen Werken, Luthers Verdeutschung der Bibel bediente, scheint ein bemerkenswerter Umstand, der sich wohl am ehesten aus der Faszination erklären lässt, die Luthers ungemein bildkräftige und zugleich einfache Sprache auf den Musiker ausgeübt hat."

Keine noch so geringe Dissonanz ist in diesem choralartigen Chorsatz zu hören, in dem große Dynamik zur Textverdeutlichung verwendet wird.

Dem Rundfunkchor Berlin fehlt m. E. etwas die große Chorklang-Ausgewogenheit, was den Chor aus Schweden (Nachtlied) so auszeichnet; das habe ich schon öfter gehört, dass professionelle Chöre eher Schwierigkeiten haben, die stimmlich geschulten und ausgebildeten und damit im Stimmcharakter mehr hervortretenden Chorsänger klanglich zu integrieren, als das bei Laienchorsängern mit ihren Naturstimmen der Fall ist. Ganz besonders ist das natürlich bei kleinen Ensembles - Quartett, aufwärts bis zum 3-fach-Quartett - zu hören.

Der Chor der Hochschule für Musik Mainz (youtube) hat ab und zu ganz leichte Intonationsschwierigkeiten.

Viele Grüße
zweiterbass
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zweiterbass

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10

Sonntag, 24. März 2013, 19:31

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Lass ausruhn mich von Lust und Not,
Bis dass das ewige Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.
(Joseph von Eichendorff)

Hallo,

diesen Text hat Reger als Op. 144 a "Der Einsiedler" vertont für Bariton, Orchester und gem. Chor.

Meine Aufnahme mit der "junge Kantorei" und dem SO Berlin unter Joachim Martini ist nicht mehr erhältlich, auf youtube ist eine sehr viel bessere Einspielung nachzuhören.
http://www.youtube.com/watch?v=aFPOPtN0hAI

Es ist ein fast monumentales Werk, das der Überschrift "Der Einsiedler" etwas widerspricht, nicht jedoch dem Anfangsmotiv (was oft wiederholt wird). Ich bin mir im Unklaren darüber, was Reger dazu veranlasst hat, aus dieser "einsamen Einsiedelei" ein so großvolumiges Werk zu schaffen; allerdings mit dem Einsatz des Bariton wird durch dessen "Liedmelodie" das vergessen Sein hörbar und zugleich der Trost der dem Einsiedler widerfährt (aus verschiedenen Quellen, dem vielfachen Naturerlebnis, dem "Lob Gottes"...) - und das kann Anlaß des aufwändigen Werkes sein, was in seiner Harmonik unüberhörbar spätromantisch ist und die Chorpassagen dabei eindrucksvoll unterstützen.

http://www.youtube.com/watch?v=o_oZUEIRFYw
Ganz anders die Vertonung von Christian Lahusen (Lebensdetails bei Wikipedia) "Komm Trost der Welt". Ein äußerst schlichter 4-stimmiger Chorsatz, der unter einer ganz Sichtweise seinen Chorsatz komponiert hat. (Ich habe diesen Chorsatz vor ca. 55 Jahren in "meinem" 1. Chor gesungen - bei Freiluft-Abendserenaden als Überleitung zu einem ruhigeren Abschluss.)

Beide Kompositionen sind nicht unmittelbar vergleichbar, aber als Kontrast schon.

Viele Grüße
zweiterbass
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m-mueller

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11

Sonntag, 8. März 2015, 22:14



Ganz anders die Vertonung von Christian Lahusen (Lebensdetails bei Wikipedia) "Komm Trost der Welt". Ein äußerst schlichter 4-stimmiger Chorsatz...


Gerade weil der Lahusen-Satz so schlicht ist, finde ich ihn für den Text sehr angemessen, spiegelt er doch die beinahe zärtliche Trauer und Müdigkeit des Erzählers wider. Mir gefällt der Satz jedenfalls ausgezeichnet, und ich habe ihn immer gern gesungen.

Du hast auch die bei weitem beste bei youtube vorhandene Interpretation ausgewählt.

zweiterbass

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12

Montag, 4. Januar 2016, 19:59

Hallo,

erst am 6.1. ist die Weihnachtszeit nach kirchlichem Brauch beendet - da passt dieser schlicht Choralsatz (den ich in jungen Jahren mitgesungen habe) von Reger also noch in die Zeit; auf der im Beitrag Nr. 9 vorgestellten CD ist er enthalten.

