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Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 919

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Montag, 6. April 2015, 17:25

Peter I. Tschaikowsky: Sinfonie Nr 1 „Winterträume“ op 13

Tschaikowskys frühe Sinfonien stehen – wie bei so vielen anderen Komponisten auch – im Schatten der späteren „großen“ Sie werden seltener aufgeführt und auf Tonträger verewigt. Ein Grund mehr, dass wir uns mit ihnen befassen.
Die Sinfonie Nr 1 „Winterträume“ ist das Werk eines 26 jährigen, der allerdings schon als Lehrer am Moskauer Konservatorium tätig war, woraus sich die Notwendigkeit ergab nachts zu komponieren, was bei Tschaikowsky zu ausgeprägten Erschöpfungszuständen führte. Tschaikowski gehörte der „westlich“ orientierten Gruppe russischer Komponisten an, und wurde deshalb von der einen Seite über alles gelobt, von den Mitgliedern des „mächtigen Häufleins“ angegriffen, ja sogar für unfähig erklärt.
Diesem Stress hielt Tschaikowsky nur schwer stand, er befand sich am Rande eines Nervenzusammenbruchs, sodass ihm der Arzt das nächtliche Komponieren verbot, weil er Tschaikowsky bereite „nahe dem Wahnsinn“ sah. In den nächsten Ferien wurde die Sinfonie dann endlich fertig gestellt. Der Name stammt übrigens vom Komponisten selbst.
Tschaikowskys einstigem Lehrer, Anton Rubinstein, der bereits eine frühere Komposition des jungen Komponisten zur Uraufführung brachte, gefiel das Werk indes nicht, vor allem die beiden Ecksätze. Dennoch leitete er die Uraufführung vom 11. Februar 1867 in St. Petersburg, allerdings nur als Torso. Es wurden nur der 2. und 3. Satz gespielt. Wie Anton Rubinstein schon geahnt hatte war die Aufführung ein Misserfolg. Tschaikowsky nahm einige Umarbeitungen vor und ein Jahr später wurde die komplette Sinfonie – diesmal in Moskau – und mit Nicolai Rubinstein, Antons Bruder, erneut uraufgeführt – und war ein großer Publikumserfolg. Der Musikkritiker und Freund Tschaikowskys (Buch: Erinnerungen an Tschaikowsky) will sich erinneren, dass Tschaikowsky bei der Premierenfeier im Freudentaumel sämtliche Anwesende abgeküsst habe. Dennoch wurde die Sinfonie laut meinen Quellen 1874 erneut umgearbeitet.
Das Stück selbst hat – ähnlich wie bei einer sinfonischen Dichtung, einen Titel und ein Konzept, wie der Titel „Winterträume“ bereits vermuten lässt und verwendet teilweise „russische Themen“ Interessant ist, dass auch die ersten beiden Sätze mit bildhaften Bezeichnungen versehen sind, die Sätze drei und vier indes nicht…
Der erste Satz (Allegro tranquillo) ist „Träumerei von einer winterlichen Fahrt“ benannt und soll die Reise mit einer Troika durch die verschneite russische Winterlandschaft schildern, wogegen der zweite (adagio cantabile, ma non tanto) wie schon der Untertitel „ Düsteres Land“ einen klagenden Unterton hat, eingestimmt von der Oboe, der die anderen Instrumente folgen. Der dritte Satz (Scherzando giocoso) wird gern mit jenem aus Mendelssohns „Sommernachsttraum“ verglichen,. Alles huscht und flirrtt leicht dahin, schliesslich ist aber beim Ertönen des Walzers Tschaikowskys Klangstil unverwechselbar erkennbar.
Der vierte Satz (Andante fugubre – Allegro moderato – Allegro maestoso) verwendet das Thema des russischen Volksliedes „Blumen blühen“, welcher sich im Verlauf zu einem lauten Volksfest entwickelt.
In letzter Zeit wird der Sinfonie – zumindest auf Tonaufnahmen – wieder jene Aufmerksamkeit zugebilligt, die sie eigentlich verdient – denn ihr war es vorbehalten den Durchbruch der Russischen Sinfonie zu schaffen – trotz einiger Vorgänger……

Mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

TAMRUSINFO

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

moderato

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2

Dienstag, 7. April 2015, 17:12

Schade, dass kein Echo auf Alfred Schmidts Eröffnungsbeitrag erfolgt ist. Ich mag Peter Tschaikowskys erste Sinfonie ausserordentlich. Garaguly hatte im "Was höre ich gerade jetzt"-Thread auch schon geäussert, dass er dieses Werk schätzt. Der erste Satz erinnert mich stark an Bruckner.

Meine Lieblingsaufnahme dieser Sinfonie (ich habe sieben in meiner Sammlung stehen) hat Michael Tilson Thomas mit dem Boston Symphony Orchestra schon vor längerer Zeit eingespielt. Ich besitze noch die LP und später habe ich sie mir als CD besorgt. Eine Besonderheit dieser Aufnahme fällt mir jedes Mal besonders auf: Im vierten Satz hat der Trompeter kurz vor Schluss ein kurzes Solo, das in anderen Aufnahmen so durch die Tontechniker nicht hervorgehoben wird. Ich spiele jeweils mit der Fernbedienung des Players und höre mir diese Stelle mehrmals hintereinander an.


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Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer

Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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teleton

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Beiträge: 5 263

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

3

Mittwoch, 8. April 2015, 23:40

Es wurde immer besser ...

Die Sinfonie Nr.1 Winterträume hatte bei mir zunächst einen schlechten Start genommen, weill ich zuerst eine total übel klingende Aufnahme hatte:
Konstantin Ivanow (Eurodisc-LP).

Da ich immer schon klangorientiert gehört habe, hielt sich die Begeisterung zunächst in Grenzen.
8o Das wurde dann ganz anders als, ich die Swetlanow-LP´s (Sinfonien Nr.1-3) von 1967 (Melodiya/Eurodisc) bekam. Ganz grosse Interpretationen die alles geben ! Ab da habe ich die Winterträume hoch geschätzt, obwohl ich diese Platten heute auch aus klanglichen Gründen nicht mehr anhören würde/wollte ... ich glaube die brauche ich gut remastert auf CD ...

Meine Begeisterung wurde dann später durch die Karajan-GA (DG, 1977, ADD) auf CD noch einmal gesteigert. Das Perfekte, das Noble, die Dramatik, die Karajan hier mit den Berliner PH in Klang umsetzt verursachte einen Hörspass, der bei der bisherigen"Kratzware" bis dato unerreicht blieb. Auch heute schätze ich die Karajan-Aufnahmen (aller 6 Sinfonien) nach wie vor.

Mein Lieblingsaufnahme sollte dann für viele Jahre Bernstein/New Yorker PH (SONY, 1970 (1.), ADD) werden. Mit weit mehr Emotion und Gefühl als Karajan sind die Winterträume eine der schönsten und packensten Aufnahmen dieser Sinfonie. Auch die Durchhörbarkeit der orchestralen Strukturen (und das von moderato angesprochene elementare Trompetensolo wird er hier nicht vermissen) ist frappant. Die Pauken ebenfalls perfekt und nicht im Orchesterklang integriert. Bernstein gönnt den langsamen Teilen viel Spielraum für seine Gefühlswelt. Spielzeiten: 11:54 - 12:15 - 8:26 - 12:50

