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Fairy Queen

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Registrierungsdatum: 27. April 2007

211

Samstag, 2. Februar 2008, 18:59

Ich finde einen Frack auf der Bühne schön, aber im Zuschauerraum wirkt er tatsächlich ein bisschen deplaciert und die Schösse geben dem Ganzen leider heutzutage einen etwas "komischen" Touch.
Smoking ist auch gerade wegen der etwas "verruchten" Historie viel attraktiver.
Was die Damen angeht, haben wir natürlich weit mehr Auswahl an festlcihen Outfits und ich kann leider oder gottseidank noch keine Photos hier einstellen, sonst würde ich mal ein bisschen von meinem Kontingent zeigen. :D
Ob kurz oder wadenlang oder ganz lang, ob Kleid oder Rock oder Hose-ob rot oder schwarz, der Phantasie sind da viel weniger Grenzen gesetzt als bei den Herren. Eher scho ndem guten Geschmack und dem Portemonnaie.
Erlaubt ist aber quasi Alles und junge Frauen mit entsprechender Figur können auch ohne weiteres im Mini erscheinen und tun das auch!
In schwarzen Jeans würde ich persönlich nur deshalb gehen, weil eine Hose für mich ein eher aussergewöhnlcihes Kleidungsstück ist und damit wieder festlich werden kann.

Oft suche ich auch die Kleidung nach der Musik aus , die gespielt wird-selbst unbewusst ist mir das schon passiert.
Zu Bergs Wozzeck habe ich mich ganz anders angezogen als zum Guilio Cesare und mir fiel das erst hinterher auf, was da unbewusst abgegangen war.
Respekt vor den Musikern hat Paul gewünscht. Respekt vor dem Werk ist mir auch wichtig.
Und Respakt vor meinem eigenen Vergnügen, einen Opernbesuch in jeder Hinsciht zu einem besonderen Ereignis zu machen.

Wenn man selbst auf der Bühne steht, auch natürlich Respekt vor dem Publikum, das die Musiker ja fast unentwegt ansehen muss und nciht dauernd die Augen schliessen müssen soll.

F.Q.
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

Bernhard

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Registrierungsdatum: 26. Februar 2007

212

Samstag, 2. Februar 2008, 19:43

Guten Abend

Zitat

Original von Felipe II.
Also ich begebe mich nie ohne (schwarzen) Anzug in ein Opernhaus, dazu eben Krawatte, Hemd etc.


Einen schwarzen Anzug trage ich bei Opernaufführungen auch, und zwar einen Anzug nach HuPF 2 + 3 ähnlich diesem



Bilde nach, dazu ein (dienstlich geliefertes) hellblaues Hemd und eine solche (ebenfalls dienstlich gelieferte)



Krawatte. :hahahaha:

Eigentlich ganz bequem der Anzug :yes:

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

Sonnensucher

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Beiträge: 695

Registrierungsdatum: 7. Januar 2006

213

Mittwoch, 7. Oktober 2009, 23:58

Hallo liebe Forianer,

die Einführung eines Dresscodes für den Besuch in der Mailänder Scala wurde ja in diesem Faden schon ausgiebig diskutiert.

Ich habe noch einen Zeitungsartikel von Kai Luehrs-Kaiser aus der "Welt" anzubieten, der sich dieses Themas annimmt. Der Artikel ist vom 29. Januar 2007 - also schon etwas älteren Datums - aber ich finde ihn sehr gelungen, da er die Thematik wunderbar pointiert zuspitzt und die richtigen Fragen aufwirft.


Zitat



Dresscode für die Opernbesucher

von Kai Luehrs-Kaiser



Die Mailänder Scala hat einen Aufruf für korrekte Kleidung erlassen - und druckt ihn auf der Rückseite der Eintrittskarten. Das Opernhaus ersucht um Kleidung, "die im Einklang mit dem guten Ton des Theaters steht". Die Maßnahme ist ein Hilfeschrei.

Wer Beispiele einer oftmals verfehlten Kleiderordnung sucht, der fahre nach Bayreuth. Auf eine Karte wartet man bei den Richard Wagner-Festspielen mindestens zehn Jahre. Ebenso lange hängt dann meist auch das Kleid der Dame schon im Schrank, die sich zum "Tannhäuser" trefflich herausputzen will. Rüschenärmel, Goldknautsch und rückenfreie Bikini-Striemen spiegeln bei den Bayreuther Festspielen die Verlegenheit eines Menschen, der sich gut kleiden will - und dabei realisiert, dass er hierfür kaum noch über Maßstäbe und Erfahrung verfügt.

Die Mailänder Scala hat nun einen Aufruf für korrekte Kleidung erlassen - und druckt ihn auf der Rückseite der Eintrittskarten. Die Maßnahme ist ein Hilfeschrei. Wenn selbst in Italien, wo man ohne böse Blicke Pelze spazieren führt, Bekleidungsverfall beklagt wird, kann es um die Zustände in europäischen Parketts nur schlimm bestellt sein. Wer die Augen von der Bühne abwendet, landet optisch scheinbar im Lumpenprekariat - auch wenn die zur Schau gestellten Edelfetzen von hochrangigen Designern auf alt getrimmt wurden.

Durch Jahrhunderte waren die Opern-Logen des Bürgertums ein Salon modischer Repräsentation. Die Vatermörder unserer Urgroßväter, die qualvollen Tournüren aus Stahlreifen und Rosshaar bildeten mehr als Folterwerkzeuge des Bildungserlebnisses. Vielmehr markierten sie das Theater als gesellschaftliches Zentrum. Ist es demnach angemessen, der geschwundenen Bedeutung des Theaters dadurch Rechnung zu tragen, dass man der korrekten Mode einer altmodischen Galanterie nachhängt?

