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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

jaaan

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Registrierungsdatum: 6. Juni 2007

1

Samstag, 8. September 2007, 22:05

Aufnahmen, die sich durch ihre Unvollkommenheit vollkommen unverzichtbar machten

-Chöre, die etwas „schwach auf der Brust“ sind.
-Intonationsprobleme.
-Übersteuerungen von diversen Instrumenten.
-Durch „Frösche im Hals“ bedingtes Kratzen in der Solistenstimme.
-Eine Trompete, die beim Pianissimo Glucker-Geräusche, Speichelfluss-bedingt, hören lässt.
-Ein möglicherweise auf den Punkt genau fallen gelassener Schlüssel eines Zuschauers, der dadurch auf der Liveaufnahme die Triangel verstärkt. :-)

...usw...

Aber: Aufnahmen, in denen Euch „Mankos“ als unabdingbar vorkommen.

Ein Zeugnis tiefster Menschlichkeit...

:stumm:
...ein voller Becher Weins zur rechten Zeit ist mehr Wert als alle Reiche dieser Erde...

Michael Schlechtriem

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2

Samstag, 8. September 2007, 23:30

Hallo jaaan,
da fällt mir als spontanes Beispiel eine Aufnahme des 5.Klavierkonzertes von Beethoven mit Walter Gieseking und dem Orchester des Reichssenders Berlin unter Artur Rother ein.

Es handelt sich bei dieser fulminante Interpretation um eine Stereo-Versuchsaufnahme vom Herbst 1944 in durchaus guter Tonqualität.

Das, welches mir diese Aufnahme so unverzichtbar macht, ist die Tatsache, daß man den ganzen 1.Satz hindurch und vor allem bei der Kadenz Flak-Gefeuere hören kann.
Anscheinend war damals soeben ein Luftangriff auf Berlin im gange.

Man hört deutlich, daß vor der Kadenz ein Schnitt ist, und wärend der Kadenz ist das Flakfeuer noch lauter als vorher.

Der nachfolgende Orchestereinsatz ist von einer solchen Intensität, wie ich sie niemals mehr gehört habe.

Hier wurde ums Leben gespielt, und das in Hifi-Stereo.........

Interessanterweise paßt das Flakfeuer zur Musik, vor alem zur Kadenz, es stört mich gar nicht.
Auf der anderen Seite fehlt mir bei jeder anderen Interpretation seitdem das Flakfeuer, so hat es sich in mein Hirn eingebrannt und so gut paßt es m.e. zum Werk. :wacky:

LG,
Michael
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
Humphrey Bogarts letzte Worte.

georgius1988

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Registrierungsdatum: 25. April 2006

3

Sonntag, 9. September 2007, 00:01

Als tontechnisch unvollkommen bezeichnen würde ich auch die Aufnahme von Beethovens Sechster Symphonie unter Carlos Kleiber.

Die originalen Bänder aus dem Archiv der bayrischen Staatsoper sind unbrauchbar geworden und so hat man eine MC von Kleibers Sohn hergenommen und remastered. Trotzdem ist die Tonqualität à la 1950.

Wenn man jedoch die Interpretation hört, ist all das vergessen und wenn man bedenkt, dass Kleiber diese Symphonie nur dieses eine Mal gespielt hat, ist man unglaublich dankbar, dass dieses Ereignis überhaupt in irgendeiner Form festgehalten wurde.

