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Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Mittwoch, 22. Oktober 2008, 22:10

Klassische Musik in der Gesellschaft von heute

Immer wieder stelle ich mir die Frage inwieweit "Klassische Musik" - und ich mei´ne hier den Mainstream - in der Gesellschaft (so man von einer solchen heutzutage überhaupt noch sprechen kann) Fuß gefasst hat.

Einerseits vermisst man den Begriff "Klassik" - so man in ein beliebiges "Musik" - Forum im Internet geht. Man findet dort hauptsächlich leicht vermarktbares, dümmliches.

Andrerseits findet Klassik - wird sie vorzugsweise in dümmlichen Fernsesendungen - von drittklassigen "Künstlern" verballhornt wiedergegeben und von tollpatschigen Moderatoren dem Publikum nähergebracht - durchaus Anklang. Desgleichen auch als Kennung eines Werbespots oder als Handy-Klingelton.

Da kann man dann erleben, daß Leute, die von klassischer Musik völlig unbeleckt sind, verzweifelt Klassikshops und Klassikforen im Internet abgrasen, um die tolle Melodie zu ergründen, welche ihnen seit Stunden als Ohrwurm nicht aus dem Kopf geht.

In Klassikshops finden sie keine Hilfe, weil das kompetente Personal längst in die Arbeitslose geschickt wurde - oder aber sein Brot als Taxifahrer oder Würstelbudenbesitzer verdient....

In Internetforen werden sie nicht ernst genommen und in die Wüste geschickt........

Die Frage, inwieweit klassische Musik heutzutage einen gesellschaftlichen Stellenwert besitzt ist die eine

Die Frage weshalb so viele Leute diese Musik - die einst nur Herrschern, Adel und Großbürgertum vorbehalten waren - (sie "reservierten" diese Musik für sich - und sie wussten warum) ablehnen oder negieren , bzw gar nicht kennen - ist indes eine andere.

Wer in die Welt der Klassik mal eingetaucht ist - der wird sie schwerlich gegen anderes eintauschen mögen......

mfg aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

maticus

Fortgeschrittener

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Beiträge: 181

Registrierungsdatum: 7. August 2008

2

Sonntag, 2. November 2008, 13:35

Hallo Alfred,

ich schreibe mal ein paar unzusammenhängende Gedanken zu diesem interessanten Thema, auch um es voranzubringen. Ich fühle mich weder Willens noch in der Lage, eine Abhandlung dazu zu schreiben, daher nur einige Stichpunkte und weitere Fragen:

Mich würden mal (glaubhafte) Statistiken interessieren, wie groß (oder klein) der Anteil der Menschen (sagen wir in Europa oder im deutschsprachigen Raum) ist, die klassische Musik hören.

Da würde ich dann aber noch unterscheiden: Es gibt sicherlich eine große Anzahl von Leuten, die in ihrem CD-Regal auch zwei oder drei Klassik-CDs stehen haben, wobei es sich dann oft um irgendeine "Kuschel-Klassik" oder "Best of..." CD handeln wird. Vielleicht hören diese Leute auch ab und zu mal in diese CDs rein. Das sind so die Leute, die sich aus dem Dutzend der allseits aus der Werbung bekannten, einschlägigen Stücke (meist Oper) angezogen fühlen, aber nicht darüber hinausgehen werden.

Aber diesen Anteil finde ich eher uninteressant. Mich würde eher der Anteil der Personen interessieren, für die klassische Musik einen oder besser den wesentlichen Bestandteil ihres Musikhörens ausmacht. (Die Zahl dürfte eine zweistellige Prozentzahl bei weitem nicht erreichen.) Ferner würde mich auch der Anteil solcher Extremfälle (wie mich) interessieren, die ausschließlich (oder zu 95+%) klassische Musik hören, und sich auch für die Hintergründe interessieren. (Wird hier noch eine 1 vor dem Komma stehen?)

Wie ermittelt man den Anteil an Klassikhören? CD-Käufe sind heutzutage im MP3-Zeitalter sicherlich kein verlässliches Indiz mehr. Kaufen junge Menschen heutzutage überhaupt noch CDs? Ich vermute mal, dass ein Klassikhörer sich seine Musik für Zuhause immer noch fast ausschließlich über CDs beschafft, während das im Pop-Bereich (bei jungen Leuten) eher gegen Null tendieren dürfte, auch wenn ich das nicht verifizieren kann. Dazu kaufen auch "ernsthafte" Klassikhörer sehr unterschiedlich viele CDs. Der eine ist mit seine Sammlung von weniger als 50 CDs zufrieden, der andere hat von jedem Stück fünf verschiedene Einspielungen und die Sammlung geht in die tausende.

