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Karsten

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1

Samstag, 18. Juni 2005, 13:21

Die Orgelwerke von Franz Liszt - mehr als nur "Ad nos" und "B-A-C-H"

Hallo!

petemonovas letzten Liszt-Beitrag:

Zitat

Original von petemonova
Eine CD, die ich jedem Orgelliebhaber nur wärmstens empfehlen kann, ist am 1.März dieses Jahres beim Label Carus erschienen.



Kay Johannsen spielt die großen Orgelwerke von Franz Liszt.
Dazu zählen Präludium und Fuge über BACH (1856/1869), "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" (1862/1863) und Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos ad salutarem undam" (1850).

Johannsens Aufnahme von September 2004 wurde an der Mühleisen-Orgel in der Stiftskirche Stuttgart gemacht.


...möchte ich zum Anlaß nehmen, den Orgelwerken Liszts einen eigenen Thread zu widmen.

Liszt war bekanntlich selber kein (ausgebildeter) Organist, bereicherte dennoch das Orgelrepertoire mit mehreren „Meilensteinen“, die heute „Standard-Repertorie“ bei Konzertorganisten sind und das klassische „Dreier-Gespann“ bei reinen Liszt-CD-Programmen sind (siehe Johannsen-CD).

Momentan sind interessanterweise fast zeitgleich zwei Gesamteinspielungen der Orgelwerke Liszts begonnen worden, die zudem noch das gleiche „Grundrezept“, nämlich eine „authentische“ Einspielung an historischen Orgeln und top-Aufnahme-Qualität (multichannel), haben.


Einmal wäre da die auf fünf CDs angelegte Gesamteinspielung des Österreichers Martin Haselböck. Haselböck hat eine sehr geachtete, kritische Notenausgabe sämtlicher Orgelwerke Liszts herausgegeben und ist somit mit den Liszt’schen Orgeloeuvre bestens vertraut. Die begonnene Gesamteinspielung an historischen Ladegast-Orgeln, die Liszts Kompositionen geprägt haben, ist Haselböcks zweite Liszt-Gesamtaufnahme. Mittlerwiele sind zwei Folgen erschienen:



Liszt, Franz (1811-1886)
Orgelwerke Vol. 2
- Präludium und Fuge über B-A-C-H
- Orpheus
- Les Morts
- Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen
- Evocation a la Chapelle Sixtine
Martin Haselböck / Orgel St. Jakobskirche Köthen
stereo & multichannel (Hybrid)
NCA
DDD, 2004

Liszt, Franz (1811-1886)
Orgelwerke Vol. 3
- Einleitung, Fuge & Magnificat aus der Symphonie zu Dantes "Divina Commedia"
- Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen
- A Magyarok Istene
- Ora Pro Nobis
- Pilgerchor aus Tannhäuser
- Excelsior
- Am Grabe Richard Wagner
- Resignazione
- Angelus
- Agnus Dei aus Verdis Requiem
- Choral "Nun danket alle Gott"
Martin Haselböck / Orgel Schweriner Dom
stereo & multichannel (Hybrid)
NCA
DDD, 2004

Weitere Folgen wurden an den Ladegast-Orgeln in Hohenmölsen, Schwerin und Merseburg eingespielt. Folge 1 (Merseburg) erscheint als letztes.


Die zweite Gesamteinspielung legt der Merseburger Domorganist und Gewandhausorganist Michael Schönheit vor. Vol. 1 ist ein thematisch sehr schön gestaltetes programm mit der Thematik "Liszt-Bach":



Liszt, Franz (1811-1886)
Orgelwerke Vol. 1
- Präludium & Fuge über B-A-C-H
- Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen
- Variationen über "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen"
- 3 Bach Transkriptionen: Aus tiefer Not schrei ich zu dir; Adagio; Ich hatte viel Bekümmernis
- Bach: Passacaglia BWV 582
Michael Schönheit / Ladegast-Orgel im Dom zu Merseburg
MDG
DDD, 2004 (sowohl als Hybrid-SACD als auch Standard-CD erhältlich!)

Schönheit verwendet hier „seine“ frisch restaurierte Ladegast-Orgel, an der „Ad-nos“ und Präludium und Fuge über BACH uraufgeführt wurde. Liszt selbst kannte und schätzte diese Orgel sehr und bereitete mit dem damaligen Organisten (einem seiner Schüler) auch die Interpretation der UA mit vor...