Und unser lieben Frauen
der traumet, traumet ihr ein Traum :
wie unter ihrem Herzen gewachsen wär,
gewachsen ein Baum.

Und wie der Baum ein Schatten gäb
wohl über alle, alle Land :
Herr Jesus Christ der Heiland also ist er,
ist er genannt.

Herr Jesus Christ der Heiland ist
Unser Heil und Trost,
mit seiner bittern Marter
hat er uns all erlöst.

Ich staune mit welch einfacher Schlichtheit Reger (man denke an seine Orgelwerke) die Strophen 1 und 2 vertont hat, den Chorsatz dem Text der 3. Strophe angepasst hat und in der letzten Verszeile zum Ausgang des Textes zurück kehrt.


https://www.youtube.com/watch?v=AVKEL1grLo4
Eine sehr gute und weniger schwergewichtige Aufnahme.

https://www.youtube.com/watch?v=TqZrDQ8ejtQ
Hier wird noch mehr "Schwulst" entfernt und bis auf ab und zu das "r" eine sehr gute Aussprache und Intonation.

Viele Grüße
zweiterbass
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Caruso41

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13

Dienstag, 5. Januar 2016, 15:59

Ich sehe gerade, dass hier Max Reger und das just angebrochene Reger-Jahr Thema sind.
Da ich in einem anderen Thread hierzu etwas geschrieben habe, erlaube ich mir, eine Verknüpfung herzustellen.
Wer ein spezifischer Interesse an Reger hat, wir sicher gern das eingestellte Video hören!
Und: der Text von Rainer Cadenbach, den ich als PDF-Datei eingestellt habe, wird für Jeden, der sich mit Reger beschäftigt, spannend und lohnend sein.

Was sind eure Lieblingsouvertüren?

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

zweiterbass

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14

Freitag, 29. Januar 2016, 23:41

Hallo,

auf der in Beitrag Nr. 9 vorgestellten CD mit Chorwerken von Max Reger ist auf Track 1 aus den „Geistlichen Gesängen“ op. 138 „Der Mensch lebt und besteht…“ zu hören; der Text ist von Matthias Claudius:

„Der Mensch lebt und bestehet
nur eine kleine Zeit und alle Welt vergehet
mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden
und wir in seinen Händen“.

https://www.youtube.com/watch?v=iga79WdqvNc
Leider ist es eine andere Aufnahme, aber sie ist m. E. mit der o. g. CD ebenbürtig.








Hugo Distler hat als Chorwerk vertont (Track 13 der CD)
„Der Mensch, vom Weibe geboren…“ – AT, Hiob 14, Vers 1+2 - in der Luther-Übersetzung:

„Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe.
Geht auf wie eine Blume, und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht.“

Ich habe den Chorsatz auf einer Cantate-LP mit dem Mülheimer Singkreis, die nicht mehr im Handel ist, auch nicht als CD. Bedauerlicherweise erreicht diese CD längst nicht die Interpretationsqualität (ich meine nicht den Chorklang) des Mülheimer Singkreises.
Leider gibt es bei YouTube keine Einspielung des Werks, sodass sich der Hörvergleich, ohne CD, auf die JPC-Schnipsel beschränken muss.



Zweifelsohne geht das Gedicht von Claudius in seinen Verszeilen 1 -3 auf Hiob zurück.

Aufschlussreich ist nun, wie die beiden Komponisten den Text vertont haben, dabei hat sich Distler offensichtlich von Regers Vertonung der Verszeilen 1-3 inspirieren lassen – die Ähnlichkeit ist m. E. unüberhörbar - er bleibt aber dem Grundcharakter des Buches Hiob mehr verbunden: herbe Dissonanzen, die für ihn typischen Wortwiederholungen - „Unruhe“ - (kein instrumentaler Gesang mit den Textdehnungen wie im Barock) zur Textverdeutlichung und die Musik exakt dem Text folgend, ohne lautmalerisch zu sein („Unruhe, und fällt ab, Schatten“). Im weiteren Verlauf unterscheiden sich die Kompositionen jedoch wesentlich – Reger hält sich an den zum Ende tiefgläubigen Text von Claudius und der Chorsatz endet getröstet in zuversichtlichem Glauben und fröhlich; der Charakter der Musik ändert sich mit dem Wort „Herrlichkeit“ und dies besonders mit der letzten Wiederholung des Wortes, mit einem friedvollen Dur klingt der Chorsatz aus.