Was tragen? Die Scala ersucht um Kleidung, "die im Einklang mit dem guten Ton des Theaters steht". Das wäre, wie man in Mailand eigentlich wissen muss, vom jeweiligen "guten Ton" abhängig. Der wird im Großen Festspielhaus von Salzburg nun mal anders gepflegt als im Sulzbacher Kellertheater. In der Berliner Volksbühne gehört es zum guten Kostümton on stage, dass die Damen "fucking high heels" und die Herren ihre Wampe nackt tragen. Wer sich davon inspirieren ließe, hätte das Spiel missverstanden und wäre - selbst in Berlin - hochgradig deplaziert. Wo also soll man den guten Ton ablesen, den die Auditorien der Welt in so großem Maße vermissen lassen?

Im Hamburger Thalia Theater ebenso wie am Münchner Gärtnerplatz markiert nicht der Schlabberpulli, wohl aber der Smoking heutzutage den modischen Außenseiter. Wer sich am Brauch von Schlips und Kragen orientiert, wie es die Mailänder Zwirnsordnung nahelegt, ist in deutschen Musentempeln overdressed. Die ungeschriebene Kleiderordnung orientiert sich an Workerjeans, das ist in Ordnung so. Wer Theater in Unkenntnis der lokalen Üblichkeiten in "black tie" oder "in lang" betritt, dem hallt ein Fluch nach, der durch gedämpfte Lautstärke nichts von seinem Schrecken verliert: "Kuck mal...!"

Ausgerechnet die Mailänder haben übersehen: Wer sich heute pauschal an Ausgeh-Riten aus alter Zeit orientiert, decouvriert sich unversehens - als provinziell. Auch in der Großstadt. Wenn im Berliner Kriminal Theater "Die Mausefalle" gegeben wird, mag eine Nerzstola durchaus den Neid des Sitznachbarn erwecken. Lange Kleider und Smokings finden sich heute - außer an Premierenabenden der Bayerischen Staatsoper, wo man es noch kann! - nur noch bei Kostümbällen und goldenen Hochzeiten. Sie verbinden das Höchste mit dem Niedrigsten. Anders gesagt: Der Abzug der Eliten hat im Kleiderschrank Ratlosigkeit hinterlassen. Der Dresscode zeitgenössischer Bühnen funktioniert heute subtiler. Und ist durch keinen Schlachtruf eines modischen Rollback zu re-revolutionieren.

So steht die neue italienische Ordnung einerseits für die berechtigte Klage über Kulturverlust. Das empfundene Missverhältnis zwischen dem vielleicht schönsten Opernhaus der Welt und der Achtlosigkeit seiner Besucher verrät Zartgefühl und Traditionssinn. Und zeigt doch hilflos an, dass das Haus den Kontakt zu seinem Publikum verloren hat. Wer einen Dresscode ausgeben muss, organisiert entweder Themenparties - oder kennt den Geschmack seines Publikums nicht.

Am schönsten sind die modischen Rituale da, wo sie wider alle Vernunft eingehalten werden. Die Opernfestspiele im englischen Glyndebourne zählen zum letzten Hort der Formvollendung. Ausgerechnet hier, wo man sich während der Pausen zum Picknick ins Gras setzt, ist der "Habit noir", also Smoking und Abendkleid, unumstößliches Gesetz. Der Verfasser weiß, wovon er spricht: Er hat sich dort im vornehmen schwarzen Anzug mehrfach wie aussätzig gefühlt.

Es gilt: Ganz oder gar nicht. Mit der Folge, dass hier speckige, mit Tee und Mayonnaise verfleckte Anzüge ins Sonnenlicht gehalten werden, die einen herzlichen Mangel an Reinlichkeit und Takt offenbaren. Das Dilemma der Gutgekleideten: Wer nur ein Mal alle drei Jahre einen Smoking braucht, läuft Gefahr, kein akzeptables Modell davon mehr im Schrank zu haben.

So huldigt die Mailänder Verordnung dem Charme alter Zeiten. Wie man ihn wahren soll, überlässt auch sie generös dem Publikum. Früher gehörte es - auch an der Scala - zum guten Ton, ohne Krawatte kritischen Geist zu zeigen. Das ist der Lust an der Spielregel gewichen. Fehlt nur jemand, der die alten Regeln noch kennt.

Einstweilen gilt die Devise "Schlips und Kragen" als Notbehelf, innerhalb dessen man viel falsch machen kann. Die scheinbare Achtlosigkeit im Parkett ist nicht Ausweis eines geschwundenen, sondern eines gewachsenen Dresscode-Bewusstseins.

_____

Quelle: www.welt.de/print-welt/article712015/Dre…rnbesucher.html






Was haltet Ihr davon?

Eine Essenz des Artikels ist ja die fast bestürzende Erkenntnis, daß die traditionelle Kleiderordnung nicht nur aus Protest aufgeweicht und letztlich abgelegt wurde, sondern daß im Grunde die althergebrachte Tradierung dieser Kleiderordnung überhaupt nicht mehr erschließlich ist und somit heute schon als verloren gelten muß. - Demnach reden wir hier also nur noch von leeren, überlieferten Hülsen ohne jeglichen für uns greifbaren Inhalt?

Ist das wirklich so? Und wenn ja, wie ist das allgemein mit Konventionen, die nicht mehr gewollt oder verstanden werden? Und was folgt daraus?

Die Sehnsucht der Generation meiner Eltern nach der Befreiung von unverstandenen und als unlogisch empfundenen Zwängen hat - weit über die Fragen der Bekleidung hinaus - zu einer weitgehenden Grenzenlosigkeit und Beliebigkeit in fast allen Bereichen des Lebens geführt. Das mag man aus Sicht des Individuums als befreiend begrüßen, aus Sicht der Gesellschaft bedeutet es jedoch den Entzug von gemeinsamen Grundlagen des Zusammenlebens. Nur durch solche Konventionen (und deren freiwillige oder erzwungene Einhaltung) kann eine Gemeinschaft von Menschen - sei es nun eine Familie, eine Wohngemeinschaft, eine Schulklasse oder eben ein ganzer Staat - überhaupt funktionieren.

Eine Gesellschaft ohne Konventionen wäre keine Gesellschaft mehr, sondern nur noch eine Ansammlung von einzelnen und vereinzelten Individuen. In letzter Konsequenz also ein atomisiertes Nebeneinander, bestimmt von der rüchsichtslosen Vorteilsnahme des Einzelnen und begrenzt nur noch durch die dunkelsten Urtriebe des - nun nicht mehr sozialen - Wesens "Mensch".