Gruß
Karsten

petemonova

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2

Samstag, 18. Juni 2005, 16:00

Hallo Karsten,

schön, dass du meinen Beitrag zu einem eigenen Thread gemacht hast. Ich kenne bis jetzt nur diese 3 Großen von Liszt, bin aber auch auf andere Stücke gespannt.
Die Musik trifft meinen Geschmack aber ziemlich gut.

Mal sehen, ob hier noch mehr Empfehlungen kommen. ;)


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
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BigBerlinBear

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3

Donnerstag, 23. Juni 2005, 07:19

Wer für wenig Geld sämtliche Orgelwerke Liszts in hervorragender Interpretation kennenlernen möchte, dem sei die Einspielung mit Stefan Johannes Bleicher empfohlen, die 1998 bei Arte Nova erschien.

Stefan Johannes Bleicher / Orgel Linsebühlkirche St. Gallen

für knapp 23 € bei 4 CDs ist man damit bestens bedient.






Die Einspielung auf der restaurierten Ladegast-Orgel in Merseburg werde ich mir totzdem anschaffen, kenne ich dieses Instrument doch noch als
"Trümmerberg" !!!!
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Karsten

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4

Donnerstag, 23. Juni 2005, 11:32

Zitat

Original von BigBerlinBear
Wer für wenig Geld sämtliche Orgelwerke Liszts in hervorragender Interpretation kennenlernen möchte, dem sei die Einspielung mit Stefan Johannes Bleicher empfohlen, die 1998 bei Arte Nova erschien.

Ja, zum Kennenlernen ist die Aufnahme sicher gut geeignet, aber ich bin von Bleichers Spiel nicht immer begeistert :(

Zitat

Original von BigBerlinBear
Die Einspielung auf der restaurierten Ladegast-Orgel in Merseburg werde ich mir totzdem anschaffen, kenne ich dieses Instrument doch noch als "Trümmerberg" !!!!

Auf der selben Orgel hat auch Haselböck die erste Folge "seiner" neuen Einspielung aufgenommen, die erscheint allerdings als letztes (Ende des Jahres?), wohl um mit der Reihe von M. Schönheit nicht unnötig in Konkurrenz zu geraten.

Auch eine sehr bemerkenswerte Aufnahme an der Ladegast-Orgel in Schwerin:



Liszt, Franz (1811-1886)
Orgelwerke
Präludium & Fuge über BACH
Variationen über "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen"
Fantasie & Fuge über "Ad nos, ad salutarem undam"
Hans-Jürgen Kaiser / Ladegast-Orgel des Schweriner Doms
Sound:stereo & multichannel (Hybrid)
Super Audio CD
Brilliant Classics
DDD, 1997

Die Aufnahme beinhaltet das schon erwähnte "Trio" der großen Orgelwerke und ist zudem noch äusserst günstig. Im Vergleich zu "üblichen" Einspielungen muss man hier als Hörer völlig "umdenken", denn Kaiser entwickelt aus dem Instrument heraus ungewohnte, "langsame" Tempi, durch die die Stücke meines Erachtens aber sehr gewinnen. Hochinteressant auch die Ausführungen kaisers dazu im Booklet.
"Langweilig" ist die Platte aber keinesfalls: Tonschönheit der Orgel, eine spannende Interpretation und sehr gute Aufnahmequalität machen die Aufnahme zu einer lohnenden Alternative...

Gruß
Karsten

petemonova

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5

Montag, 14. November 2005, 20:53

Hallo,

die Aufnahme mit Martin Haselböck hat bei klassik-heute eine dreifache 10 bekommen. Grund genug, endgültig auf diese CD aufmerksam zu werden. Aber die Johannsen-Aufnahme ist auch grandios.




Gruß, Peter.
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ThomasBernhard

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6

Donnerstag, 29. November 2007, 23:21

Zitat

Original von petemonova

die Aufnahme mit Martin Haselböck hat bei klassik-heute eine dreifache 10 bekommen. Grund genug, endgültig auf diese CD aufmerksam zu werden. Aber die Johannsen-Aufnahme ist auch grandios.





Haselböcks Liszt-Aufnahmen bekommt man gerade bei zweitausendeins nachgeworfen. Mein erster Eindruck (etwa tu es petrus) hat mich aber sehr ernüchtert. Muß mir die nächsten Tage mal viel Zeit gönnen für diese Aufnhmen.
Frauen und Kinder zuerst

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petemonova

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7

Donnerstag, 29. November 2007, 23:37

...und vielleicht auch von deiner neuen Liszt-Schachtel berichten.