Dann gibt es auch noch eine Gruppe von Klassikhören, so glaube ich, die kaum CDs konsumieren, sondern mit ihrem Opern- und/oder Konzertabonnement zufrieden sind, und sich ansonsten kaum weiter mit klassicher Musik auseinandersetzen. Aber das ist nur eine Verutung von mir.

Ich denke auch, dass ein nicht geringer Teil der Bevölkerung mit Musik (welcher Richtung auch immer) überhaupt nichts am Hut haben.

Insofern würde ich zusammenfassend mutmaßen, dass klassische Musik in unserer Gesellschaft eine (prozentual gesehen) außerordentlich geringe Rolle spielt. Natürlich hat sie einen hohen Stellenwert, wenn es um "offizielle" Dinge geht, etwa ein Konzert zu dem und dem Anlass, bei dem der Bundespräsident anwesend ist oder dergleichen.

Glücklicherweise sind wir in Mitteleuropa mit einer riesigen Fülle von guten Orchestern Konzertsälen und Opernhäusern gesegnet. Die tiefe Tradition ist unverkennbar. NOCH.

maticus

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 499

Registrierungsdatum: 12. August 2005

3

Sonntag, 2. November 2008, 14:38

Zitat

Original von maticus
Mich würden mal (glaubhafte) Statistiken interessieren, wie groß (oder klein) der Anteil der Menschen (sagen wir in Europa oder im deutschsprachigen Raum) ist, die klassische Musik hören.

Da würde ich dann aber noch unterscheiden: Es gibt sicherlich eine große Anzahl von Leuten, die in ihrem CD-Regal auch zwei oder drei Klassik-CDs stehen haben, wobei es sich dann oft um irgendeine "Kuschel-Klassik" oder "Best of..." CD handeln wird. Vielleicht hören diese Leute auch ab und zu mal in diese CDs rein. Das sind so die Leute, die sich aus dem Dutzend der allseits aus der Werbung bekannten, einschlägigen Stücke (meist Oper) angezogen fühlen, aber nicht darüber hinausgehen werden.


Aufgrund dieser notwendigen Unterscheidungen halte ich es für zweifelhaft, daß es allzu brauchbare Statistiken gibt, obwohl sie mich ebenfalls interessieren würden. Die Tonträgermarktanteile schließen meines Wissens Rieu, Bocelli etc. ein und liegen so bei 5-7% (in A etwa höher). Seltsamerweise scheinen sie seit recht langer Zeit ziemlich stabil zu sein. (Man würde aufgrund des Einbruchs bei Pop wegen Kopien und Downloads eine Ansteigen erwarten.)

Zitat


Aber diesen Anteil finde ich eher uninteressant. Mich würde eher der Anteil der Personen interessieren, für die klassische Musik einen oder besser den wesentlichen Bestandteil ihres Musikhörens ausmacht. (Die Zahl dürfte eine zweistellige Prozentzahl bei weitem nicht erreichen.) Ferner würde mich auch der Anteil solcher Extremfälle (wie mich) interessieren, die ausschließlich (oder zu 95+%) klassische Musik hören, und sich auch für die Hintergründe interessieren. (Wird hier noch eine 1 vor dem Komma stehen?)


Um sich außerordentlich intensiv für klass. Musik und die Hintergründe zu interessieren, ist allerdings nicht notwendig, daß man zu 95% klass. Musik hört. Überdies müßte man noch berücksichtigen, wieviel Musik überhaupt gehört wird. Einer, der zu 50% Klassik hört und insgesamt 2h pro Tag, hört mehr Klassik als einer, der nur 45 min/Tag bei 95% Klassikanteil hört.

Zitat


Dazu kaufen auch "ernsthafte" Klassikhörer sehr unterschiedlich viele CDs. Der eine ist mit seine Sammlung von weniger als 50 CDs zufrieden, der andere hat von jedem Stück fünf verschiedene Einspielungen und die Sammlung geht in die tausende.