Für mich eine grauenhafte Vorstellung! :(

Aber ich schweife ab ... zurück zur Kleidung im Opernsaal: Hat Luehrs-Kaiser mit seinen Betrachtungen Recht oder nicht?
Wie seht Ihr das?!


In diesem Sinne!

Laurenz :hello:
`
(...) Ich erinnere mich, daß wir alle nach München in die Oper fuhren, um die „Fledermaus“ zu sehen. Als die magischen Klänge der Ouvertüre einsetzten, wandte sich Frau Strauss zu unserer Verblüffung ihrem Mann zu, der immerhin der größte lebende Komponist dieser Zeit war, und sagte: „Siehst du, Richard, das ist Musik!“ (...)

— aus „Gala-Abend“ von Sir Rudolf Bing —

.

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

214

Donnerstag, 8. Oktober 2009, 09:30

Guten Morgen Laurenz,

Danke für die Wiederaufnahme des Fadens, der ja sicher durch das Posting gestern abend in einem anderen Thread motiviert ist.

Heutzutage herrscht ja in vielen Bereichen des Lebens die Meinung "was nicht explizit verboten ist, ist also erlaubt". Kommt dann vielleicht noch ein Quäntchen Protesthaltung (wie auch immer motiviert) dazu, dann entstehen schon mal Situationen, die nicht immer "passen".

Ich denke es ist grundsätzlich ok, dass es in einem Opernhaus oder in anderen Musentempeln keine starren Regeln aus vergangenen Zeiten mehr gibt. Vieles davon hat ja dem Bereich der (hier) klassischen Musik den Nimbus des Angestaubten eingebracht.

Dennoch bin ich der Meinung, dass es dem Anspruch eines jeden Einzelnen obliegt, eine eigene Würde zu haben. Ich persönlich käme - und ich entstamme auch nicht unbedingt der Schlips- und Kragen-Fraktion - nicht auf die Idee, ohne 'passende' Kleidung in die Oper zu gehen. Und zwar nicht zwingend extrinsisch, sondern intrinsisch motiviert. Wobei ich hier in München aber durchaus einen Unterschied mache, ob ich nun ins Nationaltheater gehe oder "nur" ins Gärtnerplatztheater. Hier laß ich dann auch schon mal die Kravatte weg. Und obwohl ich eigentlich ein recht toleranter Mensch bin ('jeder soll nach seiner eigenen Facon.....'), "stören" mich manchmal bestimmte Auftritte. Stören im Sinne von "na, ich hätts nicht gemacht".

Ich kam mal vor einigen Jahren in die dumme Verlegenheit, während eines Masseaufenthaltes in Leipzig eine Einladung in die dortige Oper zu bekommen und ich kam mir den ganzen Abend ziemlich deplaziert vor, da ich in Hose und Pulli kam (mangels mitgeführtem Jacket).

Irgendwo overdressed zu erscheinen, ist allerdings für mich mindestens genauso peinlich. Und dass eine Institution vom Kaliber der Scala hier dem gängigen Trend entgegen steuern versucht, find ich voll richtig.

Herzliche Grüße
Thomas

Honoria Lucasta

Fortgeschrittener

  • »Honoria Lucasta« ist weiblich

Beiträge: 285

Registrierungsdatum: 16. April 2009

215

Donnerstag, 8. Oktober 2009, 10:34

Für viele ist ein Opern- oder Konzertbesuch dann doch noch was Besonderes, und man versucht, dem durch bessere Kleidung auch zu entsprechen - wobei das heutzutage, wo alle Formen sich auflösen und Bekleidungsvorschriften knapp bei offiziellen Einladungen des Bundespräsidenten durchgesetzt werden können, auch so eine Sache ist: der Anzug, in dem man vor 20 Jahren zum Abitur antrat, ist tendenziell peinlicher als Beinkleid, Hemd und Weste, die wirklich passen und in denen man sich wohlfühlt - und nichts ist schlimmer, als im Konzert einen Vordermann zu haben, der sich wegen des Drückens seines Hosenbundes oder bei Frauen wegen Atemnot aufgrund zu starker Schnürung (heute: Reißverschluß) auf dem Sitz windet wie ein Aal im Netz.

Mir selbst macht es Spaß, mich ab und an etwas aufzubrezeln, aber oft gehe ich auch direkt aus dem Dienst in ein Konzert: da bin ich halt nur ordentlich angezogen und trage nichts Besonderes. Unangenehm aufgefallen bin ich dadurch noch nirgends. Ich empfinde aber alles Demonstrative als unangemessen: ausgefranste Jeans und Schlabber-T-Shirt beim Oratorium in einer Kirche genauso wie bauchfreie Maiden in der Oper oder Smoking bei einer Hochzeit.

Grüße!

Honoria
"...and suddenly everybody burst out singing"
Busman's Honeymoon

wiesengrund

Anfänger

Beiträge: 88

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2006

216

Donnerstag, 8. Oktober 2009, 10:46

Zitat

Nur durch solche Konventionen (und deren freiwillige oder erzwungene Einhaltung) kann eine Gemeinschaft von Menschen - sei es nun eine Familie, eine Wohngemeinschaft, eine Schulklasse oder eben ein ganzer Staat - überhaupt funktionieren. Eine Gesellschaft ohne Konventionen wäre keine Gesellschaft mehr, sondern nur noch eine Ansammlung von einzelnen und vereinzelten Individuen. In letzter Konsequenz also ein atomisiertes Nebeneinander, bestimmt von der rüchsichtslosen Vorteilsnahme des Einzelnen und begrenzt nur noch durch die dunkelsten Urtriebe des - nun nicht mehr sozialen - Wesens "Mensch".