LG
Georg
Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

Barezzi

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4

Sonntag, 9. September 2007, 01:50

Ähnlich wie bei Georg verhält es sich mit Guldas "Mozart-Tapes"



Wiederentdeckte Privataufnahmen in bescheidenen Qualität - aber halt eben Gulda :]
Und teilweise hat es sogar den Reiz der Privataufnahme, obwohl man nach einiger Zeit dann wieder nach ordentliche Tonqualität lechzt :D
(die Studioeinspielungen Guldas sind mir da eher zu steril; am Besten fand ich ihn bei einigen Konzertmitschnitten)

:hello:
Stefan
Viva la libertà!

pbrixius

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5

Sonntag, 9. September 2007, 09:36

Strauss: Vier letzte Lieder (Flagstad/Furtwängler)




Die Dokumentation der Uraufführung der "Vier letzten Lieder" mit Kirsten Flagstad unter Wilhelm Furtwängler ist verloren gegangen. Überliefert wurde nur eine grottenschlechte Aufzeichnung der Generalprobe, eine Aufnahme, bei der man nur die großartige Interpretation hören konnte, wenn man das Werk sehr gut kannte. Über Jahrzehnte habe ich bei jeder Neuveröffentlichung (wie etwa bei Simex in der großen Flagstad-Edition) auf eine verbesserte Fassung gehofft. Bei mir hat sich aus der Unmöglichkeit, die überwältigendste aller Interpretationen der "Vier letzten Lieder" jemanden zu vermitteln, der nicht eine große Einfühlungsgabe, eine gute Kenntnis des Stückes und eine riesengroße Toleranz gegenüber allen akustischen Zumutungen verfügte, diese Einspielung einen besonderen Status verschafft: Das Schöne ist vorhanden, man muss nur alles aufopfern, um es zu erkennen.

Leider muss ich sagen, dass die Neubearbeitung bei Testament, da ein wenig geändert hat. Die Leistung dieser Edition ist überhaupt nicht zu untertreiben: Hier wird eine Sternstunde auch all den Hörern zugänglich gemacht, die bislang davon ausgeschlossen waren. Die Aura, die ich oben beschwor, ist geschwunden, geblieben ist noch ein Traum: irgendwo gibt es die Aufzeichnung der Uraufführung ...

LG Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

Fairy Queen

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Registrierungsdatum: 27. April 2007

6

Sonntag, 9. September 2007, 10:53

Da muss Telepathie im Spiel gewesen sein, denn gerade habe ich diese Aufnahme, leiber Peter, in eionem anderen Thread erwähnt.
Mich hat sie unglaublich beeindruckt und ich habe diese Lieder erst damit zum ersten Mal rcihtgi gehört scheint mir. Mir ist tonqualität bis zu einer gewissen Grenze ohnehin unwichtig. Zwei Beispiele:
der Live-Mitschnitt der Bellini-Sonnambula mit Callas aus der Scala di Milano (man hört alle Nebengeräusche und das sind nicht eben weniger und es rasucht ansonsten munter vor sich hin) und ein Porträt der Sängerin Maria Nemeth aus den 30iger Jahren, das klangtechnisch naturgemâss sehr zu wünschen übrig lässt. Beide Platten liebe ich heiss, denn sie vermitteln mir unmittelbar musikalsiche Ereignisse erster Ordnung und die Nemeth war mir DIE Entdeckung im Wagner-Fach. Sie hat mich mit mancherlei hässlcihem Senta/Elsa/ etc Gedröhne regelrecht versöhnt .
Ich will diese "unvollkommenen" Aufnahmen absolut nciht missen!

Fairy Queen :angel:
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

Stabia

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7

Sonntag, 9. September 2007, 11:09

Unverzichtbare unvollkommene Aufnahmen

Hallo,

in dieses Thema gehören eigentlich alle Dokumente vor Kriegsende.

Für mich unverzichtbar die Einspielung aller Beethoven-Sonaten durch Artur Schnabel, wobei Op. 2/1 fast nicht anzuhören ist.


Später gehören dazu Konzertmitschnitte von S.Richter in der Sowjetunion, bei denen man z.T. meint, man habe den Leuten gesagt, sie mögen schön erkältet in Konzert gehen. Vor allem bei den leisen Stellen ist das impertinent.
Dennoch - was für ein Hörerlebnis !