Dann gibt es auch noch eine Gruppe von Klassikhörern, so glaube ich, die kaum CDs konsumieren, sondern mit ihrem Opern- und/oder Konzertabonnement zufrieden sind, und sich ansonsten kaum weiter mit klassicher Musik auseinandersetzen. Aber das ist nur eine Verutung von mir.


Ich vermute, daß auch die Konzertgeher und Nichtsammler CDs kaufen, nur deutlich weniger als die hier vertretenen Sammler. Dennoch dürften die meisten von denen auch mehr als 50 CDs haben, ich schätze so 100-500.
Aber Du hast natürlich völlig recht, daß bloße Verkaufszahlen daher nicht so aussagekräftig sind. Etwa ähnliches gilt sogar für verkaufte Konzert- u. Opernkarten. Zum einen gibt es Leute, die obwohl nur mäßiges Interesse an Klassik besteht, bei besonderen Gelegenheiten mal in die Oper und ins Konzert gehen, zum anderen "Operntouristen", die durch die Lande ziehen und überdurchschnittlich häufig, etwa fast jede Woche, Opern/Konzerte besuchen.
Der Anteil derer, die um die Juwelen der Frau auszuführen, ins Konzert gehen, ist heute, glaube ich, geringer als zu früheren Zeiten.

Zitat


Ich denke auch, dass ein nicht geringer Teil der Bevölkerung mit Musik (welcher Richtung auch immer) überhaupt nichts am Hut haben.


Klar. Die hören aber meistens trotzdem Musik, nämlich meistens den Pop, der gerade aktuell ist, den die Freunde hören, oder die Musik, die sie zwischen 15 und 20 gehört haben.

Zitat


Insofern würde ich zusammenfassend mutmaßen, dass klassische Musik in unserer Gesellschaft eine (prozentual gesehen) außerordentlich geringe Rolle spielt. Natürlich hat sie einen hohen Stellenwert, wenn es um "offizielle" Dinge geht, etwa ein Konzert zu dem und dem Anlass, bei dem der Bundespräsident anwesend ist oder dergleichen.

Glücklicherweise sind wir in Mitteleuropa mit einer riesigen Fülle von guten Orchestern Konzertsälen und Opernhäusern gesegnet. Die tiefe Tradition ist unverkennbar. NOCH.


Noch spielen sie ja auch eher selten vor leeren Häusern, wenngleich sie auch nicht immer besonders voll sind. Und noch läßt sich auch mit Klassischer Musik Geld verdienen, wenn auch vielleicht keine Privatflugzeuge mehr drin sind.
Meines Wissens ist der Anteil der Kinder, die Musikinstrumente lernen, relativ stabil, evtl. sogar steigend (vermutlich allerdings mit einer zunehmenden sozialen Stratifzierung verbunden). Jugend musiziert usw. läuft nach wie vor gut. Natürlich führt Geigenunterricht nicht automatisch zum Hören von Klassik. Aber manchmal eben doch.
Und es scheint auch, das wurde von mehreren Forianern berichtet, den Effekt zu geben, daß sich Hörer noch mit über 20 oder sogar über 30 der Klassik zuwenden, nachdem sie vom Pop usw. die Nase voll hatten, oder jedenfalls ihren Horizont erweitern wollten.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

âme

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Registrierungsdatum: 24. Januar 2008

4

Montag, 3. November 2008, 13:11

Und in dem Fall müßte man dann eigentlich auch eine zum. ungefähre Definition
festlegen ab welchem Interessegrad man als Klassikhörer bzw. konsument gilt da ja die Auslegung von diejenigen die höchstens ausschließlich nur Best-Of-Sampler von zB A.N., Lang-Lang, Bocelli usw. hören bis hin zu denjenigen die jeden Tag einige Stunden mit anhören vollständiger Werke verbringen eine große Spannweite darstellen kann.

Für mich persönlich definiere ich den Begriff Klassikhörer in Etwa indem dieser Musikkonsument nicht sporadisch sondern in regelmäßigen Abständen (zum. 1 Mal pro Woche) natürlich aus freiem Antrieb heraus und nicht ausschließlich sogenannte "Häppchenklassik"(wie zB bei Best-Of-Sampler) hört. Und in dem Bereich ist der prozentuelle Anteil sicherlich ziemlich gering.