Der Preis ist heute wieder heiss. Aber ich hatte vor einigen Jahren eine günstige Phase erwischt.
:thumbup: Mehr Emotion und Sidehitze ist kaum möglich = die Rückkehr zu Swetlanow ! Hier aber in der späten glänzenden Aufnahme LIVE aus Tokyo im Mai 1990 (WARNER). Live - von daher nicht immer ganz so perfekt, wie Bernstein mit den New Yorkern, aber Gänsehaut pur und mit wunderbaren Klangfarben ! Ich finde: Da geht einfach kein Mono oder Historisches um das zu spüren und Freude daran zu haben. Die Spielzeiten empfinde ich als sehr ausgewogen und keinesfalls zu schnell: 11:27 - 9:47 - 7:25 - 11:00
:angel: Als GA sind das die für mich wichtigsten Tschaikowsky-Sinfonien-Aufnahmen.

Vom Ausdrucksgehalt sind Bernstein und Swetlanow trotz der Unterschiede für meinen Geschmack deutlich an der Spitze und beides meine Winterträume-Lieblingsaufnahmen.

Hier die Abb:

WARNER, LIVE 1990, DDD



SONY, 1970, ADD
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

4

Dienstag, 19. Mai 2015, 20:06

Eine sehr empfehlenswerte und überaus klangschöne Interpretaion liefert auch Vaclav Smetacek mit dem Prager Sinfonieorchester.

In Kombi mit Borodins 2.:

lutgra

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Registrierungsdatum: 9. April 2013

5

Mittwoch, 26. August 2015, 10:39

Tschaikowsky's Erste gefällt mir sehr und z.B. besser als die Vierte. Die in Beitrag 2 erwähnte Aufnahme mit MTT ist meine bisherige Referenz. Gestern habe ich die Muti gehört, auch sehr schön. Von Svetlanow habe ich nur die Melodiya-Aufnahme aus den 60ern, die muß ich dringend mal wieder hören. Die von Wolfgang erwähnte spätere ist preislich derzeit nicht drin ;( . Auch Bernstein, Karajan, Roshdestvensky, Maazel und Markevitch stehen im Regal.

teleton

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Beiträge: 5 263

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

6

Donnerstag, 27. August 2015, 11:42

Winterträume mit Swetlanow

Von Svetlanow habe ich nur die Melodiya-Aufnahme aus den 60ern, die muß ich dringend mal wieder hören.

Ich hab die 1976er-Swetanow-Aufnahmen nur auf Eurodisc-LP´s und daher auch "Jahrzehnte" nicht gehört. Die CD haben diese "Kratzware" einfach abgelöst.
Jetzt kam bei mir vor vielen Jahren noch die Swetlanow-GA von WARNER, LIVE Tokyio 1990 dazu, als meine Referenzaufnahme (Abb Beitrag 3) dazu, sodass die Platten ganz erledigt waren/sind !

Aber die Winterträume hatte ich mir dieses Jahr in der 67er-Studio-Aufnahme preiswert bestellt in der Melodiya-CD-Version mit Remastering 1993; gekoppelt mit Franceca da Rimini.
Welch ein fabelhafter klanglicher Unterschied zu den Eurodisc-Platten.

Leider ist diese CD schon nicht mehr als Abb verfügbar - warscheinlich weil ich diese abgesahnt hatte.
:thumbup: Egal ob die Aufnahme 1967 oder 1990 mit Swetlanow - es sind meine Referenzen !
*** Beide Aufnahmen entstanden mit den grossartigen russischen moskauer Orchestern - die Erste mit dem Akademischen SO der UDSSR (was selbst viele CD´s verschweigen = da steht dann nur USSR SO Orcehstra) - die spätere LIVE-Aufnahme in Tokyo seinem grossartigen Staatlichen SO der UDSSR ... das hat Biss, das hat Leidenschaft ...
Gruß aus Bonn, Wolfgang

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 093

Registrierungsdatum: 9. April 2013

7

Donnerstag, 27. August 2015, 12:49

Die 67er Svetlanov habe ich gestern gehört und finde sie auch ganz hervorragend, auch der Klang ist o.k. auf meiner alten Original Melodiya LP.