Viele Grüße
zweiterbass

Nachsatz: Distlers Chorwerke werden nach wie vor unterschätzt - auf kleinem Raum komponiert er in seiner Textverdeutlichung musikalische Kostbarkeiten, ähnlich wie das auch Schubert, Schumann etc. bei ihren Liedern (diese aber noch besser) gelingt.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

zweiterbass

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15

Mittwoch, 10. Februar 2016, 17:11

Hallo,

auf der CD im Beitrag Nr. 9 sind zu hören:

Geistliche Gesänge op. 110, für 5-stimmig gem. Chor

1. Motette, Texte aus dem AT:
Hiob 17, 1-3:
„Mein Geist* ist zerbrochen, meine Tage sind ausgelöscht*, das Grab ist da.“
„Fürwahr, Gespött umgibt mich, und auf ihrem Hadern muss mein Auge weilen,“
„Sei du selbst mein Bürge bei dir – wer will mich sonst vertreten?“
(*Reger hatte wohl nicht die Lutherübersetzung zur Hand.)
Einstimmig, in tiefer Stimmlage, molto lento, ohne Dynamik, so beginnt der Satz – so gibt Reger einem demoralisierten, hoffnungslosen Menschen musikalische Gestalt; kommt die Mehrstimmigkeit hinzu, ergeben sich herbe Dissonanzen, schroffe Akkordübergänge, gepaart mit bedrückenden Textwiederholungen. Es ist gut zu hören, wie schmerzlich das Gespött wirkt, mit großer Dynamik und sehr bewegten Tempi. „Sei du selbst...“ ist der Beginn des Chorals, der ohne Pause zur nächsten Textstelle überführt – aber zuvor ist die Harmonik bei „…will…“ sehr zu beachten, wie Reger diese Frage deutet.

Hiob 26, 2+3:
„Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst du dem, der keine Stärke in den Armen hat?“
„Wie gibst du Rat dem, der keine Weisheit hat und lehrst ihn Einsicht in die Fülle!“
Diesen Text vertont Reger nicht als Frage („du“ wird nicht vertont)! In der choralartigen Vertonung ist bereits Ruhe und Zuversicht zu hören (am Ende breiter Dur-Akkordausklang) und lässt schon den Jubel der folgenden Textstelle erahnen.

Hiob 19, 25:
„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über den Staub sich erheben.“
Die Fuge bietet Reger die reiche Möglichkeit der Textwiederholungen und der kraftvollen Lutherübersetzung (die Reger in einer z. T. anderen Übersetzung vertont, diese aber wohl kennt) wird er in der musikalischen Umsetzung mehr als gerecht.


2. Motette, Texte aus dem AT:

Psalm 6, 2+3
„Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!“
„Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken.“
Ähnlich einem Responsorium antworten sich die zwei Chorgruppen, jedoch in/mit den gleichen Worten – „denn ich bin schwach“, fällt in Stimmlage und Dynamik stark ab, überleitend zu

Psalm 4, 2,9
„Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott, meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet.“
„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“
Die Wiederholungen werden in Stimmlage und Dynamik immer drängender und bei „Gott meiner Gerechtigkeit“ geradezu fordernd, was ambivalent zur Musiksprache „erhöre mein Gebet“ steht - es wird largo in Dur-Akkorden vertont - findet den Fortgang sowohl in „…schlafe ganz in Frieden…“, als auch…

Psalm 6, 7a
„Ich bin so müd vom Seufzen; ich schwemme mein Bett die ganze Nacht und netze mit Tränen mein Lager.“
…ebenso „…bin so müd…“ und gleichfalls in die…

Psalm 7, 11
„Gott ist der Schild über mir, er, der den frommen Herzen hilft.“
...Gewissheit „Gottes Schilds“, welche dem musikalischen Ausdruck der Forderung weicht.