Das mit dem Ohrwurm kann manchmal (aber ich fürchte in den wenigsten Fällen) ein Schlüsselerlebnis bzw. Anstoss sein sich eingehender mit dieser Musikrichtung zu beschäftigen und Neugierde zu wecken. Aber das Problem liegt m.M. nach darin das die Hörgewohnheiten der meisten Menschen (also soz. der Mainstream) so ausgelegt sind das sie sich schnell überfordert fühlen wenn die Struktur der Musik über die Komplexität eines Songschemas hinausgeht - also Strophe-Refrain-evt.Brücke-Strophe-Refrain in beliebigen Wiederholungen in ca. 3-minütiger Dauer mit meist herausstechender, simpler Melodie die für Jedermann nachpfeifbar ist und irgendeinem eintönigen durchgängigen Rythmus sowie noch ganz einfache Bass-Begleitung und evtl. ein paar wenige Keyboard-Synthie-Sounds dazu.
Diese Hörgewohnheiten werden ja seit einigen Jahrzehnten schon von Generation zu Generation seit Baby auf weitergegeben und ich denke es bedarf dann meist entweder einer gewissen Veranlagung, Eltern die auch zum. u.A. Klassik hören oder Zufälle von o.a. Schlüsselerlebnissen mit darauffolgender geduldiger Einarbeitung und Erweiterung des musikalischen Horizontes, vorausgesetzt natürlich erstmal auch die Neugier Neues entdecken zu wollen.
Ich verstehe es das es einem zB schon alleine von der Länge überfordert eine halbstündige Sinfonie oder ein Konzert (ganz zu Schweigen von zB Mahler-Längen) zuzuhören wenn man ansonsten nur Songs hört die kaum länger als 3 Minuten gehn.
Aber in weiteres Problem wäre natürlich das klassische Musik emotionell meist tiefgründiger ist und man auch genau zuhören müßte, sich also in der Regel nicht so sehr eignet um neben der Arbeit bzw. anderen Tätigkeiten zu hören wenn man wirklich das Werk ernsthaft intensiv erfassen möchte.
Das würde auch den Gewohnheiten widersprechen, indem ja die meisten Menschen Musik nur als leichten Unterhaltungswert, Berieselung benutzen, oftmals in Gesellschaft, zum tanzen oder einfach nur im Hintergrund konsumiert wird.
Naja um da nicht zu weit auszuholen, gesamt gesehn also sind es für mich gesellschaftliche Gewohnheitsstrukturen die durch unseren Zeitgeist bedingt bzw. geprägt sind bzw. umgekehrt.
Ich teile den Satz absolut "wenn man mal in die Welt der Klassik eingetaucht ist..." aber gerade das ist ja die allergrößte Hürde daran.
Deswegen finde ich Projekte für Kinder und Jugendliche (wie zB manche Orchester die gewisse Veranstaltungen mit leicht zugänglicher Klassik für Kinder inklusive Erklärungen des Dirigenten anbieten) sehr wichtig - vielleicht mag ja das auch für den Einen oder Anderen eine gewisse Initialzündung bedeuten.

lg
Thomas
„Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

Alfred_Schmidt

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5

Montag, 29. Dezember 2008, 11:35

Zitat

Aber diesen Anteil finde ich eher uninteressant. Mich würde eher der Anteil der Personen interessieren, für die klassische Musik einen oder besser den wesentlichen Bestandteil ihres Musikhörens ausmacht. (Die Zahl dürfte eine zweistellige Prozentzahl bei weitem nicht erreichen.) Ferner würde mich auch der Anteil solcher Extremfälle (wie mich) interessieren, die ausschließlich (oder zu 95+%) klassische Musik hören, und sich auch für die Hintergründe interessieren. (Wird hier noch eine 1 vor dem Komma stehen?)


Ich gebe zu, daß die von mir nun genannten Zahlen von mir nicht hinterfragt wurden, und ich auch die Quelle nicht mehr belegen kann.

Indes erinnere ich mich, daß vor etwa 5-10 Jahren von einer "Klassikrate" von ca 3% in Europa gesprochen wurde.
In den USA lag sie (ebenso wie in England, welches in Europa als Schlußlicht genannt wurde) bei etwa 2,3%, also signifikant niedriger.

Aufgefallen ist auch Wien (sorry - die Studie stammte nicht von mir), dessen Anteil an Klassikhörern bei 7-10 % liegen soll. Worauf die große Bandbreite dieses Werts beruht weiß ich nicht, ich könnte mir aber vorstellen, daß hier der internationale Musiktourismus (Wiens Konzertsäle sind zwar mehr oder weniger stets voll- aber zu einem signifikanten Prozentsatz auch mit Japanern, etc.) hier eine Rolle spielt und es saisonale Schwankungen gibt.