Ach ja? Und dazu gehören dann Schlips und Kragen - oder wie?
Ich lach mich weg :hahahaha:
Und nicht vergessen: immer mit dem Lineal eins auf die schmutzigen Fingernägel geben - dann klappt's auch mit der Gesellschaft :baeh01:

Grüße aus dem Wiesengrund

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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217

Donnerstag, 8. Oktober 2009, 11:45

Lieber Freund der unbegrenzten Freiheit und der antiautoritären Erziehung. Verzeihung, diese Haltung unterstelle ich nach dem Lesen des Beitrags. Gott sei Dank sind die Sitten beim Konzertbesuch und damit auch die Kleidung lockerer geworden. Trotzdem meine ich, mit etwas Sensibilität sollte doch jeder überlegen, wie sind die Erwartungen Anderer bei einem Konzertereignis. Dies wird auch differenzieren, ob es ein Open-Air-Konzert, eine Jungendveranstaltung oder ein Festkonzert ist. Bei Überlegungen und Fragen in dieser Richtung werden wohl die meisten Rücksicht auf die Empfindungen der anderen Besucher nehmen und so kann nicht viel falsch gemacht werden.
Übrigens habe ich mich in der Einleitung sicherlich bereits als konservativer Konzertgänger geoutet. Ich trage fast ausschließlich dunkle Kleidung und Krawatte.
Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Ulli

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218

Donnerstag, 8. Oktober 2009, 12:36

Warum gehen wir nicht einfach alle nackt hin? Dann gibt es keine Klassenunterschiede, niemand kann sich über die Klamotten des andern beschwert fühlen und man ist auch dem Outfit auf der (opern-) Bühne meistens angepasst.

:beatnik:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

operus

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219

Freitag, 9. Oktober 2009, 10:45

Guter Vorschlag im Sinne von:"Alle Menschen werden Brüder". Ich zweifle allerdings ob dann wirklich alles gleich ist? Bei Männlein und Weiblein werden auch im Evas-Kostüm zwischen 25 und 75 jährigen erhebliche Unterschiede erkennbar werden. Siehst Du Ulli, auch Dein so demokratischer Vorschlag taugt nur bedingt. :D :D :D
Herzlichst
Operus
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Thomas Pape

Moderator

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Beiträge: 3 909

Registrierungsdatum: 30. August 2006

220

Freitag, 9. Oktober 2009, 11:32

Zitat

Original von wiesengrund

Und nicht vergessen: immer mit dem Lineal eins auf die schmutzigen Fingernägel geben - dann klappt's auch mit der Gesellschaft :baeh01:

Grüße aus dem Wiesengrund


Ooooh, ein 68er.....

Bekanntlich bin ich kein großer Freund von Vorschriften. Ich bin allerdings gleichermaßen der Auffassung, dass ein gesunder Anstand seinem Umfeld gegenüber Verhalten und Kleidung in Konzert und Oper regeln sollte. Man sieht den Leuten auch an, ob sie sich nach besten Möglichkeiten herrichten oder durch ihr Auftreten in Kleidung und Betragen als schiere Provokation hinrichten. Wer da meint, sich durch abweichendes Verhalten um der Abweichung willen positionieren zu müssen muss sich nicht wundern, wenn er eines Tages allein und ausgeschlossen ist. So einfach ist das.

Muss ich eigens erwähnen, dass ich mich anders kleide, wenn ich ein Konzert der Rolling Stones besuche, und wiederum anders bei einm von Stanley Turrentine (ja ich weiss, der ist bereits von uns gegangen, hab' ihn aber noch mit "Sugar" live gehört)?

Dass im übrigen Normen und Verhaltensweisen von Generation zu Generation neu verhandelt werden können und sinnvollerweise auch sollten und nicht mehr unrefelektiert von Generation zu Generation weitergegeben werden steht auf einem anderen, durchaus positiven Blatt.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Sonnensucher

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  • »Sonnensucher« ist männlich

Beiträge: 695

Registrierungsdatum: 7. Januar 2006

221

Freitag, 9. Oktober 2009, 13:54

Zitat

Original von wiesengrund

Zitat

Nur durch solche Konventionen (und deren freiwillige oder erzwungene Einhaltung) kann eine Gemeinschaft von Menschen - sei es nun eine Familie, eine Wohngemeinschaft, eine Schulklasse oder eben ein ganzer Staat - überhaupt funktionieren. Eine Gesellschaft ohne Konventionen wäre keine Gesellschaft mehr, sondern nur noch eine Ansammlung von einzelnen und vereinzelten Individuen. In letzter Konsequenz also ein atomisiertes Nebeneinander, bestimmt von der rüchsichtslosen Vorteilsnahme des Einzelnen und begrenzt nur noch durch die dunkelsten Urtriebe des - nun nicht mehr sozialen - Wesens "Mensch".

Ach ja? Und dazu gehören dann Schlips und Kragen - oder wie?
Ich lach mich weg :hahahaha:
Und nicht vergessen: immer mit dem Lineal eins auf die schmutzigen Fingernägel geben - dann klappt's auch mit der Gesellschaft :baeh01:

Grüße aus dem Wiesengrund




Hallo Wiesengrund,

bei Schlips und Kragen kann man sicherlich darüber streiten (und genau das tun wir ja hier!), aber beim Verstoß gegen Konventionen gibt's im Regelfall sehr wohl was auf die Finger - und das ist auch gut so!

Als Beispiel sei nur die sehr grundlegende Konvention genannt, daß man seinem Mitmenschen nicht einfach so den Schädel einschlagen darf. Die Einhaltung dieser gesellschaftlichen Vereinbarung wird tagtäglich mit Zwang (und notfalls sogar mit Gewalt) durchgesetzt. Und es wird Dich niemand fragen, ob Du damit einverstanden bist, sondern Du wirst von der Gesellschaft gezwungen damit einverstanden zu sein!

Ullis Vorschlag vom Opernbesuch in unschuldiger Nacktheit verstößt gleichfalls gegen geltende gesellschaftliche Konventionen - der Versuch würde vermutlich unter Einsatz von Zwang ziemlich rasch unterbunden werden.

Ob all das gut und gerechtfertigt ist, mag im Auge des Einzelnen natürlich unterschiedlich beurteilt werden und selbstverständlich sind Konventionen in einem gesellschaftlichen Kontext veränderbar - wenn allerdings der Einzelne für sich die geltenden Konventionen nicht mehr akzeptiert, dann wird es für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft kritisch.