Psalm 18, 2
„Herzlich lieb hab ich dich, Herr, meine Stärke!“
Reger wählt anfangs einen Kanon – er lässt Alle zu gleicher Melodie und Text singen (weil es ja alle Gläubigen betrifft) - den er dann in eine Fuge überleitet und zugleich zum letzten Psalmzitat…

Psalm 16, 11
„Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.“
….was die „ewiglichen Freuden der Fülle und Wonne…“ Reger in hohen Stimmlagen in ff und breit ausladenden Dur-Akkorden zu einem machtvollen Ende bringt.


3. Motette, Texte aus den Apokryphen:

Jesus Sirach, 41, 1-4
„ O Tod, wie bitter bist du, wenn an dich gedenkt ein Mensch, der gute Tage und genug hat und ohne Sorge lebt“
„und dem es wohl geht in allen Dingen, und der noch wohl essen kann!“
„O Tod, wie wohl tust du dem Dürftigen,“
„der da schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt, und nichts Besseres zu hoffen noch zu erwarten hat!“
Reger ist in seiner Vertonung sehr genau dem Text gefolgt; auffällig jedoch ist, dass schon in der 1. Verszeile das „du“ auf einem reinem Dur-Akkord erklingt – der Tod stets als Erlöser des Menschen.

Viele Grüße
zweiterbass
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JLang

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Sonntag, 10. April 2016, 10:37

Ich erlaube mir, hier kurz darauf hinzuweisen, dass Leipzig in diesem Jahr doch einiges zur Erinnerung an Max Reger beiträgt. Eine bequeme Übersicht über die Veranstaltungen ist unter folgendem link zu finden.

http://reger-in-leipzig.de

Zwischen dem 8. und 20. Mai wird es Reger-Festtage geben.

Beste Grüße
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

operus

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17

Montag, 11. April 2016, 12:21

Fuer das kommende Fono Forum ist ein Artikel angekuendigt, dass Gerhard Oppitz weltweit der einzige Spitzenpianist sei, der sich mit dem Klavierkonzert von Max Reger intensiv auseinandersetze und in diesem Werk die massstabsetzende Leistungen vollbringe.


Herzlichst
Operus

lutgra

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18

Montag, 11. April 2016, 15:50

dass Gerhard Oppitz weltweit der einzige Spitzenpianist sei, der sich mit dem Klavierkonzert von Max Reger intensiv auseinandersetze

Ohne dem Artikel voraus greifen zu wollen, darf man sicher darauf hinweisen, dass sich unlängst auch Marc-Andre Hamelin und Michael Korstick mit dem Werk diskographisch auseinandergesetzt haben. Beide Auseinandersetzungen gibt es derzeit günstig.


hami1799

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19

Montag, 11. April 2016, 16:43

http://www.youtube.com/watch?v=2kS2fl-pxAg

Meine LP-Aufnahme mit der "junge kantorei" unter Joachim Martin ist nicht mehr auf dem Markt

Hallo,

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Ein schlichter, dem Text angepasster Chorsatz, der nur sehr wenige dissonante Stellen hat, aber eine reiche Harmonik aufweißt und Reger als sehr gut mit dem "Instrument" Chor umzugehen zeigt.

Der Chor aus Schweden hat einen sehr runden, ausgewogenen Chorklang; die Artikulation in deutscher Sprache ist akzentfrei (!) und gut verständlich.

Viele Grüße
zweiterbass

12th International Chamber Choir Competition Marktoberdorf, alle Achtung!
Gleich zweimal Heimat. Dass dieses verlassene Nest Marktoberdorf im schönen Allgäu so etwas zustande brachte, ist erstaunlich. Dort trafen sich bisher nur die schwäbischen Leichtathleten der Sechzigerjahre, fast eine Familie, jedes zweite Jahr zum Nostalgietreffen.

Die Kirche S:t Jacob in Stockholm liegt übrigens nur etwa 15m gegenüber der Königlichen Oper. Der Dirigent des S:t Jacobchores, Mikael Wedar, ist dazu noch Solist(Tenor) beim Eric Ericsons Kammerchor.

zweiterbass

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Montag, 11. April 2016, 17:37

Hallo,

Bernhard Buttmann, KMD und Kantor an St. Sebald in Nürnberg hat alle Orgelwerke Regers, auf verschiedenen Orgeln in der BRD, eingespielt (Vol. 1-4 auf insges. 16 CDs); ich höre, er ist Spezialist für Regers Orgelmusik.