So weit ich mich erinnere war dies eine Studie der Tonträgerindustrie - aber selbstverständlich wurden hier Konzertbesucher, die KEINE CD-Sammler sind auch mit einbezogen - ist dies ja eine ZIELGRUPPE die erreicht werden soll und deren Konsumverhalten manipuliert werden soill.

Ich bin sicher, daß damals der Bereich "Crossover" ausgeklammert wurde.

Das Einbinden von "Crossover" (man zählte beispielsweise kurzzeitig die Filmmusik zu "Titanic" als "Klassische Musik") in Statistiken passierte kurzzeitig, um den Shareholdern von Klassikfirmen prosperierende Klassikabteilungen vorzugaukeln und die Posten einiger Manager abzusichern. Wirklich geglaubt hat diesen Trick aber vermutlich niemand.

Letztlich noch die Frage:

Was ist ein "echter" Klassikhörer ?

Ich würde meinen, daß jeder, der VORZUGSWEISE Klassische Musik hört als solcher zu betrachten ist - unabhängig von seinem theoretischen Wissensstand darüber - und unabhängig sonstiger - untergeordneter - musikalischer Vorlieben.

Als Untergruppe gibt es dann noch den "Klassikkenner" wo man annehmen kann, daß ein gewisses Grundwissen - mehr aber noch - GRUNDINTERESSE vorherrscht. Dies ist durchaus altersabhängig, weil man von einem interessierten 16 Jährigen die jahrelange Hörerfahrung eines 40, 50 oder 60jährigen kaum voraussetzen kann.....

mfg aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

rappy

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6

Montag, 29. Dezember 2008, 13:03

Mich interessiert vor allem die Hürde vom "Gelegenheitshörer" zum von Alfred als jemanden, der vorzugsweise Klassik hört, definierten "echten" Klassikhörer.
Wie bereits erwähnt gibt es Mengen an Internetnutzern, die Musikforen stürmen, um nach Namen von klassischen Werken zu fragen, deren Melodien ihnen als Ohrwurm hängen geblieben sein muss. Sie erkennen offenbar den besonderen Wert einer Mozart'schen Melodie, und dennoch steht ihnen noch eine Hürde bevor, die von den wenigsten überschritten wird - und zwar diejenige, nach der erwähnten Erkenntnis nicht wieder gänzlich zum ehemaligen Popkonsum zurückzukehren, sondern sich intensiver mit der eben kennen gelernten klassischen Musik auseinanderzusetzen. Gibt es vielleicht noch mehr Werke desselben Komponisten, die mir genauso oder gar noch mehr gefallen könnten?

Im Thread zu den Vier Jahreszeiten von Vivaldi habe ich gestern folgendes von GalloNero gelesen:

Zitat

Ich für meinen Teile legte allerdings in den folgenden Jahren immer dann, wenn mir mal ausnahmsweise nach klassischer Musik war (und das war sehr selten), diese Aufnahme ein. Schon damals stiegen mir beim zweiten Satz des Frühlings oft die Tränen in die Augen.


Nun frage ich mich: Wie kann einem selten nach einer Musik sein, die einem offenbar so nahe geht, dass einem beim Anhören Tränen in die Augen kommen? Und was ist der entscheidende Auslöser, um dann zum echten Klassikfreak zu werden, der sich sogar nach einem Klassikforum im Internet umschaut, um über die Musik diskutieren zu können?
"Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

Albus

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7

Montag, 29. Dezember 2008, 14:56

Tag,

keine gesellschaftliche Stellung ohne gesellschaftlichen Nutzen. - Was ist der gesellschaftliche Nutzen der Klassischen Musik von heute?

Nutzen ist das, was sich erfüllt. Sind die Warenumsätze, die Berufe, die Subventionen, die Musikfrömmigkeit, etc. ein Nutzen, der überhaupt je für eine gesellschaftliche Position taugt?

Was kann die Musik, was andere symbolische Konfigurationen nicht auch oder besser können? Ist da noch Etwas? - Große Vergangenheit als Traditionsbestand genügt nicht.