:hello:


Gruß, Peter.
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Karsten

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8

Montag, 3. Dezember 2007, 20:14

Zitat

Original von petemonova
...und vielleicht auch von deiner neuen Liszt-Schachtel berichten.

:hello:

Gruß, Peter.


Die Haselböck-Liszt-Box steht auch bei mir seit längerer Zeit im Regal. Ich muss sagen, dass ich leider auch nur sehr bedingt glücklich mit den Aufnahmen bin. Die Aufmachung der CD-Box, das Begleitbuch mit den sehr informativen Texten von Haselböck und die Aufnahmetechnik sind wirklich sehr gut.
Auch die Auswahl der Orgeln ist gelungen, si werden sehr gut eingefangen und es sind ja vierle Klangdenkmäler dabei, von denen man als Orgelfan zumindest eine Aufnahmen haben sollte.

Leider enttäuscht mich Haselböcks Spiel was Detalls angeht immer wieder. Sicher beherrscht er die Werke technisch sehr gut, aber ich habe den Eindruck, dass er für meine Geschmack etwas spannungsarm spielt.

Wegen der Orgeln und der tollen Aufnahmequalität möchte ich die Aufnahmen allerdings nicht missen.

Über weitere Meinungen bin ich gespannt.

Gruß
Karsten

chris

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9

Sonntag, 30. Dezember 2007, 16:39

Martin Haselböck ist nicht gerade mein Fall. Ist aber bitte rein subjektiv zu sehen.

Grüße

Christopher

miguel54

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10

Samstag, 16. Februar 2008, 23:47

Ich habe mir Haselböcks Gesamteinspielung letzte Woche gekauft und bin eigentlich zufrieden damit. Ich bin kein Orgelexperte, aber mir gefällt sein gemäßigter Interpretationsstil gut - in Liszts Musik sind so viele expressive Elemente, die muß man meiner Meinung nach nicht auch noch groß steigern - die wirken auch so, und bei den schönen Ladegast-Orgeln kommt für mich genug 'rüber. Besser als Bleichers Aufnahme gefällt sie mir, der mir in der Wahl seiner Mittel mehr "gewollt" erscheint als Haselböck, bei dem es auf mich sozusagen "organisch" wirkt - das alles aber bitte total subjektiv verstehen.

Klanglich/aufnahmetechnisch ist Haselböcks Aufnahme Spitze!

Hildebrandt

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11

Sonntag, 17. Februar 2008, 10:33

Mit Haselböck habe ich bisher immer so meine Probleme gehabt. "Spannungsarm" trifft es ganz gut.

Eine sehr zwiespältige Liszt-Gesamtaufnahme gab es einmal von Kurt Rapf. An der Interpretation habe ich überhaupt nichts auszusetzen, im Gegenteil ist das ein Spiel mit großem Atem und ohne Hast.
Aber die Orgel: Die große Marcussen im Linzer Dom ist ein grandioses Instrument, allerdings so ziemlich das steilste und obertönigste, was man sich vorstellen kann.

Von den neueren Aufnahmen halte ich die auch schon von BBB empfohlene Aufnahme Bleichers für die gelungenste. Und die Orgel klingt auch wunderbar. Haselböck vermisse ich da nicht, noch nicht einmal Ladegast.

miguel54

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12

Sonntag, 17. Februar 2008, 10:37

Zitat

Original von Hildebrandt
Mit Haselböck habe ich bisher immer so meine Probleme gehabt. "Spannungsarm" trifft es ganz gut.


Genau das finde ich angenehm - in der Musik ist emotional und harmonisch z.T. so viel Spannung, das reicht mir einfach. Ich persönlich will nicht in den Gefühlen ersaufen - bei manchen Interpreten täte ich das und meide sie lieber - wie gesagt, alles völlig subjektiv, da ich bei solcher Orgelmusik rein intuitiv rangehe.

Ich habe da noch eine Auswahl CD mit Leo van Dosselaar an der großen Orgel des Concertgebouw in Amsterdam - das ist grandios und toll gespielt, aber mir fast "too much", wenn Du verstehst, was ich meine.

miguel54

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13

Sonntag, 17. Februar 2008, 10:40

Zitat

Original von ThomasBernhard
Haselböcks Liszt-Aufnahmen .... Mein erster Eindruck (etwa tu es petrus) hat mich aber sehr ernüchtert. Muß mir die nächsten Tage mal viel Zeit gönnen für diese Aufnhmen.