Dazu rechnen könnte man auch die Aufnahmen auf Beethovens Graf-Flügel


Das ist wie ein altes Buch mit Flecken, aber eine Erstausgabe

Gruß aus Bonn :hello:
Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

Wulf

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Registrierungsdatum: 14. Februar 2006

8

Montag, 10. September 2007, 14:19

Zitat

Original von georgius1988


Wenn man jedoch die Interpretation hört, ist all das vergessen und wenn man bedenkt, dass Kleiber diese Symphonie nur dieses eine Mal gespielt hat, ist man unglaublich dankbar, dass dieses Ereignis überhaupt in irgendeiner Form festgehalten wurde.

LG
Georg


Vollste Zustimmung!! :yes: :yes:
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

jaaan

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Registrierungsdatum: 6. Juni 2007

9

Montag, 10. September 2007, 18:29

Beethoven und Flakfeuer

Hallo Michael,

Welche Ausgabe des von Dir erwähnten, beschossenen Beethoven ist denn Deiner Meinung nach empfehlenswert.

Diese?

für 5,99 Euro?


Gruss
...ein voller Becher Weins zur rechten Zeit ist mehr Wert als alle Reiche dieser Erde...

Michael Schlechtriem

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Registrierungsdatum: 11. Dezember 2005

10

Montag, 10. September 2007, 20:37

Hallo jaaan,

Zitat

Welche Ausgabe des von Dir erwähnten, beschossenen Beethoven ist denn Deiner Meinung nach empfehlenswert



die Ausgabe, welche Du da zeigst, macht mich stutzig:

Der Tonmeister Helmut Krüger gab die Orginalbänder 1961 an den SFB zurück, der eine Kopie davon zog und das Orginal danach wegwarf. :angry:

Diese Kopie des Orginals wurde m.W. niemals kommerziell veröffentlicht.
Die Veröffentlichungen von Music and Arts, Musicabona u.a. haben als Ursprung eine wahrscheinlich aus dem Rundfunk mitgeschnittenen Kopie von minderer Qualität.
Es gibt sogar eine Ausgabe, in der die Aufnahme nur Mono veröffentlicht wurde.

Diese bei JPC billig zu kaufende CD kenne ich nicht, allerdings ist die einzige mir bekannte kaufbare Version der SFB-Kopie seinerzeit von der AES (Audio Engineering Society) privat herausgebracht worden.

Diese CD mit dem Titel "The 50th Anniversary of Stereophonic Tape Recording" kann man hier bestellen:
http://www.aes.org/aeshc/books+vids/pre-1943.mag.hist.html
Hier wurde diese CD ebenfalls vorgestellt:
http://www.musicweb-international.com/cl…/aug00/50th.htm

Der Klangunterschied zu den anderen Veröffentlichungen ist recht groß, leider hat JPC keine Hörproben vom Beethoven eingestellt, also kann ich nicht vergleichen.
Diese JPC- CD ist aber als Mono deklariert.
Ich würde sie nicht kaufen.

:hello:
Michael
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SchallundWahn

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Registrierungsdatum: 5. Juni 2012

11

Dienstag, 11. September 2012, 21:09

Unverzichtbare unvollkommene Aufnahmen

- Intonationsprobleme
- teilweise schlechte Aussprache
- in einem Beispiel unpassende Interpretation
- heftige Husterei im Publikum
- ingesamt eine maue Tonqualität

aber TROTZDEM oder gerade DESWEGEN liebe ich diese Aufnahme fast abgöttisch (und lasse keine Gelegenheit aus, sie anzupreisen :D )


Wagners Tristan und Isolde
Live-Mitschnitt der Bayreuther Festspiele 1952
unter Herbert von Karajan
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

Milletre

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Registrierungsdatum: 18. März 2008

12

Dienstag, 11. September 2012, 23:47

Aufnahmen mit Jacqueline du Pré, da in fast allen ihr die Rösser durchgingen. Und dennoch: Welch großartige, unverzichtbare Interpretationen!
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)