Freundlich
Albus

Stefan.M

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Registrierungsdatum: 22. Oktober 2008

8

Montag, 29. Dezember 2008, 16:05

Hallo liebe Taminoianer,

ich für meinen Teil denke, dass es heutzutage eine ganze Menge an Menschen gibt die "mal ganz gerne" Klassik hören (was man unter Klassik so versteht). Ich kann aus meiner Erfahrung hier aus Norwegen sagen, hier gibt es keine Klassikszene. Alle Norweger sind stolz auf ihren Eduard Grieg, aber das wars auch schon. Es fängt schon damit an, dass es hier im Süden (Vest-Agder und Aust-Agder) sehr schwer ist mal eine gute CD mit klassischer Musik zu kaufen. Da ist man als echter klassiker wie unsereiner schon auf den Versandhandel angewiesen. Das übliche gibts schon, beschränkt sich aber auf die "Hits" (die kennt ihr alle, spare mir daher eine Aufzählung).
Ich bin mit klassischer Musik aufgewachsen, kann mich also als einen echten Klassikhörer bezeichnen.

Meine Definition eines Klassikhörers wäre jemand der regelmäßig klassische Musik hört und schätzt, unabhängig von seinem theoretischen Wissen darüber Wir lieben sicher alle Dinge oder Sachen über die wir trotzdem nicht allzuviel wissen haben (z. B. die Natur usw.).

Herzlich grüßt euch aus dem hohen (unverschneiten) Norden,

Stefan.M
Stefan

Wulf

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9

Montag, 29. Dezember 2008, 16:28

Zitat

Original von rappy
Mich interessiert vor allem die Hürde vom "Gelegenheitshörer" zum von Alfred als jemanden, der vorzugsweise Klassik hört, definierten "echten" Klassikhörer.
Wie bereits erwähnt gibt es Mengen an Internetnutzern, die Musikforen stürmen, um nach Namen von klassischen Werken zu fragen, deren Melodien ihnen als Ohrwurm hängen geblieben sein muss. Sie erkennen offenbar den besonderen Wert einer Mozart'schen Melodie, und dennoch steht ihnen noch eine Hürde bevor, die von den wenigsten überschritten wird - und zwar diejenige, nach der erwähnten Erkenntnis nicht wieder gänzlich zum ehemaligen Popkonsum zurückzukehren, sondern sich intensiver mit der eben kennen gelernten klassischen Musik auseinanderzusetzen


Hallo rappy,

da Du ja auch gelegentliche Ausflüge in nicht-klassische Gefilde unternimmst, zumal in solche, die nicht gerade mainstream-kompatibel sein dürften, müsstest Dir mein Gedankengang eigtl. nicht fremd sein. Denn die Antwort auf die Frage, wo denn nun die Hürde genau liegt und warum sie trotzdem häufig nicht genommen wird, ist, beschränken wir uns auf eine oberflächliche Phänomenologie, doch recht offenkundig.

Die von Dir erwähnt Hürde, so scheint mir, ist zunächst unabhängig von der Art der Musik für jedwede Auseinandersetzung gegeben. Selbstredend, daß aufgrund der langen Muskgeschichte, der Vielzahl der Epochen und noch einigen außermusikalich scheinenden Faktoren die sog. "Klassische Musik" für viele eine besonders hohe Hürde darstellt.

Ich habe in Deinem Posting ein Wort fett hervorgehoben, was IMO die Spreu vom Weizen und den Gelegenheitshörer von dem "echten" Hörer unterscheidet - klar, so war es ja auch vin Dir intendiert. Aber Dir dürfte nicht entgangen sein und so lese ich auch Dein Posting, daß diese Auseinandersetzung gar nicht gewollt bzw. gelernt ist. Auch in der Pop/Rock-Musik.
Die Anzahl derer, die sich dahingehend mit Pop/Rock-Musik auseinandersetzten, als daß sie vom Künstler konzeptuell entworfene Alben kennen, geschweige denn auch hören ist v.a. bei der heutigen Jugend eher gering. Vom ikonographischen Faktor, den so manches Rockalbum zu seinem Ruhm verhalf, ganz zu schweigen. Am letzteren ist auch die Digitalisierung der Medien und deren schnelle Abrufbarkeit (Blogs, napster, musicload etc.) nicht ganz unschuldig. Denn so ist es jedem Teenie heute möglich, den "Soundtrack zum Leben" individuell zusammenzuschneiden und nur noch auf die Stücke zurückzugreifen, die mit bestimmten Erinnerungen und Gefühlen verknüpft sind.