Ich werde die Gelegenheit nutzen, einen Teil d. J. live auf der Peter-Orgel in St. Sebald (siehe Wikipedia) zu hören.
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Montag, 9. Mai 2016, 13:42


Hallo,

es ist keine Vertonung des liturgischen Textes – Reger vertont ein Gedicht (es wird auf YouTube angezeigt) von Hebbel, weshalb dieses Werk nicht mit den üblichen Requiemvertonungen vergleichbar ist.

Hebbels Gedicht zerfällt in zwei Teile – in die beiden Möglichkeiten, wie die Lebenden mit ihren Toten umgehen können – und dies entfernt von religiösen Gebräuchen.

Das „dies irae“ im religiösen Requiem dürfte die „Knute“ der christl. Amtskirchen sein. Hebbels Gedicht hat einen völlig anderen Denkansatz, der m. E. zu einem besseren Verständnis der Situation zwischen den Lebenden und den Toten führt, zu einem humanen.

Das „dies irae“ in Hebbels Gedicht beginnt bei „…und wenn du dich erkaltend ihnen verschließt…“, weitere Höhepunkte „…dann erstarren sie…“ - „…der Sturm der Nacht…“
Hebbels „dies irae“ sind die Folgen des verwerflichen Umgangs der nachfolgenden Generationen mit ihren Verstorbenen.

Wie Reger aus dem Hebbel-Text dieses Requiem vertont ist überzeugend - das Weh der Verstorbenen und die Kälte der Lebenden ist „greifbar“ zu hören. (Mangels Kenntnissen der zeitlichen Zusammenhänge seiner Lebensumstände mit der Entstehungszeit dieses Requiems ist es meine bloße Vermutung: Reger hat dieses Werk nach seiner Exkommunikation komponiert.)


Viele Grüße
zweiterbass

Nachsatz: Nicht umsonst haben manche Komponisten in ihrem liturgischen/religiösen Requiem das „dies irae“ nicht vertont.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

lutgra

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22

Montag, 9. Mai 2016, 15:23

Reger Portrait auf SWR 2

Auf SWR2 gibt es diese Woche täglich von 9:00-10:00 in der Musikstunde ein fünfteiliges Portrait von Max Reger. Das Skript kann man von der Sender website downloaden und die Sendung auch als podcast nachhören.

zweiterbass

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23

Dienstag, 14. Juni 2016, 21:16

Hallo,

3 sechsstimmige Chöre, op. 39

1.Schweigen, Text Gustav Falke
Den Text habe ich im Internet nicht gefunden; ich habe ihn aus dem Booklet abgetippt, wegen Reger…:
„Nun um mich her die Schatten steigen,
stellst du dich ein, o süßes Schweigen,
du, allertiefsten Sehnsucht wert.

Sehr hab‘ ich lärm und Last des Tags
nach dir du scheuer Gast,
wie einen lieben Freund begehrt.

Das wirre Leben ist verklungen,
in Höhen ging und Niederungen
längst jeder laute Schall zur Ruh.

Stimmen, die der Tag verschlang,
erklingen, mystischer Gesang
ja süßes Schweigen, rede du.

Was über deinen stillen Mund
aus rätseltiefem Grund
mit leisem Murmeln quillt herauf,

ich halte zittern meine Schalen
und fang die feinen Silberstrahlen
verborgener Quellen selig auf.“

https://www.youtube.com/watch?v=ncbCZDb8FOA

Die Dichte des Verlaufs der Harmonik in der 1.Zeile der 1. Strophe erreicht Reger im „Schweigen“ nicht mehr (den Akkord auf „mich“ kenne ich von???)


2. Abendlied (nicht zu verwechseln mit dem Nachtlied, guter Text)
Text Aug. H. Plinke, auch nicht im Internet zu finden.
Dass Reger diesen Text vertont hat? Ich finde ihn oberflächlich und schwülstig.

https://www.youtube.com/watch?v=1Nw3EgUw9iw


3. Frühlingsblick
Text Nikolaus Lenau

"Durch den Wald, den dunkeln, gebt
Holde Frühlingsmorgenstunde,
Durch den Wald vom Himmel weht
Eine leise Liebeskunde.