Beste Grüße!

Laurenz :hello:
`
(...) Ich erinnere mich, daß wir alle nach München in die Oper fuhren, um die „Fledermaus“ zu sehen. Als die magischen Klänge der Ouvertüre einsetzten, wandte sich Frau Strauss zu unserer Verblüffung ihrem Mann zu, der immerhin der größte lebende Komponist dieser Zeit war, und sagte: „Siehst du, Richard, das ist Musik!“ (...)

— aus „Gala-Abend“ von Sir Rudolf Bing —

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Nunu

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Registrierungsdatum: 21. September 2008

222

Freitag, 9. Oktober 2009, 15:02

Als Tourist in (sauberen) Jeans und Hemd, und dann in Kuala Lumpur zum Orgelkonzert in die Petronas Philharmonic Hall Twin Towers? Geht nicht! Auch sind Sandalen verboten! Das steht sogar auf den Eintrittskarten! Auch nach langen Erklärungen, dass der Koffer verloren gegangen ist und die entsprechende Kleidervorschrift nicht eingehalten werden kann, war kein Argument, die Klais-Orgel doch noch zu hören.
Es gibt bei uns zu recht keine Bekleidungsvorschriften für jeden Konzertbesucher. Im Gegensatz zu Kasinos, die die Herren nur mit Krawatte rein lassen!

Alfred_Schmidt

Administrator

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

223

Freitag, 9. Oktober 2009, 15:14

Natürlich gibts bei den schmutzigen Fingernägeln keine mehr auf die Finger, und auch die Zeiten wo man einen unkorrekt gekleideten böse Blicke zuwarf dürften der Vergangenheit angehören.

Heute geschieht vieles subtiler.
Manb hat sich auf eine (mir völlig fremde) Art von "allgemeiner Freundlichkeit" eingependelt, also negiert man solche Personen. Wird man von ihnen angesprochen (beispielsweise wegen einer Auskunftntwortet man scheinbar freundlich - aber man zieht Gespräche mit solchen Leuten nicht unnötig in die Länge, und vergisst regelmäßig sie einzuladen. Sollten die die vergessene Einladung beanstanden, dann lächelt man heutzutage freundlich und entschuldigt sich für das Versehen - um sie prompt bei der nächsten Einladung wieder zu "vergessen" Diese Freundlichkeit lässt bei den sich bewusst schlecht kleidenden den Eindruck entstehen, sie hätten das Spiel gewonnen - jeder habe ihre Provokationen zu tolerieren, nein sogar zu akzeptieren.
Das ist aber nicht der Fall. Sie werden mit Freundlichkeit erstickt und hinterrücks stigmatiesiert, als sich nicht benehmen kennender "Underdog", der (und das ist neu !!) in der Gesellschaft durchaus seinen Platz hat - aber natürlich NEBEN den Andern und nicht BEI den Anderen.

Auch das übertriebene Outfit isdt gefährlich - ihm haftet immer ein gewisses Flair von "Snob" (im ursprüinglichen, schlechten Sinn verwendet), "Parvenue" oder "hochstapler" an.

In der Jugend hingegen ist vieles erlaubt. Ich erinnere mich, daß ich, als ich 20 war gelegentlich sogar mit (wenig) Make up das Theater besuchte, und manchmal ein wenig "overdressed" war (Dunkelroter oder -blauer Samt, Mascherl) was eine Arbeitskollegin zu der Äusserung
verleitete: "Waren das SIE, der mir gestern aus der Loge zugewinkt hat?" - und auf meine positive Antwort entschlüpfte ihr: "Mir ist noch nie aufgefallen, daß sie eigentlich schön sind" (Die Schönheit war leider nur auf Zeit - und ist nun für immer dahin.

Selbstverständlich gehört zur Oper AUCH das "Gesehenwerden" das Austauschen von Freundlichkeiten und versteckten Bosheiten, sowie
(in der Jugend) das "Anbandeln"
Das Opernfoyer bzw der Pausenraum ist ein glitschiges Parket, durchaus mit der Bühne vergleichbar.

Ich weiß was nun kommt:
"Das sind Banausen, die NUR wegen der Moder in die Oper gehen und von Musik keine Ahnung haben"

VÖLLIG FALSCH !!

Ich habe ALLE diese Dinge genossen.

mfg aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

der Lullist

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224

Freitag, 9. Oktober 2009, 16:05

Zitat

"Mir ist noch nie aufgefallen, daß sie eigentlich schön sind" (Die Schönheit war leider nur auf Zeit - und ist nun für immer dahin.



aber Alfred, als künstlerisch veranlagter Mensch solltest Du nicht so streng sein, jeder Mensch ist auf seine Art Schön, egal ob alt oder jung. ;)


Ich finde allerdings auch, dass man sich für die Oper ruhig richtig aufbrezeln darf.
Ich hab schon so oft Leute gesehen, die da im Schlabber-Puli saßen, ich finde das eigentlich schade, weil es einfach auch ausdrückt, das die ganze Veranstaltung für sie nix besonderes ist.


Ich werde mich allerdings einer kleinen Minderheit anschließen, die in Bayreuth (im Markgräflichen Opernhaus) damit begonnen hat in der Garderobe des 18. Jahrhunderts die Oper zu besuchen.
Das schwabbt nun auch auf andere Häuser über (vorzugsweise, wo eben der Opernsaal auch schon ein wenig historisches Flair besitzt)
Wenn man so Händel oder Mozart erlebt ist das nochmal ein Stück mehr Vergnügen und Genuss.
Da bin ich ganz fest von überzeugt.

das nächste mal in Schwetzingen: mit Degen und Perücke :D

Thomas Pape

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Registrierungsdatum: 30. August 2006