Auch in der nicht mehr ganz so jugendlichen Zeit befinden sich scheinbar wahllos zusammengewürfelte Musikstückchen auf dem digitalen Massenspeicher. Und das, obwohl die Kapazitäten immer weiter steigen.
Die fokussierte Neugier bzw. das Bedürfnis nach Auseinandersetzung scheint mir daher aus einem Mangel als aus Überfluss und vielleicht Überinformation zu entspringen.

Gerade dieses Überangebot, die Überinformation stellt die Hürde dar. Aus dem schier unerschöpflichen Angebot wählt der heutige Konsument aus Gründen der Praktikabilität jenes aus, was er kennt und das für ihn mit bestimmten Erinnerungen verbunden ist. Das Medium Fernsehen ist durch ständiges Wiederholen von Formaten auf den Zug schon längst aufgesprungen (hat den Trend vielleicht auch gefördert??). Und genau diesen Stellenwert hat die Musik für viele heute auch - sie ist zu einem omnipräsenten (wieviele Leute laufen mit Knopg im Ohre rum??) Begleiter geworden, der vielleicht zum Revue passieren lassen aber auf jeden Fall zur puren Ablenkung dienlich ist, dem man aber aufgrund des Überangebots, das nicht nur auf dem Musikmarkt sondern auch in anderen Bereichen herrscht, keine allzugroße Aufmerksamkeit schenkt und erst recht nicht mit Begriffen wie Anstrengung, Investition oder Arbeit in Verbindung bringen will.

Genau der Aspekt der Musik als Affekt-Dienstleister spiegelt sich dann auch in GalloNero's Aussage wider. Mich wundert das weniger. Wir dürfen nicht vergessen, daß jedes Werk der Klassischen Musik (insb. etwas wie "Die vier Jahreszeiten") erst mal eine eigene kleine Welt für sich ist. Wenn dieses Werk in einer bestimmten Aufführung GN zu Tränen rührte, dann ist es genau eben dieses Werk. Nicht die Mandolinenkonzerte, die Concerti etc. (ja, ich weiß - Vivaldi hat 600 Kopien ein und desselben Stückes angefertigt :rolleyes: ). Die rein "emotionale Bindung" muss stellenweise einem anderen Trieb weichen - ansonsten gibt es für GN gar keinen Grund, sich weiter mit dem Komponisten oder gar Werken anderer Komponisten zu beschäftigen. Warum auch. Er liebte diese "Vier Jahreszeiten" in seiner Aufnahme und hatte vermutlich noch zig andere Musik, die ihn sehr ansprach. Vermutlich lag diese ihm näher, wer will auch ständig heulen müssen?? :rolleyes:

:hello:
Wulf
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

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Registrierungsdatum: 31. Oktober 2008

10

Dienstag, 30. Dezember 2008, 11:28

Auf den Punkt gebracht...

... wird das Verhältnis der Gesellschaft zur klassischen Musik durch ein kleines Schild an der Garderobe der Düsseldorfer Rheinoper:

FÜR PELZE WIRD KEINE HAFTUNG ÜBERNOMMEN

Dem ist nichts hinzuzufügen :D
Ich sehe jene Bruchstellen zwischen den Subjekten, die Wittgenstein mit dem Begriff der Aspektblindheit markierte.

Albus

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Registrierungsdatum: 11. August 2004

11

Dienstag, 30. Dezember 2008, 12:24

Warum keine gesellschaftliche Stellung?

Tag,

keine gesellschaftliche Stellung der Klassischen Musik, da zwar zum Bestand des Kollektiven Gedächtnises zu zählen, aber nicht als Nationales Erbe (wie etwa Bibel, Deutsche Sagen, Grimms Märchen, Deutscher Fußball).

Kurz: Für eine gesellschaftliche Stellung der Klassischen Musik genügt im Alltag das Mythenbildnerische des Totalen Sozialen Phänomens Klassische Musik nicht.

Anders: La Paloma pfeifen, aber keine Zähne im Mund - das ist los mit der gesellschaftlichen Stellung der Klassischen Musik.