Selig lauscht der grüne Baum,
Und er taucht nnt allen Zweigen
In den schönen Frühlingstraum,
In den vollen Lebensreigen.

Blüht ein Bümlein irgendwo,
Nird's vom hellen Thau getränket,
Das einsame zittert froh,
Daß der Himmel sein gedenket.

In geheimer Laubesnacht
Nird des Vogels Herz getroffen
Von der großen Liebesmacht,
Und er singt ein süßes Hoffen.

All' das frohe Lenzgeschick
Nicht ein Wort des Himmels kündet:
Nur sein stummer, warmer Blick
Hat die Seligkeit entzündet;

Also in den Winterharm,
Der die Seele hielt bezwungen,
Ist ein Blick mir, still und warm,
Frühlingsmächtig eingedrungen."

Keine brauchbare YouTube-Einspielung



4. Palmsonntagmorgen
Text Emanuel Geibel

"Es fiel ein Thau vom Himmel himmlisch mild,
der alle Pflanzen bis zur Wurzel stillt:
Laß dein Sehnen, laß die Thränen!

Es fiel ein Thau vom Himmel himmlisch mild.
Ein sanftes Sausen kommt aus hoher Luft,
still grünt das Thal und steht in Veilchenduft!

Göttlich Leben fühl' ich weben.
Macht hoch das Thor,
der König ziehet ein,
die Welt soll jung und lauter Friede sein.

Streuet Palmen, singet Psalmen,
Hosannah singt, der König ziehet ein."

Leider keine YouTube-Einspielung

Naturwunder (die Strophen 1 und 2) als Einstimmung zum Palmsonntag (mein Gedanke an Karfreitagszauber, nicht die Musik, der Grundgedanke); die Vertonung der Natur abgelauscht, aber keine Lautmalerei (mit naturverbundenem Einfühlungsvermögen vertont) – auch das ist Reger.
„Streuet Palmen….“ – seine Bachverehrung ist unüberhörbar.


5. Vater unser – da kommt ein gesonderter Beitrag.

6. Motette op. 110, Nr. 2 – sieh hier Beitrag Nr. 15


7. Oster-Motette, Text Johann Rist
Keine YouTube-Einspielung, auch kein Text im Internet.

Der Text könnte ein Lied im ev. Kirchengesangbuch sein und Reger hat ihn „kurz und bündig“, ähnlich einem Choral, vertont.

Der Norddeutsche Figuralchor unter Jörg Straube bringt eine sehr gute Interpretation und Intonation; an einigen Stellen ist (durch die Aufnahmetechnik?) die Klangbalance zu Gunsten (?) des Soprans etwas daneben geraten.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

zweiterbass

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24

Freitag, 22. Juli 2016, 18:28

Hallo,

auf der im Beitrag Nr. 23 vorgestellten CD wurden von den 8 geistlichen Gesängen op. 138 bereits vorgestellt die Nr. 8, 9, 10, 11 in den Beiträgen hier Nr. 14, 9, 1, 12.

Es folgen nun noch:

Nr. 12 – Kreuzfahrerlied – es gibt viele Textfassungen im Internet, aber nicht die von Reger vertonte – Abschrift aus dem Booklet:
In Gottes Namen fahren wir,
seiner Gnaden begehren wir, nun helf uns die Gottes Kraft
und das heilig Grab,
da Gott selber inne lag.
Kyrieleis.

Sankt Petrus, der ist gut,
der uns vieler Gnaden tut,
da gebeut ihm die Gottes Stimme.
Fröhlich nun fahren wir!
Nun hilf uns, edle Maria, zu dir.
Fröhlich und unverzagt!
Nun hilf uns, Maria, reine Magd.

Leider keine YouTube-Einspielung
Regers Vertonung imitiert einen Kreuzfahrergesang, weitgehend auch in der Harmonik; abweichend besonders in der jeweils letzten Verszeile.


Nr. 13 – Das Agnus Dei – Text Nikolaus Hovesch (Decius)
O Lamm Gottes, unschüldig
am Stamm des Kreuzes geschlachtet,
allzeit gefunden düldig,
wiewohl du warest verachtet:
All Sünd hast du getragen,
sonst mössten wir verzagen,
erbarm dich unser, o Jesu.
https://www.youtube.com/watch?v=NdUKz8YSBnc
Ziemlich weit weg von Regers „gefürchteter“ Harmonik (das ganze op. 138 ist ein Spätwerk); sie geht noch hinter Bruckner zurück – es klingt mehr nach einer kleinen Bach-Motette mit um 100 Jahre fortgeschriebener Harmonik.