Und? Ich habe mir gerade dieses Stück von Haselböck und Bleicher im Vergleich angehört - ganz unbefangen sagt mir Haselböck mehr zu, Bleicher klingt mir mehr nach "alltäglicher" Kirchenorgel (man verzeihe meine laienhafte Ausdrucksweise). Du hast da einen ganz anderen Zugang, natürlich ... könntest Du das "ernüchtert" bitte ertwas erläutern?

Hildebrandt

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14

Sonntag, 17. Februar 2008, 10:56

Zitat

Original von miguel54

Zitat

Original von Hildebrandt
Mit Haselböck habe ich bisher immer so meine Probleme gehabt. "Spannungsarm" trifft es ganz gut.


Genau das finde ich angenehm - in der Musik ist emotional und harmonisch z.T. so viel Spannung, das reicht mir einfach. Ich persönlich will nicht in den Gefühlen ersaufen - bei manchen Interpreten täte ich das und meide sie lieber - wie gesagt, alles völlig subjektiv, da ich bei solcher Orgelmusik rein intuitiv rangehe.

Ich habe da noch eine Auswahl CD mit Leo van Dosselaar an der großen Orgel des Concertgebouw in Amsterdam - das ist grandios und toll gespielt, aber mir fast "too much", wenn Du verstehst, was ich meine.


Ich glaube schon.
Aber bei Liszt brauche ich eine andere Agogik und ein anderes Rubato als bei früherer Musik. Vor allem bei der Orgel auch keine so gehetzten Tempi, dass die Akustik alles verschluckt und aus "atemlos" eher "japsend" wird.

Von Darasse gibt es auch Liszt-Aufnahmen. So sehr ich seine Einspielungen frz. Romatiker schätze, so sehr liegt er für mein Empfinden bei Liszt daneben, auch wenn es noch so beeindruckend klingt – zumal auf einer großen Cavaillé-Coll-Orgel.

sebastian

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15

Dienstag, 11. März 2008, 02:03

Nun ja... Liszt schätzte zügige Tempi schon - so lobte er etwa ausdrücklich die unter der Regie des Orgelbautheoretikers Töpfer umgebaute Orgel der Stadtkirche, auch aber die Ladegast-Orgel in Merseburg für ihre sehr genaue Traktur und überaus prompte Tonansprache; man merkt denn an Instrumenten süddeutscher Prägung ziemlich deutlich, dass die für einige Sachen einfach zu "langsam" sind (das ist keinesfalls negativ zu verstehen - ich liebe den in sich crescendieren Klang über alles!). Außerdem ist überliefert, dass zu den schnellen Läufen die Manualkoppeln abgestoßen wurden; bis zu einem halbwegs schnellen Tempo könnte man (auch ohne Barkerhebel) auch durchaus mit Koppeln spielen. Von daher denke ich, dass man dementsprechend virtuose Stellen auch durchaus so spielen kann.
Deshalb durchaus: warum nicht durchaus an die (damaligen) Grenzen von Material und Interpreten gehen?

Haselböck? Zur Abschreckung tuts das ziemlich....
Bach ist Anfang und Ende aller Musik

Zwielicht

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Dienstag, 5. August 2008, 00:33

Ad nos ad salutarem undam

Auch wenn der Thread explizit "...mehr als nur Ad nos..." heißt, möchte ich mich doch kurz zu Liszts Fantasie und Fuge über Ad nos ad salutarem undam äußern. Der Fall dürfte etwas anders liegen als z. B. bei einem Thread "Smetana - mehr als die Moldau": ich vermute, dass mit Ausnahme der Orgelfreunde nur einer kleinen Minderheit der Forumianer dieses Werk von Liszt überhaupt bekannt ist.

Bis gestern kannte ich es (als Orgel-Banause) auch nicht, obwohl ich mich durchaus für Liszt interessiere. Am Sonntag war ich aber zusammen mit Micha (pieter.grimes) in einem Orgelkonzert in der Bad Kissinger Stadtpfarrkirche. Burkhard Ascherl spielte auf der dortigen Schuke-Orgel Werke von Buxtehude, Bach, Mozart und eben zum Abschluss das halbstündige Ad nos ad salutarem undam.

Und ich war fasziniert: das kompositorische Gegenstück zur h-moll-Klaviersonate, hier kann man es zumindest erahnen - mehr jedenfalls als in fast allen Symphonischen Dichtungen Liszts. Ich wusste über das Werk vorher nur das, was Micha mir dankenswerterweise aus Reclams Orgelmusikführer zusammengefasst hatte und was an spärlichen Ausführungen auf dem Programmzettel zu lesen war. Mit diesen Informationen ausgerüstet bin ich beim ersten Hören schon ziemlich gut mitgekommen. Das Schema "Fantasie und Fuge" bezieht sich natürlich auf die barocke Tradition, wird aber symphonisch umgedeutet: ein Thema, der aus Meyerbeers "Propheten" stammende Choral, wird in drei Sätzen gewissermaßen durchgeführt (wobei er erst im Mittelteil in seiner ursprünglichen Form erscheint), unterliegt permanenten Metamorphosen, wobei die Fuge eben kein gänzlich neuer Abschnitt ist, sondern eine polyphon verdichtete, mit verschiedenen Charakteren (Sarabande, Marsch) spielende Reprise des Fantasie-Teils. Unabhängig von dieser Konstruktion wird aber auch ein wahres Feuerwerk an Klangfantasie abgebrannt, ich war höchst beeindruckt (kenne mich aber in der Orgelmusik des 19. Jahrhunderts zugegebenermaßen noch schlechter aus als in der barocken).

Gerade habe ich mir eine auf Youtube vorhandene, schwer hallige und dadurch etwas breiige Version mit Marie-Claire Alain angehört und dazu die bei IMSLP vorhandenen Noten mitgelesen - dadurch ist mir manches noch wesentlich klarer geworden. Was kann man diesem Werk in der Orgelmusik Liszts denn noch an die Seite stellen?


Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

BigBerlinBear

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17

Dienstag, 5. August 2008, 09:22

Hallo Bernd, also für die Zeit , in der es komponiert wurde, steht es zumindest
in Deutschland, ziemlich einzigartig da.
Vom Volumen und Spieldauer her würde ich dem Liszt-Opus allenfalls noch das Werk seines jung verstorbenen Schülers Julius Reubke (1834-1858 ), den sogen. "94.Psalm"
an die Seite stellen und ich meine das nicht nur vom Umfang, sondern auch von der geistigen Durchdringung her. Eine schöne Interpretation des Werkes (trotz der von mir wenig geliebten Dom-Orgel zu Altenberg) findest du hier; ergänzt durch die ebenso geniale Klaviersonate in b, dargebracht durch Claudius Tanski.



Meine persönliche "Adnos"-Empfehlung wäre jene durch Martin Haselböck, gespielt auf dem (frisch restaurierten) Instument, für weclhes Liszt das Werk komponierte:



Wie Du sehen kannst, wird in meinen "Pommes-Buden" keinesfalls NUR Buxtehude konsumiert! :D
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Karsten

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18

Dienstag, 5. August 2008, 10:46

RE: Ad nos ad salutarem undam

Zitat

Original von Zwielicht
Auch wenn der Thread explizit "...mehr als nur Ad nos..." heißt, möchte ich mich doch kurz zu Liszts Fantasie und Fuge über Ad nos ad salutarem undam äußern. Der Fall dürfte etwas anders liegen als z. B. bei einem Thread "Smetana - mehr als die Moldau": ich vermute, dass mit Ausnahme der Orgelfreunde nur einer kleinen Minderheit der Forumianer dieses Werk von Liszt überhaupt bekannt ist.

Der Thread-Titel und auch der Eröffnungs-Beitrag nennen ausdrücklich alle Orgelwerke Liszts als Gegenstand der hiesigen Diskussionen, also nur zu :)

Den Ausführungen BigBerlinBears zur musikalischen Stellung von "Ad nos" möchte ich mich anschließen. Das war bzw. ist ein "Mount Everest" der Orgelliteratur, der einzigartig da steht.

CD-Tipps findest du ihm Thread ja schon reichlich. Wie ich schon erwähnt habe, finde ich Haselböcks Liszt-Spiel nicht ideal, was aufgrund der verwendeteten hervorragenden und kangschönen Orgeln und der guten Aufnahmetechnik doppelt schade ist.
Ein "Geheimtipp", der aber erst so richtig lohnt, wenn man mit der "Ad nos"-Fantasie in einer "klassischen" Interpretation vertrauter ist, ist diese Aufnahme:



Auf dieser Doppel-CD werden verschiedene Orgeln der niederländischen Orgelbaufirma van den Heuvel von international anerkannten Konzertorganisten vorgestellt. Das "opus magnum", die van den Heuvel-Orgel in St.Eustache Paris (V/101) stellt der dortige Titular-Organist Jean Guillou mit einer sehr farbenreichen und "exzentrischen", aber hochmusikalischen und ungemein spannenden Interpretation vor. Eine Herausforderung für jede Stereoanlage :)
Zu beziehen ist die Doppel-CD über die Internetpräsenz der Orgelbaufirma.[/quote]

Zitat

Original von Zwielicht
Gerade habe ich mir eine auf Youtube vorhandene, schwer hallige und dadurch etwas breiige Version mit Marie-Claire Alain angehört und dazu die bei IMSLP vorhandenen Noten mitgelesen - dadurch ist mir manches noch wesentlich klarer geworden. Was kann man diesem Werk in der Orgelmusik Liszts denn noch an die Seite stellen?

BigBerlinBear nannte schon die Reubke-Sonate "Der 94. Psalm". Diese Sonate hat natürlich Ad-Nos Als Vorbild, übertrifft diese aber in manchen Punkten.
Die von BigBerlinBear genannte CD mit dem "Sonaten-Doppelpack" ist sehr gut. Die Klaviersonate ist sehr lohnenswert.
Wer historische Instrumente bevorzugt:



Uraufführungen im Dom zu Merseburg
- Liszt: Präludium & Fuge über B-A-C-H (1.Version 1855)
- Reubke: Orgelsonate "Der 94.Psalm"
- Reger: Orgelsonate Nr. 2 op. 60
Michael Schönheit/ Ladegast-Orgel Merseburger Dom
MDG , DDD, 2006

oder:



Daniel Roth an der Cavaille-Coll Orgel Saint-Sulpice Paris
- Reubke: Orgelsonate in c "Der 94.Psalm"
- Ritter: Orgelsonate Nr. 3
- Liszt: Orpheus
Aeolus , DDD, 2002

Wo wir somit in Frankreich sind:

César Franck schuf mit "Grande Piece Symphonique" ebenfalls ein Mammutwerk, das mit (je nach Interpretation) 22-30 Minuten dauert. Ob es nun den "geistigen Gehalt" oder die "Tiefe" von "Ad nos" oder der Reubke-Sonate erreicht, mag dahingestellt sein., Es entstammt aus einer völlig anderen Musiktradition und hat so oder so seinen festen Stellenwert.

Gruß
Karsten

Zwielicht

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19

Dienstag, 5. August 2008, 12:10

Herzlichen Dank an BBB und Karsten für die Erläuterungen und Tips! :)

Bei Liszt werde ich dann mal die ein oder andere CD anschaffen. Und Reubke: Den hatte Micha am Sonntag auch erwähnt - und mir war gerade mal der Name bekannt. :O Auch da werde ich mich weiterbilden!



Zitat

Original von BigBerlinBear
Wie Du sehen kannst, wird in meinen "Pommes-Buden" keinesfalls NUR Buxtehude konsumiert! :D


DAS weiß ich natürlich, aber Buxtehude reimte sich so schön auf den erwähnten Schnellimbiss - und die Kombination von Kebap-Haus und Richard Strauss hätte einfach nicht so gut auf Dich gepasst... :D


Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

sebastian

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20

Donnerstag, 2. Oktober 2008, 14:29

Eine kleine Anmerkung zu dieser Thematik - keine Werbung im eigentlichen Sinne (ich verdiene ja nichts dabei):
Soeben werden die letzten Teile meiner Liszt-Gesamteinspielung auf youtube gestellt (zu finden unter Liszt auf Youtube ). Zum Kennenlernen der Stücke könnte das eventuell ja interessant sein; aufnahmetechnisch gesehen bewegt sich alles im Rahmen des mir möglichen (6 Aufnahmesitzungen insgesamt gab es, keine Schnitte innerhalb der Videos).
Über Kritik würde ich mich freuen!
Viele Grüße
Bach ist Anfang und Ende aller Musik

ThomasBernhard

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21

Donnerstag, 2. Oktober 2008, 14:44

Hallo Sebastian,

super, vielen Dank! Das werdich mir die nächsten Tage alles anschauen!
Wusste gar nicht, dass man die via crucis auch als Orgel solo spielen kann. Klingt sehr gut beim ersten zappen!

:hello:
Frauen und Kinder zuerst

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