Freundlich
Albus

maticus

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Registrierungsdatum: 7. August 2008

12

Samstag, 3. Januar 2009, 14:53

Hallo Albus,

ich verstehe Deine Aussagen nicht so ganz, aber dass Klassische Musik in Deutschland/Österreich zum "Nationalen Erbe" gehört (wenn man es denn so nennen will), ist doch offensichtlich. Und noch ist es erkennbar an einer einmaligen Orchester- und Opernlandschaft. Hoffen wir, dass das nicht den Bach heruntergehen wird...

maticus

Alfred_Schmidt

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13

Samstag, 3. Januar 2009, 23:59

Zitat

Mich interessiert vor allem die Hürde vom "Gelegenheitshörer" zum von Alfred als jemanden, der vorzugsweise Klassik hört, definierten "echten" Klassikhörer


Den "Gelegenheitshörer" gibt es IMO in der beschriebenen Form eigentlich nicht. Es handelt sich hiebei um einen Musikfreund, der die Klassische Musik genauso betrachtet wie "seine" Musik - nämlich als "Ohrwurmspender" Er pickt sich die "schönen" oder "interessanten" Stellen heraus - und das wars dann schon.
Solche Hörer sind mit einem Zehnerpack "Best of Classik" oder mit Arrangements a la Rieu bestens bedient - Ich würde sie nicht als Klassikhörer - auch nicht als gelegentliche- bezeichnen.

Am liebsten hören solche Leute Klassikarrangements, beispielsweise a la Waldo de Los Rios "Song of Joy", wo ein gewisser Herr Beethoven fast alles dazu beigesteuert hat. Waldo de los Rios sorgte aber für die Verbreitung. Es handelte sich um eine gekürzte modernisierte bzw umarrangierte Fassung von Teilen des Schlusssatzes der 9. Sinfonie eben jenes Beethoven....
Weil das Ganze solch ein Hammer war (sorry - anderes hält die deutsche Sprache hiefür nicht parat) versuchte man ähnliches mit Mozarts Sinfonie Nr 40 - Aber Sternstunden der Musik lassen sich bekanntlich nicht wiederholen........

Persönlich würde ich einem Klassikhörer nicht zumuten, daß er sich mit den innerenStrukturen eines klassischen Werkes auseinandersetzt, das ist eher eine Mode der heutigen Zeit. Die Wirkung aufs Publikum ist wichtig.

Eine weitere Mode von heute ist, daß man impliziet erwartet, daß ein klassisches Werk, "sperrig", "düster" oder sonstwie unangenehm zu klingen hat, um als wertvoll eingestuft zu werden. Mit diesem Dogma erleichtert man einerseits das Eindringen der "Moderne" in den "Klassikbereich" und vergrault andrerseits klassikfernes, aber sympathisierendes Publikum.

Immer wieder liest man bei Tamino, daß sich jemand dafür schämt, daß ihm Tschaikowskys "Capriccio Italien" dereinst gefallen hat oder daß Mozarts Musik zu wenig "spannend ist.....

Ich finde, der Einstieg in die klassische Musik gelingt - wenn überhaupt - am besten mittels Mainstream und Ohrwürmern (unverfälschten, versteht sich). Klassische Musik ist -von Ausnahmen mal abgesehen - für ein anspruchsvolles und genußsüchtiges Publikum gemacht - und so sollte sie auch vermittelt werden.

Wenn man Menschen mit latentem Desinteresse an dieser Musikrichtung eintrichtert, daß diese Musik NICHT zur Unterhaltung geschrieben worden sei - dann agiert man kontraproduktiv und verbaut dem Neuling jeden Zugang....

mfg aus Wien

Alfred

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iLLumination

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14

Sonntag, 4. Januar 2009, 14:53

Wenn man jemanden an die klassische Musik heranführen will, ist es wichtig, dass das in Maßen geschieht. Jemanden direkt irgendwelche Bach-Fugen, Beethoven-Sonaten und Mahlerischen Orchesterexperimente vorzulegen ist äußerst kontraproduktiv, auch wenn alles davon genial ist ;). Ich kenne das von mir selbst. Wichtig ist, dass sich die Person erstmal an die Instrumente gewöhnt. Wichtig ist ebenfalls, dass es melodiös zu geht und mit Action (quasi Kammermusik komplett meiden^^). Teile von Mozarts, Beethovens und Dvoraks Symphonien sind jedenfalls gut zum Einstieg und Tchaikovsky ist ebenfalls sehr geeignet. Um es kurz zu sagen zum Einstieg ausschließlich leichte Kost - und bombastisches kommt auch immer gut an.