Nr. 14 – Schlachtgesang – Text Matthias Kemnat
Mit Gottes Hilf sei unser Fahrt!
Maria halt uns in der Wart!
Sankt Peter unser Hauptmann sei!
Unsere Sünde Herre Gott verzeih,
dass wir ewgen Todes frei!
Kyrie eleison.

Dank sei dir, Dank dem heiligen Gott,
des Himmels Fürst, Herr Sabaoth!
Allgegenwärtig Dreifaltigkeit,
steh uns bei zur Gerechtigkeit!
Lob und Dank sei dir geseit!
Kyrie Eleison.

Leider keine YouTube-Einspielung
Da gilt auch meine Bemerkung zu Nr. 13


Nr. 15 – Wir glauben an einen Gott – Text Martin Luther (?)
Wir glauben an einen Gott,
Schöpfer Himmels und der Erden;
mit Worten ließ er werden
alle Dinge zu seinem Gebot.

Von der Zarten ward er geboren,
Maria, der reinen, auserkoren,
uns zu Trost und aller Christenheit.

Für uns wollte er leiden,
Ob wir möchten vermeiden,
schwere Pein,
den Tod der Ewigkeit.
https://www.youtube.com/watch?v=glv2NcPRZhk
Beeindruckend der Wechsel in der Harmonik in den letzten beiden Verszeilen der letzten Strophe.




Im nächsten Beitrag werde ich mit dem „Vaterunser“, Nr. 5 auf der CD, meine Beiträge zu Regers Chorwerke beenden.

Viele Grüße
zweiterbass
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25

Montag, 25. Juli 2016, 22:18

Hallo,

Regers Vertonung des „Vater unser“ (12-stimmig, für 3 Chöre, a-cappella) ist mit fast 19 min. ungewöhnlich umfangreich („lange geraten“) und dokumentiert damit, dass Reger diesem „Text“ eine große Bedeutung beimisst. Wie schafft es Reger, den an sich kurzen Text auf 19 Minuten Musik zu verteilen, ohne dabei in vokalise-ähnliche „Kniffe“ (siehe zahlreiche Barock-Komponisten in einer Vielzahl von Werken) zu verfallen?

Der Chor singt (die Anzahl ist nicht immer exakt zu ermitteln, auf exakt kommt auch nicht an)
Vater unser – 18 x
der du bist im Himmel – 6 x
geheiligt werde dein Name – 5 x
dein Reich komme – 17 x
dein Wille geschehe – 9 x
wie im Himmel so auf Erden – 4 x
unser tägliches Brot gib uns heute – 5 x
und vergib uns unsere Schuld – 3x
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern – 5 x
und führe uns nicht in Versuchung – 5 x
sondern erlöse uns von dem Bösen – 4 x
denn dein ist das Reich – 22 x
und die Kraft und die Herrlichkeit – 12 x
in Ewigkeit – 9 x
Amen – 20 x


Die einzelnen Textabschnitte werden unterschiedlich vertont, ihre Wiederholungen aber einfallsreich variiert – Reger hat in vielen Variationenwerken bewiesen, dass er auch hierin Meister ist. (Distler verwendet in seinen Chorwerken auch Textwiederholungen – in einer anderen Art als Reger - aber auch zur inhaltlichen Verdeutlichung des Textes.)

Ich mache hier kein Rätsel auf, aber ich bin mir sicher, dass (wie ich) der weitaus überwiegende Teil der Leser Regers Absicht durchschaut, warum er die Texte - musikalisch variiert - oftmals wiederholt. (Und damit der Textverdeutlichung mancher Barockkomponisten „ein Schnippchen“ schlägt.)

Seine „Vater unser“-Vertonung ist so nahe am Text (sowohl zu seiner Zeit als auch gerade jetzt!), dass ich nur noch große Bewunderung habe und das „Variationenwerk“ mit großer Freude höre.

Es gibt keine YouTube-Einspielung –leider!


Viele Grüße
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