225

Samstag, 10. Oktober 2009, 00:21

Zitat

Original von der Lullist
Ich werde mich allerdings einer kleinen Minderheit anschließen, die in Bayreuth (im Markgräflichen Opernhaus) damit begonnen hat in der Garderobe des 18. Jahrhunderts die Oper zu besuchen.
Das schwabbt [Hoher Herr: so mancher Bauch ist schwabbelig, eine Welle, Mode oder was auch immer indes schwappt, halten zu Gnaden] nun auch auf andere Häuser über (vorzugsweise, wo eben der Opernsaal auch schon ein wenig historisches Flair besitzt)
Wenn man so Händel oder Mozart erlebt ist das nochmal ein Stück mehr Vergnügen und Genuss.
Da bin ich ganz fest von überzeugt.

das nächste mal in Schwetzingen: mit Degen und Perücke :D


Jau, und ab dem 11.11. seid Ihr in Kölle damit herzlich willkommen (aber nicht in der Oper). Irgendwie erinnert mich das an Herrmann Götting seligen Angedenkens, ein Kölner Original, das, wie Wikipedia schreibt (und ich es selbst erlebt habe), stets "mit ausladenden Gewändern, riesigen Hüten, dem allgegenwärtigen Fächer und stets in Begleitung seiner Hunde" unterwegs war. Es passt irgendwie zu meinem Beitrag in diesem Thread weiter oben. Es ist völlig egal, wie man provoziert und womit man provoziert. Die Wahrscheinlichkeit, damit ernst genommen zu werden, geht gegen null.

Mir selber gehen dergleichen Auffälligkeiten eher sonstwo vorbei. Wie sagt der Kölner doch: Jeder Jeck ist anders. Genau. Mich nervt eher die feine Gesellschaft, deren nachlassendes Gehör von einem fiepende Hörgerät verraten wird, die sich bedauerlicherweise nich geräuschlos bewegen kann, weil der Schmuck von fünf Generationen an einem Hals baumelt; nicht unlieb wäre mir der reine klare Duft, der dem Auspuff eines Dieselfahrzeuges entströmt, müsste ich dafür nicht den olfaktorischen Supergau erdulden, wenn sich die feinen Damen für feine Veranstaltungen eine Fiole feinen Parfüms über ihre reichhaltige Hautoberfläche verteilen. Und zwar jede feine Dame eine andere feine Fiole eines anderen feinen Parfums, die mit einer Fiole H2SO4 zu konterkarieren ich mir dann schon aus Selbstschutz verkneife.

Aber, mein lieber Matthias, ich bin duldsam, für einen gelungenen Musikabend ertrage ich das. Aber ich schreibe bewusst: ich ertrage!

Und jetzt wird's ernst: Du redest einer Ideologie der Umerziehung das Wort, die mir überhaupt nicht behagt. Irgendwie erinnert mich das alles an die Amish-People, aber wahrscheinlich wirst Du doch ungeachtet aller Gegenwartsverweigerung ein Mobil-Telephon mit Dir herumtragen?

Um auf Deine Bekleidungsvorstellungen zurückzukommen: Die sind genauso schräg wie Jeans, Pulli und Turnschuh. In Köln ist jeder willkommen. In Wien - wenn ich Alfred richtig verstehe - wäre auch Dein Wunschoutfit nicht willkommen.

Es gibt so was wie gesllschaftlichen Anstand. Der mag sich von Stadt zu Stadt anders definieren. Und überall gibt's ein Toleranzspektrum. Deine Radikalität sprengt das ebenso wie ein Punk. Das mit dem Werten lassen wir jetzt mal, Du verstehst schon, was ich meine.

Aus all dem soll deutlich werden: ich schätze bestimmte Verhaltens- und Kleidungdkonventionen in Oper und Konzerthaus sehr. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Provokante Anti-Haltungen lehne ich ab. Ich fürchte, lieber Matthias, dass dies Ablehnung auch Dich treffen könnten, sorry dafür.

(Und liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Ulli

Erleuchteter

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226

Samstag, 10. Oktober 2009, 00:37

Ich glaube, chér Thomas, daß der Anteil an Antihaltung bei dem zu beobachtenden Phänomen eher gering, wenn auch nicht wegzudiskutieren, ist. Aber wie sagte Matthias es so deutlich:

Zitat

Wenn man so Händel oder Mozart erlebt ist das nochmal ein Stück mehr Vergnügen und Genuss.
Da bin ich ganz fest von überzeugt.
Dem kann ich mich (z.T. aus Erfahrung) vorbehaltlos anschließen. Es ist eine ganz andere Dimension, in der man in derlei 'Klamotten' die Musik oder das Gesamtgeschehen erfährt und wahrnimmt. Eigentlich ganz ähnlich: Für mich lingt dieselbe Musik auch angenehmer in historischen Gebäuden als in modernen Waschbetonklötzen... aber das ist sicherlich ein Wahrnehmungsdefekt bei mir :D

Daß dies derzeit eher noch als außergewöhnlich zu betrachten ist, verstehe ich durchaus. Aber: Man hört die Musik dieser Zeit, schaut sich Bilder dieser Zeit an (oder hängt sich gar Reproduktionen auf) - warum sollte man nicht auch die Kleider dieser Zeit tragen? Man darf sich doch heutzutage aus dem Überangebot das heraussuchen, was einem persönlich am angenehmsten ist? Dazu gehört natürlich auch das sogenannte Handy, der Computer, das Auto, der Döner... ebenso zerfetzte Jeans oder Hofrobe.

Und wenn schon andere sich in ihrer Haut (also schlapper Schlabberpulli, Fetzenjeans etc.) wohlfühlen dürfen, dann dürfen das anachronistisch Angehauchte sicher gleichfalls. Wer hier dann wen stört, spielt dann eigentlich keine Rolle mehr. Die Vielfalt ist aber doch das, was die Sache dann ziemlich spannend macht.

Eigentliche Vorschriften für den Konzert- oder Opernbesuch gibt es ja keine mehr. Die Häuser müssen heute alles zulassen, sonst verlieren sie das Publikum, damit das Finanzierungsmittel und die Daseinsberechtigung...

:hello:

Ulli
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der Lullist

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Samstag, 10. Oktober 2009, 06:50

Na mit Fasching hat das absolut nichts zu tun, und das merkt man auch, wenn man diese Leute live sieht, das ist eine völlig andere Qualität.
Manche Roben kosten mehr als Mittelklassewagen....

