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Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Samstag, 16. August 2008, 20:34

Italienische Oper - War Mozart ein Epigone ?

Welch eine Frage !!!

Wie kann ein angeblicher Mozartfreund so eine Frage überhaupt stellen !!! - Natürlich nicht !!!

Dennoch - im Bereich der italienischen Oper klingt manches nach Mozart - hat aber gelegentlich den Schönheitsfehler VOR Mozart komponiert worden zu sein.....

Leider ist - im Gegensatz zu Mozarts Opern - das meiste von den Spielplänen der Opernhäuser verschwunden - und taucht nur gelegentlich zu besenderen Anlässen, wie Festivals etc wieder aus der Versenkung auf.

Allerdings haben ja auch nur wenige Mozart- Opern vor den Ohren der Nachwelt Gnade gefunden.

Was ist hier Ursache - was Wirkung.

WER hat hier WEN inspiriert ?

mfg aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

der Lullist

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Beiträge: 3 963

Registrierungsdatum: 13. Januar 2005

2

Samstag, 16. August 2008, 22:36

Zitat

Allerdings haben ja auch nur wenige Mozart- Opern vor den Ohren der Nachwelt Gnade gefunden.



Ich denke das hat auch viel damit zu tun, dass das gesamte Gebiet der Opera Seria keinen guten Ruf hat.
Und erst in den letzten Jahren scheint sich dieses Bild grundlegend zu ändern.
Wer diese Form der Oper nicht mag oder versteht, der kann auch nichts mit Mozart in dieser Beziehung anfangen.



Aber auch mit Mozarts eigenen Beurteilungen wäre ich generell vorsichtig.

Denn wenn jemand (Salieri) mehr Erfolg hatte, dann ließ er kein gutes Haar an den betreffenden Personen.
Mozart war ein Neider, der anderen den Erfolg nicht gönnte.


Ich denke Mozart hat erst mit seinem "Idomeneo" wirklich eine eigene Tonsprache entwickelte, alle anderen Opern waren Anlehnungen an die damals sehr erfolgreichen Meister wie Jommelli, Myslevicek, Traetta, de Majo, Gluck (vor den Reformopern) J.Chr. Bach, Piccinni etc

Allerdings hat er diese Meister (meiner Meinung nach) nicht erreicht.
Seine Werke wie z.B. "Mitridate" sind beachtlich, aber z.B. an Jommellis Meisterwerke dieser Gattung reichen sie nicht heran.
Wie denn auch ?
Mozart war gerade 12 Jahre alt....Jommelli ein erfahrener Opernkomponist der in ganz Europa Erfolge feierte.

Leider sind Opern anderer Komponisten dieser Zeit so gut wie unbekannt, was einen Vergleich erschwert - aber wenn ich allein an das Finale von Jommellis Fetonte denke - soetwas sucht man in Mozarts italienischen Opern vergeblich.


Allerdings denke ich, dass Mozart den ganz normalen Weg eines Künstlers beschritten hat.
Er ahmte die großen Vorbilder nach, befreite sich aber schließlich davon und entwickelte einen eigenen unverkennbaren Stil.


aber man sollte es in jedem Fall riskieren mal eine Oper dieser Zeit zu hören, die eben nicht von Mozart ist.
Und die erste Wahl muss diese sein, sowohl von musikalischer Seite her, als auch von der Interpretation:

[jpc]9259247 [/jpc]
Jommelli: Armida abbandonata Opera Seria in 3 atti (1770)
Les Talens Lyriques / Rousset

oper337

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Beiträge: 2 474

Registrierungsdatum: 29. Februar 2008

3

Sonntag, 17. August 2008, 09:01

RE: Italienische Oper - War Mozart ein Epigone ?

Lieber Alfred!

Ich denke hier war eine gegenseitige Inspiration am Werk.

Italien war ja damals das Land der Oper und es ist wirklich schade, dass andere Werke von Lebensgefährten oder Vorgänger Mozarts wenig gespielt werden.

Ein Beispiel wäre Leopold Mozart. Er hatte auch eigene Ideen. Ich kann mich erinnern, als ich noch Solo-Sopran bei den Sängerknaben war, haben wir zu Ostern 1960, die Missa Solemnis in C-Dur, gesungen, ich im Sopran Solo, und die hatte einen eigen Stil, nur wurde sie bis 1960 Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben.

Bei Haydn, sowohl Michael als auch Joseph, wäre es interessant mehr zu wissen.

Eine gegenseitige "Befruchtung" war hier bestimmt vorhanden.

Liebe Grüße Peter. :hello: :hello:

Ulli

Erleuchteter

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Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

4

Sonntag, 17. August 2008, 22:21

RE: Italienische Oper - War Mozart ein Epigone ?

Im positiven Wortsinn [Epigone = Nachfahre, Nachfolger] war er das natürlich, wie jeder andere Komponist ebenfalls. Das Nacheifern ist ja zunächst auch notwendig, um das Fach zu erlernen und um es später als Sprungbrett zu verwenden. Und natürlich ist es m. E. höchste Kunst, einen Komponistenstil annähernd 100%ig zu treffen, wie Mozart dies tat.

Bei seinen frühen Bühnenwerken [Ascanio in Alba, Lucio Silla, Mitridate...] merkt man sehr deutlich den Einfluss der von Mozart geschätzten Komponisten Niccolo Jommelli, Joseph Mysliwecek und Johann Christian Bach. Aber ein Künstler wäre kein Künstler, wenn er nicht Eigenes schaffen wollte.

Und das tat Mozart, wie Matthias bereits anmerkte, spätestens ab seinem Idomeneo - einerseits ein Höhepunkt der Opera Seria, die sich bereits auf dem absteigenden Ast befand, andererseits ist soviel Neues darin, was den Weg für die großen Opern bereitete.

Selbst bei den drei Da-Ponte-Opern könnte man eine Art Epigonentum unterstellen, nämlich indem Mozart mit seinem Konkurrenten Martín y Soler wetteiferte. Die beiden Konkurrenten bombten sich quasi gegenseitig auf höchstem Niveau aus dem Weg.

LG
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)