Zudem sitzen diese Herrschaften z.B. in Bayreuth in der Fürstenloge, niemals mit dem normalen Volk zusammen :D

Aber ich muss Dich enttäuschen, ich hab kein Handy und beabsichtige auch nicht ein solches zu besitzen - ich sehe da keine Notwendigkeit.

Aber das heißt nicht, das ich die Gegenwart verleugne. Das mag man so sehen, aber das tue ich ganz sicher nicht ;)

Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass das übrige Publikum eigentlich fasziniert ist, wenn historische Oper, historischer Opernsaal und noch "historische Personen" im Zuschauerraum sitzen.

Falls man es nicht glaubt, dass es das gibt:
http://www.lumieres.de/
http://www.18tes-jahrhundert.de/

Für Bayreuth ist diese Gruppe von mehr als 30 Personen, die dort jedes mal zusammenkommt, mittlerweile eine Attraktion.

In einem 70er Jahre-Bau würde so etwas natürlich lächerlich wirken, daher konzentriert sich so etwas ausschließlich auf solche historischen Opernräume.
Und warum auch nicht, diese Herrschaften passen dort optisch wesentlich besser hinein, als das "modern gekleidete Publikum" :D

Bernhard

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Samstag, 10. Oktober 2009, 10:01

Guten Tag

Zitat von »Lullist«

das nächste mal in Schwetzingen: mit Degen und Perücke :D
Das hat es diesjahr bei den Schwetzinger-Festspielen gegeben, beim Konzert des Helsinki Baroque Orchestra am 02.06.2009 besuchten zwei hübsch in Rokokokostüme gewandete Paare, einer der Herren gar mit Degen, das Konzert.

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

operus

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Samstag, 10. Oktober 2009, 10:48

Ach, wie schön! So reizvoll eine stilechte Bekleidung auf den ersten Blick auch erscheint; empfinde ich so etwas jedoch als eine Übertreibung in die snobistisch überdrehte Richtung. Bei einem Faschingskonzert des Heilbronner Sinfonie Orchesters, wo sogar zur Kostümierung aufgefordert wurde, erschien eine bekannte Persönlichkeit täuschend echt in einem Kardinalskostüm. In der Pause im Foyer wurde der falsche Kardinal mit Kopfnicken bedacht. Es wird erzählt, dass manche Besucher sogar seinen Ring küssen wollten. Für mich, der damals Erster Vorsitzender des Orchesters war, nur peinlich.
Zu "schlampig" sollte die Kleidung im Konzert oder der Oper nicht sein, aber auch nicht zu "auffällig, überkandidelt". Wo liegt das rechte Maß? Werden wir Taminos diese Frage in dieser für den Fortbestand der Kultur des Abendlandes so wichtigen Diskussion lösen? Am Ende könnten wir unsere erleuchteten Ergebnisse in einem "Knigge für Konzert- und Opernbesuch" mit Vorwort von Loriot zusammenfassen und diesen unentbehrlichen Ratgeber dann in einer Vertriebsgemeinschaft mit Amazon vertreiben. 5000 Taler - wir werden hochberühmte Leute!

Herzlichst
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Sonntag, 27. Dezember 2009, 15:18

Festlicher Glanz - Kleidung bei Opernbesuchen und Konzerten?

Eine Diskussion, die jetzt über die Feiertage bei uns wieder aufgeflammt ist, galt der Frage: Welche Kleidung ist bei Opernbesuchen oder Konzerten richtig? Sollte es dem Anlass entsprechend eingermaßen festliche Kleidung sein? Ist erlaubt was gefällt? Werden vielleicht sogar Vorurteile und Probleme geschaffen, wenn eine bestimmte Kleidungserwartung vorhanden ist? Werden Opern und Konzerte zu anachronistischen, musealen Eliteveranstaltungen hochstilisiert, wenn es einen (unausgesprochenen ) Kleidungskodex gibt? Entstehen bei denjenigen, die solchen Veranstaltungen fernstehen dadurch Berührungsängste und Hürden gegen den Besuch? Will es besonders die junge Generation heute lockerer haben? Also Frage über Fragen.
Ehe ich meinen eigenen Standpunkt äußere interessiert mich der Meinungstrend bei uns Taminos. Wobei ich den ganz "normalen" Konzert- oder Opernabend meine, also keine Festveranstaltungen, Freiluft- oder Jugendkonzerte. Also bitte, was meint Ihr?

Herzlichst
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Sonntag, 27. Dezember 2009, 15:23

RE: Festlicher Glanz - Kleidung bei Opernbesuchen und Konzerten?

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Sonntag, 27. Dezember 2009, 15:43

RE: Festlicher Glanz - Kleidung bei Opernbesuchen und Konzerten?

Erst recherieren und dann posten. Fast hätte ich es mir denken können, dass dieses Thema schon einmal bei Tamino diskutiert wurde. Der Moderator soll bitte entscheiden, ob er die nun bestehenden zwei Threads zu diesem Thema zusammenlegen will.
Wieder einmal wird die Lebensweisheit bestätigt:"Blinder Eifer schadet oft". :hello: ;) ;)

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Sonntag, 27. Dezember 2009, 15:48

RE: Festlicher Glanz - Kleidung bei Opernbesuchen und Konzerten?

Zitat von »Operus«

Erst recherieren und dann posten. Fast hätte ich es mir denken können, dass dieses Thema schon einmal bei Tamino diskutiert wurde.

Oder einfach nur zweieinhalb Monate zurückerinnern...

:pfeif:
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Sonntag, 27. Dezember 2009, 15:53

RE: Festlicher Glanz - Kleidung bei Opernbesuchen und Konzerten?

Ja, das ist ein Ding und ein G'scheiter merkt es immer. Gekonnter kann man sich kaum selbst auf's Kreuz legen. Alzheimer läßt grüßen.

Herzlichst
der beschämte
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Melisma

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235

Sonntag, 27. Dezember 2009, 16:19

Habe keine Probleme damit, chic-sportlich oder sportlich-chic die Oper zu betreten. - Schließlich möchte ich den Abend genießen und nicht ewig an meinen unbequemen Klamotten herum zerren. -
Den Pyjama würde ich allenfalls an Karneval tragen, falls er in der Oper erlaubt ist. :D
In Bikini oder Badedress anzukommen, tja, da hätte ich schon meine Probleme!
Aber ein Hingucker wäre dieser Dress allemal! :D :yes:

Mit "modischen" Grüßen,

Melisma :hello:
"Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich auch ein schlechtes Gedächtnis leisten."

(Zitat)

Norbert

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Sonntag, 27. Dezember 2009, 17:32

RE: Festlicher Glanz - Kleidung bei Opernbesuchen und Konzerten?

Zitat

Original von operus
Erst recherieren und dann posten. Fast hätte ich es mir denken können, dass dieses Thema schon einmal bei Tamino diskutiert wurde. Der Moderator soll bitte entscheiden, ob er die nun bestehenden zwei Threads zu diesem Thema zusammenlegen will.
Wieder einmal wird die Lebensweisheit bestätigt:"Blinder Eifer schadet oft". :hello: ;) ;)
Herzlichst
Operus

Lieber operus,

ich bin dann mal so frei... ;)

Threads zusammenlegen ist eine der leichtesten Übungen, und bei der Themenvielfalt kann es schon einmal passieren, daß es doppelte Threads gibt.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Mittwoch, 10. März 2010, 00:56

Hallo,

ich bin in der Beziehung eher konservativ, was mich betrifft. Ich ziehe gerne einen bequemen Anzug an, wenn es die Witterung zulässt, auch mit Krawatte, weil ich zu einem, jedenfalls für mich, nicht alltäglichen Anlass gehe und weil ich mit dieser nicht alltäglichen Kleidung auch den Künstlern Respekt zollen will, die ebenfalls nicht in ihrer Probenkleidung auf dem Podium sitzen. Ich sehe das einmal aus dem Blickwinkel meiner eigenen Erziehung, zum anderen aber auch aus meiner Tätigkeit als Chorsänger, wo man auch aus dem Äußeren (Kleidung) und dem Inneren (Singen) eine Einheit bildet.

Allerdings bin ich auch meinen Mit-Konzertbesuchern gegenüber tolerant, indem mir ihre Kleidung egal ist, wenn sie sauber und intakt ist

Ich für mich fühle mich so im Konzert wohl und kann mich ganz auf den bevorstehenden Musikgenuss konzentrieren (außerdem kann ich im Anzug Ticket und Programm besser unterbringen).

Liebe Grüße

Willi
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Joseph II.

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Samstag, 27. Oktober 2012, 20:51

Die Mode in der Oper und im Konzert im 21. Jahrhundert — Von Festlichkeit kaum mehr eine Spur

Dunkler (meist schwarzer) Anzug mit Krawatte ist für mich auch absoluter Standard, gerne auch in konservativer Sakko-Ausführung mit Stehkragen. Ich finde es schade, dass man heute mit dem Gesellschaftsanzug (Smoking) bzw. noch mehr mit dem großen Gesellschaftsanzug (Frack) overdressed ist. Wo sieht man dergleichen eigentlich noch in der Masse? Selbst bei Opernpremieren ist das doch schon die Ausnahme geworden. Wenn man sich überlegt, dass vor gerade einmal hundert Jahren selbst der vom späteren britischen König Eduard VII. gleichsam erfundene Smoking fast nur privat getragen wurde, da er als zu underdressed galt in der Oper und im Konzert! Der Frack war wohl bis etwa 1918 wirklich das Maß aller Dinge, um dann ab den 20ern und 30ern sukzessive vom Smoking verdrängt zu werden. Spätestens seit den 68ern ist der aber auch auf dem Rückzug. Und wo sieht man heute noch Herrschaften mit Hüten und Stöcken? Auch das verkam zur fast musealen Rarität. Man fällt mit sowas heutzutage ja fast schon unangenehm auf, vor allem, wenn man nicht gerade im Greisenalter ist. Ich finde das bedauerlich, wie sich die Mode in der Oper und im Konzert entwickelt hat. Jeans und Hemd sind ja heute schon usus (m. E. grad noch akzeptabel), von schlimmeren Geschmacksverirrungen ganz zu schweigen. (Stilvolle) Operngläser sind auch beinahe verschwunden, der Schmuck (grad bei Herren) eigentlich auch weitgehend. Welcher Herr steckt heute noch einen besonders eleganten Ring mit Rubin oder Saphir an? Vom Monokel will ich gar nicht reden, das ist sowieso out. Aber die Zeiten ändern sich eben, man kann nichts machen.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

rodolfo39

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239

Samstag, 27. Oktober 2012, 21:18

Das schlimmste was ich letzte Woche erlebt habe, waren unsere Sitznachbarn in der Rheinoper. Haare nicht zurechtgemacht, geschweige denn gewaschen, und kleidungsmäßig sahen sie so aus, als ob sie gerade von der Straße geholt worden wären. Und dazu rochen sie noch sehr unangenehm. Was ich auch schon bei einer Wagner Premiere in Duisburg erlebt habe, da setzte sich ein junger Mann in die erste Reihe mit kurzer Hose und kurzämligen T-Shirt. Zugegeben hatte ich ihn etwas darum beneidet, weil das Duisburger Haus damals noch keine Klimaanlage hatte und es im Sommer unerträglich warm wurde. Aber ganz schlimm finde ich es, wenn ältere etwas beleibtere Frauen mit einem Dirndel in die Oper gehen.

zweiterbass

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240

Sonntag, 28. Oktober 2012, 01:19

"Herrschaft" muss das "herr"lich sein so ein Herr zu sein.

Der "Neue" bei den NY dirigiert sogar im Straßenanzug - wenn da mal die Musik nicht drunter leidet?!

zweiterbass

Nachsatz: Aus welchem Anlaß und daraus folgernd in welcher Gehirnregion sich wohl bei manchem Zeitgenossen Festlichkeit entwickelt?
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler